Vermutlich nicht Arrhenia cf. retiruga - aber was dann? → Cotylidia carpatica

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 794 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kruenta.

  • N'abend, am Waldrand auf Magerweide, zwischen Moos und Risspilzen (vmtl. I. geophylla) ist mir dieser bräunliche Seitling begegnet. Weder Leisten noch Lamellen zu erkennen, evtl. ja noch zu jung. Hut einseitig, klar zoniert in Brauntönen bis weißlich, 3 bis 6 m breit. Stiel schlank, etwa 10 mm lang.



    Auflicht, auffällige Zystiden, oben, unten und am Stiel

    KR

    die eine Spore hier könnte dazugehören, das wäre dann ~4*2 µm, Basidien mit Sporen habe ich nicht gesehen. Hyphen gelegentlich septiert, Schnallen habe ich nicht gesehen

    das sind Fremdsporen, die zu der Inocybe gehören sollten


    nach meinem Verständnis ist das der Hutrand


    Der Vergleich mit Pablos Portrait von A. retiruga (Arrhenia retiruga (Bull.) Redhead) zeigt, dass es der nicht ist, auch die dort genannten Verwechslungsarten scheinen mir unpassend. Also keine Ahnung.

    Vielleicht hat ja jemand eine Idee und kann weiterhelfen?

    Danke schon mal für's Anschauen.


    LG, Bernd

  • Hallo Raphael, hallo Anna, vielen Dank für Eure Vorschläge,


    Muscinupta laevis scheint mir eher nicht zu passen, der wird als weiß angegeben und mit viel kleineren, schlankeren Zystiden gezeigt.


    Annas Vorschlag Cotylia erscheint mir aber sehr vielversprechend, eine tschechische Arbeit von 2013 listet 3 Arten für CZ, darunter C. muscigena, mit dünnen, einseitigen-spatelförmigen FrK. Den Rest vom Beleg schaue ich mir morgen noch mal an, ob ich nicht doch noch Basidien mit Sporen finde. Und dann waren vor Ort ja 5 FrK, wo ich die restlichen 4 weiter beobachten kann.


    LG, Bernd

  • Hallo Harald, C. undulata sieht schon sehr ähnlich aus. Aber bei dem heißt es, er ist trichterförmig. Und alle Bilder, die ich gefunden habe, einschließlich Deiner, zeigen genau das - trichterförmige Pilze mit einem mehr oder weniger zentralen Stiel. Bei mir sind aber alle 5 Exemplare einseitig, fächer- bzw. spatelförmig und bilden bestenfalls einen halben Trichter.


    LG, Bernd

  • kruenta

    Hat den Titel des Themas von „Vermutlich nicht Arrhenia cf. retiruga - aber was dann?“ zu „Vermutlich nicht Arrhenia cf. retiruga - aber was dann? → Cotylidia carpatica“ geändert.
  • Hallo allerseits,


    eine chinesische Arbeit von 2025 (Ma et al. "Neocotylidia gen. nov. [...]") enthält einen Schlüssel, der auch die für Europa relevanten Arten enthält. Die tschechische Arbeit schlüsselt ja nur 3 Arten. Pilze-Deutschland hat zudem nach carpatica und (den Geist) marsicana. Nach diesem chin. Schlüssel kommt man mit Sporen kürzer als 5 µm unschwer zu C. carpatica. Der Pilz wird ausführlich in einer Arbeit aus Quebec von 2008 vorgestellt (alle genannten Artikel sind frei zugänglich und leicht zu finden). Also die einzelne Spore von gestern war schon richtig, ein neuer Beleg von heute hat deutlich mehr davon.


    Weitere Bilder von vor Ort, es sind mehr als nur die 5 Stück, aber alles im 20 cm Umkreis - danach ist Schluss.

    ganz jung

    fast ein vollständiger Hut

    vmtl. etwas älter


    noch Bilder von dem gestrigen Beleg, Melzers, Hyphen gelegentlich verzweigt, meist unmittelbar neben einer Septe

    die Basidien, Basidiolen sind ziemlich klein, so 12*3 µm, hier mit Sterigmen und mMn gerade beginnenden Sporen, soweit erkennbar 4-sporig

    KOH 3%


    neuer Beleg von heute, die Sporen so 4,5*2 µm

    Zystiden mit Belag



    Damit wäre dieser Pilz geklärt. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben, besonders an Anna für die richtigen Wegweiser.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich würde hier aber dringend dazu raten, auch einen Sporenabwurf zu machen und dort die Sporen zu vermessen. Die Sporengrößen der beiden in Frage kommenden Arten sind ja nicht so wahnsinnig unterschiedlich und gerade wenn man nur im Präparat schwimmende Sporen untersucht, kann man durchaus auch unreife und damit zu kleine Sporen erwischt haben.


    Björn

  • Hallo Björn, es ist ja nicht nur die Sporengröße. Bei muscigena sollten die Fruchtkörper überwiegend aufgefasert sein. Bei carpatica nicht. Wobei meine Kollektion nicht ganz so glatte Ränder hat, wie die von Björn Wegner in Pilze-Deutschland. Undulata wäre trichterförmig mit zentralem Stiel, die kommt nicht in Frage. Die Höhe der Stiele wird bei muscigena bis 0,8 cm genannt. Ist bei mir mehr, aber nicht signifikant. Hinsichtlich der Sporengröße weichen die Beschreibungen in den genannten Papers auch etwas voneinander ab. Die ohnehin nur auf kleinen Kollektionen basieren.


    LG, Bernd

  • N'abend miteinander,


    da diese Pilzlein erstaunlich langlebig sind - nicht nur der Bestand an sich, sondern tatsächlich die konkreten Pilze, habe ich gestern doch noch 2 ältere Exemplare eingesteckt und zum Absporen ausgelegt. Wider Erwarten mit gutem Ergebnis. Zunächst die Fotos von vor Ort, wenn man sich auf die entsprechend aussehenden Exemplare beschränkt, dann könnte die Beschreibung mit den radial gespaltenen Hüten von muscigena sogar zutreffen.

    von unten, das Exemplar aus Bild 1, hat einen 12 mm langen Stiel

    Und die Sporen, (3,5)...4,5-5...(6) µm lang und damit schon zu carpatica passend. Die Ausreißer mit 6 µm länge sind sehr selten, hier auf dem Bild ist die große Spore rechts oben 5,5 µm lang. Wie auch schon im Präparat neigen die Sporen dazu, sich zusammenzuclustern. Mit diesen Sporen aus dem Abwurf sollte nun die Bestimmung (nach aktuellem Stand) einwandfrei sein.


    LG, Bernd