Hallo an die Freunde der kreativen Pilzküche!
Dass man aus Pilzen weit mehr machen kann, als sie mit Speck und Ei durch die Pfanne zu jagen, dürfte ja mittlerweile hinreichend bekannt sein. Dass man Pilze durchaus auch süß zubereiten kann hingegen weniger. Was solche kreativen Ansätze betrifft, sind wir deutschen ja nach wie vor recht skeptisch. Im Ausland geht es in der Hinsicht wesentlich "bunter" zur Sache und vor allem aus Amerika findet man eine schier unendlich Masse an Zubereitungsansätzen für verschiedenste Arten, auf die bei uns wohl nie jemand kommen würde. Mandel-Feigen-Eiscreme Bitterschokolade und Riesenchampignon-Karamell zum Beispiel. Oder Vanillesauce mit Krauser Glucke. Beides schon von mir getestet und für exzellent befunden.
Schon länger habe ich vom Blog "Foodnutters" ein interessantes Rezept auf der Liste von Dingen, die ich unbedingt mal ausprobieren möchte. Eingekochten Schwefelporling in süß. Nachdem es kürzlich mal wieder schöne Schwefelporlinge zu finden gab, habe ich das Rezept endlich mal ausgetestet und nach ein paar Tagen Lagerzeit heute mal verkostet. Kam als Topping auf zwei schöne Kugeln Walnuss-Eis.
Ich muss sagen, ich war sehr positiv überrascht. Die Kombination aus Schwefelporling, Zuckersirup und den Gewürzen (Zimt, Nelke, Zitrusfrüchte, Rosmarin) harmoniert ganz wunderbar. Der typisch Schwefelporlings-Geschmack harmoniert ja allgemein gut mit Zitrus (wer's lieber deftig mag, hier entlang), wandelt sich aber zusammen mit den Gewürzen und dem Zuckeranteil in etwas sehr Fruchtiges. Im englischsprachigen Rezept wird es mit einer Mischung aus Pfirsich, Melone und Papaya beschrieben. Ob ich da ganz mitgehe, weiß ich noch nicht, aber es schmeckt auf jeden Fall richtig lecker und hat exzellent zum Walnuss-Eis gepasst. Die Konsistenz ist auch ganz anders als man es sonst vom Schwefelporling kennt. Gekochte Rote Beete trifft es glaube ich ganz gut. Also bissfest, wie ein Wurzelgemüse und nicht faserig aber auch nicht mehlig. Macht Spaß das zu Essen!
Lange Rede kurzer Sinn: Wer kulinarischen Experimenten nicht abgeneigt ist, dem sei Nachmachen empfohlen. Ich kann mir das Ergebnis auch sehr gut mit Milchreis, einem Zimtparfait oder als Topping für ein Galaktoboureko (griechischer Grieskuchen) vorstellen. Letzteres wird ohnehin mit Sirup übergossen und den bringt das Schwefelporlings-Rezept praktischerweise gleich mit - inklusive der Zitronen und Orangenscheiben.
Zur Erleichterung an dieser Stelle mal eine Übersetzung des Rezepts:
Eingelegter Schwefelporling (Chicken of the Woods) – süßes Pilzdessert
Zutaten
- 1kg Schwefelporling
- 1kg Zucker
- 1,5 Liter Wasser
- 1 Bio-Orange
- 1 Bio-Zitrone
- 1 Esslöffel abgeriebene Zitronenschale
- 1 Esslöffel abgeriebene Orangenschale (meine Modifikation)
- 2 Teelöffel gemahlener Zimt
- 1 Teelöffel getrockneter Rosmarin (ein frischer kleiner Zweig im Glas ginge auch)
- 4 Gewürznelken
Zubereitung
- Pilze blanchieren: Schwefelporling sauber machen und in Scheiben oder Würfel schneiden. Großen Topf Wasser zum Kochen bringen, Pilze hineingeben und etwa 20 Minuten köcheln lassen. Baut primär die Oxalsäure ab.
- Parallel in einem zweiten Topf den Zucker mit den 1,5 Liter Wasser verrühren. Bei niedriger Hitze erwärmen, bis er klar und glatt ist, dann auf gemäßigter Temperatur am Köcheln halten bis die Pilze fertig sind.
- Nebenbei noch die Schale der Orange und Zitrone abreiben, danach beide in dünne Scheiben schneiden. Gewürze abmessen oder bereitstellen.
- Die gekochten Pilze abgießen und kurz ausdampfen lassen. Dann in den Topf mit dem Zuckersirup geben. Die Zitronen und Orangenscheiben unterheben und danach die Gewürze einarbeiten.
- Bei niedriger Hitze weiter köcheln lassen, bis der Sirup eindickt und sich als glänzende Schicht über die Pilzstücke legt.
- Währenddessen Gläser auswaschen oder wer auf Nummer sicher gehen will sterilisieren.
- Wenn der Sirup die richtige Konsistenz hat, in die Gläser füllen und verschließen. Wer maximale Haltbarkeit will, sollte sie nochmal in den Ofen auf ein Blech mit Wasser stellen und bei 105 Grad für eine Stunde einkochen. So habe ich es gemacht, damit ich die Gläser ungekühlt für ein paar Monate lagern kann.
Viel Spaß beim Nachmachen und frohes Naschen!
LG Christopher