Halluzinogener Giftpilz ohne (nachgewiesenen) Wirkstoff

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  • Hallo zusammen,


    ich fand das richtig interessant, weil ich noch nie davon gehört hatte: ein Pilz, dessen Inhaltsstoffe zu seltsamen Halluzinationen (von kleinen Menschen) führen, wenn er vor Verzehr unzureichend gegart wird.


    Noch interessanter: Es wurde bislang kein Wirkstoff gefunden! Nun wurde das Genom sequenziert und auch da kein Hinweis auf einen bekannten Stoffwechselweg. Bei z.B. Psilocybin ist der Stoffwechselweg hinlänglich bekannt, ebenso bei Ibotensäure.


    Man darf gespannt sein. Die Wissenschaftler müssen im Genom etwas finden. Und dann ist ein neuer Stoffwechselweg bekannt, der möglicherweise auch zu neuen Medikamenten führt. Aber das kann man natürlich noch nicht wirklich abschätzen.


    https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00275514.2026.2670968


    Rätselhafter Steinpilz-Verwandter führt zu Halluzinationen mit winzigen Menschen
    Der Pilz Lanmaoa asiatica beinhaltet eine bisher unbekannte psychoaktive Substanz, die Liliput-Halluzinationen auslöst. Ein Pilzforscher will nun das Mysterium…
    www.derstandard.de


    Beste Grüße


    Oliver

  • Bin zufällig auf einen weiteren Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 22.09.2026 gestoßen, schon faszinierend:


    Diese Pilze lösen Liliput-Halluzinationen aus
    Pilze der Gattung Lanmaoa lösen ungewöhnliche Halluzinationen aus. Forscher aus den USA und Europa untersuchen die biologische Ursache.
    www.sueddeutsche.de


    Zitat

    Für seine Arbeit, die 2021 im Fachblatt Neuroscience and Biobehavioral Reviews erschien, hat er 226 Fälle der Halluzinationen ausgewertet. Sie treten demnach nicht nur nach Pilzkonsum auf, sondern auch bei Schizophrenie, Alkoholabhängigkeit oder dem Verlust des Augenlichts.


    Blom vermutet, dass die Halluzinationen etwas mit Größenkonstanz zu tun haben. Also mit der Fähigkeit des Gehirns, dieselben Objekte trotz unterschiedlicher Entfernung in konstanter Größe wahrzunehmen. Wie dieser Mechanismus aber durch bestimmte Chemikalien in den Pilzen teilweise abgeschaltet werden könnte, sei ein „wahres Rätsel“.

  • Diese Phänomene: Man sieht kleines groß und sieht großes klein, gibt es bei fast allen Halluzinogenen (für LSD ist es nachgewiesen, auch bei Psilocin). Dass man kleine Dinge groß sieht (mir fällt leider nicht der Fachbegriff dafür ein) ist sogar ein Phänomen, dass viele Kinder nachts bei Alpträumen haben, oder kurz nach dem Aufwachen von Alpträumen.


    Grüßle

    Jürgen

  • Hab da mal noch recherchiert: Das Phänomen kleine Dinge groß zu sehen nennt sich Makropsie, und tritt oft bei Kindern auf, die Fieber haben oder Alpträume (fieberinduzierte Alpträume und Tagträume). Ich hatte das, als ich Kind war auch, und hab mich z.B. vor diesem "Weißen Riesen" aus dieser Waschmittelwerbung gefürchtet, und den auch in Fieberträumen gesehen. Ältere Semester hier werden diese Werbung noch kennen;-))


    Grüßle

    Jürgen

  • Das Phänomen Metamorphopsien (Makropsie, Mikropsie) ist bekannt bei dissioziativen Anästhetika wie z.B. Ketamin.

    Wenn Kinder nach einer Ketanest-Narkose aufwachen, berichten sie gelegentlich von Riesenhänden, Gesichtsverzerrungen der Begleitpersonen etc.


    lG, inge

  • Wobei sich das aber wohl laut Blom unterscheidet von den Lilliiput-Halluzinationen


    (Übersetzung des Zitats vom Chromebrowser), davor und danach sind weitere Ausführungen im Artikel

    Zitat

    4.2 . Differenzialdiagnose

    Um lilliputanische Halluzinationen von DMT-induzierten Halluzinationen von „Wesenheiten“ zu unterscheiden, weisen beide Phänomene gemeinsame Merkmale auf, wie die winzige Größe, Beweglichkeit und Farbigkeit der halluzinierten Wesen sowie deren Interaktionsbereitschaft. Letztere wird zwar häufiger nach DMT-Konsum berichtet und steht im Widerspruch zur traditionellen Auffassung, wird aber auch bei lilliputanischen Halluzinationen erwähnt. Wichtiger ist jedoch, dass DMT-induzierte „Wesenheiten“ üblicherweise im Kontext traumähnlicher Zustände oder Panoramahalluzinationen beschrieben werden, während die meisten lilliputanischen Halluzinationen in der realen Umgebung wahrgenommen werden. Letztere Halluzinationen sind zudem von der Mikropsie zu unterscheiden , einer Form der visuellen Verzerrung, die charakteristisch für das Alice-im-Wunderland-Syndrom ist und bei der reale Objekte kleiner erscheinen ( Blom, 2016 ; Gordon, 1918 ). Leroy (1920) vertrat die Ansicht, dass Mikropsie und Liliputanfälle niemals gemeinsam auftreten, obwohl ein solcher Mischfall bereits beschrieben worden war ( Gordon, 1918 ). Dennoch lag Leroy nicht ganz falsch, da Mikropsie nur in 1 % der hier analysierten Fälle erwähnt wurde. Da visuelle Verzerrungen im Allgemeinen nur in 6 % der Fälle auftraten, lässt sich zudem schlussfolgern, dass es kaum Überschneidungen zwischen Liliputanfällen und dem Alice-im-Wunderland-Syndrom gibt . Zwei weitere Phänomene, die von Liliputanfällen zu unterscheiden sind, sind Zoopsie (das Sehen halluzinierter Tiere normaler Größe) und visuelle Insektenhalluzinationen (z. B. „Kokainwanzen“ und „Crankwanzen“, die im Entzugszustand wahrgenommen werden), obwohl beide gelegentlich zusammen mit Liliputanfällen auftreten ( Zucker, 1933 ). Schließlich gibt es noch Berichte über halluzinierte „kleine Männchen“, die nicht visuell wahrgenommen werden, wie sie der deutsche Richter Daniel Paul Schreber (1842–1911) in seinen berühmten Memoiren über seine Nervenkrankheit beschrieb . Er behauptete, sie am Kopf zu spüren und aus Richtung seiner Füße zu hören, aber nie tatsächlich gesehen zu haben ( Katan, 1950 ).

    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0149763421001068?via%3Dihub