Hainbuchenwälder

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema, welches 1.536 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kruenta.

  • Moin,

    die Arealgrenze der Hainbuche verläuft quer durch Litauen. Ein befreundeter Botaniker macht gerade eine geobotanische Studie zu den Hainbuchenwäldern und lud mich ein mitzukommen. Da die Auftragslage es gerade zulässt ... Heute waren drei Wälder dran, eine kleine Auswahl an Bildern.

    (1) Überwiegend Hainbuche mit einzelnen etwas älteren Eichen, anscheinend Privatwald, parkähnlich aufgeräumt, mit dem Kraut in voller Blüte und dem Bächlein sehr schick


    (1a) Graphis scripta ist an jeder Hainbuche anzutreffen, daneben auch an den wenigen Haseln

    (1b) Pilz an einem Eichast

    (1c) vermutlich Phleogena faginea an Hainbuche, leider nur ganz wenige Pilzlein

    (2) ein Totalreservat in hügeliger Lage, vom Baumbestand sehr vielfältig (Hainbuch bei ca. 10%) und viel Totholz

    (2a) Phellinus robustus und Daedalea quercina

    (2b)

    (2c) Ein Polyporus mit schwarzem Stiel, sehr engen Poren und hellem ockerfarbigen Hut, evtl. P. leptocephalus

    (2d) Trametes gibbosa an toter Hainbuche, die war neu für mich

    (2e) Moosbewuchs

    (2f) welcher Phellinus wächst denn an Ulme?

    (2g) eine Morchel, hier wären Waldmeister und Sauerklee die "Zeigerpflanzen" :D

    (3) gehört zum Staatsforst, ist aber nach dem skandinavischen Konzept "woodland key habitat" von der Bewirtschaftung ausgenommen (ohne jegliches Betretungsverbot), sehr variabel trotz fast flachen Reliefs, von quatschnassen Stellen mit Schwarzerle und Moorbirke bis zu trocken Espenbeständen, Hainbuche auch hier nur mit geringerem Anteil und kaum bei den Altbäumen

    (3a) Zitterpappeln mit den allfälligen Ph. tremulae (im Prinzip an fast jeder älteren Zitterpappel zu finden), der rechte Stamm mit einem interessanten Muster von Bjerkandera adusta, interessant aber vor allem der weiße Porling. Nicht ausschließen kann ich Trametes gibbosa in jung - falls der derzeit in jung sein darf - im Vergleich mit (2d) ist der aber viel dicker und hat nicht ganz so ausgeprägte eckige Poren. Dann gäbe es da noch die Idee Spongipellis spumeus und Spongipellis schulzeri ... (Beleg habe ich mitgenommen)

    (3b) selten hingegen ist Phellinus populicola, an Zitterpappel

    (3c) und welcher Phellinus darf an Hainbuche wachsen?

    LG, Bernd

  • Hi


    Bei den schwarzen Apothezien auf Foto 2b dürfte es sich um Tympanis xylophila handeln. Der wächst immer bei Gallerttränen. Aktuell heisst er wohl Vexillomyces xylophilus. Ich finde den ab und zu, ganz lustiges Pilzchen. Die Sporen zerfallen noch im Ascus in viele kleine Sekundärsporen. Die Dacrymyces habe ich noch nie genauer bestimmt.

  • Hallo Bernd,


    1b ist sicherlich eine Schizopora paradoxa oder radula.

    2g halte ich für Gyromitra gigas, aber es müssten die SPoren überprüft werden. Dein Lörchelchen ist aber sicherlch noch sehr unreif.

    3b/c ist sicherlich auch eine Buckel-Tramete


    Die Phellinusse die Du da zeigst dürften allesamt in den Artenkomplex Phellinus nigricans s.l. und Phellinus igniarius fallen. Ob man die jetzt rein nach dem Substrat den jeweiligen Arten zuordnen kann, weiß ich nicht. Ich glaube ganz so einfach geht's dann doch nicht.


    Schön auch die Schuppenwurz auf Bild 1c, die vermutlich an den Wurzeln der Haselsträucher schmarotzt.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo, danke Euch für die Kommentare.


    Felli die Wälder sind natürlich extra ausgesucht, es macht ja keinen Sinn, die Assoziation eines Kahlschlags zu studieren, wenn man Hainbuchenwälder entlang der Verbreitungsgrenze untersuchen will. Um das Aussuchen im Voraus zu erleichtern gibt es hier Unmengen an öffentlich einsehbaren Daten, z. B. alle Grundstücksgrenzen, Daten ob Entwässerung erfolgte und wenn ja mit Drainage oder nur Gräben, dann die Lebensraumtypen nach FFH (Hainbuchenwald fällt unter 9160, übrigens vergeben auch die Letten 9160, ganz ohne Hainbuchen - die nationalen Interpretationen sind schon sehr verschieden, in Litauen erfolgte diesbezüglich eine landesweite Inventur 2012-2015) - auch wenn das kein absoluter Hinderungsgrund für Kahlschlag ist, dann kann man die Karte der "woodland key habitate" einsehen, wenn diese in staatlichen Wald fallen, ist man schon ziemlich auf der sicheren Seite, dass da nichts gemacht wurde. Dann gibt es eine gesonderte Seite der Waldwirtschaft beim Umweltministerium, da kann man sich für jedes Waldstück die vorherrschende Baumart und deren Alter ansehen. Zudem sind aktuell vergebene Genehmigungen für Kahlschläge und Durchforstungen eingetragen. Man hat also ziemlich gute Karten, um sich geeignete Wälder im Voraus am Bildschirm herauszusuchen. Klar, man findet immer wieder Aussetzer, die Daten sind halt nur so gut wie die Erfassung durch konkrete Personen.


    LG, Bernd