Hi Oliver,
Pneumologe bin ich nicht, nähere mich aber dem Ende meines Medizinstudiums.
Soweit ich aber informiert bin, können solche Abszesse und auch ferner Entzündungen in der Lunge und ähnliches ja auch durch generell feine Stäube begründet werden. Selbstverständlich gibt es humanpathogene Pilze, jedoch ist es wohl ein Unterschied, ob ein Pilz unseren Körper zumindest lokal als Substrat verwendet oder ob der Körper auf eben solche Partikel mit Entzündungsprozessen reagiert. Kann da einer mehr zu sagen?
Soweit ist das meiner Ansicht nach richtig. Mann könnte jetzt vieles dazu sagen, aber das wäre nicht sehr zielführend. Also was interessiert dich denn genau?
Wenn dich die genauen Pathomechanismen interessieren, inwieweit Feinstaub und humanpathogene Pilze vom Immunsystem erkannt und bearbeitet werden, ist das eher eine Frage für einen Forscher, sei es nun ein Immunologe, Pathologe oder Pneumologe. Das ist im klinischen Alltag eines Pneumologen oder sonstigen praktisch tätigen Arztes aber wenig relevant. Da geht es um die Behandlung und die wäre ganz grob bei Feinstaub eine reduzierte Exposition und bei humanpathogenen Pilzen eine Behandlung mit einem Antimykotikum, wie im Fallbericht beschrieben.
Ich habe einen ferneren Bekannten, der Pilze züchtet und die Gefahr, dass eine sehr Hohe Sporenbelastung in der Luft nicht gesund ist, ist bei der Pilzzucht anscheinend auch verbreitet.
Bei der Pilzzucht ist die Sporenbelastung vor allem im Bezug auf die Entstehung einer Exogen-allergischen Alveolitis relevant, in diesem Fall auch Pilzzüchterlunge genannt. Die beruht auf einer allergischen Reaktion vom Typ 3/4. Behandlung wäre auch hier Berufswechsel/Aufgabe des Hobbys, um die Exposition zu reduzieren.
Man kennt das sonst ja auch vom Asbest. Das schädliche am Asbest ist die physikalische Form der "Fasern". Amorpher Asbest, also Asbest, der nicht mehr diese kristalline Struktur hat, ist nicht mehr so schädlich und auch nicht mehr karzinogen. Hat dann aber ebenfalls keine Dämmeigenschaft mehr.
Asbestose ist eine eigene Krankheitsentität mit einem anderen Pathomechanismus. Das ist nochmal von Feinstaub im Allgemeinen zu unterscheiden.
Warum finde ich das wichtig? Naja, weil ich denke, dass solche Komplikationen beruhend auf der physikalischen Beschaffenheit solcher "Stäube" leider bei Pilzen in Kauf genommen sollten, also wenn man hinsichtlich darauf irgendwie gefährdet sein sollte. (Immunsuppremiert Menschen könnten meines Wissens nach darunter fallen)
Wie schon angedeutet sind die physikalischen Eigenschaften von Pilzsporen nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass Pilzsporen eine allergische Reaktion auslösen können und, dass humanpathogene Pilze Menschen befallen (als Substrat gebrauchen können), was einfacher ist, wenn sich das Immunsystem nicht wehrt z.B. bei Immunsuppression durch hohe Dosen und langfristige Einnahme von Cortisol, aber auch durch AIDS, Schwangerschaft, Chemotherapie, Stammzelltransplantation etc.
Humanpathogene "Großpilze", wie man sie als Pilzfreund so kennt (z.b. Spaltblättling), sind allerdings im medizinischen Alltag so irrelevant, dass die meisten Mediziner überhaupt nie in ihrem Leben von ihnen hören. Bestandteil des Medizinstudiums ist der Spaltblättling jedenfalls nicht und ich behaupte mal, dass auch die wenigsten Pneumologen von seiner Existenz wissen dürften.
Vielleicht hilft das soweit ja schon.
LG