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letzter Beitrag von thorben96 am

Phlebia subochracea = Ockergelber Kammpilz

  • Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden
    Ockergelber Kammpilz, Gelber Kammpilz
    Synonyme:
    - Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein.
    - Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden
    - Grandinia subochracea Bres.
    - Mycoacia subochracea (Alb. & Schwein.) Parmasto
    - Sarcodontia subochracea (Alb. & Schwein.) Nikol.
    - Phlebia danica (M.P. Christ.) M.P. Christ.


    Familie: Meruliaceae
    Ordnung: Polyporales
    Klasse: Agaricomycetes



    makroskopische Eigenschaften: Fruchtkörper ausschließlich resupinat; aus kleineren Flecken bald zu großflächigeren Überzügen zusammenwachsend; Ränder im Wachstum weißlich, fein wuschelig, später undeutlich bis fehlend; Subikulum dünn, unauffällig, weißlich; Oberfläche frisch wachsartig, glatt bis deutlich warzig, Warzen vereinzelt bis dicht gedrängt, rundlich bis kantig; frisch blass zitronengelb oder cremefarben, bald ockergelb, goldgelb bis goldbraun, teilweise mit rötlichem Schimmer; getrocknete Fruchtkörper hornartig –“ brüchig und dünn.


    mikroskopische Eigenschaften: Hyphenstruktur monomitisch, Septen überall mit Schnallen; Hyphen im Subikulum parallel zum Substrat, dünn- bis schwach dickwandig, gelegentlich etwas gelifiziert; im Subhymenium dicht verflochten und verklebt, aufsteigend, mit vereinzelten Kristallen durchsetzt, teilweise mit Öltröpfchen; im Hymenium mit spindeligen, zuspitzenden Leptozystiden (dünnwandig, ohne Inkrustierungen); Basidien schlank keulig in dichter Palisade; Sporen elliptisch bis subzylindrisch, glatt, dünnwandig, inamyloid, vital mit refraktärem Inhalt aus teilweise zu größeren Gebilden zusammenfließenden Tropfen; um 4,5-7 x 2,2-3 µm (eigene Messungen)


    Vorkommen: In den meisten Gegenden wohl eine eher seltene Art, bei >Pilze-Deutschland< sind Verdichtungszentren vor allem im Nordosten (Niedrungen von Mecklenburg-Vorpommern und östliches Schleswig –“ Holstein) zu erkennen, sowie im Oberrheingebiet. Der hier vorgestellte Fund stammt aus der südlichen Oberrheinebene, Auwald mit Altrheinarmen am Kaiserstuhl (wärmebegünstigte Region), seitlich und unterseits an einem dickem, liegendem Laubholzstamm in sehr feuchtem Gelände. Die Art scheint bodenfeuchte Gebiete zu bevorzugen, steigt eher nicht in die Höhenlagen von Mittelgebirgen auf, besiedelt vorwiegend gut durchfeuchtetes Laubholz.



    Bilder:








    Verwechslungen: Auch wenn das Aussehen mit Oberflächenstruktur und Farben recht markant ist, sind Bestimmungen hier nur nach Beobachtung einiger mikroskopischer Merkmale möglich.
    Gelbe Rindenpilze mit Warzen oder kleinen Stacheln / Zähnchen gibt es schon eine ganze Reihe, aber wenn man neben den Farbverläufen, Oberflächenstruktur und Konsistenz auch einen Blick auf die Hyphenstruktur, Zystiden und Sporen wirft, ist die Bestimmung eigentlich kein Problem.
    Phlebia fuscoatra hat zB in den Stachelspitzen grob inkrustierte Hyphen und Hyphenenden, Phlebia uda hat anders geformte Zystiden, beide Arten haben markanter ausgeformte Zähne (fuscoatra) bzw. Stacheln (uda).
    Phlebia adiata ist nur entfernt ählnich und lässt sich schon makroskopisch durch das viel mehr faltige Hymenium gut untescheiden, dort fehlen auch die zugestpitzten Leptozystiden.
    Ceraceomyces sulphurinus soll sich durch grob inkrustierte Zystiden unterscheiden; Cristinia eichleri hat gar keiine Zystiden und andere Sporeneigenschaften; Phanerochaete –“ Arten haben keine Schnallen im Hymenium und Subhymenium (höchstens gelegentlich im Subikulum); Xenasmatella vaga hat eine andere Basidienform und warzige Sporen; Xylodon spathulatus hat nicht nur eine andere Konsistenz, sondern ist auch durch die ganz andere Sporenform leicht zu unterscheiden.


    Links zu verwandten und ähnlichen Arten im Archiv:
    >Phlebia ochraceofulva (eventuell auch ein Synonym zu P. subochracea)<
    >Phlebia fuscoatra = Schwärzender Zähnchenkammpilz<
    >Phlebia uda = Wachsgelber Zähnchenkammpilz<
    >Phlebia radiata = Orangegelber Kammpilz<
    >Ceraceomyces sulphurinus = Schwefelgelber Wachsrindenpilz<
    >Cristinia eichleri = ???<
    >Phanerochaete raduloides = Raspelzahn - Zystidenkruste<
    >Xenasmatella vaga = Schwefelgelber Stachelspor - Rindenpilz<
    >Xylodon spathulatus = Plattzahniger Zähnchenrindenpilz<



    Anmerkungen: MycoBank sieht Phlebia ochraceofulva (Bourdot & Galzin) Donk als Synonym zu Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden, IndexFungorum jedoch führt beide Arten getrennt und Bernicchia (Fungi Europaei 12) trennt die beiden anhand der durchschnittlichen Sporenbreite (3-4 µm bei Phlebia ochraceofulva) und der –žstärker verklebten Hyphentextur–œ bei Phlebia ochraceofulva. Gleichzeitig weißt sie aber auf die große Ähnlichkeit der beiden Arten hin.
    Bei der hier vorgestellten Kollektion sind die Hyphen im Subhymenium Phlebia –“ typisch stark und dicht verkelbt, die Sporen nicht über 3 µm breit. Ob hier tatsächlich zwei Arten vorliegen kann ich nicht beurteilen und würde sie im Zweifel vorerst versuchen zu trennen, wo es möglich ist, alleine schon um einen Datenverlust bei Kartierung und morphologischen Dokumentationen zu vermeiden.
    Die andere Frage ist, ob Phlebia subochracea (Bres.) J. Erikss. & Ryvarden mit dem Basionym Grandinia subochracea Bres. das Gleiche sein soll wie Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden mit dem Basionym Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein.?
    Eriksson, Hjortstam & Ryvarden nutzen in –œCorticiaceae of North Europa– Bresadolas Grandinia subochracea als Basionym (und hinterfragen ebenfalls die Eigenständigkeit von Phlebia ochraceofulva, trotz der festgestellten Unteschiede).
    Nakasone, Burdsall & Nell gehen auch von Grandinia subochracea Bres. aus (untersuchter Holotypus), verstehen Phlebia ochraceofulva (Bourdot & Galzin) Donk als Synonym (untersuchter Lectotypus). Siehe Mycotaxon 14(1):3-12
    Bernicchia weicht hier ab mit der verwendung von Phlebia subochracea (Alb. & Schwein.) J. Erikss. & Ryvarden; ein Basionym von Giacomo Bresadola taucht hier gar nicht auf, ebenso wenig bei IndexFungorum.
    Letztlich nicht entscheidend, da sowohl in –žCorticiaceae of North Europe–œ als auch in –žFungi Europaei 12–œ der gleiche Pilz unter dem gleichen Namen beschrieben wird, nur mit abweichendem Autorenzitat.
    Solche taxonomischen Verwirrungen machen stutzig, auflösen kann ich es momentan nicht.
    Für den Moment sollen hier nur die eindeutigen Synonyme berücksichtigt werden, wobei Thelephora granulosa var. subochracea Alb. & Schwein. älter wäre (1805) als Grandinia subochracea Bres. (1894)–¦
    –¦Spitzfindigkeiten. Wem es nur um die Bestimmung dieser außerordentlich hübschen Phlebia geht, kann das Taxonomie –“ Wirrwarr einfach ignorieren.

  • Hallo Pablo!
    Danke für dieses schöne und ausführliche Portrait!
    Es hat mich umso mehr gefreut, da ich in paar Tage bevor du es eingestellt hast, genau diese Phlebia gefunden habe, sie ist wirklich sehr auffällig. Beim ersten Mal mikroskpieren konnte ich diese Leptocystiden nicht finden (mangelhaftes Präparat...), aber dann beim Mikroskopierkurs hab ich sie Dank fachkundiger Hilfe doch noch gefunden - so war die Bestimmung endgültig.
    Ich häng da mal meine Fotos an...
    LG
    romana




    103-15 APR2017+17(3.Platz)+2(Wette)=107-1(OBR)-15 APR2018=91+13(3.Platz)+8(Wetten)=112-2+7(Wette)=117-15 APR2019=102+8(8.Platz)=110-15 APR2020=95+12(3.Platz)+27(Wetten)=134

  • Hallo, Romana!


    Irre Farben, oder? :alright:
    Sieht so aus, als würde der sich trocken und alt doch abschälen vom Substrat, das habe ich oben mal angepasst in der Beschreibung.



    LG, Pablo.

  • Hallo Pablo!
    Ja, wunderschöne und unglaubliche Farben, fast unnatürlich. Besonders hat mir der Farbübergang von diesem zitronengelb zu orangeockerlich gefallen.
    Ja, der hat sich abgelöst. Der Stamm lag übrigens im Wiener Prater (= Auwald) ca. 2 m vom Wasser entfernt, ähnlich wie bei dir.
    Laut österreichischer Pilzdatenbank gibt's nur 4 Funde... hast du den schon häufiger gesehen oder ist der tatsächlich recht selten?


    LG,
    romana

    103-15 APR2017+17(3.Platz)+2(Wette)=107-1(OBR)-15 APR2018=91+13(3.Platz)+8(Wetten)=112-2+7(Wette)=117-15 APR2019=102+8(8.Platz)=110-15 APR2020=95+12(3.Platz)+27(Wetten)=134

  • Hallo, Romana!


    Der ist in der tat eher selten.
    Der oben vorgestellte Fund ist mein einziger bisher. Allerdings: Der tendiert möglicherweise auch dazu, "versteckt" zu wachsen, also an Stammunterseiten. Und das könnte dazu führen, daß er auch bisweilen übersehen wird.



    LG; Pablo.

  • Moin!


    Ein etwas eingetrockneter Fund vom 03.05.2018; Viernheimer Heide (Südhessen); eigentlich ein eher trockenes Gebiet, aber an liegendem Laubholzast in einem kleinen Graben, wo sich bei stärkeren Regenfällen gerne mal etwas Wasser sammelt.












    LG, Pablo.

  • Beorn

    Hat den Titel des Themas von „Phlebia subochracea = Ockergelber Kammpikz“ zu „Phlebia subochracea = Ockergelber Kammpilz“ geändert.
  • Hallo zusammen,


    am 24.07.2020 konnte ich ebenfalls eine Phlebia subochracea finden. Interessanterweise wuchs diese direkt neben einer Phlebia uda (Siehe hier).

    Die einzige Frage die ich mir jetzt noch stelle ist: Gibt es die Phlebia ochraceofulva oder wurde festgestellt, dass beide P. subochracea und P. ochraceofulva. das gleiche sind ?

    Auf Pilze-Deutschland wird Phlebia ochraceofulva als Synonym für P. subochracea angegeben.

    Wie ich meinen Fund jetzt auch bezeichnen werde. Würde ich jetzt nach der Sporengröße gehen, dann wäre es nach Fungi Europaei P. ochraceofulva :/

    Hier sind die Bilder:

    1.1


    1.2


    1.3 Zystiden in Kongorot


    1.4 Sporen in Wasser


    VG : Thorben

  • Hallo, Thorben!


    Phlebia ochraceofulva ist für mich nach wie vor ein Phantom. Erst letztes Wochenende hatte ich aber auch eine Phlebia subochracea (mit ganz normal leuchtend gelbem Hymenium, warziger Oberfläche und dichter, phlebiaartiger Hyphenstruktur) mit teils leicht über 3µm breiten Sporen. Wenn auch vereinzelt, aber es kommt wohl durchaus vor.

    bis 3,9µm (also praktisch 4) ist schon sehr breit, das ist durchaus merkwürdig.
    Ich kann es momentan nciht erklären, solange ich nichts in der Hand hatte, was mir glaubhaft als Phlebia ochraceofulva vorgestellt wurde.



    LG; Pablo.

  • Hallo Pablo,


    mich würde mal interessieren, was die Genetik zu den Funden sagt.

    Weil unterschiede scheint es ja bei den Sporen zu geben.


    VG : Thorben

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