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letzter Beitrag von Trino am

Antrodiella onychoides ?

  • Hallo zusammen,

    den folgenden effuso-reflexen bis pileaten Porling fand ich an einem liegenden Stamm von Erle:


    Hier die Sporen:


    Für die Interpretation des Hyphensystems fehlt es mir an Erfahrung; aber die Septen haben nach m.E. keine Schnallen und Cystiden habe ich keine gefunden:


    Mit Hilfe der Schlüssel von Ryvarden/Melo und Dörfelt/Ruske komme ich auf Antrodiella onychoides; eine für mich neue Art. Kann ich das so dokumentieren oder habe ich etwas übersehen? Vielen Dank schon einmal für eure Hilfe!

    Viele Grüße,

    Wilfried

  • Hallo, Wilfried!


    Sieht spannend aus.

    Antrodiella onychoides hatte ich noch nie in der Hand, könnte mir aber schon vorstellen, daß das hinkommen könnte.

    Das mit den Schnallen würde ich aber noch eingehender prüfen, denn die beiden markierten Septen sind möglicherweise wenig aussagekräftig: Bei Septen an solchen dickwandigen Hyphen in dimitischen Porlingen besteht die Möglichkeit, daß es sich um Skeletthyphen oder skeletoide Hyphen handelt, wo sich irgendwie mal eine Septe reingeschmuggelt hat, die dann aber natürlich schnallenos ist.
    Ob solche Porlinge wirklich schnallenlos sind, würde ich idealerweise an eindeutigen generativen Hyphen kontrollieren, also am besten subbasidial. Wenn man eine feine Faser aus dem Hymenium rauszieht, lassen sich die Basidien im Quetschpräparat in KOH meistens ganz gut darstellen, und auch erkennen, ob die an der Basis Schnallen haben oder nicht. Das wäre dann wirklich sicher.


    Ich drücke aber die Daumen, daß auch die Basidienbasen deutlich schnallenlos sind, denn sonst landest du in einem Artengewirr, wo die Bestimmungen unheimlich fies werden und oft nur noch mit Kenntnis der Wirtspilze möglich sind bzw. mit sehr viel Erfahrung (die ich nicht habe, und die in der Gattung vermutlich nur eine handvoll Leute in Europa tatsächlich hat).



    LG; Pablo.

  • Servus Wilfried,


    ich habe Antrodiella onychoides erst einmal selbst gefunden. Es ist eine sehr seltene Art. Was gut dazu passt, ist das relativ dicke Fleisch, das dieser Porling bekommen kann und die Art und Form der Poren. Hier ein Vergleichsbild von mykologie.net: Antrodiella onychoides (Outkovečka bezpřezkatá) . im Querschnitt sieht es dann dreieckig aus.

    Zu den Schnallen hat Pablo schon alles geschrieben. Das müsste klarer rausgearbeitet werden (dadurch ist die Art leicht bestimmbar).


    Was war denn der mögliche Wirt?


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Pablo, hallo Christoph,

    vielen Dank für euren Input und auch ein Dankeschön an Mario (Trino) für das lehrreiche Telefonat!:)

    Das Substrat hatte ich eingangs erwähnt: Erle; zumindest sehr wahrscheinlich. Hier ein Bild des Habitats (Eifgenbachtal, Wermelskirchen, NRW); Fundort ist der von Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) umgebende, liegende Stamm im Mittelgrund:


    Zur weiteren Klärung war es also nun notwendig, eindeutige generative Hyphen und deren Septen zu finden; also habe ich mich mal auf die Suche gemacht. Die folgenden Aufnahmen wurden in KOH (3%) / Kongorot (NH3) aufgenommen (1000x):


    Hier kann man nach m.E. besonders schön ein dünnwandiges und schnallenloses Fragment einer generativen Hyphe neben entsprechenden Fragmenten dickwandiger Skeletthyphen erkennen:


    Ich hoffe, das ich mit meiner Interpretation richtig liege und das dies für eine eindeutige Zuordnung zu Antrodiella onychoides ausreicht; aber natürlich freue ich mich auch über eine weitere Diskussion.


    Viele Grüße,

    Wilfried

  • Moin!


    Das sieht schon vielversprechend aus, finde ich. :thumbup:

    Wegen den Wirtspilzen bzw. Substrat: Es gibt wohl auch Antrodiella - Arten, die nicht erkennbar auf anderen Pilzen parasitieren, bzw. wo diese Verbindung noch nicht bekannt ist. Was auch generell ja schwierig ist, da ja das Mycel einzelner Arten parasitiert wird, also keine Fruchtkörper des Wirtspilzes am selben Substrat erkennbar sein müssen.

    Solche Funde hatte ich schon bei Antrodiella serpula (= Antrodiella hoehnellii), die wohl auf Inonotus parasitieren soll. Aber eben auch ohne Begleitung von Inonotus - Fruchtkörpern auftreten kann.

    In der Arbeit von Miettinen, Niemelä und Spirin zu Arten aus der semisupina - Gruppe in Mycotaxon 2006 wird bei A. onychoides jedenfalls kein Begleitpilz erwähnt, nur daß die untersuchten Funde von Laubholz stammen (darunter auch Alnus). Das würde also auch passen, denke ich.



    LG; Pablo.

  • Servus Wilfried,


    ja, ich war neugierig, ob ein Inonotus an der Erle war. ;-)


    Toller Funde!


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo zusammen,


    Wilfried hat mir Heute ein bisschen vom Pilz gegeben und hab mal rein geschaut, auch für mich passt die Bestimmung hier noch ein Bild vom Hymenium.


    Gruß Mario
    Ein Gruß aus den Bergischen Land


    Pilzchips 40 / 13 PC fürs APR.


    Bei Geschmackprobe bitte nicht runter schlucken.

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