Lactarius, Russula und Macrolepiota

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 518 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Corinne.

  • Hallo zusammen,


    anbei drei meiner Funde von vergangener Woche, bei denen ich gerne eure Meinung einholen würde.


    01. Lactarius subdulcis, Süßlicher Buchenmilchling?

    Der Geruch ist markant, ich kann ihn aber nicht wirklich einordnen und die Assoziation zu Blattwanzen hatte ich auch nicht. Dennoch scheint mir hier L. subdulcis am besten zu passen.

    - unter Buche

    - Lamellen jung weißlich, älter fleischfarben-bräunlich; angewachsen, mit Zahn herablaufend

    - Stielbasis weiß-filzig

    - Milch reichlich, wässrig-weiß, mild und unveränderlich

    - Geschmack mild


    02. Russula spec.

    Diesen Fund konnte ich überhaupt nicht einordnen.

    - junge Eichen und Buchen, wenige Meter entfernt eine ältere Kiefer

    - Hut weiß bereift, Huthaut max. bis zur Hälfte abziehbar; feucht schleimig, trocken samtig; trocken viel weniger freudig als auf den Fotos, eher violett-fleischfarben

    - Lamellen alt deutlich gelblich; Schneiden am Rand teils rötlich; scheinen wie deutlich ausgebuchtet angewachsen (das fand ich ziemlich markant und war bei allen Fruchtkörpern zu beobachten)

    - Stiel weiß, bei einem Exemplar rosa überlaufen; alt gekammert hohl

    - Geruch für mich wieder schwer einzuordnen, vielleicht etwas fruchtig

    - Sporenpulver IIIb - IVa

    Eher durch Zufall bin ich jetzt beim Jodoform-Täubling, Russula turci, gelandet. Hier scheint alles zu passen, bis auf die Huthaut, die bei mir nur wenig abziehbar war und eben der Geruch. Deswegen bin ich vermutlich auch beim Schlüsseln immer falsch abgebogen. Frisch hatte ich nicht explizit an der Stielbasis gerochen. Nachdem die Fruchtkörper übers Wochenende nun im Kühlschrank waren, kann ich fast keinen Geruch mehr wahrnehmen. Was meint ihr? :/

    03. Macrolepiota mastoidea, Zitzen-Riesenschirmling

    Hier bin ich mir ziemlich sicher. Die Merkmale passen, leichte Natterung, einfacher Ring und deutlicher Buckel auf dem Hut. Jetzt hab ich aber einen Sporenabwurf gemacht und der ist eindeutig creme-farben und nicht wie in meiner Literatur angegeben weiß. Was sagen da eure Erfahrungen, kann der auch creme-farbenes Sporenpulver haben. Optisch kommt für mich nichts anderes in Frage.


    Vielen Dank und liebe Grüße

    Luca

  • Hallo Luca,


    ich gehe bei deinen Bestimmungen mit.


    Beim Täubling kann man bei der deutlich bereiften Huthaut (-> inkrustierte Primoridalhyphen) von einer milden Art ausgehen. Ich würde allerdings ein Russula turci agg. daraus machen. Meiner Erfahrung nach könnte es sich auch um R.amethystina handeln, da dieser bei mir schon öfters nur schwachen Jodoform-Geruch und IVer Sporenpulver hatte. So einen rosa getönten Stiel hatte ich wiederum noch nicht, aber das kann selten bei allen Täublingen mal vorkommen. Marxmüller zeichnet sogar zwei Fruchtkörper mit rosa larvierten Stiel. Genaueres geht dann aber nur mit Mikroskop. Und scheinbar gibt es noch eine dritte unbeschrieben Art.


    VG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

  • Jetzt hab ich aber einen Sporenabwurf gemacht und der ist eindeutig creme-farben und nicht wie in meiner Literatur angegeben weiß. Was sagen da eure Erfahrungen, kann der auch creme-farbenes Sporenpulver haben. Optisch kommt für mich nichts anderes in Frage.

    Hi Luca,

    ja, in der Gattung scheint die Spp-Farbe variabel zu sein (weiß, creme, rosa und alle Mischfarben). Scheint für alle Arten zu gelten - so schreibt es auch Vellinga, die sich intensiv mit der Gattung beschäftigt hat.


    Die Buchschreiber schreiben alle voneinander ab, und irgendwann hat mal jemand Macrolepiota zu den Weißsporern gestellt...


    Gruß,


    Wolfgang

  • Hallo zusammen,


    der Täubling war völlig mild, das hab ich total vergessen zu schreiben.


    Von R. amethystina hatte ich auch gelesen. In Winkler - Pilze Mitteleuropas, wird der allein durch die Höhenlage abgegrenzt. Das ist vermutlich stark vereinfacht. Ich freue mich, dann aber doch zumindest beim richtigen Aggregat gelandet zu sein. Vielen Dank für die ausführliche Antwort Thiemo. Der Stiel war tatsächlich nur bei einem Stiel rosa angelaufen. Bei den restlichen 5-6 Exemplaren weiß.


    Hi Wolfgang,


    vielen Dank für die Aufklärung. Dann passt das ja auch.


    Liebe Grüße

    Luca

  • Lieber Thiemo


    Danke herzlich für deinem hilfreichen Ratschlag. Darf ich in dem Fall daraus schliessen, dass man bei einer makroskopisch ersichtlichen bereiften Huthaut davon ausgehen kann, dass die Primoridalhyphen inkrustiert sein müssen?

    (zudem habe ich soeben begriffen, dass alle Arten der Sektion Incrustatula und Subsektionen Inkrustationen aufweisen, die Namensgebung ist somit wieder intelligent festgesetzt worden von Romagnesi)


    Vielen Dank und beste Grüsse

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben. Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.

  • Hallo Corinne,


    Das würde ich schon so sehen. Eine deutlich körnig-bereifte Huthaut ist immer ein starkes Indiz für inkrustierte Primordialhyphen. Und das bedeutet wiederum, dass der Täubling mild schmeckt, da allen Täublinge mit Primordialhyphen jegliche Schärfe fehlt.


    Aber Achtung, der Umkehrschluss funktioniert nicht (nicht-bereifte Hüte schließen keine Inkrustationen aus)!


    VG Thiemo

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  • Lieber Thiemo

    Super. Danke dir herzlich für deine Hilfe.

    Liebe Grüsse

    Corinne

    Hinweis: Mit meinen Beiträgen und Kommentaren kann ich keine Tipps/Empfehlungen zum Verzehr abgeben. Zur Pilzbestimmung für Speisezwecke den Pilzsachverständigen vor Ort konsultieren. Vielen Dank.