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letzter Beitrag von Beorn am

Seltenheiten und Artenschutz

  • Hallo, Community!


    Seit einiger Zeit schon geht mir das Thema im Kopf herum. Natürlich gibt es in Mitteleuropa wohl eine recht große Anzahl wirklich seltener Pilze, aber wirklich verlässliche, einheitliche Informationen scheinen da irgendwie rar zu sein.


    Ich denke mal, das hat verschiedene Gründe.
    Erstens sind Pilzvorkommen regional sehr unterschiedlich, also kann ein Pilz, den man zB in Brandenburg regelmäßig und häufig findet, meinetwegen in der Nordschweiz absolut selten sein.
    Zweitens - und das scheint mir sogar noch entscheidender zu sein - Ist die genaue und überprüfte Dokumentation von Pilzvorkommen offenbar zumindest lückenhaft. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, daß viele Funde gar nicht dokumentiert bzw. gar nicht erst als besonders wahrgenommen werden.


    Da aber natürlich der Schutz gefährdeter Arten immer auch eine Rolle spielen sollte, habe ich dazu nach offiziellen Informationen gesucht.


    Einmal natürlich für Baden Württemberg, weil das mein "Heimat"-Bundesland ist:
    Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden Württemberg


    Dann natürlich auf ganz Deutschland bezogen:
    Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit


    Beide Listen sind bezüglich der Pilze weitestgehend gleich. Und aus meiner Sicht eher unbefriedigend.
    Ohne jetzt ätzend werden zu wollen: Vergleicht einfach mal die Liste an Vogelarten und die Pilzliste. Nehme ich da ein gewisses Ungleichgewicht wahr? Und wenn ja, ist dieses auf die geringere Kartographierung, Sichtung und Dokumentation (s.o.) zurückzuführen?


    Es wundert mich auch etwas, daß hier pauschal einfach ganze Familien geschützt werden, wie zB alle Raustielröhrlinge. Unter den Leccinum Arten gibt es sicher einige sehr seltene, aber andere sind doch definitiv "Massenwahre"!


    Oder anders gefragt: Ist der Fichtensteinpilz (Boletus edulis) oder der gemeine Pfifferling (Cantharellus Cibarius) in Baden Württemberg etwa ein seltener Pilz? Ich antworte mir mal selbst: Mitnichten. Schützenswert insofern sicher, als daß zB der (unregulierte!) kommerzielle Handel das Potential hätte, diese Arten stark zu dezimieren.


    Aber was ich völlig vermisse: Wo sind hier seltene Täublinge, Egerlinge, Schirmlinge usw. usw. aufgeführt? Selbst der Pantherpilz ist nach meinen Erfahrungen deutlich seltener als zB ein Steinpilz.


    Wenn ich mir die Liste also mal mit anderen Augen ansehe, sehe ich fast ausnahmslos Speisepilze, bzw. solche, die mal als Speisepilze galten. Sollte das indirekt wieder meine oben aufgestellte These bestätigen, daß es eben bei den für Ottonormalverbraucher uninteressanten Pilzarten in der Vergangenheit keine "Lobby" und somit eben keine belastbare Bestandsaufnahme gab?


    Freilich finden sich in Literatur sowie an verschiedenen Stellen im Netz sehr wohl deutlich abweichende "Rote Listen" für diverse Pilzarten. Aber hier wird es wirklich kompliziert: Allein innerhalb der Trivialliteratur widersprechen sich die Angaben zu Seltenheit und Schützungswert einzelner Arten deutlich.


    Selbst auf dieses Forum bezogen, gibt es oft recht wenig Einigkeit, welche Pilze denn nun wo selten sind. Aber immerhin tummelt sich hier doch ein recht großes Publikum, und viele sind auch sehr engagiert wenn es um Kartierung und Bestimmung geht.


    Darum - langer Rede kurzer Sinn - kommen jetzt meine zwei Fragen:


    1.:
    Gibt es wirklich belastbare Listen zur Seltenheit von Arten? Diese sollten schon deutlich aussagekräftiger sein, als das, was in den behördlichen Artenschutzgesetzen aufgeführt ist.


    2.:
    Wenn nicht, ließe sich dazu hier an dieser Stelle dazu etwas zusammenstellen? Das wäre vorerst nur als eine Art Brainstorming gedacht, eine Materialsammlung sozusagen, die auch neuen und unerfahrenen Sammlern einen besseren Überblick über schützenswerte Arten ermöglicht.




    Es grüßt Beorn.



    Anhang: Ein paar Links!


    Rote Listen der Bundesländer


    Rote Liste des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW


    Rote Liste für BW


    Rote Liste für Hessen


    Rote Liste für Bayern (hübsch gemacht!)


    Rote Liste für Rheinland - Pfalz


    Rote Liste für Saarland


    Rote Liste für Sachsen


    Rote Liste für Sachsen - Anhalt


    Rote Listen für Schleswig - Holstein



    Sonstiges, Zusätzliches und "Inoffizielles":


    Pilzraritaeten.de <---- Die Seite von Andreas für Mecklenburg - Vorpommern


    funghiparadise <--- Seite von Björn Wergen mit Schwerpunkt Ascomycetes, aber auch hier geht es um Kartierung und Erfassung.


    Weitere Infos für NRW (mit Dank an Rada):
    Webseite von Hans Bender für Mönchengladbach und Umgebung


    Für bayerische Pilzfans und solche, die es werden wollen


    Gerds Gedanken zum Thema Artenschutz <--- Dateinanhang beachten!


    Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Hauptseite)
    ----> Pilzportal der DGfM


    Auch interessant: Pilzkartierung online


    Wie wirkt sich das Sammeln auf die Bestände aus?
    ----> deutsch
    ----> englisch
    Nochmal dank an Gerd, der immer das richtige Material parat hat!



    Wer sich aktiv beteiligen will, braucht wohl einen Verein.


    Für die Suche nach Angeboten in der jeweiligen Nähe eignet sich die Linkliste des Tintling.




    to be updated...

  • Hallo,
    Gegenfrage: gibt es eine Lobby für den Pantherpilz?
    Ich glaube nicht und wahrscheinlich hat man vor allem die Pilze als gefährdete Arten eingestuft, die durch kommerzielles Sammeln oder durch Sammler, die über die Strenge schlagen, gefährdet werden könnten und das sind natürlich nur die beliebten, essbaren Pilze, allen voran Steinpilz und Pfifferling.

  • Hallo, Rad-Pilz!



    Hallo,
    Gegenfrage: gibt es eine Lobby für den Pantherpilz?
    Ich glaube nicht und wahrscheinlich hat man vor allem die Pilze als gefährdete Arten eingestuft, die durch kommerzielles Sammeln oder durch Sammler, die über die Strenge schlagen, gefährdet werden könnten und das sind natürlich nur die beliebten, essbaren Pilze, allen voran Steinpilz und Pfifferling.


    Und genau das ist mein Problem. Denn die größte Gefahr ür den Bestand bedrohter Arten ist nicht das Sammeln. Steinpilze und Pfifferlinge werden doch so oder so in recht großer Menge aus dem Wald geschleppt. Ohne, daß dabei ein Rückgang festzustellen wäre. Sollte es belastbare Statistiken geben, die diese Behauptung widerlegen, dann immer her damit! Aber ich bezweifle es.


    Das größte Problem ist die Zerstörung entsprechender Biotope. Und das betrifft Amanita Virosa genauso wie Hydnum Repandum!


    Aber mit der Aussage zur "Lobby" der Pilze hast du sicherlich recht. Nur geht es mir hier eben nicht nur ums Essen, sondern auch um den Schutz aller Arten.


    Grüßle, Beorn.

  • Hallo Björn,


    die Zerstörung der Biotope ist für die hier betroffenen Pilze nicht ausschlaggebend, da es überwiegend Waldpilze sind und der Wald eher zugenommen als abgenommen hat. Zusätzlich sind auch im Wald in den letzten Jahrzehnten eher sogar mehr Schutzgebiete entstanden. Pfifferlinge und Steinpilze brauchen eigentlich nur Fichtenwälder, das sind nicht gerade seltene Biotope, wie bei anderen bedrohten Arten.


    Es sind nur Esspilze geschützt, weil nur die durch Sammlung beeinträchtigt werden könnten. Ohne Schutz vor kommerzerzieller Sammlung wird der Bestand gefährdet, wir haben hier im Schwarzwald letztes Jahr dubiose Gruppen gehabt, die in Reihen durch den Wald sind und alles systematisch durchkämmt haben. Wenn das legal wird, dann sind die Pilze echt bedroht.

  • Kann es nicht sein, dass unsere Sichtweise ein wenig zu kurz greift?


    Pilze sind sicherlich sehr alte Lebewesen, soll heißes, sie bevölkern unsere Erde schon sehr lange. Und auch unsere Erde hat schon sehr viele verschieden Stadien, Temperaturschwankungen verbunden mit verschiedenstem Wachstum und Voraussetzungen so unterschiedlich wie Tag und Nacht, durchlebt. Pilze gibt es noch immer - hat es vermutlich schon immer gegeben.


    So kann zum Beispiel ein von uns erzeugter Temperaturanstieg dazu führen, dass manche Arten halt in anderen Zonen vorkommen, bei uns dafür wieder andere heimisch werden. Das soll nichts verharmlosen, aber um die Pilze mach ich mir keine Sorge, nur um uns Menschen.


    Pilze sind aber wahrscheinlich ein guter Indikator für Umweltsünden und wir sollten uns deren Entwicklung genauestens anschauen.


    LG Jürgen



  • Zu 1.) Schlichtweg Nein.


    Selbst wenn man die von Björn und mir dokumentierten Listen für unser kleines Gebiet zu Rate zieht, ist das nur ein kleiner Ausschitt. Eine Aussage zur Seltenheit kann damit in gar keinem Fall getroffen werden. Schließlich dokumentieren wir und andere nur die Fruchtkörper, nie den Pilz.
    Mag sein, dass das Myzel der "absoluten Seltenheit" großflächig und Jahrzehntelang an jeder Ecke unter der Erde schlummert, die Art aber nur sehr selten, nur bei ganz bestimmten Bedingungen und/oder nur extrem kurzfristig fruchtet. Und gerade dann ist man nicht vor Ort.


    Solche Dokumentationen dienen dann auch mehr dem erkennen der Verbreitung der Arten (was mit den gleichen Schwierigkeiten verbunden ist) denn des feststellen der Seltenheit.


    Das die Informationen engagierter Sammler dennoch Einzug in die Roten Listen hält, ist in so fern gut, dass es keine besserren Daten gibt.


    Der "Schutzstatus" an sich ist in meinen Augen bloße Augenwischerei.
    Artenschutz ist immer Biotopschutz. Es macht nicht den geringsten Sinn, Arten unter Schutz zu stellen und gleichzeitig zuzulassen, dass die Lebensräume vernichtet oder umgekrempelt werden. Das gilt für Pilze gleichermaßen, wie für Insekten und Pflanzen.
    Wenn, wie bei uns z.B. streng geschützte Orchideen am Wegesrand von der Gemeinde regelmäßig bei der Wegpflege abgemäht werden, Vorsprachen bei der zuständigen Dienststelle, Dienstaufsichtsbeschwerden und letztlich sogar eine reguläre Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einfach verpuffen, dann weiß man wie es um den Artenschutz in Deutschland steht.


    Das Einzige was Sinn macht ist lokale Kartierung und dann, wenn eine ausreichende Datenbasis vorhanden ist, bei der zuständigen Landschaftsbehörde vorstellig zu werden und sich für Veränderungssperren bestimmter Teilbereiche stark zu machen.


    Auf den Terz freue ich mich schon im nächsten Jahr. :)


    Zu 2.) Gut gemeint, bringt aber nicht viel. Ganz abgesehen davon, wie korrekt die Bestimmungen je nach Fachwissen sind, ist das ein Stückwerk ohne jegliche Aussagekraft.


    Das Einzige was in meinen Augen in einem Forum wie diesem etwas bewirken kann, sind Berichte wie die von Björn und anderen Experten in der Hoffnung, dass der/die eine oder andere "infiziert" wird und sich intensiver mit den Pilzen beschäftigt. Wirklich wirksam wird das jedoch erst dann, wenn die-/derjenige sich dann auch tief in die Materie reinkniet, was eigentlich erst mit der Anschaffung eines Mikroskops zusammengeht.
    Ansonsten ist es natürlich immer gut, wenn Wissen vermittelt wird und möglichst viele Menschen sensibler mit der Natur umgehen und sich kritischer mit dem behördlich verordneten Artenschutz beschäftigen, auch wenn das nicht die professionelle Tiefe erreicht.


    Mangelnder Biotopschutz ist nämlich in erster Linie ein gesellschaftliches Problem. Wenn den Behörden genügend Bürger auf den Geist gehen, und zwar heftig und mit Nachdruck, dann kann auch was erreicht werden, was über Lippenbekenntnisse und geduldigem Papier hinausgeht.

  • N–™Abend!



    die Zerstörung der Biotope ist für die hier betroffenen Pilze nicht ausschlaggebend, da es überwiegend Waldpilze sind und der Wald eher zugenommen als abgenommen hat. Zusätzlich sind auch im Wald in den letzten Jahrzehnten eher sogar mehr Schutzgebiete entstanden. Pfifferlinge und Steinpilze brauchen eigentlich nur Fichtenwälder, das sind nicht gerade seltene Biotope, wie bei anderen bedrohten Arten.


    Ähm, sehe ich nicht ganz so:
    Steinpilze und Pfifferlinge mögen ja noch recht anspruchslos sein (beide finden sich ja auch in Buchen und Eichenwälder, Gärten, auf Friedhöfen, in Parks usw–¦), aber manche andere Pilze stellen eben besondere Ansprüche. Aber auch hier halte ich den Schutz der Biotope für wesentlicher als die (bestehenden) Sammeleinschränkungen, die ohnehin weder kontrolliert, noch eingehalten werden.



    Es sind nur Esspilze geschützt, weil nur die durch Sammlung beeinträchtigt werden könnten. Ohne Schutz vor kommerzerzieller Sammlung wird der Bestand gefährdet, wir haben hier im Schwarzwald letztes Jahr dubiose Gruppen gehabt, die in Reihen durch den Wald sind und alles systematisch durchkämmt haben. Wenn das legal wird, dann sind die Pilze echt bedroht.


    Oh ja, da sprichst du etwas an!
    Das nun ist ein kapitaler Denkfehler der zuständigen Behörden, und höchstwahrscheinlich deren Unwissenheit geschuldet. Welche empirischen Erhebungen zur Entwicklung einer der genannten Arten bei kommerzieller –žBewirtschaftung–œ gibt es denn?
    Keine.
    Ich stelle jetzt mal ganz frech eine ebenso nicht belegbare Behauptung auf: Langfristig könnte eine sinnvoll reglementierte und kontrollierte Nutzung einigen Arten sogar zuträglich sein. Alleine schon in der Hinsicht, daß auf das Thema ein wirtschaftliches Interesse fällt, das bedeutet Geld, Geld bedeutet Forschung und das entstehen einer Lobby, was zu einem entsprechenden Schutz und einer Pflege der Einnahmequelle führt.


    Womöglich bietet eine solche –žBewirtschaftung–œ ausgewählter Waldstücke sogar einen besseren Biotopschutz, als jede bestehende Version. Denn ein Unternehmen, daß einen Profit erwirtschaften will, muss auch die Ressourcen schonen.


    Klar, es gibt eine Menge Wald, und es gibt schöne Schuztgebiete. Aber diese werden nur solange wirklich geschützt, wie der Schutz nicht wirtschaftliche Interessen stört. Persönliche Erfahrungen im Odenwald zeigen eines zum Beispiel ein massives Zusammenbrechen von Biotopen durch Forstwirtschaft. Hier werden teilweise recht große Waldstücke komplett durchgeförstert, was eigentlich ja gar nicht problematisch und sogar wünschenswert wäre, weil es eben auch um Bestandsverjüngung und –žAufhellung–œ geht. Aber was ich beobachte, ist Folgendes: Die Stämme werden geschlagen, entastet und abtransportiert. Das wirtschaftlich nicht nutzbare Kleinholz verbleibt im Wald, gebietsweise in bodendeckenden Haufen und Lagen. Daß sich in so einem Wald weder Mensch noch Tier bewegen kann, ist eine Sache. Viel schlimmer ist, daß auf dem komplett von dünnem Totholz bedeckten Boden keine vernünftige Vegetation mehr nachwachsen kann. Ich sehe nur eine Spezies, die von diesen Bedingungen profitiert: Japanisches Springkraut. Super. Pilze wird man in solchen Wäldern kaum noch finden, und erst recht nicht in einer vernünftigen Diversität.


    Soviel zum Biotopschutz.




    Klar, Jürgen, und –ždie Pilze–œ werden auch aller Vorraussicht den Menschen überleben. Aber mir geht es ja um die Pilze, die sich jetzt und hier mit uns den Lebensraum teilen. Daß Pilze nicht nur ein Indikator für Umweltsünden, sondern auch für Klimaveränderungen sein könnten, ist aber ein guter Hinweis!




    Zu 1.) Schlichtweg Nein.


    Ich hab–™s befürchtet–¦



    Selbst wenn man die von Björn und mir dokumentierten Listen für unser kleines Gebiet zu Rate zieht, ist das nur ein kleiner Ausschitt. Eine Aussage zur Seltenheit kann damit in gar keinem Fall getroffen werden. Schließlich dokumentieren wir und andere nur die Fruchtkörper, nie den Pilz.
    Mag sein, dass das Myzel der "absoluten Seltenheit" großflächig und Jahrzehntelang an jeder Ecke unter der Erde schlummert, die Art aber nur sehr selten, nur bei ganz bestimmten Bedingungen und/oder nur extrem kurzfristig fruchtet. Und gerade dann ist man nicht vor Ort.


    Solche Dokumentationen dienen dann auch mehr dem erkennen der Verbreitung der Arten (was mit den gleichen Schwierigkeiten verbunden ist) denn des feststellen der Seltenheit.


    Verstehe.
    Aber gerade darum wäre es doch sinnvoll, eine möglichst große Anzahl an Leuten einfach mal zu sensibilisieren. Je mehr Menschen an verschiedenen Orten mitmachen, desto detaillierter müssten doch die Datensätze werden?


    Das die Informationen engagierter Sammler dennoch Einzug in die Roten Listen hält, ist in so fern gut, dass es keine besserren Daten gibt.


    War hier nicht mal irgendwo eine Seite verlinkt, die sich Pilzkartierung.de oder so ähnlich nennt?
    Blöderweise habe ich den Link verlegt–¦ Aber beim Besuch auf entsprechender Seite fand ich nicht nur Mängel, die Grundidee ist doch eigentlich ganz gut. Jeder Anfang ist Stückwerk.


    Das klingt ja fast schon pessimistisch! Irgendwo muss man doch auch mal einen Ansatz machen. Aber was wäre denn erfolgversprechend? Die Arbeit von Dir, Björn und co. ist doch ein wichtiger Schritt! Auch die Seite Pilzraritäten.de von Andreas finde ich da sehr interessant, auch wenn das nochmal in eine ganz andere Richtung geht. Leider hängen alle diese Projekte eben ein bisschen in der Luft. Da fehlt einfach der Zusammenhang.


    Aber denk mal ein bisschen großzügiger: Wer macht den die Masse unter den Pilzinteressierten aus? Das sind doch Amateure wie ich, die sogenannten Speisepilzsammler. Daß man hier nicht erwarten kann, daß Dungpilze entdeckt und bestimmt werden, ist schon klar. Aber wenigstens könnten doch ein paar Daten zu gut erkennbaren Großpilzen gesammelt werden?


    Voraussetzung ist natürlich –“ wie du ja auch sagst –“ zum einen ein Minimum an Kenntnis, zum anderen die entsprechende Sensibilisierung. Das ist wohl für mich auch ein entscheidender Punkt, der mich zu dem Thema überhaupt veranlasst hat.


    Beispiel: Sammler Kruse findet einen Spechttintling, Coprinus Picaceus. Er kann ihn auch sicher bestimmen (ist bei der Art ja nicht soooo schwer). Und das war–™s dann. Kruse würde zwar gerne wissen, ob der Pilz selten ist, findet aber keine Daten dazu. Also würde er, weil er engagierter und naturbegeisterter Rentner ist, seinen Fund ganz gerne dokumentieren. Aber wo? Und wie?


    Meine nächste Frage: Wie viele Kruses würden gerne irgendwie mitmachen, etwas beitragen, aber sie können es nicht, weil einfach die Infrastruktur fehlt?


    Darum wäre vielleicht gerade dieses Forum eine Goldgrube, weil ich hier so einige Kruses sehe (mich eingeschlossen) und aber auch etliche Dres. Mycologices, die dann das Know How hätten, mit Kruses Daten etwas Sinnvolles anzufangen.


    Soviel Text mal für–™s erste. Irgendwas lässt sich doch bestimmt aus diesem weitschweifigen Thema herausprügeln–¦


    Ich danke euch allen für die Beteiligung,
    Beorn.

  • Hallo liebe Leute!


    Googelt doch einfach mal "geschützte Pilze Oberösterreich"... (Naturschutz ist in Österreich Ländersache)
    Ihr findet genau SIEBEN Pilze, wozu unter anderem auch der Schönfußröhrling (der jetzt ja nicht grad zu den meistgsammelten Speisepilzen :nana: ) zählt, der bei uns im südlichen Oberösterreich ein Massenpilz ist. Abgesehen davon ist absolut nicht ersichtlich nach welchen Kriterien diese sieben Pilze ausgewählt wurden, zumal ich einige viel seltenere auch schon fand bei uns...
    In Deutschland und der Schweiz gibts wenigstens Rote Listen der gefährdeten Arten! Davon sind wir hier noch meilenweit weit entfernt... :(
    Fehlt den unersätzlichen Helfern im Wald diesbezüglich wirklich die Lobby????
    Tiere und Pflanzen haben was das betrifft hier ja kein Problem.


    Lg schmidltux


  • Langfristig könnte eine sinnvoll reglementierte und kontrollierte Nutzung einigen Arten sogar zuträglich sein. Alleine schon in der Hinsicht, daß auf das Thema ein wirtschaftliches Interesse fällt, das bedeutet Geld, Geld bedeutet Forschung und das entstehen einer Lobby, was zu einem entsprechenden Schutz und einer Pflege der Einnahmequelle führt.


    Womöglich bietet eine solche –žBewirtschaftung–œ ausgewählter Waldstücke sogar einen besseren Biotopschutz, als jede bestehende Version. Denn ein Unternehmen, daß einen Profit erwirtschaften will, muss auch die Ressourcen schonen.


    Ist doch völlig unnötig aus diesem Grund Pilze zu bewirtschaften, denn man bewirtschaftet bereits den Wald (Holz) und der funktioniert mit Pilzen besser, das weiß jeder Förster. Deutsche Wälder werden bereits seit langem nachhaltig bewirtschaftet, Kahlschlag großer Gebiete ist die extreme Ausnahme. Zudem werden die Wälder in den letzten Jahren ökologisch stabilisiert, indem man von Fichtenmonokulturen weg und hin zu Mischwäldern geht.
    Nein, das Biotop Wald ist in Deutschland nicht mal ansatzweise gefährdet, die Übertragung der Problematik von anderen Geschützten Arten zieht hier nicht.
    Das Kleinholz im Wald zu lassen ist ökologisch überaus sinnvoll, da so der Boden geschützt wird und Nährstoffe im Wald verbleiben, die durch Pilze zersetzt werden. Alles restlos auszuräumen würde dem Wald schaden.



    [hr]


    Ihr findet genau SIEBEN Pilze, wozu unter anderem auch der Schönfußröhrling (der jetzt ja nicht grad zu den meistgsammelten Speisepilzen :nana: ) zählt, der bei uns im südlichen Oberösterreich ein Massenpilz ist.


    Den hat man wahrscheinlich gleich mitgeschützt, weil er von unbedarften Sammlern oft abgerissen wird, um zu schauen, ob es ein Steinpilz ist.;)

  • Das klingt ja fast schon pessimistisch! Irgendwo muss man doch auch mal einen Ansatz machen. Aber was wäre denn erfolgversprechend?


    Ich bin nicht pessimistisch, sondern realistisch mit einer gehörigen Portion Lästigkeit gegenüber Behörden und Ämtern.


    Ich versuche das mal ein wenig zu gliedern.


    Als erstes gilt es festzustellen, dass jeder der sich für Natur und Pilze interessiert, ein Gewinn ist. Völlig gleich, wie tief er/sie in die Materie einsteigt.


    Als zweites gilt festzustellen, dass es einen erheblichen Mangel an Pilzkundigen gibt, die an der Erfassung der heimischen Pilzwelt mitarbeiten. Hoffnungslos unterbesetzt, die Branche.


    Dein Ansatz zu sagen, bei so vielen Pilzsammlern muss es doch genügend Potential geben, um hier mehr zu bewirken, ist rein mathematisch richtig. Die Realität sieht aber anders aus, und das hat Gründe.
    Um die nachvollziehen zu können, erst mal die Ist-Situation. Die Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen und dienen nur der besseren Erklärung.


    Auf 1000 Pilzinteressierte, also Menschen die sich auch für nicht-Speisepilze interessieren, kommt einer, der sich ernsthaft mit der Dokumentation der Pilzvorkommen beschäftigt und die ermittelten Daten weiterleitet.


    Nun muss da auch jemand sein, der diese Daten sammelt, prüft und weiterverarbeitet. In jedem? (nein, wohl leider nicht) Bundesland gibt es einen, vielleicht in manchen auch zwei oder drei, die genau das tun. Also die Daten von wiederum vielleicht 50 engagierten Pilzkundlern entgegennimmt aufbereitet und archiviert/weiterleitet.


    Daraus entstehen dann die roten Listen der Bundesländer.


    Bis hierhin geschieht alles ehrenamtlich und in der Freizeit.


    Derjenige, der die Daten der Pilzkundler sammelt und aufbereitet, hat sicher auch ein Leben neben den Pilzen und wie sollte derjenige es schaffen Daten zu verarbeiten, wenn statt vielleicht 50, plötzlich 200 Sammler ihre Daten melden ?


    Jetzt könnte man ja sagen, in Zeiten des Internets könnte man eine Datenbank installieren, in die jeder seine Daten direkt online einpflegt. So etwas hat man mit der von Dir erwähnten Pilzkartierung schon versucht.


    Probelm dabei ist die mangelnde Kontrolle. Man wird nicht verhindern, dass dort nicht nur korrekte Bestimmungen eingepflegt werden, sondern auch Fehlbestimmungen und vielleicht sogar von Scherzbolden bewusst falsche Angaben gemacht werden. Damit ist diese Datenbank wertlos, weil man den Umfang der falschen Meldungen nicht kontrollieren kann.


    Ergo muss auch das wieder in jedem Einzelfall von irgendwem gegengelesen und kontrolliert werden. Und nun steht der kontrollierende vor dem Problem, wie er denn diese Meldungen überhaupt prüfen soll. In der Regel sieht er den Pilz nicht, und kennt den Meldenden, bzw. dessen Qualifikation nicht. Und nun ?


    Aber gut, angenommen man würde die entsprechenden Strukturen schaffen, genübend manpower installieren um Meldungen zu sammeln und zu prüfen. Kommen wir zurück zu denen, die die Meldungen abgeben sollen.


    Der Sammler Kruse aus Deinem beispiel meldet:


    Ich habe Coprinus picaceus gefunden.


    Jo, schön, aber so noch völlig ohne wissenschaftlichen Wert. Zu einer brauchbaren Dokumentation gehören eine ganze Reihe von Angaben wie z.B.


    Gattung
    Art
    MTB
    Quadrant
    Fundort
    GPS
    Funddatum
    Legat
    Determiniert
    Literatur
    Pflanzen-Gesellschaft
    Bodentyp
    Bodenart
    Bodenreaktion (pH)
    Bodenfeuchtigkeit
    Höhe
    Abundanz
    Soziabilität
    Symbiont/Wirt/Substrat (+Substratzustand)
    Beleg (Foto, Exsikkat, Beschreibung, Zeichnung)


    Erst mit diesen Angaben wird ein Fund dokumentarisch relevant.


    Davor steht noch die korrekte Bestimmung, die ja nicht immer per Augenschein möglich ist. Wenn ich da an Björn und meine Arbeit denke kann man sagen dass für jede Stunde Exkursion mindestens zwei oder drei Stunden Bestimmungsarbeit und Dokumentation fällig sind. Manchmal sitzt man auch über mehrere Tage stundenweise an einer einzigen Art.


    Das ist ein Aufwand den sehr viele neben dem Broterwerb gar nicht leisten können, viele auch gar nicht leisten mögen (was ja durchaus verständlich ist).


    Ich könnte noch weitere Probleme und Schwierigkeiten nennen, Beispielsweise die uneinheitliche Nomenklatur und die Streitigkeiten drumherum, aber ich glaube es reicht auch so.



    Also hat alles keinen Sinn, keine Chance. Da kann man es auch gleich sein lassen ?


    Nein !


    Natürlich kann jeder der Willens ist, einen wertvollen Beitrag leisten. Und zwar und auch in abhängigkeit der ihm zur Verfügung stehenden Zeit und/oder Lust. Aber eben nicht übers Internet, in Foren oder öffentlichen Datenbanken.


    Ich nehme mich und Björn mal als Beispiel. Ohne Björn könnte ich die Kartierungsarbeit nicht machen, bzw. nicht mal Ansatzweise im heutigen Umfang. Da fehlt es ganz einfach (noch) an den Kenntnissen bei der Bestimmung. Ohne mich könnte Björn zwar im Bergischen Land rumtapern, hätte aber unendliche Zeit gebraucht, um die interessanten Kleinbiotope zu finden, wenn das denn überhaupt gelungen wäre.


    Der Schlüssel, sich in die Kartierungsarbeit einzubringen liegt ganz klar in der Zusammenarbeit. Nicht nur bei Björn und mir, sondern generell.
    Das was wir hauptsächlich im Duett machen, geschieht an vielen Orten im Rahmen diverser Pilzvereine.
    Wenn Du/man also mehr machen will, als zum eigenen Interesse den Pilzen hinterher zu schnüffeln, ist der beste (nein einzige) Weg, sich einem solchen Verein anzuschließen.


    Alleine bist Du, bin ich, ist man auf verlorenem Posten wenn man nicht über so tiefgreifende Kenntnisse verfügt, wie Björn und andere wirkliche Fachleute.
    [hr]

    Ist doch völlig unnötig aus diesem Grund Pilze zu bewirtschaften, denn man bewirtschaftet bereits den Wald (Holz) und der funktioniert mit Pilzen besser, das weiß jeder Förster. Deutsche Wälder werden bereits seit langem nachhaltig bewirtschaftet, Kahlschlag großer Gebiete ist die extreme Ausnahme. Zudem werden die Wälder in den letzten Jahren ökologisch stabilisiert, indem man von Fichtenmonokulturen weg und hin zu Mischwäldern geht.
    Nein, das Biotop Wald ist in Deutschland nicht mal ansatzweise gefährdet, die Übertragung der Problematik von anderen Geschützten Arten zieht hier nicht.
    Das Kleinholz im Wald zu lassen ist ökologisch überaus sinnvoll, da so der Boden geschützt wird und Nährstoffe im Wald verbleiben, die durch Pilze zersetzt werden. Alles restlos auszuräumen würde dem Wald schaden.


    Ääähhmm, auch wenn das jetzt nicht ganz zum Thema passt, möchte ich doch widersprechen.:)


    Wenn man Wald als Ansammlung irgendwelcher Bäume sieht, dann sind Deine Ausführungen korrekt.


    Was die Biodiversität angeht, ist der Deutsche Wald heute überwiegend mit intensiv Landwirtschaftlich genutzten Wiesen zu vergleichen. Der allergrößte Teil ist artenarm, sprich Monokultur. Artenreich sind lediglich diverse Naturparks und viele kleine Inselbiotope, die meist ob ihrer Unwegsamkeit nicht "anständig" bewirtschaftet werden können. Symbionten der Monokulturen (Steinpilz, Pfifferling, Marone und einige andere) profitieren davon.
    Saprobionten ist es relativ wurscht. Auf der Strecke bleiben parasitische Arten und Spezialisten, sowie Arten, die ein spezielles Klima oder andere ökologische Faktoren brauchen.


    Den Biotop Wald gibt es nicht. Wäldern gliedern sich in eine Vielzahl unterschiedlichter Biotope, die die Waldwirtschaft überwiegend in "nützlich"=wirtschaftlich und "unnütz" = nicht wirtschaftlich unterteilt. Und so sind viele Waldbiotope heute stark gefährdet und mit ihnen die darin lebenden Arten.


    Das Abfallholz im Wald verbleibt, ist zwar nicht schlimm, aber auch nicht besonders wertvoll. Es handelt sich ja lediglich um kleinere Äste und Stämmchen. Wirklich wertvolles, abgestorbenes Altholz findet man kaum noch. Kranke Bäume werden gefällt, solange sie noch als Brennholz nutzbar sind.


    Eine der grölßten Sünden ist jedoch der inzwischen weit verbreitete Einsatz von Großmaschinen zur Holzernte. Harvester und Fällerbündler hausen ohne Rücksicht auf Verluste. Verdichten den Waldboden derart, dass er auf Jahrzehnte hinaus tot ist. Tonnenschwere LKW fahren bis an den Holzeinschlag heran und zerstören die zum Teil wertvolle Vegetation am Wegesrand.


    Die Problematik geschützter Arten trifft heute auch und insbesondere auf den "Wald" durchaus zu.

  • Eine der grölßten Sünden ist jedoch der inzwischen weit verbreitete Einsatz von Großmaschinen zur Holzernte. Harvester und Fällerbündler hausen ohne Rücksicht auf Verluste. Verdichten den Waldboden derart, dass er auf Jahrzehnte hinaus tot ist. Tonnenschwere LKW fahren bis an den Holzeinschlag heran und zerstören die zum Teil wertvolle Vegetation am Wegesrand.


    Die Problematik geschützter Arten trifft heute auch und insbesondere auf den "Wald" durchaus zu.


    In diesem Punkt stimme ich dem Ralph zu 100 % zu.
    Was ich da in den letzten Jahren alles in "meinem" Pilzwald sehen musste ist schlicht und ergreifend Grausamkeit an der Natur. Zugegeben die letzen Winter waren für den Wald im Vogtland eine ganz besonders schlimme Zeit, und es musste schnell gehandelt werden, um den Borkenkäfern nicht zu viel Lebensraum zu lassen. Doch ich weiß nicht ob man Stangenholz (etwa dreißig jährige Stämmchen) mit der Rückemaschine aus dem Wald zerren muss? Ja, es wurden viele, viele Forstarbeiter entlassen. Die kosten ja auch Lohn und den wollen sich die Waldwirtschaftsbetriebe nicht zumuten. aber nur Maschinen und nur rein auf Holzwirtschaft, das tut dem neuen Baumbewuchs in den Wäldern auch nicht gut. Es wird zu viel zerstört, dort wo sich das biologische Gleichgewicht erst mühevoll wieder hergestellt hat. Denn auch die Bäume brauchen Pilze! Mögen mich jetzt die Forstleute für blöde halten, aber ich habe in den vergangenen 20 Jahren sehr viel schlimmes gesehen.
    Lg Reinhilde

  • Reinhilde, Deine Beobachtungen gereichen sicher nicht dazu, Dich für blöde zu halten. Im Gegenteil.


    Doch es interessiert die Waldwirtschaft überwiegend nicht. Schon alleine dass man schnell handeln musste, um dem Borkenkäfer zu Leibe zu rücken, zeigt auf wie einseitig der Wald dort war. In einem gesunden Mischwald kann der Borkenkäfer gar keinen nennenswerten Schaden anrichten.


    Es sind auch nicht alleine die Maschinen. Hinzu kommt, dass viele Waldbauern ihr Holz gar nicht mehr selber schlagen, sondern das von Lohnunternehmen erledigen lassen. Die wiederum sind die Wanderheuschrecken der Wälder, kahlfressen und weiterziehen. Die wollen möglichst schnell und effizient ihre Arbeit erledigen, weil sie um so mehr Geld verdienen, je schneller sie den Auftrag ausgeführt haben. Danach gehts zurück nach Polen, was interessiert die dann noch das Waldstück, dass sie bearbeitet haben.


  • Reinhilde, Deine Beobachtungen gereichen sicher nicht dazu, Dich für blöde zu halten. Im Gegenteil.


    Doch es interessiert die Waldwirtschaft überwiegend nicht. Schon alleine dass man schnell handeln musste, um dem Borkenkäfer zu Leibe zu rücken, zeigt auf wie einseitig der Wald dort war. In einem gesunden Mischwald kann der Borkenkäfer gar keinen nennenswerten Schaden anrichten.


    Es sind auch nicht alleine die Maschinen. Hinzu kommt, dass viele Waldbauern ihr Holz gar nicht mehr selber schlagen, sondern das von Lohnunternehmen erledigen lassen. Die wiederum sind die Wanderheuschrecken der Wälder, kahlfressen und weiterziehen. Die wollen möglichst schnell und effizient ihre Arbeit erledigen, weil sie um so mehr Geld verdienen, je schneller sie den Auftrag ausgeführt haben. Danach gehts zurück nach Polen, was interessiert die dann noch das Waldstück, dass sie bearbeitet haben.


    Stimmt Ralf, genau so sehe ich das auch und... weil ich einmal in meiner frühen Jugend eigentlich Forstwirtschaft studiren wollte, habe ich mich immer ganz intensiv mit all den Problemen befasst. Nun ja, es hatte damals nicht sollen sein, aber das hatte mich doch immer ganz aufmerksam alles beobachten lassen, was mit dem Wald geschieht. Schon vor 50 Jahren hatte man sich ja bemüht die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen um zubauen. Durch pläntern und die Wiederaufforstung von Windbruch, mit Laubbäumen. Doch immer noch wurden eben auch solche Monokulturen an schnell wachsenden Fichtenplantagen angelegt und das schadet nicht nur der Vielfalt der Natur sondern bringt auch immer wieder einen großen wirtschaftlichen Schaden. Klar die Waldbesitzer oder diejenigen, welche ihre Wälder nach der Wende zurück bekamen, die wissen doch gar nicht was sie mit dem Wald anstellen sollen. Habe da schon mit einigen derart "Beglückten" ernsthafte Gespräche geführt. Und dann kommen die Kahlschloäger. Grrr....

  • Hallo zusammen!


    Nachdem der folgende Beitrag von mir im Rahmen einer Diskussion um die Breitblättrige Glucke im Küchenforum zwischen Sahnecauce, Knoblauchzehen und Pilzfrikadellen geflissentlich ignoriert wurde (was hat er aber auch verloren dort...) und ich als Antwort darauf nicht anderes als ein anderes Rezept zu Zubereitung der Breitblättrigen Glucke zu lesen bekam (manche Pilzesser sind echt "hardcore"!) :D , habe ich mich nun dazu entschlossen, ihn dort einfach zu löschen und hier dranzuhängen.


    Vielleicht ergibt sich dadurch ja noch der eine oder andere Input. Selbstverständlich darf im Rahmen dieser Abteilung auch das Thema "Pilze verschonen" aus meinem Beitrag weiter ausdiskutiert werden!


    In jedem Fall dürft Ihr diesen Beitrag als persönliche Anteilnahme zum Thema Seltenheiten und Artenschutz betrachten!


    Vieles daraus hat sich schon erledigt, Danke insbesondere an Rada und Beorn für Eure engagierten Beiträge zu diesem Thema!


    Hier also mein alter Beitrag:


    Ja, die Roten Listen...


    An Hand welcher Kriterien, wie oft und vor allem von wem diese Listen erstellt werden weiß ich nicht genau.


    Ich sage jetzt mal in meinem morgendlichen Leichtsinn, dass dieses System eigentlich nichts weiter als ein "Aufmerksam-Machen" ist bzw. sein kann, weil seine "Aussagekraft" ständigen (natürlichen) Schwankungen unterworfen ist, die entsprechenden Maßnahmen zur den jeweiligen "Gefahrenklassen" nicht genau definiert sind bzw. nur als eine Art Ratschlag existieren bzw. in der Realität niemals umgesetzt werden, weil sich letztendlich auch gar niemand als "Exekutive" sehen mag bzw. kann... Recht locker das alles...


    Und noch was: Wer kennt diese Roten Listen überhaupt...?


    Und schließlich gibt es ja auch noch die Faktoren der "regionalen Häufigkeit"... ---> Wie soll man jemandem plausibel machen, dass eine Art geschützt ist, wenn er sich auf einmal mit einem Dutzend Breitblättriger Glucken / Pfifferlingen / Eichhasen etc. "konfrontiert" sieht? Klar ist es einsichtig und vernünftig, in diesem Falle sich mit etwas weniger zu begnügen, aber wer sagt denn, dass nicht noch eine Horde von Pilzsammlern vorbeikommt und sich der Rest im Laufe der Zeit ebenso in irgendwelchen Pfannen verflüchtigt?


    Konsequenterweise sollte man in diesem Falle also einfach alles stehen lassen (müssen), aber das sollte halt wiederum jeder so machen...


    Schwierig!


    Dann noch die Frage: Inwiefern nützt es dem Gesamtbestand (ich sage mal als Beispiel) Mitteleuropas, wenn man große regionale Bestände "verschont"?


    Wie ist überhaupt "verschonen" genau definiert (bitte nicht darauf antworten, das sprengt jeglichen Rahmen und ist nur als Gedankenanstoß gedacht!)?


    Mehr oder weniger können Schutzmaßnahmen nur in entsprechenden Schutzgebieten umgesetzt werden.


    --> usw..., usw..., usw...


    Ich denke, dass wir uns irgendwo einfach wieder bei der individuellen Vernunft treffen, welche man aber halt auch nicht weder genau definieren noch überprüfen kann...



    Grüße, Fredy


    P. S.: Vielleicht möchte jemand, der genau weiß, wie es sich mit den Roten Listen verhält, einen separaten Thread eröffnen? Dieses Thema scheint doch immer wieder die Menschen zu beschäftigen, ist aber ständig von Unsicherheiten aller Art geprägt! Auch ich würde gerne etwas mehr dazu wissen, da ich dieses Thema bis jetzt selbst nur als eine Art "wiederkehrendes Fantom" wahrgenommen habe.


  • Hallo Björn,


    die Zerstörung der Biotope ist für die hier betroffenen Pilze nicht ausschlaggebend, da es überwiegend Waldpilze sind und der Wald eher zugenommen als abgenommen hat.


    Wo hast du denn diese Information her ????
    Die Wälder in Europa sind in den letzen Jahrhunderten konsequent den Ackerflächen und anderen Nutzgebieten gewichen.


    "Die mitteleuropäischen Urwälder sind bis auf kleine Flächen in Ost- und Südost-Europa zerstört. Wo heute Nadelbäume Holz wie am Fließband liefern, bedeckten einst Laubwälder fast ganz Mittel- und Westeuropa. Die so genannten borealen Wälder finden sich nur noch in Skandinavien und in Russland, dem waldreichsten Land der Erde." Zitat Greenpeace


    Es ist eigentlich völlig Egal ob es um Pflanzen, Tiere, oder Pilze geht, wird das Habitat zerstört, verschwinden die Bewohner auch.


    Mag ja sein dass Steinpilz und Pfifferling da eine Ausnahme bilden, da sie junge Fichten benötigen.


    Aber das Grundlegende Problem ist, zu wenig Wald, zu viele Menschen, und das wird in Zukunft nur noch schlimmer.


    Also Leute, wenn ihr was für den Artenschutz tun wollt,
    vermehrt euch einfach nicht so stark ;)


  • Hallo Deerhunter Ich stimme dir in jedem einzelnen Punkt deiner Aussagen voll zu.
    LG Reinhilde

  • Hallo Fredy,


    Zur Frage, was rote Listen eigenlich sind, kopiere ich Dir mal den entsprechenden Text des BfN hierhin.


    Rote Listen sind Verzeichnisse ausgestorbener, verschollener und gefährdeter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, Pflanzengesellschaften sowie Biotoptypen und Biotopkomplexe.


    Sie sind wissenschaftliche Fachgutachten, in denen der Gefährdungsstatus für einen bestimmten Bezugsraum dargestellt ist. Sie bewerten die Gefährdung anhand der Bestandsgröße und der Bestandsentwicklung


    Rote Listen...


    dienen der Information der Öffentlichkeit über die Gefährdungssituation der Arten und Biotope
    sind als ständig verfügbares Gutachten Argumentationshilfe für raum- und umweltrelevante Planungen
    zeigen Handlungsbedarf im Naturschutz auf
    erhöhen den politischen Stellenwert des Naturschutzes
    sind Datenquelle für gesetzgeberische Maßnahmen und internationale Rote Listen
    dienen der Koordination des internationalen Naturschutzes
    dienen der Überprüfung des Erfüllungsgrades der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt und
    zeigen weiteren Forschungsbedarf auf
    Rote Listen werden in der Regel von den Naturschutzverwaltungen erarbeitet bzw. herausgegeben.


    In Deutschland sind vor allem die Roten Listen des Bundes und der Bundesländer von Bedeutung.


    Da kann man nun trefflich drüber diskutieren. Tu ich aber nicht, denn für mich ist die rote Liste in erster Linie eine Argumentationshilfe.


    Ich hatte ja schon erwähnt, dass es mit dem Melden der Daten im Grunde nicht getan ist. Wie Du vielleicht schon mitbekommen hast, verfüge ich über ein recht fundiertes Wissen bezüglich der Insektenwelt, sowie einem nicht ganz so umfassenden Wissen über Pflanzen, Reptilien und Amphibien. Hinzu kommt nun noch ein kleiner Grundstock über Pilze.


    Wie Du vielleicht auch meinen vorherigen Zeilen entnommen hast, kenne ich auch meine heimatlichen Biotope ganz gut, und hier insbesondere wertvolle Klein- und Inselbiotope.


    Mit diesem Haufen an Informationen werde so alle zwei Jahre bei unserer Landschaftsbehörde, die mir freundlicherweise die Genehmigung zur Erforschung unserer Naturschutzgebiete erteilt hat, vorstellig. Denen lege ich dann die (sicher unvollkommene) Bestandsaufnahme der Naturschutzgebiete vor. Ich denke mal, die werden etwas bestürzt sein, wenn sie das magere Ergebnis zu sehen bekommen. Ist ein anderes Thema und würde hier den Rahmen sprengen.


    Danach bekommen sie die TK meiner Heimat vorgelegt. Darin sind die Kleinbiotope verzeichnet, die nicht im Naturschutzgebiet liegen, aber über eine weitaus größere Artenanzahl verfügen. Und zu jedem Kleinbiotop bekommen sie eine Liste mit einer Aufstellung der dort vorkommenden Arten. Und in diesen Listen ist auch der jeweilige Schutzstatus aus den roten Listen vermerkt. Die dient mir hier als Argumentations- und Überzeugungshilfe und darum finde ich sie Klasse.:) Und es würde sie ja nicht geben, würden nicht viele Menschen aller Bereiche daran mitarbeiten.


    Ja, und dann fordere ich eine Veränderungssperre für diese Kleinbiotope. Damit mache ich mich meist nicht grade beliebt, denn ab dann fängt die Arbeit und die Probleme für die Behörde an. Es folgt dann meist ein hadern und zerren, die Drohung mit Presse und der Einbeziehung von Naturschutzverbänden, und schlußendlich meist ein Kompromiss, bei dem meist wenigstens ein kleiner Teil dessen, was ich fordere, erfüllt wird.


    Das ist dann meine persönliche Belohnung für meine Arbeit.


    Und genau da liegt dann auch der praktische Sinn solcher Kartierungsarbeiten.


    Eine generelle Aussage; "Die Art XY ist in NRW gefährdet" ist erstmal ein Muster ohne Wert. Sie kann ja nur da gefährdet sein, wo sie (noch) vorkommt. Und genau da fängt dann der Biotopschutz an, der sich ja nicht auf NRW, sondern oft nur auf ein paar hundert m ² beziehen kann. Und dann hast Du da halt ein Eckchen im Wald wo Du dieunddie Arten nachgewiesen hast und von denen dieunddie soundso in der roten Liste geschützt sind und die außerhalb dieses Eckchens in der Umgebung nicht vorkommen.


    Unterm Strich also ein schützenswertes Biotop.


    Und dann später in so einem Eckchen zu sitzen, mitten zwischen umgestürtzten, Pilz- und Käferbefallenen Altbuchen, den Specht dabei zu beobachten, wie er in einem toten Ast nach Insektenlarven hämmert, oder gar an einer Nisthöhle arbeitet, den Kleiber rauf-und runterlaufen zu sehen und viele andere wunderbare Dinge sehen dürfen, dann ist es ein (sorry) saugeiles Gefühl zu wissen, dass dies alles vielleicht schon zu Feuerholz verarbeitet, weggeräumt und mit Fichten bepflanzt wäre, wenn Du nicht die Arbeit gemacht und die rote Liste gehabt hättest.


    Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Du überwiegend vergeblich forderst und arbeitest, weil Eigentumsverhältnisse oder sonstige Umstände einen Schutz nicht zulassen. Und auch nicht, dass solche Fleckchen dann irgendwann mittels mehr als ominöser Umweltpunkte-Verfahren vielleicht doch geopfert werden.

  • Und dann später in so einem Eckchen zu sitzen, mitten zwischen umgestürtzten, Pilz- und Käferbefallenen Altbuchen, den Specht dabei zu beobachten, wie er in einem toten Ast nach Insektenlarven hämmert, oder gar an einer Nisthöhle arbeitet, den Kleiber rauf-und runterlaufen zu sehen und viele andere wunderbare Dinge sehen dürfen, dann ist es ein (sorry) saugeiles Gefühl zu wissen, dass dies alles vielleicht schon zu Feuerholz verarbeitet, weggeräumt und mit Fichten bepflanzt wäre, wenn Du nicht die Arbeit gemacht und die rote Liste gehabt hättest.


    Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Du überwiegend vergeblich forderst und arbeitest, weil Eigentumsverhältnisse oder sonstige Umstände einen Schutz nicht zulassen. Und auch nicht, dass solche Fleckchen dann irgendwann mittels mehr als ominöser Umweltpunkte-Verfahren vielleicht doch geopfert werden.


    Wie sehr recht du hast!!!:alright::alright::alright:
    LG Reinhilde


  • Geh doch noch weiter zurück, nach der ersten Eiszeit, da war alles baumlos, da sieht es jetzt weit besser aus. :P


    Ich kenne natürlich nicht jeden einzelnen Wald in Deutschland, aber den Schwarzwald recht gut und der ist größer geworden in den letzten 100 Jahren. In den letzten Jahrzehnten wird auch die Artenvielfalt im Schwarzwald erhöht und zwar deutlich. Was hier teils beschrieben wird, trifft für den Schwarzwald nicht zu und die Unterstellung, die Waldbesitzer würden plötzlich Raubbau betreiben ist falsch. Oft wohnen die Waldbesitzer hier nahe ihren Wäldern und sie bewirtschaften ihre Wälder natürlich nachhaltig, auch wenn sie das Holz teilweise von Subunternehmern schlagen lassen.


    Da hier diese Liste verlinkt wurde, kann ich auch ganz klar sagen, das für diese geschützten Pilze kein Urwald notwendig ist, sondern das sie genausogut in den Wirtschaftswäldern wachsen und das seit Jahrzehnten gut und beständig. Das Habitat der Pilze auf dieser Liste wird nicht zerstört, die Aussage ist klar falsch. Im Gegenteil, durch die Rodung der geschlossenen Urwälder gibt es viel mehr unterschiedliche Biotope, was die Artenvielfalt erhöhrt.

  • Ich kenne natürlich nicht jeden einzelnen Wald in Deutschland, aber den Schwarzwald recht gut und der ist größer geworden in den letzten 100 Jahren. In den letzten Jahrzehnten wird auch die Artenvielfalt im Schwarzwald erhöht und zwar deutlich. Was hier teils beschrieben wird, trifft für den Schwarzwald nicht zu und die Unterstellung, die Waldbesitzer würden plötzlich Raubbau betreiben ist falsch. Oft wohnen die Waldbesitzer hier nahe ihren Wäldern und sie bewirtschaften ihre Wälder natürlich nachhaltig, auch wenn sie das Holz teilweise von Subunternehmern schlagen lassen.


    Da hier diese Liste verlinkt wurde, kann ich auch ganz klar sagen, das für diese geschützten Pilze kein Urwald notwendig ist, sondern das sie genausogut in den Wirtschaftswäldern wachsen und das seit Jahrzehnten gut und beständig. Das Habitat der Pilze auf dieser Liste wird nicht zerstört, die Aussage ist klar falsch. Im Gegenteil, durch die Rodung der geschlossenen Urwälder gibt es viel mehr unterschiedliche Biotope, was die Artenvielfalt erhöhrt.


    Also dann nochmal.


    Es gibt so gut wie keinen Urwald mehr in Deutschland, bis auf ganz wenige kleine Teilstücke, meist Flußauen.


    Um nun Vergleiche zwischen "früher" und heute zu ziehen, bemüht man den letztmöglichen, nachvollziehbaren Zustand. Das ist im Schwarzwald z.B. nicht die Zeit vor ca. 200 Jahren, als er fast ausschließlich aus Laubbäumen bestand, das ist auch nicht der Zustand von vor ca. 100 Jahren, als er bis auf wenige Refugien komplett abgeholzt wurde, sondern der Zustand direkt nach der Wiederaufforstung mit Nadelbäumen und zur Zeit extensiver Waldwirtschaft. Mit anderen Kulturlandschaften ist das ähnlich.


    Unsere (ehemalige) Artenvielfalt rührt nämlich keineswegs aus Urzuständen her, sondern aus eben jener sanften und vielfältigen Nutzung früherer Zeiten.


    In sehr großen Waldgebieten wie dem Schwarzwald findet man logischerweise noch größere Flächen intakten Waldes, da diese in den letzten 50 Jahren nicht spürbar bewirtschaftet wurden. Man findet auch ganz sicher Waldbauern, die ihren Wald extensiv nutzen.


    Das tut der Tatsache aber keinen Abbruch, dass die Biodiversität unserer Wälder grundsätzlich und spürbar zurückgeht. Um einen direkten Vergleich zu haben, muss man z.B. im Schwarzwald die alten oder extensiv bewirtschafteten Waldgebiete mit den in jüngster Zeit intensiv bewirtschafteten vergleichen und dabei auch den zukünftigen Trend berücksichtigen.


    Und da schaut es düster aus.


    Was die von Dir verlinkte Liste aussagen soll, erschließt sich mir leider nicht.


  • Was die von Dir verlinkte Liste aussagen soll, erschließt sich mir leider nicht.


    Die Liste wurde vom Beitragseröffner bereits im ersten Beitrag eingestellt und zeigt die besonders geschützten Arten in Baden-Württemberg und somit hier die Diskussionsgrundlage und damit komme ich wieder auf meine Grundaussage zurück, das diese Pilze im wesentlichen durch Sammler bedroht werden könnten, wenn sie nicht geschützt wären, aber kaum durch die Nutzung der Wälder. Morcheln wachsen am liebsten an den Holzlagerplätzen und Steinpilz, Pfifferling und die Raustilröhrlinge am Wegesrand.


    Der Trend ist im Schwarzwald auch nicht so düster, wie das vielleicht in anderen Wäldern sein mag, im Gegenteil, man diskutiert derzeit über einen ziemlich großen Nationalpark.

  • Hallo!


    Da ist ja einiges hier zusammengekommen! :eek:


    Nun werde ich mal nicht in Zitatform auf jeden einzelnen Beitrag eingehen, nehmt's mir nicht übel.


    Im Großen und ganzen bewegt sich das Thema aber offensichtlich in zwei Richtungen:


    Zum einen betreffend den allgemeinen Biotopschutz, Nutzung und Bewirtschaftung der Wälder. Hier möchte ich anmerken, daß Rad-Pilz in einigen Punkten durchaus recht hat. Diskussionen um einen umfassenden Nationalpark im Schwarzwald gibt es durchaus. Über meine Großeltern weiß ich auch, daß im Teutoburger Wald (NRW) zB ein ähnliches Projekt geplant ist. Generell muss ich aber Ralf absolut recht geben: "Naturbelassene" Wälder finden sich eben hauptsächlich im Süden und Osten von Deutschland. Ob im Rahmen von Naturparks und Schutzgebieten, oder einfach weil sie für eine Bewirtschaftung zu ungänglich sind, spielt dabei ja für den Wald eine untergeordnete Rolle.


    Zweifellos ist es aber - gerade in den waldmäßig nicht privilegierten Gebieten Deutschlands - ein Problem der Zerstückelung. Die geschützten Flächen hängen zu wenig zusammen. Aber auch hier befindet sich vieles im Wandel. Wie schwer es ist, und welcher Aufwand und fundierte, wissenschaftliche Arbeit aber nötig sind, um der Zergliederung entgegenzuwirken, respektive besondere Biotope zu schützen, dazu hat Ralf ja nun entscheidende Hinweise gegeben.


    Hut ab vor deinem Engagement!


    Interessant fand ich auch die Ausführung zur Entwicklung der "Kuturlandschaft" Deutschland. Aber das würde ja nun heißen, daß eben auch eine (schonende und nachhaltige) Bewirtschaftung absolut zum Biotopschutz und zur Biodiversität beitragen würde? Ich denke nämlich nicht, daß es zielführend ist, hier in eine Art "Forstwirtschafts - Bashing" abzugleiten. Daß rein profitorientierte und rücksichtslose Forstwirtschaft nach wie vor ein Problem ist, und wichtige Ökosysteme zerstört, haben Reinhilde, Ralf und ich wohl zur Genüge ausgeführt. Aber Rad-Pilz hat doch recht, wenn er auch auf den Nutzen einer "gesunden" Forstwirtschaft hinweist?



    Zum zweiten nämlich berührt ja die Diskussion ganz entscheidend den Bereich der Dokumentation und Kartographierung, welche letztenendes zur Erstellung von Roten Listen und dadurch wieder zum Biotopschutz führen sollte. Das Hängen und Würgen dieses Procederes beschreibt ja Ralf sehr gut. Dazu kommt das Fehlen der entsprechenden Lobby im Bezug auf Mykologie. Nur so als Hinweis: Die Links zu den Roten Listen der offiziellen Organe hatte ich eingefügt, um auf die unübersehbaren Mängel aufmerksam zu machen!


    Kratze ich mich also am Kopf; wo ist denn diese Pilzlobby? Hängen Björn und Ralf mit ihrer Arbeit wirklich so in der Luft? Dann fiel mir ein: Da gibt es ja auch noch sowas wie eine Deutsche Gesellschaft für Mykologie! Sinnvoll wäre es ja, wenn es da so eine Art "Schirmherr" für die Arbeit von Vereinen, wie Ralf sie beschreibt, geben würde. Also quasi eine Zentrale, wo sinvolle Informationen zusammenlaufen und verarbeitet werden. Leider hatte ich noch nicht genug Zeit, die einzelnen Angebote genau zu checken. Kleines Hallo an Fredy: In der Link - Sektion sind tatsächlich einige Unis mit relevanten Studiengängen aufgeführt!


    Was mir aber auffiel: Die Rote Liste der DGfM ist zwar etwas anders, aber eigentlich genauso mager wie die der Behörden.


    Allerdings scheinen da einige Projekte noch recht neu und im Aufbau zu sein, so wie zum Beispiel die Kartierung Datenbank der DGfM oder das Pilzpotal der DGfM!


    Das Problem ist vielleicht einfach, daß es keine Einigkeit gibt, wer was macht und wer wofür Zuständig ist. Wenn ich die Vögel richtig zwitschern gehört habe, gibt es sogar noch andere Mykologische Vereinigungen, die ebenfalls an dem Thema arbeiten, mit der DGfM aber nichts zu tun haben.


    Klar, daß sich Experten auch streiten und oftmals uneins sind, das gehört doch dazu. Davon lebt doch auch eine Wissenschaft. Aber eigentlich sollte das nicht dazu führen, daß sich die Anhänger einzelner Lehrmeinungen soweit voneinander absondern, daß sie nicht mehr miteinander in Dialog treten!


    Nun werde ich die nächsten Tage mal nach Vereinen im Rhein - Neckar - Raum suchen. Bin gespannt, was da so bei rauskommt. Außerdem werde ich mal die DGfM - Links (auch wenn mir die eigentlich immer noch zu mager sind) in den Startbeitrag als Anhang reinpacken. Dazu noch einen Link zu Andreas' Seite.


    Und, an Ralf noch mal: Der Link in Björns Profil zur HP der VHS Jülich, ist der noch aktuell in Bezug auf eurer beider Arbeit? Dann täte ich den da auch noch mal aufführen, wenn ich gerade dabei bin. Spielt keine Rolle, ob es was bringt oder nicht. Vielleicht liest jemand aus eurer Gegend das Thema, und hätte vielleicht Interesse, mal mitzumachen...


    LG, Beorn.

  • Hallo Beorn,


    ich weiß nur dass Björn an einer neuen Hp bastelt, die aber wohl noch nicht online ist. Ob die aus Jülich noch funktioniert weiß ich nicht, ich denke aber schon.


    Beeilen muss, weil mein Lieblingsfußballverein gleich gewinnt, und das will ich sehen.:D


    Also, die Liste der erfassten Pilzarten NRW umfasst zur Zeit ca. 3860 Arten. Find ich nicht eben mager.:)


    Die hier verlinkte Liste aus BW zeigt ganz bestimmt nicht alle erfassten Arten, da mache ich mich vielleicht mal schlau, wenn die Zeit bleibt.


    Ja, der Naturschutz befasst sich überwiegend mit alten Kulturlandschaften, weil es halt kaum noch Urlandschaften gibt. Und die Artenvielfalt unseres Landes basiert auf eben dieser sanften Nutzung früherer Zeiten.
    Zurück zum Urwald, die Natur sich selbst überlassen, funktioniert nur in den seltensten Fällen. Ergo müssen viele Naturschutzgebiete bewirtschaftet werden. Das gilt insbesondere für Wiesen und Krautflächen, weil die sonst verbuschen. Die Lüneburger Heide wäre z.B. ohne die Schafe ein riesiger Wald und würde das auch in Kürze wieder sein, wenn man keine Schafe mehr weiden lässt. Wüär zwar jetzt gut für Pilze, aber die sind ja nur ein Teil der Natur.
    Dass der Naturschutz weder Geld noch Zeit hat, die Gebiete angemessen zu pflegen äußert sich dann in einer ähnlichen Artenarmut, wie auf intensiv bewirtschafteten Flächen, insbesondere wenn man noch die ganzen Neophyten berücksichtigt.


    Beim Wald und Gewässern ist das nicht ganz so, die können sich auch selbst einnorden. Sanfte Bewirtschaftung schadet da aber nicht, sondern kann auch für viele Pionierarten ein Vorteil sein. Siehe unsere Karrenfurchenarten.:)


    Zur DGFM schicke ich Dir die ne PN.

  • Hallo,



    Hallo Beorn,


    ich weiß nur dass Björn an einer neuen Hp bastelt, die aber wohl noch nicht online ist. Ob die aus Jülich noch funktioniert weiß ich nicht, ich denke aber schon.


    Scheint noch zu fungitionieren.:cool: Ich parke mal den Link...


    Also, die Liste der erfassten Pilzarten NRW umfasst zur Zeit ca. 3860 Arten. Find ich nicht eben mager.:)


    Stark! Wo finde ich denn die Liste?


    Die hier verlinkte Liste aus BW zeigt ganz bestimmt nicht alle erfassten Arten, da mache ich mich vielleicht mal schlau, wenn die Zeit bleibt.


    Du meinst die Rote Liste des Minsiteriums für Dings und Bums? Würde mich auch wundern, wenn das alles wäre, was die an Daten erfasst haben. Wenn du da etwas fändest, wäre das natürlich schon klasse!


    _____________________________________________________________



    Ich habe auch manchml so das Gefühl, daß die Neophyten (hatte ich das japanische Springkraut und die Goldrute schon erwähnt?) tatsächlich auf Monokulturen und auf Tabula - Rasa - bewirtschaftete Flächen stehen.


    Und die größte Breite an Pilzfunden, also möglichst viele verschiedene Arten, mache ich in der Tat in naturnahen, gemischten Wäldern. Dabei sind diese Wälder - Gemeinde Karlsbad / BW - durchaus bewirtschaftet, allerdings scheint mir das System dort sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Da werde ich mich mal kundig machen, wem die Wälder gehören, und wer für die Bewirtschaftung verantwortlich ist.


    Übrigens sind doch auch Wiesen, Weideflächen wichtige Pilzbiotope. Gut, daß du darauf hinweist: Auch hier besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Naturschutz und Bewirtschaftung!


    Grüße, Beorn.

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