Stöbern lohnt sich

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 1.836 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Climbingfreak.

  • Hallo liebe Pilzfreunde,


    Es lohnt sich doch immer wieder, ein bißchen im Forum zu stöbern.


    Vor zwei Jahren fand ich an einem lebenden Wacholder einen gelben gallertartigen
    Pilz. Ich suchte hin und her und ordnete ihn schließlich als Calocera cornea, den
    Pfriemförmigen Hörnling, ein. Aber richtig glücklich war ich damit nicht. Das Substat passte
    nicht richtig und die Wuchsform auch nicht. Wenn ich neue Bücher in die Hand bekam, habe
    ich noch mal nachgeschlagen - ohne Ergebniss.


    Vor ein paar Wochen entdeckte ich nun durch das APR eure Rätselecke und schaute mir das
    Fruchtschichtenrätsel von "Janmen" an. Die 4. Fruchtschicht erregte meine Aufmerksamkeit.
    Soso - ein Birnengitterrost. Rostpilze kenne ich ein wenig aus der Pflanzenkunde. Bilden Muster,
    meistens auf den Blättern der befallenen Pflanzen. Hier tat sich noch nichts in meinem Hirn.


    Dann der Beitrag von "Climpingfreak"; wirtswechselnder Rost, erst Wachholder, dann Birne.
    Jetzt kam ich in Fahrt. Da war doch was, vor längerer Zeit.




    Endlich bestimmt als Gymnosporangium sabinae. "Ewiges Dauer-Uff"
    Störend war nur, dass ich meinte zu wissen, dass die Wirtspflanze gewöhnlicher
    Wacholder Juniperus communis und nicht J. sabinae war. - egal, sind wir großzügig -
    Die Gattung stimmt auf jeden Fall.


    Noch ein wenig gestöbert, weil es so schön war. Und endlich erhielt ich von
    "jule" Aufklärung.


    Es ist Gymnosporangium calvariiformi. Wechselt von J. communis auf Weißdorn und
    ist länger als breit, nicht sackförmig wie G. sabinae.


    That ´s it.
    LG Brassella

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Brasella!


    Super, und wieder ein Fall gelöst. :thumbup:
    Ein schöner Pilz übrigens, den ich auch gerne mal finden würde. Bisher war mir das Vergnügen nicht gegönnt. Egal ob nun G. sabinae oder G. calvariiformi oder noch eine andere Art aus dem Umfeld (also mit so einem auffälligen Stadium an Wacholder).
    Und das Schöne dabei: Durch deine Suche und durch Jules Kommentar dazu weiß ich nun wieder ein Stückchen mehr, worauf morphologisch zu achten wäre.



    LG; Pablo.


  • Noch ein wenig gestöbert, weil es so schön war. Und endlich erhielt ich von "jule" Aufklärung.
    Es ist Gymnosporangium calvariiformi. Wechselt von J. communis auf Weißdorn und ist länger als breit, nicht sackförmig wie G. sabinae.


    Stark, Brassella! :thumbup:


    Ohne Deinen spannenden Beitrag hätte ich das auch locker als Gymnosporangium sabinae eingelocht!
    Ich hatte bisher keine Ahnung, dass es etwas ähnliches gibt, obwohl der dicke "Klenke-Scholler" in meinem Regal steht. ;)
    Also ein Wacholder-Weißdorn- und kein Wacholder-Birne-Wechsler.
    Habe mir das soeben nochmals auf Jules HP angesehen!


    Die englischen und deutschen Namen finde ich auch ganz toll. Das trifft es perfekt!


    Tongues of fire / Feuerzungen.


    LG Nobi

    Hier geht es zu meinen Themen.

    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Chips: 72

    • Offizieller Beitrag

    Hi,


    freut mich, dass ich dann doch iwie anteilig an der Bestimmung beteiligt war. :D Schöner Fund übrigens. :thumbup: Ich hatte nur einmal was aus der Artengruppe an Wachholder (Juniperus), was ich letztes Jahr als G. sabinae bestimmt habe.
    Die andere Art ist im Klenke/Scholler auch beschrieben. Leider habe ich den gerade nicht zur Hand. Laut Klenke/Scholler sind Fundmeldungen von G. sabinea an Juniperus communis vorhanden aber zweifelhaft. Es gibt da noch eine makroskopisch und mikroskopisch sehr ähnliche Art, nämlich G. confusum, die sehr wohl an J. communis vorkommt. G. clavariiforme ist nicht nur makroskopisch sondern auch mikroskopisch von G. sabinae und G. confusum verschieden.


    Eine Anmerkung noch. Wenn du dich weiter mit Rostpilzen befassen willst, dann wirst du auf Arten stoßen, die sich nur durch die Wirtswechsel unterscheiden; ansonsten aber makros- und mikroskopisch völlig identisch sind. Das ist mir schon ein paar Mal im Klenke/Scholler aufgefallen.


    l.g.
    Stefan


    edit: Aussagen nach Recherche im Klenke/Scholler korrigiert.

  • Hallo Zusammen,


    vielen Dank für eure Beiträge, habe mich sehr gefreut.


    -Feuerzungen- Ja, wirklich, ein schöner bildlicher Ausdruck.


    Den Klenke/Scholler gibt es hoechstwahrscheinlich in der hiesigen
    Uni-Bibliothek. Schau ich bei Gelegenheit mal rein.


    Man könnte ja meinen, dass Pilze, die makroskopisch und mikroskopisch
    identisch sind, zu einer Art gehören, auch wenn sie unterschiedliche Wirte
    besiedeln? :/


    Liebe Grüße Brassella

    • Offizieller Beitrag

    Man könnte ja meinen, dass Pilze, die makroskopisch und mikroskopisch
    identisch sind, zu einer Art gehören, auch wenn sie unterschiedliche Wirte
    besiedeln? :/


    Hi,


    interessanter Ansatz. :thumbup: In so einem Fall wären dann u.a. die molekularen Daten wieder wichtig. Ansonsten kannst du "nur" noch unter Laboratoriumsbedingungen die möglichen Wirtspflanzen mit den Rostpilzsporen infizieren und prüfen, ob die Rostpilze auf den Pflanzen gedeihen oder nicht. Ich weiß, dass es solche Versuche gibt.


    l.g.
    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.