Beiträge von Ria

    gena auch wenn die Antworten kritisch sind, finde ich es sehr gut, dass du hier nachgefragt hast. Ich finde es super, wenn genauer über solche Produkte geredet wird.

    Ich sehe dieses Pilz -Kaffeepülverchen ziemlich kritisch und ich begründe es mal ausführlich:

    Für mich wirkt dieses Produkt wie ein typischer Lifestyle-Mix, in den „alles Moderne und Fancy“ reingepackt wurde, damit es sich gut verkauft: viele Pilzextrakte, dazu Ashwagandha, Shilajit, Probiotika, Kaffee/Grünkaffee. Das klingt nach „Super-Upgrade“, ist aber genau der Punkt, der es für mich risikobehaftet macht.


    1) Das ist ein unübersichtlicher Wirkstoff-Cocktail

    Hier werden sehr viele biologisch aktive Stoffe gleichzeitig kombiniert. Das ist nicht einfach „Kaffee mit Geschmack“, sondern ein Cocktail, der im Körper etwas machen kann – aber man weiß nicht genau was, weil es so viel auf einmal ist.

    ZuAshwagandha und Shilajit.

    Ashwagandha wirkt eher beruhigend und kann in hormonelle Regelkreise eingreifen, insbesondere in die Schilddrüsenfunktion. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder – selten – Leberprobleme.

    Shilajit wird eher mit Energie und Leistungssteigerung beworben, kann ebenfalls Magen-Darm-Beschwerden verursachen und ist stark qualitätsabhängig, da es natürlicherweise mit Schwermetallen belastet sein kann, wenn es nicht gut gereinigt ist.

    In Kombination mit Koffein, das stimulierend wirkt, entsteht ein widersprüchliches Bild: beruhigende, hormonell wirksame Substanzen treffen auf anregende Bestandteile. Zusammen mit mehreren immunmodulierenden Pilzextrakten ergibt das kein klares Wirkprofil, sondern ein schwer einschätzbares Gesamtgemisch. Mehr ist nicht automatisch besser.

    Mehr heißt hier vor allem: mehr Komplexität, mehr Unvorhersehbarkeit, mehr mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.


    2) Pilz-Unverträglichkeiten kommen relativ häufig vor

    Viele Menschen vertragen Pilze nicht gut – und zwar nicht nur als Speisepilz, sondern auch als Extrakt. Das kann sich als Magen-Darm-Thema zeigen, aber auch allgemeiner (z. B. Haut, Unwohlsein, Kopfschmerz, „komisches Gefühl“).

    Wenn 10+ Pilze gleichzeitig drin sind, kann man nicht sauber austesten, worauf man reagiert. Wenn man’s nicht verträgt, weiß man nicht, welcher Pilz oder welcher Zusatz der Auslöser war.


    3) Die Wirkung aufs Immunsystem ist für mich der heikle Teil

    Magen-Darm-Beschwerden kann man schnell zuordnen. Aber ich finde vor allem schwierig, dass viele dieser Pilze als immunmodulierend gelten. Das bedeutet: sie können in immunologische Prozesse eingreifen.

    Das ist heikel, weil man oft nicht sofort merkt, was immunologisch passiert. Eine mögliche Immunaktivierung läuft nicht sichtbar ab. Und bei manchen Menschen kann das unerwünscht sein – z. B. wenn ohnehin schon ein „überaktives“ oder empfindliches Immunsystem, Allergieneigung oder chronische Entzündungen im Spiel sind.

    Gerade weil hier so viele immunologisch aktive Pilze kombiniert werden, wirkt das auf mich fragwürdig.


    4) Fehlende Angaben = fehlende Qualitäts- und Sicherheitsstandards

    Was mich am meisten stört: Die Angaben auf solchen Produkten sind oft so, dass man nicht wirklich beurteilen kann, was man da in welcher Qualität und Menge nimmt. Hier fehlen bzw. sind nicht transparent genug:

    • Dosierung/Anteil der einzelnen Inhaltsstoffe: Eine lange Zutatenliste sagt nicht, ob die Mengen überhaupt relevant sind. Es kann sein, dass vieles nur „fürs Label“ in Spuren drin ist und ein paar Komponenten den Rest dominieren. Ohne Mengenangaben: nicht nachvollziehbar.
    • Standardisierung (z. B. Beta-Glucane/Triterpene): Ohne Standardisierung weiß man nicht, ob es sich um konsistente Qualität handelt oder ob Chargen stark schwanken.
    • Extraktionsverfahren: „Extrakt“ kann vieles heißen. Heißwasserextrakt, Alkoholextrakt, Dual-Extrakt – das macht einen großen Unterschied, weil dabei andere Stoffgruppen im Produkt landen. Ohne diese Info: nicht einschätzbar.
    • Koffeingehalt: Es ist Kaffee + Grünkaffeeextrakt drin, aber ohne mg-Angabe. Für viele ist genau das relevant (Schlaf, Unruhe, Herzklopfen, Angst, Blutdruck).
    • Herkunft der Pilze + Laboranalysen: Das ist bei Pilzen besonders wichtig. Nicht nur wegen Schwermetallen, sondern auch Umweltschutz (Ophiocordyceps sinensis!!! aus dem Himalaya soll auch drinn sein? Das wäre dann Wildsammlung. Oder Labormyzel der Cs-4-Stämme, warscheinlich vermahlen mit dem Substrat? Warum sollte ich sowas trinken? Aber klingt halt hochwertig auf einer Verpackung)

    5) Herkunft/Schadstoffe: Pilze können Belastungen anreichern

    Pilze sind bekannt dafür, dass sie Stoffe aus ihrer Umgebung aufnehmen können – je nach Substrat/Anbaugebiet auch Schwermetalle oder andere Kontaminationen. Und wenn daraus Extrakte hergestellt werden, kann sich eine mögliche Belastung sogar konzentrieren.

    Darum wären wichtig: klare Angaben zur Herkunft (Anbaugebiet, kontrollierter Anbau vs. Wildsammlung), Chargenanalysen (v. a. Schwermetalle) und transparente Qualitätssicherung.

    Wenn das nicht aufgezeigt wird, heißt das nicht automatisch das es belastet ist. Aber es heißt: Ich kann es nicht prüfen – und das ist bei so einem Profit-orientiertem „Premium-Lifestyle-Produkt“ aus meiner Sicht ein Problem.


    6) Erhitzung & hitzelabile Stoffe: Widerspruch bei Probiotika

    Was ich aber inkonsequent finde:

    Es ist ein Heißgetränk – gleichzeitig sind Probiotika drin. Einige Probiotika (z. B. Lactobacillus-Arten) sind hitzeempfindlich. Wenn man das mit kochendem Wasser anrührt, wird der größte Teil davon schlicht inaktiviert. Oder es ust einfach nur dafür da die fancy Zutatenliste zu verlängern- mehr Schein als Sein.


    Gesamtfazit

    Für mich ist das ein marketinggetriebenes „Alles-drin“-Präparat. Es will modern wirken und sich als besonders gesund verkaufen. Gleichzeitig fehlen Informationen, die man bräuchte, um es als wirklich einschätzen zu können.

    Deshalb ordne ich es als risikobehaftetes Lifestyle-Produkt ein: unübersichtlich, schlecht prüfbar, potenziell wirksam und damit nicht so harmlos, wie das Marketing oft tut. Und ja: Solche Trendprodukte sind erfahrungsgemäß auch noch übertrieben teuer.

    Von der Borke und Holzstruktur her, lehne ich mich weit aus dem Fenster und rate Bastard-Schwarzpappel, oder eine Weideart. Es ist definitiv kein Nadelholz.

    Und zum Blobb: ich sehe Schale. Also rate ich Halloween Kürbis, weil ich seh keine Kerne. 😂

    Siehe aktueller Beitrag "Zunderschwamm?" hier im Forum in der Rubrik Bestimmungshilfen



    Da taucht der Fliegenpilz auch in der Diskussion als Heilpilz auf. Dort zwar für äußerliche Anwendung, aber aktuell gibt es sehr viele Menschen die ihn innerlich einnehmen.

    Zitat

    "...Die Entscheidung, ob jemand Tees nun nutzen will oder nicht, muss jede Person für sich entscheiden. Da muss der PSV doch nicht helfen?...Keine Panik..."

    Danke für deine Einordnung. Mir geht es hier nicht um „Panik“, sondern um eine sachliche Beschreibung der Beratungssituation. Die formale Zuständigkeit der DGfM und die Arterkennung als Kernaufgabe des PSV sind mir klar; zugleich kommen viele Ratsuchende mit starken Meinungen und Heilsversprechen aus Social Media. Die Entscheidung zur Nutzung liegt selbstverständlich bei den Leuten selbst – „Helfen“ heißt für mich hier nicht empfehlen, sondern einordnen. Genau diese Einordnung wird in der Praxis beim Thema Heilpilze zunehmend anspruchsvoll.

    Ein Praxisbeispiel aus der Beratung: Menschen kommen nicht selten mit Fliegenpilzen im Korb und wissen oft erstaunlich viel über Inhaltsstoffe – z. B., dass Muscimol GABAerg wirkt und Ibotensäure glutamaterg (also eben nicht anticholinerg). Was häufig fehlt, ist das Wissen über Risiken jenseits der reinen Wirkmechanismen: etwa die Problematik von regelmäßigem, vermeintlich risikolosem „Mikrodosing“, mögliche Langzeitfolgen oder ganz banal die hygienische Seite – dass stark überständige Fliegenpilze sehr real Lebensmittelvergiftungen auslösen können. Ich bin froh, wenn die Leute sich auf ein offenes Gespräch einlassen und erzählen, was sie vorhaben, damit ich wenigstens dazu aufklären kann.

    Ein typisches Beispiel: Oft wird gesagt, Ibotensäure sei der „eigentlich gefährliche“ Stoff (z. B. wegen zytotoxischer Effekte in Zellmodellen), weshalb gezielt decarboxyliert wird, um Muscimol zu erhalten. Was dabei häufig nicht präsent ist: Muscimol ist der zentral wirksame psychoaktive Stoff und kann in höherer Dosis sehr wohl lebensgefährlich sein. Dass auch eine Muscimol-Überdosierung potenziell tödlich verlaufen kann, ist vielen nicht bewusst, weil das Narrativ kursiert, Muscimol sei „harmlos“.

    Das Beispiel ist inhaltlich natürlich heikler als der Birkenporling, soll aber verdeutlichen, worum es mir geht: Viele Menschen haben Teilwissen und feste Überzeugungen, aber blinde Flecken bei Risiken und Kontext. Genau hier sehe ich die Rolle von Beratung – nicht als Entscheidungshilfe im Sinne von „machen oder nicht machen“, sondern als sachliche Einordnung, damit Menschen informierte eigene Entscheidungen treffen können.


    Ich gebe zu das ist jetzt eine große Kurve vom ursprünglichen Thema 😅

    Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten.

    Hallo

    Doch, das ist sehr nützlich und auch sehr gut gemacht. Die DGfM sollte daraus ruhig einen Flyer machen. Schwarz auf Weiß kommt doch immer gut bei den Menschen an. Hast du nichts in der Hand, glauben bestimmt einige nicht, was du erzählst. Ich bin zwar kein Pilzberater, aber solche Erfahrungen durfte ich machen.

    Ich halte das DGfM-Statement für fachlich korrekt und notwendig. In der Praxis erlebe ich jedoch, dass es bei Menschen mit festen Überzeugungen rund um Heilpilze oft nicht als Einladung zur Einordnung verstanden wird, sondern als Rückzug aus dem Thema. Das erschwert die Beratung. Auf manche wirkt es so, als wolle sich die DGfM nicht tiefer mit dem Thema befassen. Dadurch werden DGfM und PSV von stark vorgeprägten Ratsuchenden oft nicht als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrgenommen – gerade bei Fragen zu Risiken von Heilpilzen. Die DGfM erreicht da quasi nicht die Leute die es nötig hätten, sondern nur Leute die eh skeptisch oder sehr vorsichtig sind, dem Thema gegenüber.

    Guten Abend in die Runde,


    was mir beim Thema Heilpilze wirklich Bauchschmerzen macht, ist weniger der Birkenporling oder die Tramete selbst, sondern der Kontext, in dem das Thema seit Corona zunehmend verhandelt wird.


    Es gibt eine große Szene, in der massives Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem mit Verschwörungserzählungen kombiniert wird. Das Thema Heilpilze ist ein aktuell großes Thema in der naturromantischen Rechten „Die da oben wissen, wie heilkräftig dieser Pilz ist, wollen aber nicht, dass wir das wissen.“ Solche Narrative sind in Telegram-Gruppen inzwischen Alltag. Besonders Kombiniert mit den Themen Shamanismus und ein Annahme, dass alles was früher genutzt wurde automatisch wertvoll ist. Das durchaus interessante Ötzi- Beidpiel macht da auch kräftig die Runde.


    Rund um Heilpilze wächst ein Markt, der genau davon lebt: Produkte, Bücher, „Experten“, die mit wissenschaftlicher Rhetorik arbeiten, aber faktisch Marketing betreiben. Das verzerrt die Wahrnehmung enorm und macht es schwer, zwischen plausibler Hypothese, echter Forschung und bloßem Verkaufsnarrativ zu unterscheiden.Das ist gefährlich, weil hier Unwissen und ideologische Deutung zusammentreffen. Komplexe physiologische Zusammenhänge werden auf einfache Geschichten reduziert („stärkt das Immunsystem“, „heilt Entzündungen“), während Unsicherheiten, Risiken und offene Fragen ausgeblendet werden. Der Fliegenpilz z.B. wird sehr stark und unverantwortlich vermarktet gerade. Was ja auch dazu geführt hat, das seit Mai letzten Jahren Muscimol im Schweizer BTM aufgenommen wurde. (Als Freundin der Aufklärung finde ich Verbote an solchen Stellen tatsächlich nicht besonders funtional und gesellschaftlich nachhaltig- führt meiner Meinung nach nur zu einem unkontrollierbarem Schwarzmarkt- aber das ist ein anderes Thema und auch Ansichtsache, da gibt es sicher mehrere valide Perspektiven)




    Dass jemand aus eigenem Interesse, weitestegehend informiert, mit Pilzkenntnis und Selbstverantwortung etwas ausprobiert, finde ich unproblematisch. Problematisch finde ich die strukturelle Dynamik: große Heilsversprechen bei gleichzeitig geringer Datenlage – und eine Szene, die Skepsis gegenüber Wissenschaft mit scheinbar „alternativem Wissen“ ersetzt. Zumal es bei Heilpilzen nicht nur um „giftig oder nicht giftig“ geht, sondern auch um Kurzzeit- vs. Langzeitwirkungen, kumulative Effekte und individuelle Risiken, über die wir noch erstaunlich wenig wissen. Aber das wurde hier schon ausführlicher besprochen.


    Gleichzeitig halte ich es für wichtig, zu sagen: Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem heutigen Gesundheitssystem und seinen Strukturen ist aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar und in Teilen auch berechtigt. Wie geforscht wird, was erforscht wird – und was eben nicht –, folgt oft Marktlogiken und Verwertungsinteressen und nicht primär der Frage, was der Gesellschaft insgesamt am meisten nützen würde. Das führt zu Schieflagen, die man kritisch sehen kann und sollte. Vor diesem Hintergrund finde ich es sehr verständlich, dass sich Menschen vom medizinischen System entfremden oder ihm misstrauisch gegenüberstehen. Diese Skepsis entsteht nicht aus dem Nichts, sondern aus realen Erfahrungen mit Ökonomisierung, Zeitdruck in der Versorgung, Interessenkonflikten und einer Forschung, die strukturell auf patentierbare Produkte ausgerichtet ist. Kritik daran ist legitim und notwendig.


    Gerade deshalb halte ich unabhängige Expertise für so wichtig: Fachleute, die weder von Heilpilz-Märkten noch von pharmazeutischen Verwertungslogiken abhängig sind, können hier eine vermittelnde Rolle spielen. Sie können Unsicherheiten benennen, Wissenslücken offenlegen und einordnen, ohne entweder in Heilsversprechen oder in pauschale Abwertung nicht etablierter Ansätze zu verfallen. In diesem Sine finde ich diese Diskussion hier wertvoll.


    Ich finde es wichtig, dass das Thema in Expertenforen emotional ruhig und ausführlich besprochen wird. Für mich in der Pilzberatung in einer Großstadt ist das Thema Heilpilze definitiv eine Herausforderung. Es reicht halt nicht als PSV da auf die Liste der Speisepilze zu verweisen. Die Leute nehmen die "rohköstlichen" Pilzpülverchen halt trotzdem und ich sehe da einen großen Aufklärungsbedarf. Das offizielle Statement der DGfM hilft mir da nicht, dieses Thema gut zu beraten. Und meine Augen zu verschließen vor diesem Thema gelingt mir auch nicht.


    Liebe Grüße

    Ria

    Hallo in die Runde,

    ich entwickle gerade Bildungsformate. Mein Ziel ist nicht nur am Wochenende und Nachmittags zu arbeiten, sondern auch mykologische Bildungsprojekte Vormittag an Schulen und Unis zu veranstalten. Das Zauberwörtchen dafür ist gerade "BNE" Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein riesiges Programm der vereinten Nationen. Deswegen besuche ich gerade mehrere Fortbildungen zu BNE. Meist rund um das Thema Klimaschutz, oder Waldökologie. Diese Weiterbildungen sind sehr gut strukturiert und viele von ihnen kostenlos und es gibt unzählige kostenlose Bildungsmaterialen für die praktische Arbeit.

    ABER!!! und das frustriert mich. Es gibt keine Materialien, oder Bildungsinhalte zu Pilzen. Z.B. in den verschiedenen Modulen zu Boden und Klima- werden Pilze nicht erwähnt in ihrer Rolle beim Binden von CO2 und auch nicht zur Humusbildung. Keine der vielen schönen Poster hat irgendwo das Reich der Pilze erwähnt.

    Ich frage mich wie geschafft werden kann, dass Pilze nicht ständig übersehen werden. Gerade im Klimaschutz und auch in der Entwicklung nachhaltiger Technologien können sie eine Schlüsselrolle für unsere Zukunft spielen.

    Leider gibt es durch diese Fungi Blindness auch weniger Gelder für Bildung in diesem Bereich. Ich habe mich diese Woche mit vielen verschiedenen Leuten unterhalten, die meinten, dass es nicht gelingt dauerhaft Pilzcoachs in Bildung an Schulen unterzubringen- obwohl aktuell die Aktionen rund um BNE perfekt dafür sind. Sind euch positive Beispiele bekannt?

    Ich würde gerne darüber diskutieren wie wir Pilze in den Unterricht bekommen. Und wie Gelder generiert werden können für Bildung und Bildungsmaterialien rund um Pilze. Ich suche Ermutigung und Ideen. (Edit: Bitte keine entmutigenden Antworten)


    Liebe Grüße

    Ria




    Hier auch anbei noch mal eine Studie dazu, die den Fachbegriff FADS (Pilz-Wahrnehmungsdefizit) nutzt:

    Kurz-Zusammenfassung (Deutsch) von Chatgpd

    – Mycelial Education to Cure Fungal Awareness Disparity Syndrome

    Autor: Alexander Waller (2025)

    Veröffentlicht in: Journal of Biological Education


    In diesem Editorial wird das Konzept Fungal Awareness Disparity Syndrome (FADS) vorgeschlagen – analog zum bekannten Plant Awareness Disparity (PAD) –, um die Wahrnehmungslücke gegenüber Pilzen im Bildungs- und Gesellschaftskontext zu beschreiben. FADS zeigt sich darin, dass viele Menschen Pilze in ihrer Umgebung, ihre Diversität und ihre fundamentale Bedeutung für Ökosysteme nicht wahrnehmen oder unterschätzen. Diese Unterschätzung kann negativ auf langfristige Naturschutzziele wirken, da Pilze wichtige ökologische Rollen erfüllen, ähnlich wie Pflanzen und Tiere. Besonders deutlich wird dies an dem Fakt, dass nur ein Bruchteil der geschätzten 2,5 Mio. Pilzarten überhaupt bewertet wurde, etwa im Vergleich zu Pflanzen oder Wirbeltieren.


    Waller argumentiert, dass dieses Bewusstseinsdefizit nicht allein auf sensorische Beschränkungen zurückgeführt werden kann, sondern eng mit kultureller und pädagogischer „Blindheit“ gegenüber Pilzen verknüpft ist. Um FADS zu überwinden, schlägt er ein „myceliales Curriculum“ (Mycelial Education) vor, das Pilzthemen über die Schuljahre hinweg systematisch einführt, vertieft und wiederholt. Ein solches Curriculum umfasst Bereiche wie Taxonomie, ökologische Funktion, Anatomie, ökologische Vernetzungen, menschliche Einflüsse und Konservierungsstrategien.

    Und nicht zu vergessen die ebenso enthaltenen Giftstoffe

    Meines Wissens hat der Birkenporling keine Giftstoffe.

    Einige der Pharmakologischen Wirkstoffe, also genau diejenigen, die interessant sind, sind cytotoxisch/antiproliferant (Verursachen Zelltod / hemmen Vermehrung von bestimmten Zelllinien-> Krebszellen) im Labor. Das bedeutet aber nicht, dass sie systemisch toxisch sind, wie klassische Pilzgifte.

    Aber nicht giftig heißt nicht automatisch harmlos:

    Diese Laboruntersuchungen werden oft in Konzentrationen gemacht, die in Nahrung oder traditionellen Anwendungen nicht erreicht werden. Das macht ihn nicht zum Giftpilz, aber auch nicht automatisch ‚harmlos‘ für innerliche Anwendungen. Die bioaktiven Stoffe zeigen deutliche zellbiologische Effekte und es kann davon ausgegangen werden, dass sie im Körper Wirkung zeigen- aber welche Zusammenhänge konkret, das ist unerforscht. Die traditionelle Anwendung prüft das leider nicht.

    Die klinische Studie gilt als einziger echter Nachweis, und die kostet zwischen 50 und 200 Millionen Euro. Das heißt, der Birkenporling müsste mindestens 50 bis 200 Millionen wieder reinbringen, und diesen Kapital-Einsatz bringt zudem nur, wer wiederum viele weitere hunderte Millionen damit machen kann. Nun wächst der Birkenporling aber an jeder dritten Birke, und ist nicht patentierbar. Das heißt: es wird nie, niemals herausgefunden werden, im wissenschaftlichen Sinn, ob der wirkt oder nicht.


    Viele übersehen, dass wir ein ganz anderes Problem haben als den weltanschaulichen Streit zwischen Schul- und Alternativmedizin, nämlich die Tatsache, dass eine echte Forschung, also bloß um der altruistischen Erkenntnis willen, im Hinblick auf pharmazeutische Produkte aktuell systematisch ausgeschlossen ist. Die Kapitalisierung des Gesundheitswesens definiert nunmal automatisch, welche Art von Erkenntnis noch möglich ist - das Ergebnis muss in entsprechender Weise verwertet werden können. Damit sind wir in eine ganz fiese Falle gelaufen … wir bezahlen den Irrsinn mit den explodierenden Sozialversicherungsbeiträgen.

    Ich habe deinen Beitrag erst nach meinem Post gesehen – das war parallel geschrieben und nicht als Gegenrede gemeint. Inhaltlich teile ich deine Kritik an den ökonomischen Rahmenbedingungen der Forschung.


    Gleichzeitig finde ich die Schmetterlingstramete eine interessante Ausnahme, weil es dazu tatsächlich mehrere größere, teure Humanstudien gibt.

    Das Wissen über Vital- und Heilpilze ist teilweise durch Studien gestützt. Allerdings sind die einzelnen Pilzarten sehr unterschiedlich gut erforscht. Einige Arten wie die Schmetterlingstramete sind vergleichsweise gut untersucht, während es zu vielen anderen Pilzen vor allem Laborstudien und nur wenige Tierversuche gibt.


    Wichtig ist, Studien richtig einzuordnen: Ergebnisse aus Zellversuchen oder Tierversuchen lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Sie zeigen eher, in welche Richtung Wirkungen möglich sind, sagen aber noch nichts darüber aus, ob ein Pilz beim Menschen tatsächlich wirksam oder sicher ist.

    Neben der Frage, ob es Studien gibt, braucht es bei der Anwendung von Heilpilzen Wissen darüber,

    -welche Inhaltsstoffe überhaupt wirksam sein könnten,

    -wie diese aus dem Pilz gelöst werden (z. B. als Tee oder Alkohol-Auszug),

    -und ob der Körper diese Stoffe überhaupt aufnehmen kann.


    Wer mit Reishi Blutdruck senken will, braucht z.B. ein Dualextrakt, oder eine Tinktur. Pilzpulver-rohverzehr wirkt da nicht, weil die Wirkstoffe im Chitin gebunden bleiben, bzw. wirkt lediglich belastend auf die Verdauung.


    Außerdem:

    Da einige Inhaltsstoffe aus Heilpilzen das Immunsystem beeinflussen können, halte ich es für sinnvoll, bei Autoimmunerkrankungen besonders vorsichtig zu sein. Auch wenn nicht belegt ist, dass Heilpilze Autoimmunprozesse verschlechtern, ist die Datenlage hier sehr dünn, und mögliche Effekte auf ein ohnehin fehlreguliertes Immunsystem sind bislang kaum untersucht.


    Für Kinder, Schwangere und Stillende liegen keine gesicherten Daten zur Sicherheit vor. Aus Vorsichtsgründen sollte in diesen Gruppen auf die innerliche Anwendung von Heilpilzen verzichtet werden, oder nur mit Rücksprache mit Ärztinnen ausprobiert werden. Gleiches gilt bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme, solange keine verlässlichen Daten zu möglichen Wechselwirkungen existieren.


    Als Einstieg ins Thema halte ich das Grundlagenwerk von Guthmann für sinnvoll, weil es versucht, das Thema sachlich und kritisch einzuordnen. Andere Bücher, vor allem aus stark naturromantischen oder esoterischen Zusammenhängen (z. B. zu Amanita muscaria), sehe ich sehr kritisch, da Risiken oft verharmlost oder ausgeblendet werden.



    Zum Birkenporling:

    Beim Birkenporling werden bestimmte Inhaltsstoffe als potenziell wirksam diskutiert. Der Pilz gilt als für die Forschung interessant, ist aber bisher nicht in Studien am Menschen untersucht worden. Es gibt lediglich einige Laboruntersuchungen und wenige Tierversuche.

    Diese deuten darauf hin, dass der Birkenporling im Laborversuch gegen Keime wirken kann, Entzündungen beeinflusst und das Immunsystem verändern kann. Ob und in welchem Ausmaß das beim Menschen eine Rolle spielt, ist bislang offen.

    In der Volksmedizin wurde der Birkenporling u. a. bei Magen-Darm-Beschwerden, als Mittel gegen Würmer und äußerlich auf Wunden verwendet.



    Ich sehe in Heil- und Vitalpilzen grundsätzlich ein großes Potenzial. Das Wissen darüber, was direkt vor unserer Haustür im Wald wächst und traditionell genutzt wurde, kann eine wichtige Ressource sein.

    Gleichzeitig finde ich es wichtig, mit diesem Thema sehr vorsichtig, differenziert und möglichst genau umzugehen. Nicht alles, was natürlich ist, ist automatisch harmlos oder für jede Person geeignet. Und auch Dinge, die (noch) nicht wissenschaftlich belegt sind, können wahr sein.

    Ich finde es gut, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt.

    Ich habe ne Telegram-Gruppe die ich dafür nutze. "Pilze sammeln - in und um Leipzig" (link gibts gern PM)

    Da sind allerdings Stand heute 670 Leute drinn. Sobald ich ne Führung ankündige, ist sie eigentlich sofort ausgebucht. Ich bin nicht ganz zufrieden mit den aktuellen Format und überlege, aber eine Fortgeschrittenen-Gruppe für Exkursionen zu machen, die sich monatlich und themengebunden trifft. Und dann die Einstiegs-exkursionen seltener zu machen. Bisher habe ich keine Internetseite, weil ich sie noch nicht brauche.

    Hallo Ihr Lieben, ein warmer Gruß in die Runde,


    mein Name ist Ria. Ich bin in Leipzig in der Fachgruppe Mykologie angebunden und seit neuestem der AGsM als (mittelaltes) Küken beigetreten.

    Seit Corona habe ich mir viel Zeit im Wald genommen und mein langjähriges Hobby Pilze wird nun in kleinen Schritten zur Berufung, vor allem weil ich mehr draußen sein möchte.

    Ich bin PSV und gebe regelmäßig Führungen im Leipziger Auwald. Außerdem treibe ich mein Lernen in der Feldmykologie voran und beginne nun endlich diesen Sommer meine universitäre Ausbildung zum Mykologischen Fachberater. Und das macht mich richtig glücklich. Ich will eigentlich in meinem Leben nix anderes mehr machen ;) ==konfetti

    Das Thema Pilze interessiert mich vor allem in der Breite und in der Weitergabe von Wissen und das Eröffnen von Experimentier-Räumen und der Vernetzung von Pilzinteressierten Menschen. Ich arbeite gern projekthaft und arbeite mich in verschiedene Themen ein. Ich falle von einem Rabbithole ins Nächste: letztes Jahr habe ich meinen kritischen Blick auf Vitalpilze geschärft und aktuell tüftle ich darüber Pilze als Material nutzbar zu machen, z.B. Lederersatz und Baumaterial aus Myzel. Mich interessieren dabei einfache Technologien, die Zuhause und mit einfachen Mitteln umgesetzt werden können.

    In der Artenkenntnis interessieren mir vor allem, auf Holz wachsende Arten und unter diesen schlägt mein Herz für die Porlinge und allgemein die Ökologie des Waldes. Klima- und Naturschutz und zukunftsfähige Perspektiven sind mir wichtige Anliegen.


    Ich verneige mich voller Respekt vor dem gebündelten Wissen hier im Forum ==Pilz24 und freue mich vielleicht einen kleinen Teil beizutragen.

    Liebe Grüße

    Ria


    Die Emoticons sind tollll!

    Dankeschön Ulla,

    ich habe mein Bestes gegeben, mit meinem Billigmikroskop und mit dem Handy durchs Okular fotografiert 😂

    Ich bin aber glücklich, dass ich bei meiner ersten Erfahrung mit Schleimpilzen mikrospieren, mit Trichia richtig lag. Ist wirklich ein spannender Fund für mich.

    Achso, die Sporen hatten nach meiner Sicht unregelmäßig verteilte verschiedengroße Warzen. Netzig hätte ich das eher nicht bezeichnet- aber unter nem anderen Mikroskop könnte das auch anders aussehen vielleicht?

    Ich habe jetzt noch einmal einzelne Sporokarpe genau angesehen, gedreht und gelöst. Definitiv nicht gestielt, alle aufsitzend. Habe hier nun in einem anderem Beitrag noch T. contorta als Möglichkeit gefunden. 🤔

    Hallo in die Runde, das ist mein erster Beitrag im Forum :)

    Ich kenne mich mit Schleimpilzen nicht wirklich aus. Ich bin nach hin und her auf Trichia decipiens s. l. gekommen und möchte das gerne mit euch abgleichen. Ich finde nur, die makroskopischen Darstellungen sehen im Netz anders aus: gestielt und rötlichere Fruchtkörper Die Peridien waren unterm Bino glatt und aufgesetzt auf dem sehr morschen Substrat. Ahorn, oder Buche im Leipziger Auwald.

    Sporen kugelig, grob und unregelmäßig verrukös, 11–15 µm; Elateren spiralig gebändert mit zugespitzten Enden; Peridie glatt; auf stark vermorschtem Holz. Bestimmung: Trichia decipiens s. l.

    Was meint ihr?


    Liebe Grüße von Ria