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letzter Beitrag von lx1kc am

Pilzfestival VI: Endlosigkeit (Teil 1)

  • Hallo und guten Tag liebe Leser,


    da schon einige Arten der Exkursion im Bergischen Land am letzten Samstag bestimmt bzw. untersucht wurden, fange ich hier einfach schonmal mit den paar Sachen an, die man ohnehin schon im Feld gut ansprechen konnte.


    Der Titel verwirrt vielleicht ein wenig, was bedeutet schon Endlosigkeit wenn nicht eine Sache ohne Ende? Wie ihr seht mache ich mir auch einige oder mehrere Minuten Gedanken, welchen Titel ich überhaupt nehmen soll, einerseits um anzudeuten, wie ich zu den Exkursionen und deren Ausbeute stehe, andererseits um den einen oder anderen Neugierigen in diesen Thread zu locken :D


    Der vergangene Ausflug führte uns diesmal in eine etwas andere Richtung, den Berg hinab in ein teilweise gerodetes, versumpftes Erlenbruchtal mit interessanter Vegetation und Karrenfurchen, deren unergründliche Tiefen uns als Moorleichen hätten enden lassen, hätten wir unsere Schritte nicht mit Bedacht gewählt. Der Weg führte uns weiter in einen Hochwald, begleitet von spätherbstlichen Sonnenstrahlen, und auch wenn wir uns aufgrund fehlender Ausbeute den Rest der Exkursion hätten sparen können, so hatten wir sicherlich mit jedem Sportfest mithalten können, was die Länge der Strecke und deren Steigungen angeht.


    Dennoch: Die Gesamtausbeute konnte sich allemal sehen lassen, und auch dieses Mal gab es eine bis jetzt unbestimmte Art, die wegen den endlosen Bestimmungsversuchen seitens der Ascofrance-User (Verfasser dieses Beitrags inklusive) jetzt den Weg nach Potsdam angetreten hat. Soll sich doch Herr Dr. Benkert mit dem Ding auseinandersetzen und ihm hoffentlich einen Namen geben. Was es damit auf sich hat, erzähle ich euch dann in Teil 2, falls das Pilzchen bis dahin bestimmt wurde.


    Zu den Arten ein allgemeiner Kommentar: Wie immer werde ich zu jeder Art etwas dazuschreiben, damit ihr die eine oder andere Info aufnehmt. Ich entferne mich gewohnt von ausführlicher Diskussion, das kann eh niemand behalten und längere Texte werden sowieso überflogen als denn gelesen. Es sei denn, es gibt wirklich etwas (für mich jedenfalls) bedeutendes zu schreiben, was man nicht weglassen sollte.


    Bilder folgen heute abend, da ich jetzt erstmal los muss, arbeiten. Hochgeladen sind sie aber schon, seid gespannt ;)


    Einen gibts schonmal, denn die Sklerotienkeulchen haben bereits die Sitze der Adlerfarntribüne besetzt (Kinder in der ersten Reihe):


    Projekt Fungi: 3277

    [FERTIG] Band 1a: 440 Pyrenomyceten mit 0-1fach sept. Sporen; Band 1b: 380 Pyrenomyceten mit 2-M.

    Band 2a: Pezizomycetes, Hypogäische Eurotiomycetes, Lecanoromycetes, Arthoniomycetes

    Band 2b: Leotiomycetes, Geoglossomycetes, Taphrinomycetes, Laboulbeniales, Orbiliomycetes

    Band 3: Rindenpilze, Heterobasidiomycetes, Cyphelloide Pilze
    Schwarzwälder Pilzlehrschau

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  • Ja, die Endlosigkeit.


    Hatte ich eigentlich doch gedacht, die hier von Björn beschriebene Exkursion sei in Anbetracht des nahenden Winters wohl eine der letzten, faselte der Kerl später zu Hause was von Kernpilzen, die man auch im Winter finden kann.
    Naja, wird so dolle wohl nicht sein, dachte ich.
    Dennoch war ich gestern und heute mal ein bisschen "Stöckchen suchen".


    Schon gestern fand ich gar seltsame Gebilde, aber wohl noch nicht das richtige. Also nochmal ein bisschen schlau gemacht, wozu gibts das Internet?
    Und heute, jo da hab ich gleich mal wieder zugeschlagen und die dollsten Kernpilzdinger nach Hause geschleppt.
    Nicht dass ich wüsste, wie die nun heißen, bin aber direkt neu infiziert.
    Das alte Stereomikroskop ist reaktiviert und gleich starteten Versuche, da hindurch zu fotografieren. Das geht sogar.


    Dazu aber später, in einem anderen Thema, mehr.


    Hier wollt ich grad mal meine Assoziation mit dem Thema " Endlosigkeit" zum Ausdruck bringen. Auch das sammeln scheint eine endlose Sache zu sein. Ich freue mich schon auf die dummen Gesichter meiner Verwandten und Bekannten wenn ich demnächst bei 10Grad minus erkläre, morgen Pilze suchen zu gehen.:D


    Eins ist jedenfalls klar. Hier im Forum wird es diesen Winter nicht ganz so ruhig sein, wie die letzten Jahre. Also schaut ab und an mal vorbei, wenn Ihr Euch für die große kleine Welt der Pilze interessiert.

  • Das klingt seeeehr gut, darf ich nur nicht meinen Mann lesen/hören lassen ;)
    Ich hab mich immer noch nicht getraut ihm zu "beichten" das die Pilzsaison nie wirklich vorbei ist :ssttt:
    Zu allem Überfluss habe ich mir eine Lumix FZ30 gegönnt. Ein (wie ich glaube) super Stativ für meine Zwecke, das Trek-Tech Optera 230, kommt auch in den nächsten Tagen und dann muss ich die beiden doch ausführlich ausführen ;)
    Also, ihr "Winterschönheiten" zeigt euch!!


    lieben Gruß,

    "In den Wäldern sind Dinge,
    über die nachzudenken,
    man jahrelang im Moos liegen könnte."

    -Franz Kafka-
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  • Also, ihr "Winterschönheiten" zeigt euch!!


    Du solltest dir nicht zuviel vornehmen, Kernpilze im Winter sind eine wirklich endlose Angelegenheit :D


    ich guck grad nochwas Fernsehen und danach gibts paar Bildchen ;)


    muss noch die Scutellinia mikroskopieren...die NICHT scutellata ist!


    lg björn

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  • Ralf! Wie, wo kriege ich diesen hüpfenden Gummiballsmilie?? Fotos,Fotos, jaja!! Zeig, zeig :D
    Ich nehme mir ja garnicht viel vor, nur schönes ;)


    vorfreudige Grüße,


    Melanie


    Yeah! Ich hab ihn!

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    über die nachzudenken,
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    Einmal editiert, zuletzt von melanieoderimmer ()

  • Leider verzögert sich die "Publikation" der Fotos bis morgen/heute, da die Untersuchung der Scutellinia aufgrund spektakulärer Merkmale länger als erwartet gedauert hat. Anfangs wenig Erwartungen reingesteckt, doch gewisse Skepsis dem schon makroskopisch seltsam aussehenden Schildbecherling entgegen gebracht, entpuppte er sich unter dem Mikroskop gewissermaßen als Highlight der Pilzfestival-VI-Exkursion. Seid gespannt (noch gespannter als ohnehin schon!).


    lg björn

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  • Mehl-Trichterling, Clitocybe ditopa
    Kennzeichen: kleine bis mittelgroße Fruchtkörper mit überwiegend grauen Farbtönen, selbst an den herablaufenden Lamellen, starker Mehlgeruch sowie Vorkommen in Nadelwäldern im Spätherbst.



    Braunvioletter Dickfuß, Cortinarius anomalus
    Kennzeichen: variable Art, typischerweise mit violettem Stiel und violetten Lamellen sowie bräunlichem Hut, der mehr oder weniger Violetttöne aufweisen kann. Im Alter werden die Lamellen durch das braune Sporenpulver rostbraun. Daher zur Bestimmung unbedingt Fruchtkörper verschiedenen Alters betrachten!



    Punktiertstieliger Schneckling, Hygrophorus pustulatus
    Kennzeichen: leicht kenntliche Art durch dunkel punktiertem, grauem Stiel, reinweißen Lamellen sowie relativ späte Erscheinungszeit.



    Dehnbarer Helmling, Mycena epipterygia
    Kennzeichen: Typischerweise mit gelblichem Stiel und irgendwie bräunlich gefärbtem Hut. Mit einem spitzen Gegenstand oder den Fingernägeln lässt sich vom Stiel eine klebrige, dehnbare Schicht abziehen.



    Fichtenzapfen-Rübling, Strobilurus esculentus
    Kennzeichen: Im Winterhalbjahr wachsender, recht filigraner Pilz mit glattem, verschiedenfarbigen Stiel sowie normal entfernt stehenden Lamellen. An Fichtenzapfen wachsend.



    Schuppiger Träuschling, Leratiomyces squamosus var. squamosus
    Kennzeichen: Beringter Stiel, schuppiger, orangebräunlicher Hut sowie unter dem Stielring weißschuppige Stieloberfläche.



    Schwarzgebänderter Harzporling, Ischnoderma benzoinum
    Kennzeichen: an totem Nadelholz wachsender, oberseitig dunkel gefärbter Porling mit grauweißlichen, rundlichen und vergleichsweise großen Poren. An alten getrockneten Fruchtkörpern kann man einen ausgeprägten Maggi-Geruch feststellen.





    Krauser Adernzähling, Plicaturopsis crispa






    Spatelförmiges Sklerotienkeulchen, Typhula spathulata
    Kennzeichen: bis 7 mm hohe, spatelförmige Fruchtkörper, die deutlich in Kopf- und Stielteil gegliedert sind, unter der Rinde befindet sich ein relativ großes, unförmiges Sklerotium, aus welchem auch mehrere Fruchtkörper entspringen können. Mikroskopisch keine auffallenden Besonderheiten, Basidien 2-4sporig und Hyphen des Stielteils mit relativ vielen Kristallen.
    Gefunden von Rada an einem hängenden Ast von Euonymus (Pfaffenhütchen).



    Erlenzäpfchen-Becherling, Ciboria viridifusca
    Kennzeichen: 3-8 mm breite, braune, gestielte Fruchtkörper bildend, an feuchtliegenden Erlenzäpfchen, im Herbst erscheinend.
    Anmerkung: weißliche, nur bis 0,8 mm breite Fruchtkörper gehören zu Pezizella alniella, graubläuliche mit flatterigem Rand, ebenfalls bis max. 1 mm breit zur Mollisia amenticola (RADA: SUCH^^)

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  • Hallo Björn,


    Deine Fotos sind wie immer atemberaubend schön!


    Bei Bild 9 fehlt die Bestimmung, ist der wirklich so flauschig wie er aussieht?
    Ist das ein Schwefelporling oder auch ein krauser Adernzähling wie bei Bild 11, nur in einer anderen Farbvariation? Wenn nicht, was ist das?


    Liebe Grüße
    Emma


  • wenn ich mir Bilder vom Krausen Adernzähling anschaue, würde ich vermuten, es handelt sich um eben diesen Pilz, auch auf Bild 9, nur eben schon etwas "erwachsener" :)

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  • Melanie hat wie immer recht, es fehlt keine Beschreibung, bei Plicaturopsis crispa habe ich mir nur eine nähere Kennzeichnung gespart, es sind alle Merkmale gut erkennbar. Die Art wächst zudem an unterschiedlichem Laubholz und ist ganzjährig anzutreffen ;)


    Übrigens: gutes Kennzeichen für Plicaturopsis crispa sind die weichen, biegsamen Fruchtkörper!


    lg björn

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  • wie immer :D:D:D da muss ich aber laut lachen ;)


    wo ist denn nun die Scutellinia? Wir sind doch schon so neugierig!


    lieben Gruß,

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  • wie immer :D:D:D da muss ich aber laut lachen ;)


    wo ist denn nun die Scutellinia? Wir sind doch schon so neugierig!


    lieben Gruß,


    Die hat zwar einen provisorischen Namen, Scutellinia erinaceus, Problem nur, dass ich gerade über diese ansonsten außereuropäisch vorkommende Art keine weiterführende Literatur habe. Von den Merkmalen her passt unser Fund sehr gut zu dieser Art. Aus diesem Grund habe ich das Ding einfach mal in ascofrance zur Diskussion bereit gestellt. Vielleicht habe ich ja noch irgendwo was übersehen oder irgendjemand hat besagte Literatur und stellt sie mir zur Verfügung.


    Außerdem, Melanie, das Thema heißt doch "Teil 1". Irgendwas muss ja schließlich für Teil 2 übrigbleiben ;D


    lg björn

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  • Na los man, den blaugrauen auch noch :D


    absegnen kann ichs vom Bild her jetzt nicht direkt, kann auch ein Stängelbecherling sein, der grad zufällig an Erlenkätzchen wächst. Allerdings liegt Pezizella alniella schon recht nahe.


    lg björn

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    Schwarzwälder Pilzlehrschau

  • So die Scutellinia wurde bestimmt, sie hat den Namen Scutellinia umbrorum s.l.


    Das s.l. heißt "sensu lato" und bedeutet zu deutsch "im weitesten Sinne". Beim Artenkomplex um S. umbrorum handelt es sich vermutlich um mehrere Varietäten oder sogar Arten, deren Abgrenzung zur Typusart nicht geklärt ist und in keinem mir bekannten Schlüssel Eingang gefunden hat. Verwendet man verschiedene Schlüssel, kommt man teilweise zu widersprüchlichen Ergebnissen, insbesondere die Struktur der Sporenornamentation scheint ein Problem für die genaue Bestimmung zu sein.


    Das heißt: genauer hingucken, in Zukunft jede Scutellinia noch akribischer untersuchen, vor allem auf die Sporenornamentation und die Form und Größe der Randhaare. Leute wir befinden uns hier, wie bei der noch unbestimmten Octospora und der Sphaeosporella 'dahlheuseri' am Rand der Mykologie, jederzeit in Gefahr, von selbigem herunterzufallen :D


    Wenn Herr Benkert mir einen Brief zurückschreibt, vielleicht sogar mit einer Bestimmung der Octospora, so werde ich euch hier umfassend informieren. Dieser Beitrag ist in der Tat zur Endlosigkeit verdammt.


    lg björn

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  • So es gibt etwas Neues vom Rand der Mykologie, von dem wir nun endgültig heruntergefallen zu sein scheinen. Mit freundlicher Unterstützung in Sachen Bestimmung der noch unbenannten Octospora kann ich nun alle Arten mit Namen aufführen.






    Stattlicher Rotfußröhrling, Xerocomus pruinatus [pers. Erstfund, Erstfund für Berg.Land]
    Kennzeichen: Fruchtkörper mit bis zu 60 mm breiten Hüten und relativ stämmigen Stielen (Durchmesser >10 mm), Hutoberfläche fein filzig, stellenweise schwach rissig, an Fraßstellen und den Rissen deutlich rötend. Röhren schmutzig gelblich, auf Druck leicht blauend. Stiel ohne Rottöne, dafür bräunlich längsfaserig auf blassbräunlichem Grund. Fleisch weiß, nur stellenweise blauend.
    Sporen mit undeutlicher Längsrillung (x1000 Ölimmersion!), apikulat, blassbraun (X. porosporus: Sporen glatt, dunkelbraun).
    Fundort: 22.10.11, Bergisches Land, bei Picea.








    Orangeroter Schildborstling, Scutellinia umbrorum [pers. Erstfund, Erstfund für Berg.Land]
    Kennzeichen: Fruchtkörper 5-12 mm breit, anfangs kugelig, dann schüsselförmig, im Alter flach tellerförmig ausgebreitet, freudig orangerot mit dunklen, bis 1 mm langen Haaren.
    Sporen breitelliptisch, hyalin, Oberfläche grobwarzig, Warzen bis 1 µm hoch und bis 2,5 µm breit, unregelmäßig, bei genauem Hinschauen untereinander "vernetzt". Asci achtsporig. Haare 800-1200 µm, relativ dicht und zahlreich, basal bisweilen miteinander verwachsen (!, siehe Fotos).
    Fundort: 22.10.11, Bergisches Land, auf nackter Erde und sehr morschem Holz in einer versumpften Karrenfurche.







    Octospora fissidentis Benkert & Brouwer 2004 [pers. Erstfund, Erstfund für Berg.Land, Erstfund für NRW, Erstfund für Deutschland]

    Zitat

    Beschreibung des Fundes vom 22.10.11:
    Fruchtkörper 0,4-1,2 mm breit, anfangs becherförmig, dann flach linsenförmig ausgebreitet, stiellos dem Substrat aufsitzend; Hymenium anfangs blass, später orangegelblich. Rand und Außenseite mit hyphenartigen Haaren von bis 120 µm Länge, diese hyalin.
    Sporen 16-21,5x8,5-10,5 µm, unregelmäßig elliptisch mit etwas verjüngten Enden, oft einseitig etwas ausgebeult, hyalin, regelmäßig mit 2 Tropfen, nur etwa 4-8% der Sporen mit einem großen Tropfen, etwas dickwandig; Oberfläche mit isolierten, teilweise zusammengesetzten Warzen, vereinzelte Sporen mit unregelmäßig ausgeweiteter Ornamentation, Warzen gewöhnlich bis 0,5 µm hoch und breit. Asci 130-160x11-13 µm, achtsporig, zylindrisch mit unregelmäßig 'moniliformer' Basis, Sporen uniseriat. Paraphysen 3,5 µm, apikal bis 4 µm dick, in der obersten Zelle mit blass gelblich bis orangegelblichem Pigment, septiert, an den Septen nicht eingeschnürt. Haare hyalin, 5-7 µm dick und bis 120 µm lang, hyalin, unauffällig.
    Fundort: 22.10.11, Bergisches Land bei Unterbörsch, 3 Fruchtkörper an einem bis 80 ° steil aufragenden Bachufer, parasitisch an Rhizoiden von Fissidens bryoides, leg. B. Wergen, det. D. Benkert.
    Bemerkungen: Die Art wurde 2004 von BENKERT&BROUWER erstmalig in den Niederlanden beschrieben. Da ich den Artikel nicht zur Verfügung hatte und der Moosbecherling bis dato nicht wieder aufgetaucht ist, war eine Bestimmung von meiner Position aus nicht möglich. Herr Benkert war sehr überrascht, dass er dem kleinen Fruchtkörper tatsächlich einen Namen geben konnte.


    Damit haben Rada und ich jetzt schonmal definitiv einen Erstfund für Deutschland!


    In endloser Freude,
    björn

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  • Sry hatte das hier vergessen:


    Zitat


    Dieter Benkert & Emiel Brouwer. Persoonia 18(3): 381-391. 2004.


    This article presents an overview of remarkable findings of bryoparasitic Pezizales in the Netherlands collected in the period 1995-2002. These collections provide further insight into the distribution, ecology, morphology and host relationships of the species described, some of which represent unknown taxa. Three new species are described, primarily or exclusively based on collections from the Netherlands: Octospora neerlandica, O. fissidentis and O. nemoralis. The following connections with host-mosses were observed: Tortula ruralis s.str., T. ruraliformis, T. virescens with O. neerlandica, and Fissidens bryoides with O. fissidentis as well as O. nemoralis. As a result of the intensive field survey, the number of species known from the Netherlands has increased from 14 to 40. This indicates that current knowledge on the distribution of bryoparasitic Pezizales is very incomplete in many countries.


    Das ist die Zusammenfassung des Artikels von BENKERT & Brouwer 2004 in der Fachzeitschrift Persoonia.


    lg björn

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  • Das ist ja genial!!!


    Freue mich riesig für euch!!


    und ich war nicht dabei, snief

    "In den Wäldern sind Dinge,
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    man jahrelang im Moos liegen könnte."

    -Franz Kafka-
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  • Chapeau!






    LG
    Malone

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