Könnt Ihr Weichritterling und Rötling bestätigen?

Es gibt 13 Antworten in diesem Thema, welches 3.343 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Beorn.

  • Hallo zusammen,


    vor einer Woche gab es tatsächlich ein paar Liter Regen. Während die sonnigen Hänge immer noch knochentrocken und völlig pilzfrei sind, zeigen sich an Weg- und Bachrändern die ersten Pilze. Grandiose Überlebenskünstler! Am Ende hatten wir gestern eine Handvoll Pfifferlinge, drei Schopftintlinge, zwei Maronen und vier Goldröhrlinge für die Pfanne. Normalerweise ist das nichts Besonderes aber in diesem Jahr Grund zum Feiern.


    Interessanter waren für mich aber die Beifänge. Hier eine Auswahl:


    Der erste richtige Pilz seit Monaten an einem Wegrand war dieser hier. Beim Blick auf den Stiel hatte ich zunächst irgend etwas Rüblingsartiges in Verdacht. Aber nach eingehender Betrachtung denke ich, dass es ein Weichritterling ist. Ich finde, Melanoleuca stridula kommt ihm recht nahe. Aber der Geschmack war nach Kurzem ziemlich unangenehm und die Lamellenschneiden waren etwas wellig. Also vielleicht ist es doch eine andere Art. Habt Ihr eine Idee dazu?








    Mitten auf dem Weg standen dann zwei kleine unbekannte braune Pilze. Mein Verdacht auf Röteln, äh, Rötlinge scheint sich bestätigt zu haben. Sporenpulver mykologen-rosa und Sporen passt. Aber mein Versuch, ihm genauer auf den Zahn zu fühlen, ist erwartungsgemäß gescheitert. Passen könnte vielleicht Entoloma occultopigmentatum. Aber wahrscheinlich ist es ein anderer der vielen Hundert Rötlingsarten. Was meint Ihr?







    Dann entdeckte ich ein zerfressenes Büschel weißer Büschelraslinge - die waren aber nicht mehr fotogen. Wesentlich besser in Schuss war dieser kleine Scheibchentintling.





    Zwei kleine junge und madenfreie Maronen entzückten uns geradezu.



    Falsche Pfifferlinge gab es erstaunlich viele. Alle jung und knackig, ein schöner Anblick.



    An einem uralten morschen Birkenstamm gibt es einige dicke frische Birkenporlings-Gnubbel.



    Auch die Nadelholz-Braunporlinge drehen gerade noch mal eine Herbstrunde.




    Zwei Mehlräslinge haben wir auch mitgenommen. Essen mag ich die nicht, auch wenn der ranzige Mehlgeruch beim Braten verschwinden soll. Außerdem: Bei denen bin ich mir nie ganz sicher, sie sind den Trichterlingen so verdammt ähnlich. Deshalb nehme ich jetzt immer eine Kollektion der kleineren weißen Pilze mit Trichterlingshabitus mit, lasse sie aussporen und lege sie unter das Mikroskop. So ist die Einschätzung einfacher als unterwegs. Ziel der Übung ist, dass ich die Arten auch vor Ort erkennen kann. Mal sehen ob und wann das funktioniert. Habt Ihr vielleicht einen weniger aufwendigen Tipp, die Arten auseinanderzuhalten oder ist Erfahrung da das Mittel der Wahl?





    Beim heutigen Spaziergang auf der Sonnenseite des Tales gab es wieder mal gar nix. Die Route für den Spaziergang morgen ist also völlig klar.

    Lieben Gruß


    Claudia


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    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Claudia!


    Melanoleuca (Weichritterling) und Entoloma (Rötling) ist beides richtig.
    Zur Art kann ich trotzdem nichts sagen, es sei denn, bei dem Weichritterling wäre das Fleisch im Schnitt in der Stielbasis braun. Dann dürfte das Melanoleuca polioleuca (Gemeiner Weichritterling) sein.


    Den Mehlräsling habe ich mir so nach und nach beigebracht, natürlich auch mit Aussporen lassen, aber damals noch ohne Mikroskopie. Mittlerweile gehts auch ohne Aussporen, einfach durch Habitus, Geruch (der oft auch etwass ins spermatische spielt) und diese komische Hutoberfläche, auf der man Fingerabdrücke hinterlassen kann.



    LG; Pablo.

  • ... Habt Ihr vielleicht einen weniger aufwendigen Tipp, die Arten auseinanderzuhalten oder ist Erfahrung da das Mittel der Wahl ...

    Wenn der Geruch (mehlig/gurkig) nicht da ist kannst du schon mal davon ausgehen daß du etwas anderes in der Hand hältst ... oder etwas das schon seine Tage hinter sich hat.

  • Danke Pablo, jetzt bin ich stolz wie eine Schneekönigin. Mein erster Weichritterling überhaupt und dann auch noch selbst herausgefunden==Gnolm7.

    Die Stielbasis ist mir nicht als bräunend aufgefallen, aber ich habe auch nicht richtig darauf geachtet. Schade. Nun ist er schon kompostiert. Ob er hygrophan ist, konnte ich bei der Trockenheit nicht erkennen. Aber M. polioleuca ist meinem Fund schon sehr ähnlich.


    Ja, dieser Mehlräslings-Geruch ist schon auffällig und auch die komische Oberfläche. Aber ich habe den Vergleich nicht. Ich glaube, dass ich hier fast immer Mehlräslinge gefunden habe. Irgendwann werden mir die Anderen schon noch über den Weg laufen.

    Lieben Gruß


    Claudia


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  • ... Habt Ihr vielleicht einen weniger aufwendigen Tipp, die Arten auseinanderzuhalten oder ist Erfahrung da das Mittel der Wahl ...

    Wenn der Geruch (mehlig/gurkig) nicht da ist kannst du schon mal davon ausgehen daß du etwas anderes in der Hand hältst ... oder etwas das schon seine Tage hinter sich hat.

    Danke Mausmann, also der Geruch ist das zentrale Merkmal. Wenn der kleine weiße Pilz mit Trichterlingshabitus nicht so unangenehm riecht - ich empfinde ihn als mehlig-gurkig-ranzig -ist er (wahrscheinlich) giftig. Komische Eselsbrücke, aber merken kann ich mir diese Eselei ganz gut==Gnolm4.

    Lieben Gruß


    Claudia


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    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Maria!


    Das Problem bei Weichritterliingen ist, daß eine ganze Reihe von Arten so aussieht. Das größere Poroblem ist, daß es keine aktuelle Bearbeitung der Gattung gibt, und die Artkonzepte (und Namensgebungen) von Autor zu Autor völlig unterschieddlich sind. Die Gattung ist sozusagen eine taxonomische Baustelle im Ausnahme Berliner Flughäfen oder Stuttgarter Bahnhöfe. :gzwinkern:

    Was du aber spaßeshalber machen kannst bei Weichritterlingen: Die Sporen in Melzer angucken. Sieht schick aus, weil die amyloid sind (vor allem das Ornament natürlich) wie bei Täublingen oder Milchlingen.


    Beim zweiten Blick bei Tageslicht runzelt sich meine Stirn übrigens ganz leicht bei den Mehlräslingen. Könnte schon passen, ist immer einfacher mit Pilzen in der Hand als mit Bildern.
    Das Sporenpulver war aber schon rosabräunlich? Die Sporen von Clitopilus sind nämlich eigentlich längsrippig. Leider sieht man das bei Sporen in Seitenlage oft sehr schlecht. Ideal ist, wenn man Sporen im Präparat findet, die Kopfstand machen. Dann haben die ein diffus sechseckiges Profil, was dann schon sehr schlüssig ist.



    LG, Pablo.

  • Kleiner Tipp zur Bestimmung von Weichritterlingen: Erstens Zystiden mikroskopieren und in den weiteren Bestimmungsschritten nicht verzweifeln, weil man mit jeder Literatur, die man in die Hand nimmt, einen anderen Namen herausbekommt. :)

    Wenn wir Glück haben, bekommen wir in den nächsten Jahren eine Melanoleuca-Monografie von Vladimír Antonín geliefert...


    Beste Grüße

    Harald

  • Hallo Pablo,


    Melzer beim Sporenabwurf der nächsten Weichritterlinge geht klar. Danke!


    Und schau mal, dieses Foto von den Mehlräslings?-Sporen. Hier sind zwei kopfstehende dabei. Ist das ausreichend sechseckig? Ganz kreisrund sind sie jedenfalls nicht.





    hallo Claudia,


    ein charakteristisches Merkmal von Melanoleuca sind die rauen amyloiden Sporen. Wenn du von dem einen Sporenabwurf machst kannst du schon makroskopisch mit Melzer-Reagenz prüfen!

    Hallo Peter, ja, danke. Das ist ein guter Tipp==13. Wenn’s graublau wird, muss ich das Mikroskop nicht bemühen.

    Kleiner Tipp zur Bestimmung von Weichritterlingen: Erstens Zystiden mikroskopieren und in den weiteren Bestimmungsschritten nicht verzweifeln, weil man mit jeder Literatur, die man in die Hand nimmt, einen anderen Namen herausbekommt. :)

    Wenn wir Glück haben, bekommen wir in den nächsten Jahren eine Melanoleuca-Monografie von Vladimír Antonín geliefert...


    Beste Grüße

    Harald

    Hallo Harald,


    dann such ich nach Zystiden, mach ein Foto und warte ab, was die Weichritterlingsexperten aushecken. Das was Du und Pablo schreiben ist mir beimSuchen in den Büchern und im Netz auch aufgefallen. Die Angaben sind wenn nicht widersprüchlich dann zumindest verwirrend. Aber im Moment bin ich ja schon ganz zufrieden, wenn ich es schaffe, meine Funde in die richtigen Gattungen zu einzuordnen.

    Lieben Gruß


    Claudia


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    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Claudia!


    Absolut richtig beobachtet: so in Aufsicht geben sich die Clitopilus - Sporen zu erkennen! :thumbup:

    Ist halt ein sehr variabler Pilz, der immer wieder ein wenig anders aussieht.


    Zur Pilzaustellung auf dem Bauernmarkt hätte ich gerne auch noch was mitgebracht, kam aber erst gestern abend spät nach hause...

    ...und was ich gefunden hatte, wäre wohl eh größtenteils Mus gewesen nach der Fahrt von Riegel hierher.


    Auf die Antonin - Monografie freue ich mich auch. Ich hatte mal so sagen hören, er wäre dran an der Gattung, kannte aber keinen zeitlichen Rahmen, wann da mit einem Output zu rechnen wäre.



    LG, Pablo.

    • Offizieller Beitrag

    Hi.


    Die kleine Melanoleuca - Monografie von Münzmay?

    Ein paar Kollektionen habe ich damit schon druchgeschlüsselt. Klappt nicht immer, ist aber durchaus brauchbar.
    Aber wie mit allen anderen Schlüsseln muss man's machen wie Harald schrieb: Sich an einen Autor halten, und dann bei der Bestimmung das dazuschreiben, wonach man sich gerichtet hat (sensu Gröger, sensu Münzmay, sensu FungaNordica usw.).



    LG, Pablo.

  • Auf die Antonin - Monografie freue ich mich auch. Ich hatte mal so sagen hören, er wäre dran an der Gattung, kannte aber keinen zeitlichen Rahmen, wann da mit einem Output zu rechnen wäre.

    Ich hatte ihn - auch mit der Frage nach der Monografie - vor drei Jahren mal angeschrieben. Die Antwort war, dass die Arbeitsgruppe schon seit einigen Jahren an der Gattung arbeitet und das mit etlichen Schwierigkeiten zu kämpfen ist. Zumindest die Ankündigung von Einzelveröffentlichungen gab es - wie und ob letztendlich eine Gesamtmonografie erscheint, ist wohl noch nicht so richtig klar. So war der Stand vor drei Jahren, und wie man ja weiß, will gut Ding seine Weile haben...


    Beste Grüße

    Harald

    • Offizieller Beitrag

    Salut!


    Ist auch besser, sich da die Zeit zu nehmen, das ordentlich und ausführlich zu studieren und zu bearbeiten. Vor allem mit Studien zu Typusmaterial (auch genetisch) zu unterfüttern, um einmal richtig Struktur in die Taxonomie zu bekommen.

    Lieber so, als eine überhastete Publikation, die nachher mehr Fragen aufwirft als klärt.



    LG; Pablo.