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letzter Beitrag von Teetrinker am

Auswirkungen des Klimawandels auf die Pilze in Deutschland

  • Letztes Jahr hab ich ja noch gedacht, so ein Jahrhundertsommer ist ne tolle Sache. Dieses Jahr ging mir das anhaltend schöne Wetter so langsam auf den Keks und seit 4 Wochen weiß ich, wie sehr ich den deutschen Herbst vermisst habe und mich über feuchte, dampfende Wälder mit Pilzen freue.


    Nach meiner begrenzten Erfahrung sind die meisten Pilze an den bekannten Stellen in diesem Jahr wiedergekommen. Einige Arten (Mönchsköpfe, Parasolpilze, Hallimasch, Champignons) in deutlich größeren Mengen als in normalen Pilzjahren. Aber in Anbetracht des massiven Fichtensterbens im Sauerland mache ich mir Sorgen, ob es doch zu nachhaltigen Veränderungen kommt.


    Ich bin ja nur ein einfacher Speisepilzsammler und mich würde interessieren, ob die Pilzexperten hier auch bei den Pilzen schon deutliche Veränderungen wahrgenommen haben.


    Bitte, bitte keine Diskussion darüber, ob wir überhaupt einen Klimawandel haben und wenn ja, wodurch der verursacht wird. Dafür gibt es andere Foren.

    Ich bin gerne wandernd oder spazierend in der Natur unterwegs und freue mich über alles Essbare, dass ich dabei finde. Als Privatier habe ich jetzt die Zeit, um mein Wissen zu erweitern. Solange ich nicht alles weiß, gibt es von mir keine Verzehrfreigabe.


    Viele Grüße
    Teetrinker:ghurra:

  • Bitte, bitte keine Diskussion darüber, ob wir überhaupt einen Klimawandel haben und wenn ja, wodurch der verursacht wird. Dafür gibt es andere Foren.

    Hallo Teetrinker,


    sehr gute Einschränkung der Diskussion :daumen: (wobei ich eher vermuten würde, dass Leute hier im Forum den Klimawandel nicht anzweifel!).


    Viel dazu sagen kann ich eigentlich nicht, aber natürlich waren die letzten beiden Jahre trockenheitsmäßig krass. Das hat sich auch auf die Pilzwelt ausgewirkt. Dennoch bin ich erstaunt darüber, wie widerstandsfähig die Natur so ist. Im Spätherbst letzten Jahres habe ich noch schöne Funde machen können, obwohl ich nicht mehr damit gerechnet habe. Auch dieser Herbst, ist pilztechnisch noch ganz gut geworden.


    Aber da, wo Bäume absterben, wird es auch die dazugehörigen Mykorizzapartner nicht mehr geben. Ich denke die Folgen des Klimawandels auf die Pilzwelt wird sich erst durch Beobachtungen der nächsten Jahr erfassen lassen. Aber wie für jedes Ökologische System wird der Klimawandel auch in der Pilzwelt sicherlich große Veränderungen verursachen, deren negative Folgen wir möglicherweise noch gar nicht umfassend abschätzen können.


    Kleine Ergänzung: Schon häufiger habe ich hier darüber gelesen, dass es durch die durchschnittliche Temperaturerhöhung in unseren Breiten auch zunehmend Arten in Deutschland zu finden gibt, die bislang nur weiter südlich zu finden waren. In Zukunft müssen wir uns eher darauf einstellen, dass nicht nur der Falsche Pfifferling als Verwechslungspartner zum Echten Pfifferling zu diskutieren ist, sondern auch der Ölbaumtrichterling.


    Liebe Grüße

    Rotfüßchen

    "Pilze sind erst einmal nicht anwesend, sie verstecken, verbergen, verschließen und tarnen sich, aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit und eine Hoffnung, sie zu finden. Die Suche bedeutet Aufbruch, Verheißung, Abenteuer, und je vergeblicher und erfolgloser der letzte Pilzgang war, desto mehr Spannung, Erfüllung, Belohnung verspricht der nächste." (Hans Helmut Hillrichs: Pilze sammeln)


    Pilzmärchen

  • Hallo Ihr,


    ein interessantes Thema. Zu den Pilzen kann ich nichts sagen, ich denke allerdings, dass man dies abwarten muss. Es hat immer Jahre mit einem sehr hohen Pilzwachstum gegeben und es gibt zudem anscheinend auch Pilze die nur alle paar Jahre so wirklich massenhaft wachsen und dann ein paar Jahre eher verhalten.


    Was mir allerdings auffällt, und nicht nur mir, ist das "Verhalten" der Pflanzen und vielleicht kann man da auch Rückschlüsse ziehen. So viele Frühjahrsblüher und Frühsommerblüher die im Spätsommer und Herbst noch einmal durchstarten wie in diesem Jahr habe ich noch nie erlebt. Es ist normal, dass es bei Frühblühern im Herbst noch einmal vereinzelt Blüten geben kann. In diesem Jahr allerdings blühten und blühen die flächendeckend. Mitte Oktober Waldlichtungen voll mit blühenden Schlüsselblumen, von September bis jetzt ganze Hänge voll mit blühenden Frühlingsenzianen, im September Hänge voll mit blühenden Küchenschellen und jetzt Mitte Oktober eine dritte Welle der blühenden Küchenschellen, im Oktober blühende Sumpfdotterblumen und, und, und.


    Mit Botanikerfreunden habe ich darüber gesprochen. Es wird vermutet, dass nach einem sehr trockenem und heißem Jahr, insbesondere wenn es dann im Folgejahr so weiter geht, und wenn dann bessere Wachstumsbedingungen herrschen, dass dann die Pflanzen noch einmal neu durchstarten um versäumtes nachzuholen. Vielleicht verhält es sich ja bei den Pilzen ähnlich.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Ich überlege, was passiert, wenn in einem Jahr die Pilze witterungsbedingt nicht so wachsen können wie sie wollen. Wachsen sie trotzdem unterirdisch? Ich meine: sammeln sie Material an? Aus dem sie heuer eine Pilzschwemme machen können... der Stoff muss doch irgendwo herkommen.


    Den Klimawandel werden wir sicherlich bemerken, sobald immer öfter Pilze in neuen Gebieten gesichtet werden wie z.B. auch der Kaiserling.

    Ansonsten: auffälliger, da deutlich hörbar sind z.B. Halsbandsittiche, die schon in einigen milderen Städten an Rhein und Main siedeln. Die stammen zwar von entflogenen Exemplaren ab, aber es wird interessant sein, zu beobachten, wo sie sich halten können.

    Und kürzlich sind mir zwei Exemplare einer hier ursprünglich nicht beheimateten Spinnenart über den Weg gelaufen, Steatoda nobilis. Die werden zwar über Gartencenter mit ihrer Ware eingeschleppt, können sich aber bislang nur in deren Hallen und nicht in der freien Natur halten. Und das ist nicht die einzige (auch Zoropsis spinimana).

  • An die Möglichkeit, dass die Chancen steigen, auch in NRW Kaiserlinge zu finden, habe ich nicht gedacht. Memo an mich selbst "Nicht immer nur das Negative sehen"


    Aktuell macht mir das Ausmaß des Fichtensterbens große Sorge. Straßensperrung L 856 Hirschberg Niederbergheim | Waldroute


    Das Sauerland wird in 10 Jahren anders aussehen als heute. Steinpilzschwemmen wie in diesem Jahr wird es dann wohl nicht mehr geben. Dass nur 2 trockene Sommer ausgereicht haben, um die vorherrschende Baumart großflächig zu vernichten, finde ich erschreckend. Andererseits sah es nach Kyrill flächenweise auch erschreckend aus und heute ist man froh, dass der damalige Sturm zu einem Umdenken und einer Abkehr von der Fichtenmonokultur geführt hat. Vielleicht (hoffentlich) sieht es in 10 Jahren auch nicht so schlimm aus wie befürchtet.


    Die Buchen produzieren ein Mastjahr nach dem anderen, weil sie auch um ihr Überleben fürchten.


    Die Myzelien selbst scheinen die Trockenheit aber bei den von mir beobachteten Pilzen schadlos überstanden zu haben. Auf mehrfach blühende Pflanzen werde ich im nächsten Jahr verstärkt achten. Aktuell fällt mir nur auf, dass unsere Himbeeren auch Ende Oktober noch reichlich reife Früchte tragen.


    In den letzten 4 Wochen hat es langanhaltend geregnet. Es reicht noch lange nicht, um das Defizit auszugleichen, aber eine Entlastung für die ausgetrockneten Waldböden sollte es sein. Gibt es Seiten, auf denen man diese Entwicklungen deutschlandweit nach Regionen verfolgen kann?

    Ich bin gerne wandernd oder spazierend in der Natur unterwegs und freue mich über alles Essbare, dass ich dabei finde. Als Privatier habe ich jetzt die Zeit, um mein Wissen zu erweitern. Solange ich nicht alles weiß, gibt es von mir keine Verzehrfreigabe.


    Viele Grüße
    Teetrinker:ghurra:

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