Zwei alpine Ausflüge

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  • Hallo zusammen


    Die letzten Tage war ich noch zweimal in den Bergen. Die Ergebnisse sind mal wieder Inocybe-lastig, weshalb auch hier wieder Ditte hilfreich wäre.


    Die folgenden stammen aus der Gegend um den Col des Gentianes, ein Kalkgebiet zwischen 2450 und 2700m, bei Salix retusa, herbacea und reticulata.


    1:

    Ein hübscher Schleierling mit gelbem Velum, was im Foto schlecht zur Geltung kommt. Da gibt es alpin nur wenig Auswahl.

    Vermutlich ist es der "stinknormale" Cortinarius saniosus.

    Allerdings ist die Unterscheidung von C. subsaniosus und C. saniosopygmaeus schwierig, geht also in die Sequenzierung.


    Im Schnittbild sieht man die Farben besser.


    Sporen grobwarzig und schwach dextrinoid.



    2:

    Ein büschelig wachsender Rötling, den ich nicht bestimmen konnte.


    Sporen subisodiametrisch mit recht deutlichen Ecken.


    Lamellentrama aus recht kurzen Elementen. Basidien 4-sporig, mit Schnallen. Keine Zystiden.


    HDS ähnlich wie bei subgen. Cyanula mit rein intrazellulärem Pigment, Übergang zu einem Trichoderm.


    Schnallen gibt es überall, hier im Huttrama.


    Keine Ahnung was das ist - ich warte mal auf Fungi europaei 5C.



    3:

    Ein Risspilz aus der lacera-Gruppe. Vielleicht ist es einfach Inocybe helobia.

    Allerdings passt mir das makroskopische Erscheinungsbild und die Zystidenform nicht.


    Sporen deutlich laceroid-wellig, 11.0-12.7-15.2 x 5.9-6.5-7.6 µm, Q = 1.66-1.95-2.38


    Cheilozystiden auffallend oft papilliert, 39-68 x 15-29 µm


    Pleurozystiden ähnlich


    Kaulozystiden nur am obersten Apex vorhanden.



    4:

    Eine recht dunkle Mallocybe.


    Wiedermal mit gelbem Fleisch in der Stielbasis. Damit kommt man wieder auf substraminipes. Ich würde aber wetten, dass sie es nicht ist.


    Sporen: 7.9-9.1-10.2 µm x 4.8-5.3-6.2 µm, Q = 1.51-1.71-1.92


    Cheilozystiden spärlich und schwer zu finden, keulig, 15-25 x 6-11 µm.



    5:

    EIne kleine Telamonia zwischen Salix herbacea. Vielleicht Cortinarius inops? Vermutlich nicht, aber ich finde nichts besseres.


    Sporen deutlich warzig, 7.6-8.6-10.3 x 4.9-5.4-6.5 µm, Q = 1.44-1.60-1.80, nicht dextrinoid.


    Marginalzellen auffällig und zahlreich, keulig.


    HDS grob inkrustiert, undeutlich duplex.


    Stielhyphen ebenfalls inkrustiert.




    Dann noch zwei Funde vom Gemmipass (Kalk, Salix herbacea):


    6:

    Noch so eine alpine Telamonia, wo jede Bestimmung eine Lotterie ist.

    Ich nenne es jetzt einfach Cortinarius impolitus (= C. desertorum).


    Sporen schwach warzig, 8.1-9.7-10.9 x 5.5-6.1-6.8, Q = 1.37-1.59-1.85


    HDS simplex, inkrustiert.


    Stielhyphen nicht inkrustiert.



    7:

    Diesen Risspilz finde ich spannend. Die reichliche Velipellis im Zentrum scheint mir ungewöhnlich zu sein.

    Könnte das Inocybe tjallingiorum sein?


    Geruch spermatisch.


    Sporen 8.3-8.9-9.5 x 5.2-5.8-6.4 µm, Q = 1.40-1.55-1.77


    Pleurozystiden 45-56 x 15-20 µm


    Cheilozystiden 39-60 x 12-19 µm


    Kaulozystiden am ganzen Stiel reichlich vorhanden.



    LG Raphael

  • Hallo,


    da geht es mir wie Schrumz. Das sind immer tolle Dokumentationen aber mitreden kann ich da nicht.


    VG Jörg

  • Servus Raphael,

    die Telamonie mit dem gelben Velum finde ich interessant! Hast Du dazu genaue Sporenwerte? Da hatte ich letztes Jahr auch eine alpine Kollektion (allerdings von saurem Boden), die ich als T. saniosopygmaeum identifiziert hatte. Allerdings ist die nicht sequenziert. Folgende Notizen hatte ich zum Bestimmungsweg gemacht:
    "Der frisch gelbe Hutsaum und die gebe Stielbefaserung führen zu C. saniosus / aureomarginatus. In Armada et al. 2023 „Champignons de la zone alpine“ finden sich dann mehrere Arten aus der Sektion Saniosi, dem darin enthaltenen Schlüssel nach handelt es sich bei der hier vorgestellten Kollektion um C. saniosopygmaeus. Lediglich die Sporen sind nur bei ganz wenigen extremen Sporen so breit wie dort und wie in der Originalbeschreibung angegeben (bis 7 (7,5) µm), aber die anderen Arten haben noch schmalere Sporen mit Ausnahme von C. subsaniosus, die aber insgesamt kürzere Sporen hat. Konkrete Durchschnittswerte und Angaben zum Sporen-Quotienten könnten weiterhelfen, fehlen aber leider in der Literatur.

    Unterschiede:

    • C. gentilissimus ist eine nordamerikanische Art mit manchmal bläulicher Stielspitze und schmaleren Sporen
    • C. aureovelatus mit ebenso schmalen Sporen wird als Synonym zu C. gentilissimus vermutet
    • C. subsaniosus hat braune bis rötlichbraune Lamellen und kürzere Sporen von 7,5-10 (10,5) µm Länge (wohl unter 10 µm im Schnitt) und wächst normalerweise auf sandigem Boden bei Salix, nicht alpin
    • C. saniosus hat ebenfalls kürzere Sporen, im alpinen Bereich sollte sie weitgehend fehlen (allerdings mit dem Synonym C. chrysomallus nachgewiesen)
    • C. paludosaniosus hat schmalere, schlankere Sporen"

    Gruß Helmut


    pilzforum.eu/attachment/594385/


  • Hallo Helmut


    Hier ein sequenzierter C. saniosopygmaeus zum Vergleich:




    Sporenmasse (je 20 Sporen gemessen):

    C. cf. saniosus oben: 7.4-8.2-8.9 x 5.0-5.7-6.5 µm, Q = 1.28-1.45-1.56

    C. saniosopygmaeus: 8.1-8.9-10.2 x 5.4-5.8-6.3 µm, Q = 1.44-1.54-1.70


    Damit sind die Sporen von meinem saniosopygmaeus deutlich schmaler als bei Armada (dort 6.5-7.0 µm), genau wie du es offenbar beobachtet hast.

    Und umgekehrt hat mein saniosus (wenn es denn einer ist) etwas breitere Sporen als in der FAN8 (dort 5.1-5.5 µm im Schnitt)


    Fazit: Anhand der Sporen scheint die Unterscheidung nicht immer möglich zu sein.

    Ob es andere brauchbare Merkmale gibt, ist noch offen, dazu fehlt es noch an Erfahrung.


    LG Raphael