Hallo in die Runde,
vorgestern Nachmittag bekam ich von Jörg die Nachricht, dass er bei sich zu Hause Volvariella bombycina, den Wolligen Scheidling, gefunden hat. Da man diesen Pilz wirklich nicht alle Tage sieht, habe ich natürlich direkt nachgehakt, wo genau der Fundort ist. Jörg hat mir daraufhin sogar eine Skizze erstellt – an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank dafür, Jörg Hannes2 !
Bei den aktuell hohen Temperaturen stellt sich natürlich immer die Frage, ob ein solcher Fund am nächsten Tag überhaupt noch in gutem Zustand ist. Da ich rund 160 km Hin- & Rückfahrt habe, ist „mal schnell nachschauen“ eher nicht drin. Weil dort aber auch Suillellus mendax (Kurznetziger Hexenröhrling) vorkommt, habe ich mich trotzdem auf den Weg gemacht.
Ich bin bekanntermaßen Frühaufsteher: Also abends alles vorbereitet, um 3 Uhr meinen üblichen Assam-Tee getrunken, noch kurz die E-Mails geprüft und um 3:15 Uhr ging’s los. Nach entspannten 75 Minuten Fahrt war ich am Ziel. Der Fundort selbst ist übrigens fast schon komfortabel – der Pilz steht keine vier Meter vom Parkplatz entfernt. ![]()
Auch wenn die Tage langsam wieder kürzer werden: Ab etwa 4:30 Uhr hat man perfektes Licht zum Pilzesuchen – und vor allem noch angenehme Temperaturen.
Vor Ort gab es dann mehr zu entdecken als erwartet. Nach einem kurzen Abstecher, vor dem Knipsen (knapp 3 Minuten Fußweg) war ich bei den Suillellus mendax, die unter Eichen standen. Einige Exemplare waren noch gerade so in brauchbarem Zustand.
Zur Volvariella bombycina:
Der Standort selbst: Eine größere Pappel mitten in einer kleinen Gruppe aus Birken, Hainbuchen und Ahorn, direkt in einem Wohngebiet.
Volvariella bombycina gilt als thermophil, was bei dem Wetter gut passt. Als Wirte kommen verschiedene Laubbäume infrage – hier war es eine Pappel. Beschrieben wird der Pilz meist am Stamm, teils auch auf Wurzeln. In diesem Fall wuchs er tatsächlich auf einer freiliegenden, verletzten Wurzel, die eine Art Kallus gebildet hatte – dadurch entstand eine kleine Vertiefung, in der der Pilz saß.
Typisch ist natürlich der wollige Hut. Die Volva war zwar gut ausgebildet und tief im Holz verankert, durch die Hitze aber leider bereits eingetrocknet. Normalerweise wäre sie farblich sehr attraktiv – ähnlich wie Hut und Stiel, oft mit dunkleren Punkten. Aber gut: Man kann nicht alles haben.
Besonders auffällig waren der Hutrand und das reichlich vorhandene, dunkelrosa Sporenpulver.
Nebenbei fanden sich auch noch weitere Arten.
Bei Birke eine Art aus der Gruppe der Stinktäublinge:
Unter Hainbuche Lactarius circellatus (Gebänderter Hainbuchen-Milchling) mit den typischen Ringstrukturen am Hut und teilweise grubigem Stiel – für mich ebenfalls ein schöner Fund.
Zurück zu Suillellus mendax:
Diese standen unter Eichen, nur wenige Meter entfernt von Neoboletus erythropus (Flockenstieliger Hexenröhrling):
Altes Exemplar des Neoboletus erythropus:
Charakteristisch für Suillellus mendax sind das feinmaschige, länglich gezogene Netz sowie der für mein Empfinden deutlich rötlichere Stiel im Vergleich zu ähnlichen Arten.
Im Schnittbild zeigen sich die typischen Rottöne, die teilweise auch im Hut angedeutet sind.
Letztlich hat sich der Ausflug also absolut gelohnt: entspannt, ohne Hitze, und gegen 9 Uhr war ich schon wieder zu Hause und konnte, wenn auch deutlich verspätet, ganz normal in den Arbeitstag starten.
Ich hoffe, ihr hattet beim Lesen und Anschauen genauso viel Freude wie ich vor Ort,
viele Grüße
Steffen

