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letzter Beitrag von Beorn am

WK-Tagung 13.09.-17.09.2021

  • Hallo zusammen


    Diese Woche durfte ich als Gast an der Schweizer WK-Tagung teilnehmen, die glücklicherweise ganz in meiner Nähe stattfand.

    Die Bedingungen waren suboptimal. Vor der Tagung hatte es mehrere Wochen nicht geregnet.

    Während der Woche regnete es dann immer wieder - genug, damit man nass wurde, aber zu spät, um Pilze hervorzuzaubern.

    Wir brauchten alle Fantasie, um in den letzten schattigen Ecken noch spannende Pilze aufzutreiben. Aber am Abend kam dann doch immer eine stattliche Anzahl zusammen.


    Ich konnte viele wohlbekannte und einige weniger bekannte Arten finden und dokumentieren, ein paar Highlights möchte ich gerne mit euch teilen.

    Das grösste Highlight war allerdings, dass ich die Freude hatte Cortinarius persönlich kennenzulernen.


    Ich habe zwei Exkursionen in alpine Gebiete gemacht, wo ich unter anderem folgendes fand:


    1: Deconica chionophila


    Dieser winzige Pilz parasitiert auf Moos, welches in der Folge abstirbt. Daran erkennt man ihn schon am Standort, sofern man darauf achtet.


    Kleine, breite, teils fast rhomboide Sporen


    Cheilozystiden lageniform




    2: Cortinarius lamoureae


    Diese winzige Telamonia scheint in der Gegend verbreitet zu sein. Uwe kam irgendwann auch mit einer Kollektion zu mir, aus einem anderen Gebiet.


    Mit den braun inkrustierten Hyphen an Hut und Stiel gehört sie in die Sektion Incrustati.


    Die Sporen entsprechen exakt den Massen in der FN.




    3: Clitocybe dryadicola


    Ein kleiner alpiner Trichterling, der nicht zwingend bei Dryas wachsen muss wie man anhand des Namens vermuten könnte.


    Sporen elliptisch und eher breit




    4: Inosperma subhirsutum


    Dieser Risspilz hat (vor allem im Schnitt) einen grünen Stiel. Damit gehört er klar in die Nähe von I. calamistratum.

    Geruch kräftig pelargonienartig.


    Cheilozystiden keulig.


    Sporen recht gross und schlank: 12.1-12.6-13.5 x 6.0-6.7-7.6 µm, Q = 1.66-1.88-2.07




    5: Lyophyllum schulmannii


    Eine "vergessene" Art, die ich im Feld und auch bei der Bestimmung lange für einen Trichterling hielt.

    Es gibt eine Reihe ähnlicher Trichterlinge (C. strigosa u.a.), aber keiner passt so richtig.

    Der Pilz wurde 1969 von Harmaja beschrieben, einige Jahre später kombinierte er ihn zu Lyophyllum um.

    Und zwar stellte er im Nachhinein am Typus die siderophile Granulation fest, die konnte ich auch nachweisen.

    Der stark bittere Geschmack trennt ihn von ähnlichen Arten.


    Auffallend sind die sehr langen, schlanken Sporen.




    Das trockene Wetter zwang uns, viel Zeit in Erlenbrüchen zu verbringen. Entsprechend gab es einige dazu passende Funde:


    6: Naucoria luteolofibrillosa


    Die Art wurde von diversen Teilnehmern gefunden und bestimmt.


    Sporen deutlich warzig und eher breit


    Cheilozystiden zugespitzt




    7: Naucoria submelinoides


    Sporen weniger warzig und etwas schlanker


    Cheilozystiden keulig.




    Und schliesslich noch ein paar weitere Sachen aus verschiedenen Habitaten:


    8: Inocybe soluta


    Naja, zumindest habe ich ihn so bestimmt.

    Habitat: Fichtenstreu auf ca. 1600m.

    Geruch unauffällig.


    Sporen teils deutlich höckerig, teils nur eckig, 6.8-7.6-8.4 x 4.4-5.2-5.8 µm, Q = 1.32-1.48-1.64


    Cheilozystiden nur selten mit Kristallen, 45-65 x 14-18 µm


    Pleurozystiden ähnlich.




    9: Galerina badipes


    Ganz nahe verwandt mit G. marginata. Aber der Ring verschwindet sehr früh und der Stiel wird rasch von unten dunkel.


    Sporen moderat warzig


    Cheilozystiden lageniform




    10: Leucocoprinus caepistipes


    Der wuchs zuoberst auf einem riesigen Haufen von Holzschnitzeln.


    Sporen habe ich nur wenige erwischt, weil ich in Eile war. Hier in Melzer, stark dextrinoid.


    Cheilozystiden in Kongorot.


    Danke an alle, die genug Geduld hatten um bis hier mitzulesen.

    Korrekturen/Anmerkungen wie immer erwünscht.


    Gruss Raphael

  • Hallo Raphael, hallo Alle,

    das war eine grosse Überraschung und Freude, dich Raphael auf der Tagung der wissenschaftlichen Kommision der Schweizer Pilzvereine persönlich kennen zu lernen

    Jetzt noch ein paar Eindrücke von meiner Seite. Ich war zuvor noch nie hochalpin in den Pilzen unterwegs gewesen, das ist schon eine ganz andere Welt. Ich hatte gefühlt jeden Tag 3-5 Perser.

    Gleich am ersten Tag ging es in einen Grünerlen Hang auf ca. 2200m unterhalb vom Furkapass

    Das Pilze suchen in diesen Büschen an extrem steilen Hängen war ein echter Kraftakt.

    Russula alnicola war dort in allen Farbvarianten allgegenwärtig


    Deutlich seltener ist Pluteus alniphilus, ein Art die wohl ausschlieslich hochalpin in diesen Biotopen vorkommt.
    Bei Pilze Deutschland gibts es diese Art noch gar nicht, selbst für die Schweiz ist er nur 8-mal kartiert.

    Die Art zeichnet sich durch ihre extrem eingewachsen-fasrige, striate Huthaut aus.


    Ein Cortinarius darf auch nicht fehlen

    Natürlich gibt es an einem solchen Extremstandort nur kleinere Arten , aber immerhin eine echtes Phlegmacium mit Cortinarius moseri ( alnobetula)


    Ein Klassiker in solchen Habitaten ist Lactarius alpinus , Orange-gelber Gebirgsmilchling
    Diese Art hatte ich schon einmal im Schwarzwald gefunden, in Deutschland ist sie aber generell sehr selten


    Aus einem anderen Gebiet , aber auch auf Grünerle, stammt

    Crepidotus subverricisporus, mit dem schönen deutschen Namen "Engblättriges Rauhspor Stummelfüßchen"


    Am Alpweg stand Entoloma occultipigmentatum , Verborgenpigmentierter Glöckling
    Ludwig schreibt: In Deutschland vom Aussterben bedroht RL1


    Dann noch ein schönes Phlegmacium

    Cortinarius fulvoochrascens aus der Sektion "Riederi"


    So das wars schon.
    Es gab wenig Pilze, aber die, die es hatte waren dafür sehr spannend.

    beste Grüße

    Uwe

  • Hallo Uwe


    Danke für die Ergänzungen!

    Der Pluteus alniphilus war wirklich eine Sensation. Ich muss mich unbedingt auf die Suche nach dem machen...

    Wir hatten übrigens Glück, heute hat es bis auf 1800m kräftig geschneit. Meistens ist danach die alpine Pilzsaison zu Ende.


    Ich bin nun an der mykologischen Studienwoche in Escholzmatt, es sieht hier gar nicht so schlecht aus.


    Im Übrigen habe ich bei den beiden Risspilzen oben noch die Sporenmasse und weitere Infos ergänzt, erst jetzt traue ich mich da noch Ditte zu rufen, in der Hoffnung dass sie meine Bestimmungen überprüft.

    Es folgt dann noch ein separater Beitrag zu einem unklaren Risspilz aus dem Binntal.


    Viele Grüsse

    Raphael

  • Grüß dich, Raphael, also, was die "subhirsutum" angeht..., so sieht die bei mir anders aus und hat im Schnitt deutlich kleinere Sporen. Keine meiner Arten passt, nach dem, was du da zeigst, auf deine Kollektion. Wir haben gerade den Holotyp der subhirsutum ausgeliehen, sobald ich mir den angeschaut habe, weiß ich mehr.

    Bitte legt mir was von deiner Kollektion zu den zu schickenden dazu, ja? Ich möchte mir die gern selbst anschauen.

    Die soluta hat im Schnitt zu große Sporen, die Breite aber stimmt. Im Schnitt müsste die unter 7 µm liegen. Aber vermutlich ist es soluta. Ich weiß nicht, wie viele Sporen du gemessen hast.

    Herzlich, Ditte

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