Beiträge von KaMaMa

    Hallöle!


    Ein Nachtrag zum vermeintlichen Hornmoos: Die Sache klärt sich jetzt auf!

    Die Vermutung Richtung Hornmoos war durch die pflanzegewebe-artige Struktur (siehe Bild 4 oben) ausgelöst und war natürlich grundfalsch. :girre:

    Wie sich heute erweist, handelt es sich eben doch um eine Flechte. Na, also doch im richtigen Forum!


    Im gleichen Biotop lassen sich unweit der ersten Funstelle folgende, sehr sehr fein gelappte, zerschlitzt wirkende Thalli auf den Mauern entdecken.

    Die kissenförmigen Lager sind teilweise auf/in Moos wachsend, aber auch direkt auf dem sonnenbeschienenen Kalkstein der Weinbergsmauer zu finden.

    Bild N1: Fund auf Moos


    Bild N2: Fund auf Moos


    Bild N3: Fund auf Mörtel


    Bild N4: Schnitt durch trockenen Thallus


    Bild N5: Lupenaufnahem von gequollenem, mehrfach gefindeten Lappen


    Bild N6 Mikroskopaufnahme



    Trocken ist die Flechte sehr spröde und zerbricht unter Druck.

    Die braune Flechte quillt in Wasser stark auf und zeigt einen pflanzenzellen-arigen Cortex.

    Die Zellen sind gitterförmig angeordnet (vgl. Mikroskopaufnahmen bei Irishlichens) und eine Zellschicht dick.

    Was ich als Nicht-Biologe für Pflanzenzellen hielt, ist in Wahrheit ein Pseudoplektenchym, aus dicht gepackten Pilzhyphen.


    Mein sehr starker Verdacht geht hier in Richtung Leptogium pulvinatum, der Kissenförmigen Gallertflechte.

    Die Zuordnung wird durch den Flechtengattungs- und Leptogium-Schlüssel nach Wirth gestützt!


    Bild N7 Cortexoberfläche mit einzelliger Schicht Pseudoplektenchym, darunter Algenzellen


    Bild N8 Nostoc-Algenketten



    Die Mikroskopaufnahmen (Habitus, Cortex, Algen,...) des aktuellen Fundes gleichen denen von dem Fund auf Placynthium nigrum im Originalpost, so dass ich beide Funde der gleichen Flechte zuordnen möchte.


    Leider sind die Funde steril, was aber wohl typisch ist.

    Eine Sporenanalyse konnte ich also nicht durchführen.


    L. pulvinatum kommt auf kalkreichen Substraten vor, in Lücken auf Trockenrasen oder auch auf bemoostem oder erdverkrustetem Kalkstein, an besonnten Stellen und wurde früher als Variante von L. lichenoides geführt. Die Flechte ist im Fundgebiet Odenwald / Neckar bereits nachgewiesen.


    Was mir noch unklar bleibt, sind die rötlichen Zellpakete (Algen?) in Bild 6&7 oben.



    LG, Martin

    Hallo Pablo,


    also geht es letztlich um die Monokultur der Douglasie, gegen die du was hast!


    Das kann ich voll und ganz verstehen und teile deine Meinung.


    Zum Glück gibt es das hier, zumindest im näheren Umkreis, nicht in dieser Form!

    Douglasien stehen schon mal im Wald herum. Mir scheint, dass hier im Neckarbecken grundsätzlich Mischwald bevorzugt wird, wenn auch zwischen zwei Rückegassen gerne mal eine Baumart dominieren darf, wie z.B. Douglasie.

    Dann folgt aber schon wieder Fichte, Buche, Eiche oder gar Birke oder sonst was, aber nie in reiner Monokultur über mehr als 15 Bäume im Quadrat oder so. Immer stehen alle möglichen anderen Baumarten dazwischen, wie Kirsche, Erle, Ahorn, Hainbuche, Kiefern, Eberesche, Thuja (tatsächlich, ich vermute wild entsorgte Gartenabfälle, wovon selten mal was anwurzeln könnte) ...

    Andere Wälder scheinen eher wahllos durchmischt.


    Auf den Hügeln drum herum dominieren tatsächlich Nadelbäume, dort bin ich aber selten zu Gast.


    So finde ich das nicht schlecht. Und Totholz darf hier auch viel liegen bleiben.


    LG, Martin

    Hallo Pablo,


    Douglasien magst du gar nicht, und Götterbäume und Robinien nicht - aber Douglasien erwähnst du besonders oft.

    Ich nehme an, der Grund für deine Abneigung ist, dass sie aus Nordamerika stammen, nicht ins Ökosystem passen und keine Mykorrhiza ausbilden.

    Ist das so?


    LG, Martin

    Hallo Benjamin,


    du hast rotfrüchtige Cladonien gefunden.


    Auf dem zweiten Bild würde ich C. digitata sehen: Feinemehlige Podetien mit rotfrüchtigen, flachen, gefingerten Bechern, Finger nach außen gerichtet;

    runde Grundschuppen mit aufwärts gebogenen Rändern.

    Leider hast du die Unterseite der Grundschuppen nicht fotografiert.

    Wenn diese an der Basis orange gefärbt wären, könnte das ein weiterer Beleg für C. digitata sein.


    Das erste Bild ist leider unscharf.

    Ich vermute allerdings, dass es einen größeren Ausschnitt von Bild 2 zeigt und damit i.W. die gleichen Flechten.

    Dann wachsen deine Cladonien auf einem morschen Baumstumpf, was zu C. digitata passt.

    C. digitata meidet Kalkgebiete, zu trockenwarm darf's auch nicht sein - passt das zu deinem Fundort?

    Wo bist du denn unterwegs, wenn ich fragen darf?


    Blitzlicht ist immer so eine Sache; ich vermeide es, wo immer es geht - genau genommen benutze ich es eigentlich nie...

    Es ist mir zu unnatürlich und taugt auf kurze Distanz ohnehin nix (meine Meinung).

    Das mag mit Ringlicht besser sein, kann ich aber nicht mit Bestimmtheit sagen, weil ich keines habe.


    LG, Martin

    Hallo Flechtenfreunde,


    Auch wenn die Rückkopplung beim Thema Flechten meist eher gering ausfällt, versuche ich es und stelle einen weiteren Versuch einer Flechtenbestimmung ein. :gzwinkern:

    Solange niemald aufschreit, liege ich vielleicht nicht ganz daneben...


    Diesmal habe ich mir eine grau-weiße, rissig areolierte Krustenflechte an der Friedhofsmauer hier im Ort vorgenommen, bei der ich denke, richtig liegen zu können.

    Auffällig an ihr sind vertieft sitzende Apothecien.

    Meist sitzten die Flechtenthalli direkt auf der Sandsteinmauer (nördliche Vertikalfläche), teilweise andere Flechten, teilweise auch Moos (Bild 3 rechter Thallusrand, Bild 4 unterer Thallusrand) überwachsend.

    Es handelt sich offenbar um eine relativ schnellwüchsige Art.


    Stellenweise lösen sich die Flechtenlager großflächig und blasig ab, wodurch eine Probennahme leicht möglich ist.

    Aufgrund der Färbung der Apothecien-Scheiben (schwärzlich) komme ich sehr schnell zur Gattung Diploschistes (Krugflechten).

    Die mauerförmigen, braune Sporen stimmen zur Gattung, ebenso die Farbreaktion C+ rot. Sonst R-.

    Im Lager befinden sich viele nicht KOH-lösliche Kristalle.

    Die Gattung Diploschistes halte ich deshalb für gesetzt.


    Die vier in Deutschand nachgewiesenen D.-Arten gelten als merkmalsarm und sind dadurch eher schwierig zu unterscheiden.

    Aufgrund des Substrates (vermörtelter Sandstein, womöglich kalkgebunden), der hellgrauen Thallusfärbung würde ich zu Diposchistes gypsaceus tendieren.

    Zwar überwächst die Flechte stellenweise auch Moos, jedoch scheinbar eher am Lagerrand, während die Flechtenmitte keine Moosstrukturen erkennen lässt (geschweige denn Cladonien, die an der Mauer nicht vorkommen).

    Deshalb glaube ich, keine D. muscorum vor mir zu haben.

    Da die bryocole Art/Variante D. muscorum im Forum schon einige Male vorgestellt wurde, hoffe ich hier auf eine gewisse Expertise.

    D. gyspaceus gilt zwar nicht als häufig, ist aber im Flechten-Verbreitungsatlas für BW u.a. hier im Neckarraum nachgewiesen.


    Was meint ihr denn dazu?


    LG, Martin


    Bild 1 Weiße Krustenflechte mit porenartig vertieften Apothecien


    Bild 2 Detail


    Noch einige weitere Flechtenthalli:

    Bild 3


    Bild 4


    Bild 5


    Die Apothecienscheiben sind schwärzlich und bereift.

    Bild 6 feuchtes Exemplar mit schwärzlichen Apothecien

    Die Apothecien sind vom Lagerrand überwachsen.

    Bild 7 Querschnitt durch Thallus und Apothecien


    Bild 8 Detail vom Apothecienrand mit schwärzlichem Excipulum und sporengefüllten Schläuchen


    Bild 9 Mauerförmige, braune Sporen mit um 5 Quer- und 1-2 Längssepten. Maße typisch um 30x12 µm²


    Bild 10 Coccoide Grünalgen als Algenpartner

    Hallo,


    hier das Wettergeschehen von gestern.

    Die üppige Regenprognose ist wieder völlig auf 0 kollabiert.

    Wie in den letzten Regenperioden auch, ist der Regen um uns herum ausgewichen, wabert nur um uns herum.

    Fruchtbar!

    Ich hebe hier (Neckarwestheim) in einer Trockenblase!

    Diese regenfreie Zone kannst du übrigens auch 1:1 auf deinem Regenradar erkennen, Radelfungus .


    Ich hoffe auch den Herbst...


    LG, Martin

    Hallo Pablo,


    ich behalte das im Hinterkopf und probiere es bei Gelegenheit aus (der nächste Winter kommt bestimmt).


    Ich kann mich an meinen Fund von Tectella patellaris erinneren, da hatten die Kleinen auch ein weißes Velum übergezogen, waren quasi noch im Strampler. g:D


    LG, Martin

    Hallo Sparassis,


    Fruchtansätze auf den Fruchtkôrpern!

    Das ist ja mal interessant.

    Danke für die Erklärung.


    Irgendwo hatte ich so etwas ähnliches, glaube ich, schon mal gelesen. Jetzt, da ich deine Erklärung lese, erinnere ich mich.


    LG, Martin

    Hallo Pablo!


    Oh je, jetzt hatte ich tatsächlich zuerst Björn geschrieben, bestimmt von Beorn inspiriert. :girre:

    ...aber zur Antwort:


    Das ist also mal ein hautenges Velum!

    Wie eingeschweißt wirkt der Pilz darin.

    Erstaunlich.

    Reißt das Velum auf? Dann müsste ich doch Rückstände sehen können. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal Velumrückstände beim Austernseitling gesehen zu haben. Oder wird es vielleicht vollständig resorbiert? Weiß man das was dazu?


    LG, Martin

    Hallo liebes Forum!


    Im vergangenen Winter fand ich an einer liegenden Rotbuche Austernseitlinge (Pleurotus ostreatus), das zumindest das, was ich hierfür halten würde:

    Bild 1


    Bild 2


    Jetzt zu meiner ersten Frage:

    An einem der Fruchtkörper waren seltsame Strukturen auf der Hutoberseite zu beobachten - was könnte das sein?

    Bild 3


    Am gleichen Baumstamm, nicht weit entfernt, wuchsen schneeweiße Pilzchen.

    Zwischen den großen Fruchtkörpern gabe es auch kleine, ebenso grau, aber auch folgende weiße Pilzchen.

    Bild 4


    Ist das eine Seitlings-Variante, beginnt der Austernseitling so schneeweiß, wenn er zu wachsen beginnt?

    Vielleicht hat jemand eine Erklärung für die ein oder andere der beiden Beobachtungen, die ich nicht zuordnen kann.

    Vielen Dank fürs Anschauen und eure Meinung!


    LG, Martin

    Hallo Björn,


    das ist doch mals was!

    Vielen Dank für den Link, zum Reinschuppern ist ein PDF immer gut.

    Wenn es auf Dauer interessant wird (wird es vermutlich), muss natürlich das Buch her!


    LG, Martin