Pilze im Heu

Es gibt 29 Antworten in diesem Thema, welches 1.141 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Stefan.k.

  • Servus beinand,


    das hier dürfte interessant sein:


    https://uknowledge.uky.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=6463&context=igc


    (Hume et al. 2024 – A Global Perspective of Epichloë Endophyte Toxicity in Sown Pastures. doi.org/10.57935/AGR.26352481)


    Ein Zitat aus der Schlussfolgerung am Ende des Beitrags:


    "The widespread prevalence of common-toxic strains of Epichloë fungal endophytes in ryegrasses and tall fescue in USA, Australia and New Zealand, has resulted in significant agronomic benefits for infected cultivars but also productivity losses for livestock as well as significant animal welfare issues. Although sporadic, the global occurrence of livestock toxicity demonstrates the potential for endophyte toxicity to occur world-wide."


    Die mir wichtig erscheinenden Punkte habe ich fett hervorgehoben. Interessant ist die toxische Wirkung auf Insekten, die den betroffenen Gräsern sogar helfen, nicht befallen zu werden. Der Ökonomische Verlust in den USA in Bezug auf die Rinderhaltung wird auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Es lohnt sich, das Kapitel über Ryegrass (Lolium spp.) durchzulesen.


    Diese Arten können(!) oder besser könnten vielleicht giftig wirken für Pferde.

    Hm, diese Aussage ist m.E. genauso valide wie "Amanita phalloides kann(!) oder besser könnte giftig wirken auf Menschen.". Klingt schräg, einem Giftpilz die Giftigkeit insofern absprechen zu wollen, dass er nur vielleicht giftig sein könnte. Oder hast du, Peter, einen Beleg für deine Spekulation, dass Epichloe nur giftig sein kann, aber nicht immer Toxine ausbildet? Oder ist das reine Spekulation?


    Die Alkaloide sind bekannt, Todesfälle/Erkrankungen von Weidetieren aus anderen Ländern sind bekannt, die Giftwirkung auf Vertebraten (und Insekten) ist bekannt. Was unklar ist: welche Menge ist nötig, um eine akute Vergiftung am Pferd auszulösen. Die Toxizität an sich anzweifeln ist entgegen der Faktenlage. Die Dosis, die hier aufgenommen worden wäre, als toxisch anzuzweifeln ist m.M.n. aber völlig legitim, da es da keine genauen Zahlen zur LD50 gibt (bzw. ich sie nicht kenne). Darauf lief die Diskussion hier ja eigentlich hinaus und nicht auf das Anzweifeln der Toxizität an sich.


    Dir sind die Pilze im Heu nun aufgefallen. Vielleicht sind sie zum ersten Mal drin, vielleicht unbemerkt schon immer.

    Möglich, aber reine Spekulation.


    Ich empfehle, sich auf die Publikationen zum Thema zu beziehen anstatt Spekulationen in die Welt zu setzen. Die Wissenschaftler, die sich seit vielen Jahren mit Endophyten in Gräsern und Epichloe im Speziellen beschäftigen (wie z. B. Hume) sind für mich bessere und vor allem seriöse Quellen.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • deshalb möchte ich unbedingt wissen um was es sich genau handelt und ob es gefährlich sein könnte.

    Servus Stefan,


    wie der andere Stefan schon schrieb: die Bestimmung als Epichloe ist sicher. Die Giftigkeit ist bekannt und es sind eben nicht nur Einzelfälle (wenn man es global betrachtet, siehe den Beitrag, den ich einen Beitrag weiter oben verlinkt habe). Wie ich ganz oben schon schrieb, bezieht sich das vor allem auf Nordamerika (aber eben auchauf Südamerika und Neuseeland – untersucht wird das dort, wo Weideviehhaltung ein wichtiger Wirtschaftszweig ist). Deshalb hatte ich auch oben vorsichtig formuliert, weil der Bezug auf Deutschland nicht ganz so klar ist (abgesehen von der Produktion der Toxine an sich). Was sich aus den Papern auch herauslesen lässt: offenbar geht mit wärmeren Sommern ein stärkerer Befall mit Epichloe einher (Thema Klimawandel) und damit auch ein größeres Risiko für Weidetiere.


    Liebe Grüße,

    Christoph.

  • Hallo Christoph,


    das 2024 paper von DE Hume habe ich gelesen. Einen wissenschaftlichen Beitrag sehe ich da nicht, ist wohl eher als Übersichtsartikel gedacht. Gut, die muss es auch geben. Zudem haben sie den Vorteil, meist viel häufiger zitiert zu werden. Auffallend ist, dass die Einleitung ziemlich genau mit der Conclusion übereinstimmt (nicht wortwörtlich, aber sinngemäß), also ein typischer Zirkelschluss. Mit dem einzigen halbwegs konkreten Beispiel von 100.000 toten Tieren in Australien, dem ich erst mal mit Skepsis begegne. Das sieht doch apriori eher nach Infektionskrankheit aus als nach schlechtem Futter. Oder nach Agrarchemie.

    Interessant, dass UK gesondert neben Europa genannt wird. Das wäre wie "Australien und Tasmanien".


    Einen ordentlichen Artikel zum Wirkmechanismus, Wirkstoff mit reichlich Literatur zum Weiterstörbern hat die englische Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Lolitrem_B

    Dem Trend zur Zitatepickerei folgend, daraus:

    Zitat

    but cases of perennial ryegrass staggers are rare outside of Australia and New Zealand; the reasons for this are unclear



    LG, Bernd

  • Servus Bernd,


    der Beitrag von Hume ist die schriftliche Zusammenfassung eines Vortrags bei einem Symposium und ist letzten Endes ein Review-Artikel. Ich habe den doi-Link mit angegeben, weil man da auch die Präsentation anschauen kann, wenn man mag. Review-Artikel sind wissenschaftlich, wenn sie studierte Quellen nachvollziehbar zusammenfassen. Das ist der Sinn solcher Reviews. Wissenschaftlichkeit ist nicht nur neue Forschung, sondern auch die Zusammenfassung und Sichtung bisheriger Studien.


    Bei einem Review-Artikel ist eine Ähnlichkeit von Einleitung und Schlussfolgerung kein Zirkelschluss, da ja nichts aus der Einleitung geschlossen wird. Die Kritik finde ich da etwas hart. Die Coautorin, Sarah Finch, hat auch Originalpaper (also research papers) zur Thematik verfasst.


    Giftige Endophytenin Gräsern sind übrigens schon lange bekannt. Der Taumellolch wird z. B. von Neotyphodium coenophialum befallen, ebenfalls einer Clavicipitaceae. Hier werden Loline (auch Alkaloide) gebildet (kann man auf Wikipedia nachlesen). Der Taumellolch wurde deshalb als giftiges Grasunkraut bekämpft und ist bei uns ausgestorben: https://www.rote-liste-zentrum…e1-419f-837f-f155b3b262b1


    Dass auch Lolium perenne durch Clavicipitaceae (hier Epichloe) giftig sein kann, sehe ich durch genügend Studien erhärtet. Wie schon oben mehrfach geschrieben: kein Grund für Panik oder Überreaktion.


    Wie auch immer, ich habe, denke ich, genügend Quellen genannt. Aus den Quellen kann jeder seine Meinung selbst bilden. Ich denke mir halt, dass Wissenschafter/-innen, die jahrelang in der Thematik forschen, keinen Blödsinn schreiben. Und würden sie es, gäbe es Gegenartikel anderer Wissenschaftler/-innen.


    So, ich bin jetzt raus aus der Diskussion hier. Da ich keine Grashalme esse, werde ich sicher nicht von den Epichloe-Alkaloiden betroffen sein. Und Landwirt/Viehzüchter/Pferdebesitzer bin ichauch nicht. Ich interessiere mich für die mykologische Seite und die Toxikologie. Und da ist das Thema, vermute ich, ausdiskutiert. ;)


    In diesem Sinne liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo ihr Lieben,

    um welches Gras es sich handelt können wir rein an den trockenen Halmen nicht sicher bestimmen. Wie gesagt wächst was ähnliches an einem kleinen Stück auf unserer Weide, da stehen die Pferde aber nicht drauf und das ist aktuell gepflügt weshalb wir dort auch kein Gras bestimmen können. Der Landwirt wo wir das Heu kaufen kann uns auch nicht sagen wo genau das war da dort natürlich sehr große Flächen existieren. Das ein oder andere Mal hatten wir das im Heu entdeckt aber nicht in so einer Menge. Die Pferde haben einen Tag davon gefressen. Laut unserer Recherche sind nicht alle Endochloe Arten problematisch, es wurden 16 Arten als unproblematisch eingestuft. Wir möchten daher gern bestimmen lassen um welche Art es sich nun handelt. Es werden wohl auch nicht auf allen Gräsern schädliche Stoffe gebildet. Wir werden jetzt mal schauen wo wir was bestimmen lassen können, zum einen die Grasart und zum einen den Endochloe. Bei dem Gras könnte es sich vermutlich um Wiesenlieschgras handeln