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letzter Beitrag von Felli am

Hysterangium+Melanogaster

  • Servus,

    Nun habe ich eine Bestimmungsfrage zu Hysterangium.

    Nach welcher Literatur bestimmt Ihr/man so was ?


    Hier in diesem Fall habe ich folgende Merkmale:


    Frkp unter Hainbuche, - 2 cm, rundlich-länglich, weiß/grau, leicht rötend bzw bräunend bei Verletzung.

    Basaler Mycelstrang, nicht umwoben

    Fruchtschicht olive-grün, Kammern länglich, relativ groß, mit gelantinösen Venen durchzogen.

    Sporen zylindrisch, 11-15 x 4-4,5µ. mit ablösender Sporenhaut

    Basidien 4-6-sporig






    Nach dem Schlüssel von E.Söehner kommt man zielstrebig auf H. knappii

    Nur gibts den nicht mehr! Sondern ist nun Syn. zu H.coriaceum


    Im Schlüssel von :

    Michael A. Castellano for the degree of Doctor of Philosophy in Forest Science

    presented on December 12. 1988.

    Title: The Taxonomy of the Genus Hysterangium (Basidiomycotina,

    Hysterangiaceae) with Notes on its Ecoloay.

    sieht das ganz anders aus, da kommt man auf Grund des Peridienaufbaues bei H. affine

    raus.
    Der soll aber nur 2-4-sporige Basidien besitzen:cursing:.


    Somit tendiere ich eher mit H. coriaceum obwohl dieser auch nur 4-sporige Basidien haben soll.




    Da lob ich mir die Melanogaster, da find ich immer die Selben;) nämlich M. broomeianus





    Ich hoffe es kann mir jemand den richtigen Weg zur Hysterangium weisen:/:)


    Grüße

    Felli

  • Hallo Felli,


    ich finde selber ja nie Trüffel und bestimme die entsprechend auch nicht. Wenn ich aber mit Montecchis und Sarasinis Fungi Ipogei d'Europa schlüssele, lande ich bei H. crassum oder H. coriaceum.

    Die erste Schlüsselfrage betrifft die Peridie. Die hat bei dir eindeutig rundlich-polygonale Elemente und besteht nicht nur aus fadenförmigen Elementen. Dann kommt die Frage nach der Sporengröße: Im Mittel größer oder kleiner als 13 µm. Das ist jetzt mit deiner Angabe schwierig zu beurteilen. Sind die Sporen im Mittel kleiner, ist es H. coriaceum, wo die Sporen laut Beschreibung aber nur 9-12 µm messen. Sind sie größer und sind Nadelbäume vorhanden, landet man bei H. crassum mit 12-15 µm. Es gäbe unter Laubbäumen mit H. nephriticum und H. stoloniferum noch zwei Arten, die aber deutlich größere Sporen von 16-19 µm bzw. 17-24 µm haben.


    Björn

  • Hallo Felli,

    bei Hypogäen nehme ich zur Bestimmung immer MONTECCHI/SARASINI (2000), Funghi ipogei d'europa, aus dem A.M.B.-Verlag.

    Dieses Werk spuckt bei deinem Informationsinput folgendes aus:

    - Hysterangium calcareum (hier stimmen nicht nur die Sporenmaße, sondern auch der hellblau-türkisfarbene Ton der Gleba, den man auf deinem ersten Foto deutlich sieht) (vgl. MONTECCHI/SARASINI, S. 550ff.); Alternativkandidat wäre Hysterangium crassum (habe ich selbst schon gefunden) mit sehr ähnlichen Sporen, welches aber typischerweise ein Nadelwaldpilz ist

    - Melanogaster broomeanus (die Abgrenzung zum sehr ähnlichen Melanogaster variegatus läuft über den Q-Wert der Sporen: M. b. 1,8 - 2,1 (Sporen also etwa doppelt so lang wie breit), M. v. 1,3 -1,7 (also weniger als doppelt so lang wie breit))

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Servus Björn,

    Die erste Schlüsselfrage betrifft die Peridie. Die hat bei dir eindeutig rundlich-polygonale Elemente und besteht nicht nur aus fadenförmigen Elementen

    so ist es, nur hab ich keine untermischten, fadenförmigen Elemente im Excipulum gesehen, nur an der Oberfläche liegen bräunliche Fasern auf.



    Hab nun bei einem weiteren Fruchtkörper ( jünger) die Sporen gemessen, es ändert sich fast nichts an der Größe 12-15 x 4-5µ. Die Mittlere Größe passt wie die Faust aufs Auge: 13 x 4,5µ . Das Perispor steht teils bis 2µ ab.


    Nadelbäume (Thuja spec.) waren ca. 10m weg.

    Fruchtkörper wuchsen unter Hainbuche / Hasel. Von dem her würde ich H.crassum ausschliessen. Und die anderen wegen der Sporengröße, so dass eigentlich nur

    H. coriaceum cf ??? übrig bleibt.==zucken


    Grüße

    Felli

  • Servus Öhrling

    Dieses Werk spuckt bei deinem Informationsinput folgendes aus:

    - Hysterangium calcareum

    Dagegen spricht das hier aus dem Artikel:

    Bayerische Hysterangium-Arten.

    Von Ert Soehner (München).


    Mycel flockig, häutig-lappig, gewebeartig, den Boden weithin durchwuchernd; Fruchtkörper über und über mit Mycelteilen behangen;

    zentraler Mycelstrang fehlend; Mycelschopf kann vorhanden sein:

    a) Peridie pseudoparenchymatisch: 12. H. nephriticum Berk. Sp. 15—20 ^ 5—6 [t;

    b) Peridie hyphig-faserig: 13. H. rubricatum Hesse. Sp. (11)12—14(—15) ^ 5—6 \i;

    14. H. calcareum Hesse. Sp. 12—14 ^ 4—6 \i.


    Bei dem Fund hier ist die Peridie pseudoparenchymatisch



    Grüße

    Felli

  • Hallo Bernd,


    Du liegst mit der Bestimmung völlig richtig und es ist ja ein gutes Zeichen, wenn Du selbst mit Schlüsseln von Soehner oder gar Montecchi/Sarasini zum selben Ziel kommst. Ed. Fischer und G. Groß fassen Hysterangium crassum sehr weit und subsummieren darunter das H. crassum auf Kalk unter Fichte wie auch Dein H. coriaceum var. knappii bei Laubbäumen.

    Ich würde das Bestimmungsergebnis mit Autorennamen ablegen, sodass immer klar ist, was genau Du bestimmt hast.


    Gestern ist mir übrigens seit langer Zeit mal wieder ein Hysterangium clathroides mit Befall von Mucor rudolphii (nach Rudolph Hesse benannt) unter die Finger geraten.


    Gruß Gunnar

  • Servus Gunnar,

    Dank dir für die Bestätigung meiner Bestimmung.

    Ich würde das Bestimmungsergebnis mit Autorennamen ablegen, sodass immer klar ist, was genau Du bestimmt hast

    Das werd ich so machen !


    Zur Zeit ist es gerade richtig gut mit den Trüffelartigen, fast bei jeder Exkursion findet man welche.

    Hast du eigentlich Bilder von dem Befall auf H. clathroides?


    Grüße

    Felli

  • Hallo Bernd,


    für ein neues Foto hatte ich keine Lust. Hier eins vom Speicher: Die Sporen von Mucor rudolphii sind riesig und fallen im Mikroskop sofort auf (Vergrößerung im Foto 40x). Die Sporenbildung des Hysterangium wird nicht unterdrückt - zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Mit Ausbildung der Parasitensporen werden die Hysterangium-Fruchtkörper deutlich fester. Man denkt beim ersten Kontakt, eine neue Art in der Hand zu halten. So weit war es bei dem aktuellen Fund noch nicht. Der eine Fruchtkörper, den ich mitgenommen hatte war noch schön elastisch. Erst der Blick ins Mikroskop brachte die Erleuchtung ;-)



    Ansonsten ist es bei uns feucht genug für Pilzwachstum, wenn Süddeutschland "Land unter" meldet. Es "feuchtelt" jetzt immer mal.


    Gruß Gunnar

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