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letzter Beitrag von Norbert.S am

Auriporia aurulenta = Duftender Goldporling

  • Auriporia aurulenta A. David, Tortic & Jelic
    Duftender Goldporling
    Synonyme:
    - keine


    Familie: Fomitopsidiaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper resupinat, oft zu recht großen, weitläufigen Flächen auswachsend, flach kissenförmig oder an schrägem bis senkrechtem Substrat mit knubbeligen bis stufigen Vorsprüngen (dort bis um 20mm dick); jung blassorange mit rosa Hauch, auch lachsfarben, bald schon satt goldgelb bis gelborange; Poren / Röhren frisch knorpelig weich, Subikulum auch etwas gelatinös; trocken eher hart und brüchig; Ränder in der Wachstumsphase blass bis satt orangegelb, wattig bis flaumig-fransig, auch mit gelborangenem, flaumigem Mycelfilz in Spalten des Substrats, bei ausgewachsenen Fruchtkörpern ohne oder mit unauffälligen Rändern; KOH –“ Reaktion inkonstant, normalerweise negativ, gelegentlich aber wohl auch mal rötlich; frische Fruchtkörper oft mit starkem, fruchtig-süßlichem Geruch nach Obstkompott, individuell auch mit Vanille –“ Komponente (Blogeintrag Werner Pohl) oder mandelartig (Ryvarden, Poroid Fungi of Europa); der Geruch ist nicht in jeder Kollektion ausgeprägt.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch; generative Hyphen überwiegend dünnwandig, Septen mit Schnallen; Manche Hyphen als –žÖlhyphen–œ ausgeprägt mit Inhalt aus vielen, öligen Pigmenttröpfchen; Lamprozystiden bauchig bis spindelig, oft apikal inkrustiert, vielfach im Hymenium eingebettet, aber meist gut zu beobachten; Leptozystiden dünnwandig, unregelmäßig zylindrisch bis angedeutet flaschenförmig mit langem Hals, oft über die Basidien hinausragend; Basidien keulig, überwiegend 4-sporig, mit Basalschnalle; Sporen elliptisch bis subzylindrisch, hyalin, dünnwandig, glatt, inamyloid, nicht dextrinoid; um 4.5-6 x 2-3 µm.


    Vorkommen: In Europa insgesamt zerstreut und eher selten; tendenziell wohl eher im Hügel- oder Bergland, aber auch im Flachland (Oberrheinebene bzw. Schleswig –“ Holstein); normalerweise an Nadelholz, selten auch an Laubholz; sowohl an natürlich liegenden Stämmen und Stümpfen als auch an gelagertem Holz. Eine Bevorzugung bestimmter Boden- oder Waldtypen ist nicht klar festzustellen.



    Bilder (Anklicken für volle Auflösung):











    Danke an Joe für die Bilder! :thumbup:



    Verwechslungen: Auch wenn der Auriporia aurulenta schon makroskopisch einigermaßen auffällig aussieht, ist eine belastbare Bestimmung nur bei mikroskopischer Untersuchung möglich. Neben der Farbe und Form der Fruchtkörper ist die Art durch ihr monomitisches Hyphensystem mit Schnallen und den Ölhyphen, sowie die Lampro- und Leptozystiden gut charakterisiert-
    Dennoch gibt es einige (noch seltenere) Doppelgänger. Je nach Alter der Fruchtkörper, Wuchsweise und Wuchsbedingungen, aber auch Laune des Mycels können ein paar Arten nahezu identisch aussehen. Das wären zum einen Arten der Gattung Rigidoporus, da gilt es das Hyphensystem zu beobachten: Auriporia hat Schnallen an den Septen, Rigidoporus nicht. Rigidoporus crocatus hat zudem keine Lamprozystiden; Rigidoporus undatus schon, aber der wäre heller und blasser gefärbt.
    Die resupinaten Hapalopilus –“ Arten zeigen - mit Ausnahme von Hapalopilus priscus! - eine starke, dunkelrote KOH –“ Reaktion (schon mit 5%-10% nachweisbar), keine dieser Arten bildet Lamprozystiden.
    Frantisekia mentschulensis entwickelt oft deutlichere, knubbelige Hütchen / Vorsprünge. Das Hyphensystem ist dort dimitisch, Lamprozystiden fehlen.
    Die beiden europäischen Pycnoporellus –“ Arten reagieren ebenfalls rot mit KOH, Schnallen fehlen an allen Septen und die Sporen sind deutlich größer.
    Rhodonia placenta: Keine Lamprozystiden, keine Leptozystiden; ansonsten ziemlich ähnlich, in der Färbung vor allem von jungen Fruchtkörpern von Auriporia aurulenta schwer zu unterscheiden.
    Ceriporiopsis gilvescens: keine Lamprozystiden, keine Leptozystiden; Hyphen in den Röhrenwänden mit stäbchenförmigen Kristallen inkrustiert
    Einige Antrodia –“ Arten können mal makroskopisch etwas ähnlich sein, sind aber alle dimitisch (teils gar mit trimitischem Aspekt) und keine hat Lamprozystiden.
    Frische, +/- resupinat wachsende Fruchtkörper von Gleoeophyllum odoratum–¦ Naja, die riechen immerhin auch entfernt ähnlich. Im grunde sollte das durch die ganz andere Konsistenz und Färbung der Fruchtkörper nicht verwechselt werden.


    Vergleichsvorschläge:
    >Rigidoporus crocatus = Safrangelber Hartporling<
    >Rigidoporus undatus = ???<
    >Hapalopilus priscus = ???<
    >Hapalopilus ochraceolateritius = ???<
    >Hapalopilus aurantiacus = ???<
    >Frantisekia mentschulensis = Prachtvoller Knollenporling<
    >Pycnoporellus albolutens = ???<
    >Pycnoporellus fulgens = Leuchtender Weichporling<
    >Rhodonia placenta = Rosafarbener Saftporling<
    >Ceriporiopsis gilvescens = Fleckender Wachsporling<
    >Ceriporia purpurea = Purpurroter Wachsporling<
    >Antrodia mellita = Honigfarbige Braunfäuletramete<
    >Antrodia malicola = Zimtfarbene Braunfäuletramete<
    >Gloeophyllum odoratum = Fenchelporling<

  • hallo pablo,
    wieder mal ein feines portrait :alright:
    ein paar fotos von weiteren funden von anfang märz 2017 an liegenden fichten darf ich noch anfügen. untersucht wurden die Funde von Frank Dämmrich (hier Tomentella- danke nochmal dafür!!)
    bei diesen fruchtkörpern ist eine sofortige leicht rötliche verfärbung mit KOH (ca 2-3%ig) eingetreten
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    lg joe

  • Hi,


    Ha endlich mal ein Portrait einer resupinaten Porlings-Art, wo ich schon die vorgestellte Art und zwei von den Verwechslungspartnern gefunden habe. :cool: Danke für das tolle Portrait Pablo. :alright:


    Noch eine Anerkung: Bei dem Formenkreis von Hapalopilus aurantiacus gibt noch 2 weitere Arten; vielleicht ergänzt du das noch Pablo.


    Anbei noch ein kurioses Bild von A. aurulenta. Hier hat die Art einen Aststummel umwachsen. :)



    l.g.
    Stefan

    Risspilz hui; Rissklettern pfui.


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Moin, ihr beiden!


    Merci für das Ausbauen des Portraits. :alright:


    Noch eine Anmerkung: Bei dem Formenkreis von Hapalopilus aurantiacus gibt noch 2 weitere Arten; vielleicht ergänzt du das noch Pablo.


    Es sind ja nur Beispiele, was oben genannt ist. Wichtig ist, daß alle Hapalopilus - Arten eben durch die Abwesenheit von Lamprozystiden leicht zu unterscheiden sind. Wobei du schon recht hast: Ich lese eben, daß bei Hapalopilus priscus die KOH - Reaktion fehlt. Was natürlich ein wichtiges Detail ist.
    Die resupinaten Hapalopilus - Arten sollten wir dann im einzelnen durcheinanderhauen, wenn mal zu einer ein Portrait kommt. Was dauern könnte, weil die alle so selten sind.


    Btw.: Welche weitere Art meinst du? Hapalopilus salmonicolor s.str. ist eine nordamerikanische Art. In Europa wurde ja bis vor einiger Zeit so ziemlich alles unter "Hapalopilus salmonicolor s.l. / ss.auct. europ." zusammengefasst. Eigentlich dürfte der Name aber für keine der europäischen Arten mehr angewendet werden.



    LG; Pablo.

  • Hi,


    prinzipiell meinte ich alle 3 Arten; insbesondere aber meinen Fund. :) Ich war nur etwas verdutzt, dass du H. aurantiacus erwähnst, aber die anderen beiden nicht...


    l.g.
    Stefan

    Risspilz hui; Rissklettern pfui.


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • aktuell ist wieder wachstum an den untersuchten stämmen von anfang märz zu erkennen, der teilweise gelbliche zuwachsrand ist schön zu sehen.






    lg joe

  • Ahoi!


    Da hätten wir mal noch einen; vorletzte Woche im Lampertheimer Forst gefunden, zur Abwechslung mal an Rotbuche (Fagus); Fruchtkörper völlig durchnässt und mit sehr intensivem, fruchtig - schnapsigem Geruch. Sehr angenehm durchaus und sehr auffällig, aber auch schwer zu beschreiben und nicht ganz so wie bei der frischeren Kollektion aus dem Startbeitrag. Eben etwas gäriger.







    LG, Pablo.

  • Der kann an Laubholz auch? Nicht schlecht, ein richtig schöner Fund!
    Heute hab ich kurz bei "meinem" Fundort vorbeigeschaut, wenns passt überwächst er anscheinend auch Fruchtkörper aus dem Vorjahr- sieht zumindest für mich so aus.


    lg joe

  • Hallo, Joe!


    Daß die Fruchtkörper sich repetetiv überwachsen, hat mich eben auch überrascht. Sieht man ja auch bei dem Buchen - Fund oben, daß der "mehrschichtig" ist. Normalerweise ist das ein einjähriger Porling, hat also eine Wachstumsphase, dann verwittern die Fruchtkörper und es werden Neue gebildet. Da sind die Grenzen aber wohl fließend, der scheint in der Tat so oder so zu können. Wenn noch alte Fruchtkörper aus einer früheren Wachstumsphase (muss nicht im Jahresrhythmus sein) da sind, dann baut er neue Fruchtkörper darüber auf. Aber es scheint noch mal eine andere Funktionsweise zu sein als bei den klassischen mehrjährigen Porlingen wie FomFom, FomPini usw.



    LG, Pablo.

  • Hallo,

    Unter einer wegbrechenden Holz,- und Rindenschicht an nicht mehr identifizierbarem Baumstumpf :



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    Pilzchips = 100 -5 APR 2015 +12 APR 2016 = 107 -7 Für APR 2017 = 100
    Pilzbestimmung im Netz ist keine Essfreigabe


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