Hallo Sebastian,
auf dem Mikrofoto einer Täublingshuthaut sieht man grundsätzlich einfache Hyphen, von denen man die letzten vier bis fünf Endglieder als "Haare" bezeichnet (und nur diese sind für die Bestimmung erstmal interessant). Besonders interessant sind Form und Breite der letzten Endglieder.
Dazu kommen je nach Täublingsart relativ dicke, lange, mit einer grauen Substanz gefüllte Dermatozystiden (DZY), bei denen Form, Breite und Länge interessant sind sowie die Merkmale, ob sie zur Gänze oder nur spärlich mit der grauen Substanz gefüllt sind und ob sie Kristallauflagen ("Inkrustationen") tragen oder nicht.
Ebenfalls können je nach Täublingsart etwa "haar"-dicke und "haar"-förmige, aber wesentlich längere, unverzweigte, in kurzen Abständen auffallend kettenartig gegliederte Hyphen vorkommen, die immer irgendwo Inkrustationen tragen, die "inkrustierten Primordialhyphen" (IPH). IPH sind relativ monoton gestaltet und unterscheiden sich vor allem in der Breite.
Bei den Speisetäublingen gibt es noch ein viertes Element: lange, dickwandige, rosshaarförmige Haare mit nadelspitzem Ende ("Crins"). Sieht man die, klopft man sich auf die Schulter, denn man ist dann mit der Bestimmung schon fertig.
Mit Erfahrung (d. h. wenn man aufgrund seiner Erfahrung weiß, wie es jeweils auszusehen hat) kann man schon alle vier Elemente sehen, wenn man die Huthaut bloß mit Kongorot anfärbt. Daher sollte man zuerst einmal mit Kongorot an die Huthaut gehen, in der Hoffnung, dass sich dann die aufwändigeren Färbetechniken erübrigen. Warnhinweis: Kongorot-Dämpfe sollten wegen Kanzerogenität nicht eingeatmet, Kongorot-Präparate daher niemals erhitzt werden. Der Inhalt von DZY sieht in Kongorot hellgrau aus, Inkrustationen erscheinen als grünlich schillernde Pünktchen oder Placken.
Nicht alle Leute erkennen bei bloßer Kongorot-Färbung DZY und IPH.
Daher verwendet man Sulfovanillin, damit sich die DZY möglichst grauschwarz färben und danach nicht mehr zu übersehen sind. Bei manchen Arten werden sie leider aber nur ein bisschen dunkler grau und sind dann immer noch nicht gut zu sehen (z. B. bei den schon erwähnten Speisetäublingen). Auf jeden Fall wäre auch das ein bestimmungsrelevantes Merkmal. Verwendet man Sulfovanillin, färbt sich der Rest der Huthaut pinkfarben. Das gute SV-Präparat zeigt also eine pink gefärbte Huthaut, in der schwarzgraue Würmer, Zylinder, Keulen, Würste usw. herumliegen. Leider löst SV wegen der enthaltenen Schwefelsäure die Huthaut binnen weniger Minuten komplett auf, so dass man nur sofort nach dem Präparieren wirklich etwas sieht.
Man verwendet Karbolfuchsin, damit man die IPH besser sieht. Extrem wichtig ist dabei, das Karbolfuchsin mit einer Säure, die schwach sein darf, z. B. HCL 2%, zu entfärben. Tut man das nicht, ist auf dem Bild alles lila, so wie in diesem Thread auf dem allerersten Bild, und man sieht gar nichts. Das ideale KF-Präparat zeigt vollkommen farblose Huthautelemente, einzig die Inkrustationen sind lila, sonst nichts. Beim Entfärben kommt es auf jede einzelne Sekunde an, in der das Präparat in der Säure liegt, denn leider haben die Inkrustationen die unangenehme Eigenschaft, sich unter Säureeinwirkung von den Huthautelementen abzulösen und dann frei im Präparat herumzuschwimmen, ohne dass der Bestimmer noch erkennen kann, von welchen Elementen sie herstammen. Daher ist es dringend notwendig, das Präparat nach dem Entfärben gründlich und lange in Wasser auszuwaschen. Oft wird es dabei wieder lila - dann muss man so lange auswaschen, bis das Präparat nicht mehr lila, sondern blass graugrünlich aussieht.
Mehr kann ich hier erstmal nicht schreiben, das übersteigt sonst den Rahmen des Fasslichen. Zweckmäßiges Erstellen von Täublingspräparaten kann auf jeden Fall technisch anspruchsvoll sein. Am besten kann man das auf den von den gängigen Pilzschulen angebotenen Täublings-Mikroskopierkursen lernen.
FG
Oehrling