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Schopf-Tintling - Coprinus comatus (O.F. Müll.) Pers. (1797)

  • Hallo liebes Forum,


    heute möchte ich euch einen Pilz vorstellen, den man fast überall wo's grün ist finden kann: Coprinus comatus (Schopf-Tintling).


    Er wächst inner- und außerhalb von Wäldern, in Wiesen, Gärten, Schotterhalden, lichten Laub- und Nadelwäldern, etc. Er bevorzugt allerdings Wiesen, egal ob regelmäßig gemäht oder nicht, oder ob es sich um Weiden, Äcker, Ruderalstellen oder Fettwiesen handelt.
    Er wächst in milden Wintern gelegentlich ganzjährig, bevorzugt aber von April bis November und kommt meist gesellig in großen Gruppen vor.


    Es handelt sich um eine der größten und bekanntesten Arten aus der Gattung der Tintlinge (Coprinus). Sein Hut zerfließt wie die meisten Arten seiner Gattung im Alter zu schwarzviolettem "Sporenschleim", es entwickelt sich also eine Art "Tinte", in die sich der Hut auflöst, die zum Großteil aus Sporen entsteht und dann auf den Erdboden tropft um so für die Verbreitung zu sorgen.


    Der Schopf-Tintling ist sowohl makro- als auch mikroskopisch eine ziemlich variable Art. Es sind viele verschiedene Varietäten beschrieben, die allerdings nur auf dem Aussehen der Fruchtkörper beruhen und die wohl keine taxonomische Relevanz haben. Mikroskopisch divergieren die Sporenmaße extrem, in der Literatur sind Angaben von 11 x 7,5 µm in PdS bis hin zu 16 x 8 µm bei Ryman & Holmasen zu finden (Angaben: Ludwig, Pilzkompendium Band 2).


    Der Schopf-Tintling gilt als recht guter Speisepilz, ist er doch sehr zart und mild im Geschmack. Er verdirbt allerdings ziemlich schnell, es sollten also nur Exemplare mit rein weissen bis leicht rosafarbenen Lamellen gesammelt werden, die in der Folge auch noch innerhalb weniger Stunden verarbeitet werden sollten. Den Verwesungsvorgang kann man etwas verzögern, in dem man schon am Standort den Stiel durch drehen vom Hut löst.
    Der Schopf-Tintling kann vielerlei verwendet werden, man sollte aber Rezepte ohne zuviele Gewürze wählen, damit der feine Geschmack des Pilzes erhalten bleibt. Besonders gut schmeckt er mir angebraten und etwas gesalzt (evtl. auch mit etwas Petersilie verfeinert) auf Bauernbrot.
    Früher wurde der Stiel von der ärmeren Bevölkerung als Spargelersatz verwendet, was dem Schopf-Tintling den volkstümlichen Namen "Spargelpilz" einbrachte.


    Verwechselt kann die Art kaum werden, wenn man auf Größe, Fleisch ohne auffälligen Geruch und geschuppten Hut achtet. Coprinus levisticolens (Maggi-Tintling) riecht stark nach Liebstöckel, Coprinus palmeranus ist kleiner und hat kleinere Sporen als Coprinus comatus und Coprinus spadiceisporus (Braunsporiger Tintling) hat, wie der Name schon sagt, rotbraune Sporen.


    Mein Fund vom Foto stammt vom 13.4.2008 vom Rand einer Wiese an einem Auwaldrand.


    Hier nun die Beschreibung meines Fundes mit Bildern:


    Makroskopische Beschreibung:


    Hut: Bis 15 cm hoch, weiss, schuppig, apikal ungeschuppt und hellbraun
    Lamellen: Jung weiß, dann von unten zuerst rosa und später schwarz verfärbend, gedrängt
    Stiel: Weiß, bis 17 cm lang, im unteren Drittel mit verschiebbarem, weißen Ring



    Mikroskopische Beschreibung:


    Sporen: schwarzbraun, ellipsoid bis ovoid, mit zentralem Keimporus, etwas abgestutzt


    11 x 6 µm 11 x 7 µm 12 x 7 µm
    12 x 8 µm 13 x 8 µm 11 x 6 µm
    12 x 7 µm 13 x 8 µm 11.5 x 6 µm
    11 x 6 µm 11 x 6,5 µm 13 x 7 µm
    13 x 8 µm 14 x 7 µm 10 x 6 µm
    --------------------------------
    10 –“ 14 x 6 –“ 8 µm
    M: 11.9 x 6.9 µm
    Q: 1.5 –“ 2



    Ich hoffe, es hat euch gefallen ;).


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Gernot,


    vielen Dank für die tolle Präsentation des Schopf-Tintlings - einfach weltklasse, Deine Pilz-Vorstellungen in Wort und Bild :alright::alright:!


    Auch als völliger Mikro-Laie muss ich sagen, dass mir das Mikro-Bild ausgezeichnet gefällt: tolle Abbildung der Sporen vor ganz ruhigem Hintergrund - wunderbar :alright:!


    Da Du so herrlich photographierst, ist uns allen zu wünschen, dass Du in dieser "Saison" zahlreiche bebilderte Beiträge verfasst ;).


    LG,
    mäxxi

  • Hallo Gernot,
    sehr schön präsentiert. Mir war es bisher leider nicht vergönnt, nutzbare Mengen des Schopf-Tintlings nach Hause zu tragen. Und wenn dem so gewesen wäre, hätten die unter Küchenbann gestanden. Keine Löcher unter dem Hut, man weiss ja...
    Ganz anderes Thema: Haben die Sporen tatsächlich einen stets zentralen Keimporus? Solch einer war mir ebenfalls noch nie vergönnt! HORAK schlüsselt sogar nach diesem aus.
    Beste Grüße!
    Andreas

  • Hallo zusammen,


    erstmals vielen Dank für euer Lob ;).


    Zitat

    Da Du so herrlich photographierst, ist uns allen zu wünschen, dass Du in dieser "Saison" zahlreiche bebilderte Beiträge verfasst ;).


    Hin und wieder, wenn ich etwas neues finde, werde ich es hier sicherlich vorstellen ;).


    Andreas :

    Zitat

    Ganz anderes Thema: Haben die Sporen tatsächlich einen stets zentralen Keimporus? Solch einer war mir ebenfalls noch nie vergönnt! HORAK schlüsselt sogar nach diesem aus.


    Tja, da bin ich mir auch nicht so ganz sicher. Nach manchen Werken (z.B. PdS) ist der Keimporus zentral, in Flora Agaricina Neerlandica 6 z.B. soll der Keimporus aber auch leicht exzentrisch sein dürfen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ab wann man einen etwas versetzten Keimporus schon als exzentrisch ansieht, aber auf dem von mir gezeigten Mikrobild finde ich mindestens eine Spore mit meiner Meinung nach versetztem Keimporus (rot eingezeichnet sind die Sporen, von denen mir der Keimporus versetzt erscheint):


    Was meinst du, kann man das schon als exzentrisch ansehen?


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo und guten Abend Gernot,


    Zitat

    Was meinst du, kann man das schon als exzentrisch ansehen?


    ob man den Keimporus als exentrisch oder mittig/zentral ansehen kann möchte ich nicht beurteilen.


    Zitat

    Sporen: schwarzbraun, ellipsoid bis ovoid, mit zentralem Keimporus, etwas abgestutzt


    Du schreibst in deiner mikroskopischen Beschreibung der Sporen das sie einen zentralen Keimporus haben. Auf Anfrage von Andreas ob sie stets einen zentralen Keimporus haben, schreibst du das du dir nicht ganz sicher bist und zitierst aus B+K und Flora Agaricina Neerlandica.
    Ist deine mikroskopische Beschreibung nun aus der einschlägigen Literatur abgeschrieben oder hast du tatsächlich deine Angaben gesehen bzw. gemessen?
    Gernot, wenn alle Pilzler bei ihren Beschreibungen der Pilze nicht ihre eigenen gesehenen, gerochenen, gemessenen –¦–¦. Eindrücke bzw. Werte weitergeben und stattdessen lediglich die in der Literatur angegebenen Werte übernehmen lernen wir in der Mykologie nichts hinzu!


    Ach übrigens Gernot, schön das du dir ein Mikroskop zugelegt hast. Verrätst du mir bitte hier oder per Mail mit was für einem Gerät du mikroskopierst und mit welchem Fotoapparat du durchs Okular knipst?


    Eine gute Zeit
    Gelbfieber

  • Hallo Gelbfieber,


    alle Daten von der makro- und mikroskopischen Beschreibung des Pilzes stammen von meinen Erfahrungen/Messungen dieser Kollektion.
    Einzig beim Thema "Keimporus mittig/exzentrisch" las ich in der Literatur nach, da ich mangels Erfahrung nicht einschätzen konnte, ab wann der Keimporus nun als mittig und wann als exzentrisch gilt. In PdS stand "zentral", auf alle Sporen bezogen, deshalb nahm ich mal leise an, dass das auch so sei (ich weiss, PdS ist nicht das Maß aller Dinge...) und der leicht verschobene Keimporus meiner Sporen immer noch als "zentral" gilt. Später kam ich dann drauf, dass laut Flora Agaricina Neerlandica 6 auch ein exzentrischer Keimporus möglich sei - so wurde ich also unsicher.


    Schöne Grüße
    Gernot

  • Hallo Gernot,
    so weit man nach Fotos urteilen kann, ist bei der obersten und bei der untersten Spore der KP nicht zentral. Exzentrisch wäre vielleicht stark übertrieben, eher trifft es "leicht abgeschrägt". Im Zusammenhang mit meiner Recherche zu Coprinus palmeranus habe ich -zig Aufsammlungen untersucht und stest einen abgeschrägten KP gefunden. Mir ist deshalb schleierhaft, warum der als "zentral" in der Literatur herumgeistert. Übrigens hat auch Agrocybe pediades einen nicht zentralen KP - darüber habe ich auch noch nie was gelesen.
    Beste Grüße!
    Andreas

  • Hallo.


    Ganz unabhängig von der Position des Keimporus erlaube ich mir mal (über 5 Jahre später), ein Dokument der Vergänglichkeit zu ergänzen. Ganz einfach und rein makroskopisch, aber eben auch Schopftintling (Coprinus comatus).



    LG, Pablo.

  • Bin seit ein paar Minuten neu hier im Forum. Hallochen!
    Danke für eure interessanten Beiträge zum Thema "Schopftintling"!
    Gestern sammelte ich einige Steinpilze und außerdem auch paar junge Schopftintlinge, das Abendessen war lecker!


    liebe Grüße
    von Sternchen

  • Ich war heute mit Alex noch mal schnell in der Wallachai und dort fanden wir einen kleinen Kraftmeier. Obwohl so klein war nun nicht.





    Von 30 cm Höhe hörte ich ja schon. Von 38 cm bisher noch nicht. :eek:
    Mit dem Kram unter der Erde erreicht man sogar die 40 cm. :cool:

  • In manchen Pilzbüchern kann man lesen, der Schopftintling vertrüge sich nicht mit Alkohol.


    Das kann ich bestätigen.
    Eine satte, reine und qualitativ einwandfreie Schopftintlingsmahlzeit mit 0,33l Bier hat bei mir zu einer eindeutig durch diese Pilze herrührende Vergiftung geführt.
    Sie begann ca. 5h nach dem Essen mit 4h Hochphase und war nach 12h komplett abgeklungen.
    Symptome der Reihe nach:
    Aufgewacht in der Nacht um 1 Uhr mit Taubheitskribbeln in den Extremitäten und Prallheitsgefühl im Kopf.
    Herzklopfen vor allem bei ruhigem Liegen.
    Versuch durch Brechmittel den Magen frei zu bekommen, aber war schon alles im Darm.
    Grummeln im Darm mit Furzen der Extraklasse. Unglaublich, wirklich.
    Danach Darmkrämpfe und Durchfall.
    Nachwirkungen hatte ich keine, die Intensität war gerade noch so, dass ich nicht in die Notaufnahme gefahren bin.


    Also Vorsicht, lieber keinen Alkohol trinken.
    Alle Schopftintlineg davor und danach habe ich übrigens klaglos vertragen.

  • Hallo.


    Das ist ein interessanter Hinweis.
    Ich gehe mal davon aus, daß du Coprinus comatus von ähnlichen Arten unterscheiden kannst, also keinen anderen Tintling erwischt hast.
    Dein Bericht ist jedenfalls zu beachten.
    Allerdings steht Coprinus comatus ohne Einschränkung auf der Positiv - Liste der DGfM. Der Pilz enthält kein Coprin, jedenfalls nicht in relevanten Mengen.
    Das muss aber nicht viel heißen. Auch bei Boletus luridus (Netzhexe) gibt es Berichte, wo nach dem Verzehr und gleichzeitigem Alkoholgenuß Probleme aufgetreten sind.
    Ein Teil der Berichte ist sicher auf Verwechslungen zurückzuführen, aber bei weitem nicht alle (dazu ist Boletus torosus einfach zu selten).
    Man muss also vermuten, daß es noch andere Substanzen in Pilzen gibt (außer Coprin), die in Verbindung mit Alkohol bei einzelnen personen Probleme auslösen können.
    Ich selbst hatte nie Probleme, weder mit Schopftintlingen noch mit Netzhexen in Kombination mit Alkohol.
    Interessant ist aber, daß bei manchen Arten individuelle Unverträglichkeite gehäuft auftreten.



    LG, Pablo.