Caeoma allii-ursini agg.

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  • Hallo zusammen,


    hier ein Fund von Caeoma allii-ursini auf Allium ursinum vom 19.4.2026, den wir an der Hoppecke in Beringhausen im Hochsauerlandkreis in NRW gemacht haben. Befallene Pflanzen haben an der Oberseite gelbliche Blattflecken, auf denen man teilweise auch Spermogonien sehen kann. Auf der Blattunterseite finden sich dann Aecien vom Caeoma-Typ mit gelblicher Sporenmasse. Die Sporen sind feinwarzig ornamentiert, rundlich, haben eine farblose Wand und sind inner mit einer hellgelben Masse gefüllt. Caeoma allii-ursini ist ein Aggregat von mehreren Melampsora-Arten, die einen Wirtswechsel zu Pappel bzw. Weide vollziehen und auf Allium morphologisch nicht auf Artebene bestimmt werden können (auf Pappel und Weide ist das dann aber auch alles andere als einfach). Ein weiterer Rost, der auf Allium im Frühjahr seine Aecien bildet ist Puccinia sessilis (mit Wirtswechsel zu Phalaris arundinacea). Hier sind die Aecien aber becherförmig und von einer zerschlitzten Pseudoperidie umgeben.


    Befallene Pflanzen


    Aecien auf der Blattunterseite


    Sporen in Wasser


    Zellen aus der Peridie um die Caeoma-Lager


    Björn

  • Servus Björn,


    danke für das schöne Portrait. Ich würde nur empfehlen, einen anderen Namen zu verwenden. Es gilt ja mittlerweile "one fungus, one name". Die "Gattung" Caeoma ist daher der falsche Name, Melampsora wäre korrekt. Da, wie du ja richtig schreibst, mehrere Arten an Allium im Aecienstadium ununterscheidbar sind, muss man eben einen Aggregatsnamen verwenden, z. B. Melampsora allii-fragilis agg. Dieses Aggregat umfasst dann auch weitere Arten wie Melampsora allii-populina oder Melampsora salicis-albae. Man kann als Aggregatsnamen entweder die häufigste der Arten an Bärlauch verwenden oder den ältesten Namen.


    Mir ist klar, dass früher als Sammelbegriff Caeoma allii-ursini verwendet wurde. Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hi,


    das unterstütze ich! Ich hatte mich zu dem Caeoma-Namen auch schon an anderer Stelle negativ geäußert. Der Caeoma-Name beschreibt ja mehr das Befallsbild als die Pilze/das Aggregat selbst.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • boccaccio

    Hat den Titel des Themas von „Caeoma allii-ursini G. Winter 1884“ zu „Caeoma allii-ursini agg.“ geändert.
  • Hallo zusammen,


    zunächst einmal empfinde ich persönlich die Formulierung "Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden" als sehr stark; das klingt für mich so, als würde der Liebe Gott höchstselbst jedes Mal ein Hundewelpen ertränken, wenn man Caeoma allii-ursini benutzt.


    Nun zur Benamsung des Aggregats. Das ursprünglich als Threadtitel gewählte "Caeoma allii-ursini G. Winter 1884" war sicher ungünstig gewählt. Das ist ja ein wohldefinierter Artname, der damit auch ein Synonym zu genau einer der drei Arten darstellt (ob man überhaupt weiß, zu welcher der drei Arten?). Ich habe den Titel deshalb auf Caeoma allii-ursini agg. geändert. Wenn ich es richtig überblicke, dann legt der Code keine Regeln für die Bezeichnung von Aggregaten oder Artenkomplexen fest, sondern befaßt sich nur mit den Regeln für "echte" Arten. Sprich bei den Aggregaten hat man erstmal Narrenfreiheit. Warum bin ich der Meinung, daß die Caeoma-Bezeichnung hier und auch in anderen Fällen die bessere Wahl ist?


    Zunächst einmal stellt sich die Frage, welchen der drei Melampsora-Namen man für das Aggregat verwenden sollte (und drei ist ja noch eine übersichtliche Zahl, bei Aecidium euphorbiae reden wir direkt über 30-40 Arten). Die von Christoph ins Spiel gebrachte Häufigkeit ist schwierig. Zum einen weiß man in der Praxis ja gar nicht, welche der Arten am häufigsten ist, weil man sie eben nicht unterscheiden kann, zum anderen kann Häufigkeit sich ja auch räumlich und zeitlich verändern. Und Pilze die 2026 in Bayern anders heißen als Pilze 2018 in Sachsen wären für mich ein schwieriges Konzept. Der älteste Name ist da natürlich brauchbarer (lies: Da fällt mir gerade kein gutes Gegenargument ein ;-)).


    Hat man sich für einen der Melampsora-Namen entschieden, sehe ich einen weiteren Nachteil gegenüber dem Caeoma-Namen. In der Praxis zeigt sich ja, daß Menschen schlampig und schluderig sind (wer das nicht glaubt, schaue sich einfach mal diverse Beobachtungen von phytoparasitischen Pilzen bei ObsIdentify und iNaturalist ab). Das heißt, aus Melampsora allii-fragilis agg. würde dann sehr schnell auch mal ein Melampsora allii-fragilis ohne agg., sprich die Fehlerwahrscheinlichkeit nimmt deutlich zu. Außerdem ist es gerade in der Kommunikation mit Leuten, die nicht so tief in der Materia stecken deutlich einfach zu sagen: Das ist ein Aggregat von Arten, die man nicht trennen kann, deshalb kriegt das jetzt einen Caeoma-Namen statt zu kommunizieren, daß es drei Melampsora-Arten gibt, die man nicht trennen kann und das man deshalb ein Aggregat geschaffen hat, das aber den Namen eines der drei Arten geerbt hat.


    Schließlich sehe ich den letzten Punkt, den Stefan aufgebracht hat, nämlich daß Caeoma allii-populina eher das Befallsbild beschreibt, als großen Vorteil. Wenn ich Caeoma-allii-populina lese, habe ich direkt ein eindeutiges Bild von Pilz, Wirt, Stadium und sogar vom Fundort vor Augen. Bei Melampsora allii-fragilis ist das nicht der Fall, da muß ich zusätzlich noch mindestens Wirt und Stadium präzisieren.


    Last but not least: "Das haben wir schon immer so gemacht". Ich weiß, das ist ein schwieriges Argument, aber in der Praxis ist es ja so, daß die Caeoma/Aecidium-Namen in der Phyto-Community wohletabliert sind. So findet man sie im Klenke & Scholler, in Julia Kruses Buch über Phytoparasiten, in der Roten Liste der phytoparasitischen Kleinpilze und auch bei Pilze-Deutschland. All die Leute, die dort involviert sind, werden sich ja ihre Gedanken gemacht haben, warum sie sich für die Caeoma-Namen entscheiden und dort nicht neue Bezeichnungen für die Artenaggregate einführen.


    Björn

    Nachtrag: Es gibt ja auch Aggregate wie Aecidium ranunculi-acris, die Roste aus verschiedenen Gattungen beinhalten ( konkret Uromyces und Puccinia). Da fände ich einen Aggregatsnamen, der nur eine der Gattungen widerspiegelt auch schwierig.

  • Servus Björn,


    vielleicht sollten wir die Diskussion auch auslagern – die Mods könnten einen eigenen Thread daraus machen.

    zunächst einmal empfinde ich persönlich die Formulierung "Diese Parallelnomenklatur soll aber (seit einigen Jahren) nicht mehr verwendet werden" als sehr stark; das klingt für mich so, als würde der Liebe Gott höchstselbst jedes Mal ein Hundewelpen ertränken, wenn man Caeoma allii-ursini benutzt.

    Unabhängig davon, ob man an Gott glaubt oder nicht... aber doch keine Hundewelpen!!!???!!! Die Formulierung ist gar nicht so stark gemeint. Mir ging es nur um den Nomenklaturcode. Und da geht es eben darum, welche wissenschaftlichen Bezeichnungen Vorrang haben und welche nicht mehr verwendet werden sollen ("dürfen" wäre hart ausgedrückt, ich schrieb aber deshalb auch nur "sollen"). Beispiel: Hauptfruchtform hieß früher z. B. Hypocrea rufa, die Nebenfruchtform war Trichoderma viride. Diese Doppelnomenklatur war allgemein üblich. Jetzt soll der Gattungsname Hypocrea nicht mehr verwendet werden, weil Trichoderma älter ist. Vorher hatte laut Code die Hauptfruchtform immer Priorität. Der Code legt also fest, wie welche Namen gebraucht werden sollen.


    Hier geht es allerdings um ein Aggregat, da hast du natürlich recht. Schaue ich aber den Gattungsnamen Caeoma in der MycoBank näher an, erfahre ich, dass der Typus der Gattung Caeoma berberidis ist. Daher ist Caeoma ein Synonym der Gattung Puccinia. Diese Roste an Bärlauch sind aber keine Puccinien, sondern Melampsoren, eingedeutscht verpluralt.


    Schaue ich unter Caeoma allii-ursini nach – https://www.mycobank.org/details/708/117544 –, dann steht zumindest in der MycoBank Caeoma allii-ursini (DC.) G. Winter (?), also unklar, ob das so überhaupt korrekt sei. Als heterotypisches Synonym, aber "current name" wird hier Aecidium allii-ursini Pers., Synopsis methodica fungorum: 210 (1801), genannt. Die Gattung Aecidium wiederum ist ein Synonym von Puccinia.


    Unabhängig von den Gepflogenheiten der Phytofreundinnen und -freunde, finde ich es wissenschaftlich korrekt, möglichst dem Nomenklaturregeln zu folgen. Jetzt dürfte nicht klar sein, was "Caeomia allii-ursini s.str." ist, als Aggregatsname hat es aber so Tradition. Verwirrend ist es dennoch, wenn man so das Ganz eigentlich in die Gattung Puccinia stellt, denn dass das keine Puccinia ist, sollte klar sein.


    Immerhin ist das Aggregat klein, die Gattungszuordnung ist klar (Melampsora) und man kann schauen, was der älteste Name innerhalb des Aggregats ist. Bei mir sträuben sich etwas die Nackenhaare, eine Melampsora der Gattung Puccinia zuzuordnen (über ein Synonym der Gattung), um Tradition zu wahren.


    Ich habe nachegschaut, alle Arten des Aggregats wurden von Klebhahn beschrieben: Klebahn, H. 1902. Kulturversuche mit Rostpilzen. X. Bericht. Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten. 12:17-44

    Und alle auf S. 25. Man könnte also den ersten der drei Namen verwenden.


    Das Argument der Schlampigkeit/Schludrigkeit kann ich wiederum gut nachvollziehen. Aber das betrifft eigentlich alle Aggregate, auch da, wo Bestimmung nicht so schwierig ist. Was wurde alles als Armillaria mellea kartiert? Dabei ist bei mir Armillaria mellea extrem selten (zu kalt hier, ich habe sie bei mir noch nie gesehen, nur in tieferen Lagen). Man trennt dann die Karten zwischen Armillaria mellea s.str. und Armillaria mellea agg. Bei diesen Melampsora-Arten ist es eigentlich sogar einfach, das zu entscheiden. Wird als Wirt Allium ursinum eingegeben, ist es immer das Aggregat, es sei denn, man schriebt explizit dazu, dass sequenziert wurde. Das lässt sich also problemlos beheben. Analog die Mehltaue auf Gräsern: Blumeria graminis agg. – da wird ja auch kein anderer Aggregatsname eingeführt, um zu verhindern, dass s. str. und s. l. verwechselt werden. Zum Glück kann man hier zumindest teilweise anhand des Wirts dann sogar eine Kleinart zuweisen. Aber eben nicht bei allen Wirten. Man müsste dann eigentlich bei allen solchen Aggregaten eine Alternativnomenklatur einführen. Statt Blumeria garminis hier also Erysiphe graminis agg, uim klarzustellen, dass nicht Blumeria graminis s.str. gemeint ist, obwohl es ja gar keine Erysiphe ist (DeCadnolle hat die "Art" aber als Erysiphe beschrieben und meinte damals einfach Mehltau an Gras. Das wäre aber m.E. sehr verwirrend. Warum dann in diesem einen Fall, bei anderena ber nicht? Weil es Tradition ist und sich die, die es machen, was dabei denken? Das ist alles unbestritten, muss aber nicht in sich logisch sein. Wie du selber schreibst, ist das ein schwaches Argument.


    Aggregate, die Vertreter mehrerer (zwei) Gattungen beinhalten, ist natürlich noch schwieriger. Da bleibt vermutlich nichts anderes übrig, als einen Kunstnamen für das Aggregat zu schaffen. Ich würde da dann aber weniger einen scheinbar nomenklaturkompatiblem Namen wählen, sondern deskriptiv "Aecidium-Stadium an..." statt "Aecidium ranunculi-acris" wählen, denn letzteres suggeriert, dass es die Puccinia ist und nicht der Uromyces, wenn man Aecidium in der Mycobank nachschlägt. Und letzten Endes ist dieses "Aggregat" ja auch nichts anderes als eben genau das: verschiedene Arten aus zwei Gattungen, die eben genau dieses Stadium an den Blättern des Scharfen Hahnenfußes bilden.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo, und hey wow, was dieser Beitrag von Björn hier auslöst...

    Also ich habe erstmal die Vorstellung des Pilzes (ich werde absolut vermeiden hier wissenschaftliche Namen zu verwenden ;) ) sehr gern gelesen, weil es Anreiz zur Nachsuche gibt.

    das klingt für mich so, als würde der Liebe Gott höchstselbst jedes Mal ein Hundewelpen ertränken, wenn man Caeoma allii-ursini benutzt.

    finde ich witzig diese Formulierung ,auch hart frontiert, aber ja, prima Trigger.

    Wehe, hier werden Welpen gequält, ich warne Euch! :evil:


    Ihr bringt beide gute Argumente, mir persönlich ( die ja mit Nomenklatur nischt am Hut hat) ist beides schlüssig. Ich würde unter beiden Namen wahrscheinlich den Pilz euch hier im Forum, sollte ich ihn finden, nachsuchen können.


    In dieser Vorstellung vom Thema abschweifend. Ihr könnt Euch, glaube ich da schwer einig werden, ist es ein MUSS, SOLL , UND SO IST ES RICHTIG ?

    Was ist denn der gültige Name nun dazu?

    Ich weiß mein Text hierzu ist nicht hilfeführend, aber ich seh es nicht gern wenn zwei Profis sich so streiten wegen einer (simplen) Nomenklatur.


    Dass die Texte immer länger werden zeigt mir dass euch das Thema am Herzen liegt - PN vielleicht unter euch?


    Streitschlichtende Grüße

    Hilmi

    Liebe Grüße aus dem Vogtland

    die Schwarzhex

    :gwinken: Sandra

    (PC 100 - 10 (fürs APR 2020) = 90 - 15 (APR 21) = 75-10 (APR22) = 65 + 7 (APR 22 Auflösung) - 5 (Rätsel-Gedicht)= 67 - 10 (APR 23) = 57 + 5 Gnanzierung = 62 - 10 (Ast-Wette gegen Björn) = 52 - 10 (APR 24)- 1 (legaler Bestechungsversuch im Vorfeld des APR zugunsten GI)= 41 + 21 (Thorwulf Spende)= 62 + 38 (Hannes2 Spende) = 100 PC :gbravo: + 3 Gnolmengastfreundlich = 103-15 (APR 25) = 88+ 1 Nannettenrätsel=89 + 3 Jammerei auf hohem SchwarzhexxNiveau = 92+ 3 (Platz 20 APR25)=95

  • Servus Hilmi,


    du brauchst gar keinen Streit zu schlichten, weil gar kein Streit existiert – jedenfalls definitiv nicht von meiner Seite. Wir tauschen nur Argumente aus. Ich sage ja nicht, dass Björn oder andere Phytofreundinnen und -freunde irgendwas nicht dürfen ;-).


    Liebe Grüße,

    Christoph