Fungi Blindness - in Bildung und Didaktik - Bildung nachhaltige Entwicklung BNE - Pilzcoach

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  • Hallo in die Runde,

    ich entwickle gerade Bildungsformate. Mein Ziel ist nicht nur am Wochenende und Nachmittags zu arbeiten, sondern auch mykologische Bildungsprojekte Vormittag an Schulen und Unis zu veranstalten. Das Zauberwörtchen dafür ist gerade "BNE" Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein riesiges Programm der vereinten Nationen. Deswegen besuche ich gerade mehrere Fortbildungen zu BNE. Meist rund um das Thema Klimaschutz, oder Waldökologie. Diese Weiterbildungen sind sehr gut strukturiert und viele von ihnen kostenlos und es gibt unzählige kostenlose Bildungsmaterialen für die praktische Arbeit.

    ABER!!! und das frustriert mich. Es gibt keine Materialien, oder Bildungsinhalte zu Pilzen. Z.B. in den verschiedenen Modulen zu Boden und Klima- werden Pilze nicht erwähnt in ihrer Rolle beim Binden von CO2 und auch nicht zur Humusbildung. Keine der vielen schönen Poster hat irgendwo das Reich der Pilze erwähnt.

    Ich frage mich wie geschafft werden kann, dass Pilze nicht ständig übersehen werden. Gerade im Klimaschutz und auch in der Entwicklung nachhaltiger Technologien können sie eine Schlüsselrolle für unsere Zukunft spielen.

    Leider gibt es durch diese Fungi Blindness auch weniger Gelder für Bildung in diesem Bereich. Ich habe mich diese Woche mit vielen verschiedenen Leuten unterhalten, die meinten, dass es nicht gelingt dauerhaft Pilzcoachs in Bildung an Schulen unterzubringen- obwohl aktuell die Aktionen rund um BNE perfekt dafür sind. Sind euch positive Beispiele bekannt?

    Ich würde gerne darüber diskutieren wie wir Pilze in den Unterricht bekommen. Und wie Gelder generiert werden können für Bildung und Bildungsmaterialien rund um Pilze. Ich suche Ermutigung und Ideen. (Edit: Bitte keine entmutigenden Antworten)


    Liebe Grüße

    Ria




    Hier auch anbei noch mal eine Studie dazu, die den Fachbegriff FADS (Pilz-Wahrnehmungsdefizit) nutzt:

    Kurz-Zusammenfassung (Deutsch) von Chatgpd

    – Mycelial Education to Cure Fungal Awareness Disparity Syndrome

    Autor: Alexander Waller (2025)

    Veröffentlicht in: Journal of Biological Education


    In diesem Editorial wird das Konzept Fungal Awareness Disparity Syndrome (FADS) vorgeschlagen – analog zum bekannten Plant Awareness Disparity (PAD) –, um die Wahrnehmungslücke gegenüber Pilzen im Bildungs- und Gesellschaftskontext zu beschreiben. FADS zeigt sich darin, dass viele Menschen Pilze in ihrer Umgebung, ihre Diversität und ihre fundamentale Bedeutung für Ökosysteme nicht wahrnehmen oder unterschätzen. Diese Unterschätzung kann negativ auf langfristige Naturschutzziele wirken, da Pilze wichtige ökologische Rollen erfüllen, ähnlich wie Pflanzen und Tiere. Besonders deutlich wird dies an dem Fakt, dass nur ein Bruchteil der geschätzten 2,5 Mio. Pilzarten überhaupt bewertet wurde, etwa im Vergleich zu Pflanzen oder Wirbeltieren.


    Waller argumentiert, dass dieses Bewusstseinsdefizit nicht allein auf sensorische Beschränkungen zurückgeführt werden kann, sondern eng mit kultureller und pädagogischer „Blindheit“ gegenüber Pilzen verknüpft ist. Um FADS zu überwinden, schlägt er ein „myceliales Curriculum“ (Mycelial Education) vor, das Pilzthemen über die Schuljahre hinweg systematisch einführt, vertieft und wiederholt. Ein solches Curriculum umfasst Bereiche wie Taxonomie, ökologische Funktion, Anatomie, ökologische Vernetzungen, menschliche Einflüsse und Konservierungsstrategien.

  • Um FADS zu überwinden, schlägt er ein „myceliales Curriculum“ (Mycelial Education) vor, das Pilzthemen über die Schuljahre hinweg systematisch einführt, vertieft und wiederholt. Ein solches Curriculum umfasst Bereiche wie Taxonomie, ökologische Funktion, Anatomie, ökologische Vernetzungen, menschliche Einflüsse und Konservierungsstrategien.

    Hallo Ria,


    toller ( :yawn: ) theoretischer Vorschlag eines Autors, der fern jeglicher schulischer Realität bleiben wird. Die Umsetzung wäre sonst die Verwirklichung eines Traums von mykologisch Interessierten.

    Solche Vorschläge sind gut gemeint und werden haufenweise von Interessengruppen jeglicher Couleur (Technik, Eletrik, Digitalisierung, Computer, Sport, Medizin, Biologie,....) an die Kultusministerien und Schulen herangetragen. Da wird so gut wie nichts in die Curricula übernommen werden. Die Prioritäten werden einfach anders gesetzt. Sollen Kinder "mykologische" Inhalte lernen oder mit Computer umgehen können? Die Antwort kannst du dir selbst geben.


    Wenn du praktisch tätig werden willst, dann gibt es aber jede Menge Möglichkeiten direkt in den Schulen, Kindergärten und in der Erwachsenenbildung - an den Unis glaube ich weniger. Materialien dazu gab es z. B. mal von der DGfM - ich gebe zu, auf der neuen Homepage kann ich sie nicht mehr finden. Aber in den Kreisen der "Pilzcouchies" soll es reichlich Material geben und es heißt, die tauschen sich regelmäßig aus.


    Nur dabei Geld verdienen wird in Schulen und Kindergärten schwierig sein. In unserer Gegend gibt es erfreulicherweise Pilzsachverständige, die solches seit vielen Jahren aus Eigeninitiative ehrenamtlich machen.


    Gruß

    Peter