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letzter Beitrag von Erich T am

Allgemeine Frage zu Schleimpilzen

  • Liebe Fachleute,

    ich habe gerade einen Schleimpilz in ARbeit, der sich in einer feuchten Kammer auf Totholz entwickelt hat. Vorläufig sehe ich ihn als Arcyria cinerea an, Bilder folgen noch. Im Lauf der Beschäftigung mit diesem Schleimpilz stieß ich in der Literatur auf Verbreitungsdaten und darin den Hinweis "mehrere Herbarbelege aus Entwicklung in Feuchten Kammern". Vielleicht ist es eine dumme Frage, aber ohne Fragen lernt man nichts. Also: sind mit "Herbarbelegen" mikroskopische Präparate gemeint (was ich vermute), oder auch Trockenpräparate wie sie bei Pilzen üblich sind.

    Ich hoffe die Frage ist nicht zu lächerlich,

    liebe Grüße

    Erich

  • Servus,

    Myxos sind ja salopp gesagt so Zwitterwesen. Drum sprich man ja auch von Mycetozoa (phylum = Stamm) und Myxomyceten (Ordnung) oder Amoebozoa. Schleimpilze sind zu Beginn ihres Lebenszyklus amöboid (vielkernig). In diesem auch plasmoid genannten Zustand können sie sich als sog. Plasmodium fortbewegen. Hier brauchen sie ein feuchtes Milieu. In der nächsten Phase ähneln sie mehr den Pilzen. Jetzt suchen sich die Plasmodien helle und trockene Orte zur Reifung und Sporenbildung aus.
    Das heißt unsere bestimmbaren Myxomyceten sind ohnehin schon zumindest vorgetrocknet. Im Myxo-Kurs bei Lothar Krieglsteiner habe ich gelernt, sie samt Holzstückchen in eine Schachtel zu kleben. Das ist dann der Herbarbeleg, der sich jahrzehntelang halten kann. Solche Schachteln bekommst Du im Internet, wenn du nach "Zündholzschachtel" googelst.
    Liebe Grüße Schorsch

  • Hallo Schorsch,

    das hab ich wirklich noch nicht gehört, klingt aber spannend. Es wundert mich, dass diese fragilen Strukturen nicht zerfallen, indem die Sporen einfach "rausrieseln". Dann bleibt ja nicht mehr viel übrig ausser dem Stiel und Reste des Capillitiums. Ich werde es aber mal versuchen.

    Danke jedenfalls für diese Aufklärung,

    liebe Grüße

    Erich

  • Hallo Erich,

    bei den Herbarbelegen aus Feuchtkammerkulturen handelt es sich wie Schorsch schon schrieb um Trockenbelege. In Feuchtkammerkulturen entwickeln sich die Schleimpilze ja ähnlich wie unter natürlichen Bedingungen zu ausgereiften Fruchtkörpern. Die kann man dann mit einem Stück Substrat (meist Rinde, Holzstückchen oder pflanzlichen Teile) "ernten" und sie in einer am besten Streichholzschachtel (-> s.o.) einkleben. Allerdings sollte man sie vorher gründlich trocknen und eventuell mal ca. 14 Tage im Tiefkühlschrank lagern, damit eventuelle Schädlinge abgetötet werden. So hält sich der Beleg wirklich jahrzehntelang, wenn man den Beleg nicht unnötigen Erschütterungen aussetzt oder ihn stark quetscht. Dann rieseln natürlich die Sporen raus und andere Merkmale (z.B. Capillitium) könnten zerstört werden.

    VG Ulla

  • Hallo Ulla,

    Das werde ich wirklich versuchen, mal sehen ob das gelingt. Gibt es überhaupt noch Streichholzschachteln? Werde mich bei rauchenden Kollegen umhören. Ich finde es schon wert, diese Funde zu bewahren, auch aus Vergleichszwecken mit weiteren Funden.

    Auch dir danke für deb fachlichen Input.


    Liebe Grüße

    Erich

  • Gibt es überhaupt noch Streichholzschachteln?

    Hi,


    ja gibt es; in jedem Supermarkt s.l. Auch als Werbepräsent zum Mitnehmen in Kneipen etc.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Hallo Stefan,

    Gott sei Dank ist noch nicht alles auf moderne technische Geräte (z.B.: Feuerzeug) umgestellt. Das gibt Hoffnung. Man sieht welch weite Kreise solche Dinge ziehen können. Weder Streichholzherstellern, noch -benutzern wird jemals klar gewesen, sein welche Konsequenzen eine totae Umstellung haben könnte. Der Zusammenbruch der Schleimpilzforschung!

    ;)

    Spaß beiseite, danke für deinen Hinweis und liebe Grüße

    Erich

  • Hallo Stefan,

    ich glaube das Ende der Streichholzschachtel ist noch nicht gekommen!

    Man bekommt auch zu Bastelzwecken in entsprechenden Läden oder Internet jungfräuliche Schachteln ohne Aufdruck oder Reibefläche.

    Auch Kerzenfreunde (vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit) sind immer dankbare Geber.

    VG Ulla

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