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letzter Beitrag von kruenta am

ein Pilz und 3 Antworten

  • das halte ich für einen schlechten Ansatz, allein weil nicht alle Pilze nicht überall und nicht in jedem Jahr anzutreffen sind. Und man zur Aufstellung dieser Liste bereits a priori wissen muss, was denn wo vorkommt. (Wie oft hast Du Dir schon die Pilzarten der venezolanischen Tafelberge auf solche Listen geschrieben?) Man wäre hier gezwungen, dorthin zu fahren, wo irgend jemand anders diese Pilze gerade gefunden hat, also etwa nach den Berichten im Forum. Das wäre erstens sehr großer Aufwand und zweitens kann es leicht passieren, dass man die Arten gar nicht findet.

    Hallo Bernd,


    ich verstehe nicht, warum das Problem, dass nicht alle Pilze überall jederzeit zu finden sind und man nach manchen Arten im buchstäblichen Sinne suchen muss (natürlich muss man Pilze SUCHEN, aber gerade dann entsteht ja der Spaß, wenn man sie dann auch findet!), das Vorgehen generell zu einem schlechten Ansatz macht. Was die venezolanischen Tafelberge mit dieser Thematik zu tun haben sollen, auch wenn das eine ironisch gemeinte Übertreibung sein soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Man ist ja frei in der Listung der Arten und kann sich anfangs auf die überall häufigen Arten (bzw. Artaggregate) konzentrieren.


    Nur mal als Beispiel für eine Liste 1: Steinpilz, Marone, Flockenstieliger Hexenröhrling, Birkenpilz, Rotkappe, Goldröhrling, Perlpilz, Grauer Wulstling, Pantherpilz, Fliegenpilz, Gelber Knolli, Grüner Knolli. Sag doch mal, welcher Pilz von denen zu "exotisch" sein soll bzw. für den man zu weit fahren müsste, um ihn innerhalb eines Jahres mal zu Gesicht zu bekommen. Dass man in verschiedene Wälder gehen muss, wenn man mehr Pilze kennen lernen will, ist ja irgendwo eine Selbstverständlichkeit, das weiß jeder erfahrene Pilzsammler. Liste 2 (im nächsten Jahr): Hallimasch, Stockschwämmchen, Gifthäubling, Grünblättriger Schwefelkopf, Rauchblättriger Schwefelkopf, Geflecktblättriger Flämmling, Nebelkappe, Violetter Rötelritterling, Parasol, Safranschirmling, Wiesenchampignon, Karbolchampignon, Rosablättriger Egerlingsschirmling. Auch davon scheint mir noch keine Pilzart so selten zu sein, dass man dafür lange Wege fahren müsste. Vielleicht nicht bei jeder einzelnen Exkursion, aber doch irgendwann im Jahr bekommt man jede dieser Arten zu Gesicht. Mal ganz abgesehen von den Pilzen der Liste 1, die man sich zum Festigen und Vertiefen natürlich weiter anschauen sollte. So, das würde jetzt mal für die ersten beiden Jahre langen. Und vor jemandem, der all die bis hierher genannten Arten sicher auseinander halten kann, kann man schon den Hut ziehen, so weit kommen schon die Wenigsten, wenn man all die in letzter Zeit eingehenden Anfragen in diesem Forum anschaut.


    Liste 3 (für das dritte Jahr) würde dann vielleicht die ganzen Filz- und Schmierröhrlinge enthalten, Liste 4 dann vielleicht die wichtigsten Täublinge, dazu noch die restlichen bekannten Wulstlinge, Liste 5 ein paar Milchlinge, dazu noch die anderen gefährlichen Giftpilze usw. Auch hier sind wir noch nicht bei irgendwelchen exotischen oder schwer auffindbaren Arten, und es sind schon fünf Pilzsuchjahre bzw. Lernjahre abgedeckt. Und man ist meines Erachtens schon nahe am Pilzberaterniveau, da das Wissen aufgrund dieser Lernmethode bleibt und sich nicht wieder verflüchtigt. Also wie gesagt, deine Begründung dafür, dass der Ansatz schlecht sein soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

    4 Mal editiert, zuletzt von Oehrling ()

  • Hallo Oehrling, na weil Du, bevor du anfängst Pilze zu suchen, schon wissen musst, welche Pilze Du häufig antreffen kannst (und in welchen Wäldern die zu erwarten sind). D.h. man ist entweder kein Anfänger oder man bekommt eine Liste von jemandem, der Ahnung hat. Klar, man kann solche Empfehlungen in einem Pilzbuch für Anfänger geben, oder einfach die Pilze nehmen, bei denen im Pilzbuch steht "häufig". Die Idee, gleich zu Anfang solche umfangreichen und selbst makroskopisch äußerst verschiedenen Aggregate wie "Steinpilz" als eine Sammelart einzubeziehen, erscheint mir auch nicht besonders plausibel, aber vermutlich meinst Du nur den Fichten-Steinpilz? Die Hexe habe ich noch nie gesehen, weder als Kind in den Pilzgründen meiner Elten (Harz/Börde/Altmark/Ostelbien), noch hier in Litauen. Es soll sie geben.

    Wenn man stattdessen mit dem Naheliegenden anfängt und einfach charakteristische Pilze der Reihe nach anschaut, dann werden beide Methoden in Bälde kongruieren, falls nämlich Deine Liste den örtlichen Gegebenheiten entspricht - was sie etwa in der Uckermark oder in anderen Gegenden vom Typ Sand+Kiefer+Sand+Kiefer nicht tut.

    Letztlich muss es jeder selbst wissen, wie er/sie an neue Materie herangeht um etwas zu lernen. Du hast eine Empfehlung abgegeben, ich eine andere.


    LG, Bernd

  • Letztlich muss es jeder selbst wissen, wie er/sie an neue Materie herangeht um etwas zu lernen. Du hast eine Empfehlung abgegeben, ich eine andere.

    Sehr gut, auf diese Formel können wir uns verständigen. Das klingt schon viel sachgemäßer und freundlicher als deine ursprüngliche Aussage: "Dein Ansatz ist schlecht". Ich habe ja deinen Ansatz auch nicht mit entsprechenden Adjektiven belegt und werde es auch nicht tun.


    Die Listen, die ich als Beispiele beschrieben habe, passen selbstverständlich nicht auf jeden Waldtyp, und sind auf die in meiner Gegend verbreiteten Waldtypen angepasst. In einem Wald des Typs "Sand, Kiefer, Sand, Kiefer" könnte eine entsprechende Liste 1 beispielsweise so aussehen: Steinpilz, Marone, Butterpilz, Kuhröhrling, Kiefernreizker, Krause Glucke, Pfifferling, Schwarzfaseriger Ritterling, Fliegenpilz, Gelber Knolli, Habichtspilz, Kartoffelbovist. Aber das kann ja dann jeder Pilzinteressierte bzw. Pilzuntersucher selbst entscheiden, was er auf seine Liste setzt.

    Im übrigen kann man jemandem, der sich auf so etwas einlässt um das Pilzschnippler-Level hinter sich zu lassen, schon zutrauen, dass er einigermaßen abschätzen kann, welche Arten häufig sind. Dazu muss man nur, wie du schon sagtest, in ein Einsteiger-Pilzbuch schauen, oder vielleicht auch die Beiträge in diesem Forum regelmäßig verfolgen (welche Pilze werden denn seit Wochen ständig und immer wieder neu angefragt, obwohl sie schon gefühlt fünfzigmal besprochen wurden? das sind doch zum größten Teil die Allerweltsarten).


    Das Argument, letztlich müsse doch jeder selbst wissen, wie er an etwas herangeht, um etwas zu lernen, kenne ich sehr gut, da es mir in dieser Diskussion immer wieder entgegengehalten wird. Dazu möchte ich sagen: nein, das muss man eben nicht. Dafür gibt es Ausbilder, Trainer, Lehrer, Coaches, Mentoren, Lernberater oder wie man die sonst nennen mag, die bereit und fähig sind, einem beim Lernen zu helfen. Diese Leute kennen nicht nur die entsprechenden Wissensinhalte, sie wissen im Idealfall auch, wie effektives Lernen geht.


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Öhrling,

    nach Deiner ersten Replik hatte ich mir meinen Beitrag extra noch Mal angeschaut, aber da steht "das halte ich für einen schlechten Ansatz" - ganz klar eine Meinungsäußerung, die man auch ganz gern auf mein persönliches Lernverhalten beziehen kann. Hätte da gestanden "Dein Ansatz ist schlecht", eine Tatsachenbehauptung, hätte ich sofort um Entschuldigung gebeten. Dieses Missverständnis ist hoffentlich ausgeräumt.

    Natürlich hast Du Recht, dass in den meisten Fällen das Lernen schneller geht, wenn man Leute hat, von denen man lernen kann. Andererseits nimmt einem das Lernen selbst niemand ab, und Übung ist allemal der beste Meister. Um Mal etwas recht stabiles zu nehmen, anstatt in die Einführungsvorlesung Stochastik in der lokalen Uni zu gehen, kann ich mir auch die Kurse vom MIT oder SPBU oder was auch immer als Video reinziehen - Sprachkenntnis vorausgesetzt. Oder wenn mir die Akustik vorbeigeht, einfach passende Bücher. Oder zu Originalarbeiten auf rxiv Servern greifen, wenn es um aktuellere Themen geht. Die übermäßige Verschulung halte ich für kontraproduktiv, entdeckungs- und kreativitätshemmend. Spätestens zum Zeitpunkt einer Promotion im Promotionsstudiengang wird es völlig abartig. Wie soll man denn nachweisen, dass man in der Lage ist, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten, wenn das gar nicht erwartet, ja geradezu verpönt wird?

    Ich halte es mit dieser Liste für ungeeignet anzufangen, weil es einfach zeitlich ineffektiv ist. Man lässt 100 Arten aus, um hinter einer herzuhetzten. Von diesen hundert wird man sicher bei 80 feststellen, dass man nicht weiterkommt, bei 10 kommt man zu einer wahrscheinlichen Gattung und bei weiteren 10 gar zu einer Art (wobei das Konzept der Art auch zu diskutieren wäre) sensu Autor des Einsteigerbuchs, die nach dem aktuellen Standardwerk aber ganz anders heißt und nach aktuellen Papers in 5 Arten aufgeteilt wurde, die man nur mit Sequenzierung (eine Art Black Box und insofern nicht wesentlich anders als eine App, nur mit etwas mehr statistischen Voraussetzungen) identifizieren kann, also gut, sagen wir von den 10 Arten haben wir dann Vorstellungen der Art s.l. Das schafft man an einem Tag. Die Liste abzuarbeiten nicht. Dass dabei auch noch Fehler auftreten können, klar, aber das passiert bei der Liste auch.

    So eine Liste wäre indessen eine gute Sache bei einem Handwerk: also ich zerlege jetzt die Lichtmaschine, dann die Lenkung, wenn die wieder zusammengebaut sind und immer noch laufen, ist das Getriebe dran. Die Baugruppen muss ich aber nicht suchen oder auf günstiges Wetter hoffen.

    Natürlich ist es immer einfach, einen Kursleiter für einen Erkenntnisgewinn verantwortlich zu machen. Ist er aber nicht, ganz ganz weit vorn steht der Wunsch und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Neugierde, Interesse, Entdeckungsfreude ...


    LG, Bernd

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