Hallo zusammen,
im Rahmen meines kleinen „Besucher-Marathons“, der am Sonnabend endete, war ich mit meinem Besuch unter anderem auch an einer meiner Fundstellen von Pisolithus arhizus, dem Erbsenstreuling.
Vor Ort hat es den ganzen Tag über kräftig geregnet – während unseres sonstigen „Kulturprogramms“ (verschiedene Burgen) war das kein Problem. Für den Besuch der Erbsenstreulinge hingegen schon, vor allem wenn man das Substrat dort kennt: Bereits bei geringer Feuchtigkeit klebt der Boden wie Mörtel an den Schuhen.
Am Nachmittag ließ der Regen schließlich nach, und wir konnten losziehen. Der Boden war wie erwartet schwierig – große, schwere Klumpen an den Wanderschuhen und dazu alles klatschnass.
Der Erbsenstreuling (Pisolithus arhizus) bevorzugt „gestörte“ Böden, also Standorte, an denen der Boden bewegt wurde.
Als Mykorrhizapilz geht er Symbiosen mit Pionierbäumen wie Birke (Betula) und Kiefer (Pinus) ein.
Auch in meinem Nachbarort konnte ich die Art nachweisen. Dort war zuvor ein Straßengraben ausgebaggert worden – genau diese Bodenstörung, zusammen mit vorhandenen Kiefern und Birken, scheint ideale Bedingungen geschaffen zu haben.
Der erste Fund ließ nicht lange auf sich warten. Üblicherweise entdeckt man die Fruchtkörper daran, dass der Boden über ihnen „aufreißt“. Nach dem Starkregen war davon allerdings kaum noch etwas zu sehen – alles war glattgespült. Entsprechend gestaltete sich die Suche deutlich anspruchsvoller.
Die Fruchtkörper befanden sich in optimalem Zustand, noch ohne beginnende Sporenreife. Diese startet im oberen Bereich und schreitet dann nach unten fort. Im reifen Zustand bildet der Erbsenstreuling noch eine Art Stiel aus, der die Sporenmasse anhebt und so die Verbreitung erleichtert.
Interessant ist außerdem, dass diese Art zweimal im Jahr fruktifiziert – im Frühjahr und im Herbst. Das konnte ich inzwischen auch selbst bestätigen.
Habitat mit Kiefern und Birken:
Wo ist der Erbsenstreuling? (Auflösung am Ende):
Funde:
Der größte Fruchtkörper (Schuhgröße 40 zum Vergleich) hatte geputzt 385 Gramm:
Pilze im Idealzustand:
Auflösung Suchbild:
Das „Fangen“ der Erbsenstreulinge (Pisolithus arhizus) ist das eine – das Verarbeiten das andere. Das Material färbt nämlich extrem stark. Kein Wunder also, dass das braune Sporenpulver früher (und auch heute wieder) als Färbemittel genutzt wird.
Zum Glück kann ich die ganze Prozedur bei mir im Waschbecken in der Garage erledigen – da hat man genug Platz zum Hantieren. Zuerst werden die Pilze in warmem Wasser mit etwas Allzweckreiniger gründlich gewaschen, damit wirklich jeder Dreck entfernt wird. Danach gut abspülen und trocknen lassen. Anschließend schneide ich sie in Scheiben und gebe sie zum Trocknen.
Dabei gilt: Jeder noch so kleine Krümel färbt! Auch wenn man beim abschließenden Reinigen meint, alles erwischt zu haben – irgendwo taucht garantiert wieder ein brauner Fleck auf …
Am meisten Spaß macht am Ende ohnehin das Finden.
Wofür verwende ich die getrockneten Pilze? Hauptsächlich pulverisiert als Würze für Soßen – da reicht wirklich eine Messerspitze. Für andere Zwecke nutze ich sie nicht. Da der Vogtländer zu seinen Gerichten bekanntlich gern reichlich Soße („Brieh“) isst, wird das Pulver mit der Zeit auch gut verbraucht.
Um den Erbsenstreuling wird oft ein ziemlicher Wirbel gemacht, als sei er etwas ganz Besonderes. Ja, er hat einen feinen Pilzgeschmack und färbt Soßen schön dunkel – aber das bekommt man mit anderen Pilzen ebenfalls hin, zum Beispiel mit der Flockenstieligen Hexenröhling (Neoboletus erypthropus).
Ich hoffe, ihr hattet etwas Freude beim Lesen und Ansehen,
viele Grüße,
Steffen
