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letzter Beitrag von Oehrling am

Täublingseskalation

  • Hallo zusammen,


    bei den spontanen Abendspaziergängen mit Hund macht man meist die schönsten Entdeckungen.


    So wollte ich eigentlich nur mal nebenbei nachsehen, was sich die letzten 3 Tage in meinem Hauswald getan hat und ich war erstaunt. Die Saison ging letzte Woche bei uns mit reichlich Steinpilzen langsam los und jetzt gesellen sich Tag für Tag neue Arten hinzu. Ich denke jetzt kann man bei uns von Hauptsaison sprechen. Ohne große Mühe war das Körbchen nach einer halben Stunde voll und ein paar Unbekannte waren glücklicherweise auch dabei!



    Ich beginne mal mit etwas Leichterem:



    Nr. 1

    Vermutung: Rotstieliger Ledertäubling

    Standort: Laubwald, Rotbuche

    Geruch: -

    Geschmack: mild

    Fleisch: ziemlich fest, Stiel gibt etwas nach

    Hut: wirkt etwas bereift

    Lamellen: Schneiden am Hutrand rot, am Stiel gegabelt, ausgebuchtet, sehr spröde

    Stiel: stets rot überhaucht



    Nr. 2

    Standort: Laubwald, Rotbuche

    Geruch: -

    Geschmack: aromatisch, auffällig süßlich zu Beginn

    Fleisch: nicht auffällig

    Hut: gelblich/bräunlich, Mitte dunkler

    Lamellen: schmutzig wirkend, ausgebuchtet

    Stiel: nicht auffällig


    Mittlerweile gehe ich davon aus, dass es einfach nur ein gewöhnlicher Ockertäubling sein könnte, was mich daran allerdings stört ist die dunkle Lamellenfarbe und der süßliche Geschmack



    Nr. 3


    Standort: Laubwald, Rotbuche

    Geruch: -

    Geschmack: mild

    Fleisch: nicht auffällig

    Hut: bräunlich (die rötlichen Farbtöne auf den Fotos sind verfälscht), Rand leicht gerieft

    Lamellen: Am stiel gegabelt, etwas herablaufend

    Stiel: nicht auffällig



    Nr. 4

    Standort: Laubwald, Rotbuchen und eine einzelne alte Fichte
    Geruch: -

    Geschmack: mild

    Fleisch: recht fest

    Hut: Farben auf den Fotos gut getroffen

    Lamellen: Schneiden am Rand rötlich

    Stiel: hart, kaum sichtbar rötlich überlaufen, ist mir erst auf den Fotos aufgefallen, verletzte Stellen offenbar bräunend


    Ich denke, es könnte sich hier evtl. auch um R. olivacea handeln, dann ist die Farbpalette dieser Art aber wirklich sehr variabel.


    Nr. 5

    Standort: Laubwald, Rotbuche

    Geruch: -

    Geschmack: mild

    Fleisch: nicht sehr robust

    Hut: nicht auffällig

    Lamellen: leicht augebuchtet

    Stiel: nicht auffällig

    Recht groß war er.


    Ich kann zu allen Kandidaten noch Infos nachreichen. Verzeiht mir bitte die schlechten Aufnahmen, ich habe alles menschenmögliche aus meiner Handykamera rausgeholt;)


    Vielen Dank schonmal!


    LG Phillip

  • Hallo,


    #1 hätte ich jetzt mit dem bereiften, matten Hut als Harten Zinnober-Täubling Russula lepida angesprochen. Die Lamellen/Sporenpulver sind mir für R.olivacea auch zu hell.

    #2 ist sicher kein Ockertäubling. Was es sonst sein kann fällt mir auswendig gerade nichts ein.

    #3 seiht nach dem Fleischroten Speise-Täubling Russula vesca aus.

    #4 wie riecht der denn am nächten Tag?

    #5 auch hier glaube ich nicht an R.olivacea. So richtig rein, leuchtend rot kenne ich die Art nicht.


    LG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

    Sichere Freigabe zum Verzehr können nur Pilzsachverständige vor Ort geben!

  • Hallo Thiemo,

    #1 hätte ich jetzt mit dem bereiften, matten Hut als Harten Zinnober-Täubling Russula lepida angesprochen. Die Lamellen/Sporenpulver sind mir für R.olivacea auch zu hell.

    da könnte ich mich mit anfreunden, ich wusste nicht, dass R. Lepida auch so rötliche Schneiden haben kann


    #3 seiht nach dem Fleischroten Speise-Täubling Russula vesca aus.

    R. Vesca denke ich eher nicht, weil die Farben auf dem Foto verfälscht sind. In Natura sind da nur bräunliche, keine Rottöne

    #4 wie riecht der denn am nächten Tag?

    Das kann ich dir heut Abend sagen

    #5 auch hier glaube ich nicht an R.olivacea. So richtig rein, leuchtend rot kenne ich die Art nicht

    Das ist nicht R. olivacea, da hast du mich wohl falsch verstanden. Bei diesem Burschen hier habe ich gar keinen Namen.


    Danke dir schonmal für diene Einschätzung


    LG Phillip

  • Hi,


    zu Russula olivacea. Den könnt ihr mit Phenol sehr gut makrochemisch ansprechen. Ansonsten sage ich ggf. später was zu den Funden, wenn ich wieder an meinem Laptop Sitze. ==Gnolm10


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Moin Barney,


    zu Nr.1 würde ich mich auch dem harten Zinnobertäubling anschließen, u.a. wegen des Stiels, der kann auch bei älteren Exemplaren etwas nachgeben).

    zu Nr.2 die Lamellen lassen mindestens auf einen Cremesporer schließen, so daß r. ochroleuca dann raus wäre

    zu Nr.3 würde ich mich anschließen und r. vesca sagen. Er zeigt ja vorbildlich seine Zähnchen ;)

    zu Nr.5 Kannst du die emetica-Gruppe ausschließen?


    LG, Lütte

  • Hallo Phillip,

    sehr löblich schon mal, dass du bei Täublingen, die du bestimmt haben möchtest, den Geschmack geprüft hast. Sporenpulverabwürfe, und wenn wir makroskopisch bleiben wollen, die Untersuchung des Geruchs wären aber genau so wichtig gewesen. Leider muss man in die Täublingsbestimmung etwas Aufwand investieren. Ansonsten bleibt es meistens bei Vermutungen.

    Aufgrund der hier vorliegenden Daten vermute ich folgendes:

    1) Russula lepida

    2) Russula lutea/vitellina/risigallina; der Geschmack (Geruch?) ist mit süßlich treffend beschrieben

    3) Russula vesca

    4) Russula faginea; sollte spätestens am nächsten Tag nach Hering riechen

    5) Russula pseudointegra

    Sind alles wohlgemerkt Vermutungen, die durch nachfolgende Bestimmungsarbeit untermauert oder widerlegt werden müssten (Makrochemie, Mikroskopie).

    zum Beispiel:

    R. risigallina hat Sporenpulverfarbe 4e, das ist nicht mehr gelb, das ist eigentlich schon orange

    R. vesca hat lachsrosa Eisensulfat-Reaktion

    R. faginea hat meergrüne Eisensulfat-Reaktion

    R. pseudointegra hat vollkommen negative Guajak-Reaktion


    Edit: Deiner Kamera scheint das Weiß nicht zu gefallen, die erzeugt um die weiße Fläche herum immer so einen weißen Nebel und allgemeine Unschärfe.

    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Sehr vielen Dank für eure Hilfe,


    Aaalso ich habe jetzt mal alle Kandidaten zum aussporen schlafen gelegt, dazu melde ich mich dann morgen mit den Infos. Das sollte vielleicht etwas Licht ins Dunkle bringen.


    Außerdem muss ich noch ergänzen, dass das ,, - " bei Geruch bedeuten sollte, dass ich keinen Geruch feststellen konnte. Das bedeutet, alle 5 Täublingsarten rochen neutral. War wohl etwas undeutlich, sorry.


    zu 3: Russula Vesca ist mir bisher noch nie mit ausschließlich braunen Hutfarben untergekommen, deswegen meine Bedenken


    zu 4: R. faginea sollte ausscheiden, auch heute ist kein Heringsgeruch feststellbar. Auch nicht nach Verletzen.


    zu 5: R. Pseudointegra habe ich auch schon ins Auge gefasst. Die Sporenpulverfarbe sollte uns hier vielleicht weiter bringen


    Und zu der Kamera: Ja dieser weiße Schimmer wird am PC- Bildschirm erst richtig deutlich... gruselig aber ich versuche dass mit den Einstellungen immer möglichst im Rahmen zu halten


    LG Phillip

  • Hallo Phillip,

    Der Fleischrote Speisetäubling ist da farblich sehr variabel und rotbraun ist auch möglich. Bilder geben das oft schlecht wieder. Das dürfte ungefähr deine Farbe sein:


    Russula vesca



    Das andere Extrem:


    Weitere Pro-Argumente sind die Y-förmig gegabelten Lamellen und die ockerlichen Flecken an der Stielbasis, was man auf deinen Bildern auch erkennen kann. Jetzt schau'n wir mal ob sein Sporenpulver rein weiß ist. :)


    LG Thiemo

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  • Hallo Thiemo,


    also deine Bilder sehen recht typisch aus für Vesca. Ich weiß gar nicht wie ich die Farbe von meinen Funden beschreiben soll. Da ist wirklich in Natura nicht mal ansatzweise ein Rotstich zu sehen. Die Farbe könntest du mit einem ausgeblassten Wieseltäubling vergleichen. Die deutliche Rotverfärbung auf meinen Bildern ist allein meiner miesen Kamera geschuldet.


    Naja mal schauen was das Spp sagt


    LG Phillip

  • Hallo Phillip,

    die Sporenpulverfarben, soweit vorhanden, würden jedenfalls alle zu meinen Tipps passen.

    FG

    Oehrling

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