Hallo Claus,
ein rein optisch wirklich krasser Fund. Aber R. curtipes? Ich habe noch nie R. curtipes anders als mit der typischen Zweifarbigkeit des Hutes (innen, d. h. im Trichtergrund grünlichgelb, gegen den Rand zu weinrot) gesehen. Das heißt für sich natürlich noch nichts.
Die Farbe des zuallererst gezeigten Exemplars passt mMn dagegen nicht. Der Pilz ist auf dem Hut bläulich rosa und sieht ja fast wie ein Frauentäubling aus, d. h. bei dem müssen blaue Pigmente in der Huthaut sein. So was kann mMn R. curtipes beim besten Willen nicht.
Im SARNARI (hast du den?) wird als Sporenpulverfarbe für R. curtipes 3c bis 4a angegeben, das von dir gemessene 4c ist also zu dunkel. R. romellii hat dagegen 4c bis 4d, das passt besser. Die Mikroskopie weist für R. curtipes neben langen, zugespitzten Haar-Endgliedern auch reichlich verbreiterte, kurze Endglieder aus, während die bei R. romellii vorwiegend lang, dünn und zugespitzt sind. Ich würde dir R. curtipes viel leichter glauben, wenn du auch kurze, verbreiterte und nicht nur lange dünne, zugespitzte Haarglieder zeigen würdest. Zu den Dermatozystiden hätte ich noch die Anmerkung, dass die von dir gezeigten eine charakteristische Zebrierung zeigen (z. B. auf dem Bild mit dem Sulfovanillin haben sie regelrechte "Zebra-" bzw. "Tiger-Streifen"). Letztes Jahr hatte ich eine von den sonstigen Merkmalen "bombensichere" R. romellii, bei der mir diese "Zebrastreifen" der Dermatozystiden zum ersten Mal so richtig aufgefallen sind. Was dagegen für R. curtipes und gegen R. romellii sprechen würde, sind die Divertikel an den Huthautelementen, die du anscheinend gesehen hast.
Fazit: Mit R. curtipes könntest du recht haben. Ich für meinen Teil tue mich dagegen schwer, weil ich weiß, dass R. romellii von weinrot über violettrot über hellgrün bis gelb alle Farben kann (ich habe sogar mal eine wunderliche bläuliche Form aufgesammelt, die makroskopisch als "gelbsporiger Frauentäubling"
daherkam und sich später duch einen winzigdünnen brombeerroten Hutrand verriet!), R. curtipes andererseits immer gleichfarbig daherkommt bzw. sich mir immer gleichfarbig präsentiert hat. Daher wäre für mich R. romellii Kandidat Nr. 1.
Aber das hier ist auf jeden Fall eine ergebnisoffene Diskussion, und wunderschön und diskussionswürdig ist der Täubling allemal.
FG
Oehrling