Grüß Euch Alle,
Zu Weihnachten ist bei mir auf Hasendung ein Kahlkopf erschienen, den ich gerne zur Diskussion stellen möchte.
Aufgrund seiner Erscheinung war meine erste makroskopische Bestimmung Deconica merdaria. Dann habe ich
mikroskopiert und Zystiden gefunden, die eigentlich besser zu Deconica coprophila passen. Da bin ich dann stehen geblieben.
Da nur ein Fruchtkörper gewachsen ist, habe ich ihn etwas früher geerntet, um nicht mikroskopische Merkmale zu verlieren.
Die Sporen sind deshalb nicht ganz ausgereift.
Hier ein paar Details:
Hutdurchmesser 0,7 cm, Stiel ca. 4 cm hoch.
Hut jung rotbraun, dann gelbbraun bis bräunlich, gebuckelt, glatt, feucht schmierig, an den Rändern mit wenigen weißlichen Velumresten, undeutlich gerieft (?).
Die Lamellen bräunlich, breit angewachsen, mit hellerer Schneide. Jeweils 3 Zwischenlammellen vorhanden.
Stiel bräunlich mit weißlichen Fasern besetzt. Ohne erkennbare Ringzone. Stiel an der Basis mit weißlichem Filz, nicht wurzelnd.
Die in Frontansicht hexagonalen/rhombischen Sporen mit deutlichem Keimporus in Wasser violettlich, 10-13 x 6,5-8 µm. Die Sporen in Kongorot gelbgrün bis dunkelolivgrün und
in KOH 3% honiggelb, deutlich dickwandig.
Die Cheilozystiden sind schlank lageniform, zwischen 15-25 µm lang.
Pleurozystiden zahlreich, 20-40 µm lang, lageniform bis utriform, oft mit kopfigem Ende. In KOH3% ohne lichtbrechende Masse.
Caulozystiden lageniform oder zylindrisch wellig, in Büscheln.
Die Hutdeckschicht ist eine Ixocutis mit 3-4 µm breiten Hyphen. Septen immer mit Schnallen. Pigment gelbbraun inkrustierend.
Die Hyphen der Subcutis breiter, bis 9 µm. Die Gelschicht ist ca. 150 µm breit.
Die Stielhyphen leuchten bei 400 nm rot bis rotorange.
Nach Doveri bestimmend, habe ich mikroskopisch eindeutig eine Deconica (Psilocybe) coprophila. Makroskopisch gefällt mir das nicht, weil die
Abbildungen in der Literatur deutlich dunklere und kleinere Pilze zeigen. Hier im Forum hat Rainer im November 2025 eine Deconica coprophila
vorgestellt, die mit den dunkelbraunen gerieften Hüten über jeden Zweifel erhaben ist, also ganz anders als mein Fund.
Die Pilze verhalten sich nicht so wie in den Büchern beschrieben. Ich würde gerne eine Deconica merdaria sehen, aber mikroskopisch geht das nicht.
Da habe ich auch Schwierigkeiten mit der Interpretation, weil die Existenz von Pleurozystiden bei D. merdaria und D. coprophila von einigen Autoren in Abrede gestellt wird.
Vielleicht hat jemand eine andere Idee. Mir fehlt da auch ein bischen die Erfahrung mit den Kahlköpfen.
Wenn es keine Deconica ist, dann bietet sich noch die Gattung Stropharia an.
Aber eine Stropharia ( alcis) geht nur von der Sporengrösse her, weil ich in KOH keine lichtbrechende Masse bei den Zystiden feststellen konnte. Bei jungen Pilzen ist die
lichtbrechende Masse wahrscheinlich noch nicht da.
Nachdem ich jetzt doch etwas Abstand von dem Ganzen genommen habe, komme ich zu folgendem Endergebnis:
Ich halte meinen Fund für eine Deconica (Psilocybe) merdaria s.l. und stelle ihn in die Nähe von Deconica (Psilocybe) merdaria var. exigua.
Mit dem im Verhältnis zu D. coprophila doch recht freudig bräunlich gefärbten und kaum (nicht?) gerieften Hut und den langen Stiel passt sie meines Erachtens recht gut in
dieses Umfeld. Die Ringzone am Stiel fehlt, weil die Velumreste wohl am Hutrand haften geblieben sind.
Die in Frontansicht eckigen Sporen von 10-12(13) x 7-8 µm decken sich mit dem Wert, den E. Ludwig (Pilzkompendium I) für var. exigua angibt.
Die Pleurozystiden bleiben für mich ein Problem. Bei D. merdaria wurden lt. Literaturangaben keine gefunden.
Bei D. coprophila wurden sie gefunden, einmal ja und ein anderes Mal wieder nicht. Die Formen, die ich bei meinem Fund gesehen habe, passen zu D. coprophila.
Das lasse ich so stehen.
Eine Stropharia geht nicht. Ich habe noch mehr Material angeschaut, aber keine Pleurozystiden als Chrysozystiden angetroffen.
Die Sporen waren im Prinzip auch reif, weil sich in Kongo nur wenige unreife rote Sporen befunden haben. Deshalb sollten die Werte auch stimmen.
Damit bin ich für mich fertig.
Danke fürs Anschauen und weiterhin eine angenehme weihnachtliche Zeit,
Matevž
