Beiträge von KaMaMa

    Schönen, guten Abend wünsche ich!


    Folgenden Rindenpilz fand ich letztes Wochenende an einem schon länger abgestorbenen, abgebrochenen Ast, der in Kopfhöhe in einer Hainbuche hing.

    Die schwarzen Placken bestehen haupftsächlich aus Konidien.

    Die Konidien werden in größen traubenförmigen Bereichen innerhalb (!) des Fruchtkörpers gebildet.

    Sie sind etwa kugelförmig, braun-dickwandig und um 4-6 µm im Durchmesser.

    Ich weiß nicht, wo ich hierzu etwas genaueres finden könnte.


    Vielleicht möchte mir jemand einen Schubs in die richtige Richtung geben?


    Ich würde hier eine Jugendform eines später stroma-bildenden Rindenpilzes vermuten, vielleicht etwas aus der Richtung Diatrybe?

    Diese Pilze beginnen, soweit ich weiß, mit einer anamorphen Fruchtkörperbildung, unter der sich später die Teleomorphe entwickelt, während die Anamorphe sich zurückbildet, bzw. in alle Winde verteilt.


    LG, Martin


    Bilder:

    Bild 1 Totholz-Ästchen (verm. Hainbuche) noch in-situ mit schwarzen, anamorphen Fruchtkörpern


    Bild 2 Lupenbild


    Bild 3 Keilförmiger Aushub-Schnitt aus Fruchtkörper - keine Perithecien vorhanden


    Bild 4 Dünnschnitt ungequetscht in Wasser: Dunkle Konidien-Trauben in heller Hyphenmasse über dem gelblichen Substrat, Dicke ca. 0,5 - 0,7 mm


    Bild 5 Übergangsbereich Substrat (gelb) zu Fruchtkörper


    Bild 6 Unterste FK-Schicht


    Bild 7a traubige Konidienlager


    Bild 7b


    Bild 7c


    Bild 7d Konidienlager

    Im übrigen möchte ich auf das hervorragende Portrait von Norbert Stapper über Phaeophyscia orbicularis verweisen, das 2021/22 im Jahrbuch des Bochumer Botranischen Vereins herausgegeben wurde (Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13, 222–240, 2022):

    "Phaeophyscia orbicularis – Kreisförmige Schwielenflechte (Physciaceae), Stadtpflanze des Jahres 2021"


    Sehr zu empfehlen: Eine umfangreiche Beschreibung inkl. excellenten Mikroskop-Bildern!


    LG, Martin

    Hello nochmal!


    Ein Nachtrag zu Phaeophyscia orbicularis.

    Auf den Flechten finden sich kurze dunkle Härchen in großer Zahl.

    Offenbar die Konidienketten von Teaniolella phaeophysciae, einem lichenicolen Pilz, der auf Phaeophyscia orbicularis und verwanden Flechtenarten und -gattungen vorkommt.


    Makroaufnahmen:




    Die brüchigen Konidienträger lassen sich leicht mit einer Nadel absammeln und mikroskopieren.

    Es handelt sich um lange Ketten aus zweizelligen Konidien.







    Ich denke, die Zuordnung sollte stimmen!

    Fay Newbery auf der Seite zu Teaniolella phaeophysciae bei der British Lichen Society:

    "There are no similar fungi recorded on Phaeophyscia, Physcia or Physconia" (Link siehe oben).


    LG, Martin

    Hallo Flechtenfreunde!


    Allerweltsflechten wie Phaephyscia orbicularis dachte ich mittlerweile zu kennen - aber wie sich herausstellt, ist das nicht so einfach, wie gedacht.

    Diese Flechte kommt sehr häufig und in großer Zahl auf der Rinde vieler Laubbäume und kalkhaltigem Gestein vor.

    Als Einzelexemplar wächst sie schön rosettig, oft aber rasig zusammenwachsend.

    Sie ist die häufigste Flechte in der Gattung Phaeophyscia.


    Auf einem Borkenstück, das ich eingesteckt hatte, befindet sich Phaeophyscia orbicularis, so wie ich sie mir vorstelle:

    - in dichten Rasen auf Laubbaumrinde

    - kleinlappiger, grauer, unbereifter Thallus; sich feucht grün färbend

    - Flecksorale flächenständig

    - in den Soralen freiligendes Mark ist weißlich; stellenweise gelblich oder orange

    - Unterseite mit schwarzer Rinde

    - Rhizinien schwärzlich, einfach bis leicht aufgespleist

    - Rhizinien unter Thallusrand hervorschauend, Spitzen weißlich

    - Lecanorine Apothecien (mit Thallusrand) mit schwärzlichen Scheiben; Durchmesser um 1mm

    Farbreaktionen:

    - R negativ

    - an Stellen mit gelblichen Soralen/Mark: K+violett

    und mikroskopisch:

    - Paraphysen mit brauner Kappe, septiert, Endzellen verdickt

    - Asci 8-sporig, keulenförmig, mit sehr dickem Tholus am Scheitel

    - Sporen 2zellig, graugrün bis braun, sehr dickwandig; 20-27 x 6-14 µm (kleinere Ex. verm. nicht reif)

    - Hymenialgallerte amyloid

    - Algenpartner: coccoide Grünalgen (Trebouxia)


    Bild A1 Ph. orbicularis mit grauem, kleinlappigem Thallus, gelblichen Fleckoralen, schwarzbraunen Apothecienscheiben und hervorlugenden, schwärzlichen Rhizinien mit hellen Spitzen


    Bild A2 Thallus feucht grün; Sorale: wenn gelblich, dann K+ violett; sonst alles R-


    Bild A3 Hymenium 500x: Asci mit acht zweizelligen Sporen, Paraphysen am Ende braun, tw. verweigt


    Bild A4 Hymenium 1000x in verd. Lugol: IKI+; Ascusspitzen mit dickem Tholus



    Zwischen diesen typischen Exemplaren, befindet sich eine Phaeophyscia mit schönen braunen Apothecienscheiben, wie ich sie z.B. von Parmelina her kenne, und Rhizinien unter dem Apothecienrand.

    Bild B1 Phaeophyscia mit kräftig braunen Apothecienscheiben und Rhizinien am Thallusrand der Apothecien


    Bild B2 Lange, schwarze Rhizinien am Thallusrand des braunen Apotheciums


    Bild B3 Schnitt durch Apothecium mit braunem Epihymenium, farblosem Hymenium, schwarzer Unterrinde und Rhizinien


    Bild B4 Dickwandige, zweizellige Sporen, graugrün bis braun gefärbt; Maße 17,5-21 x 8-10 µm



    Bei genauer Suche finden sich auch Exemplare mit schwärzlicher Apothecienscheibe und Rhizinien am Apothecienrand:

    Bild C1


    Zitat zu den Merkmalen der Gattung Phaeophscia (Wirth) - und im Speziellen auch für P. orbicularis:

    "Apothecien ... oft mit Rhizinien an der Unterseite des Tahllusrandes, Scheibe braun bis schwarz."!


    Ich vermute, bei allen Flechten handelt es sich um Phaeophyscia orbicularis, die als sehr variabel gilt.

    Was meint ihr dazu?


    Es lohnt sich, auch vermeintlich langweilige Flechten genauer zu untersuchen.


    LG, Martin

    Hallo Frank,


    "Ein Bild sagt mehr also tausend Worte" - so versteht man gleich viel besser.

    Super Idee!

    Aus Abfall etwas Brauchbares zu basten, das verdient meine vollste Anerkennung.

    Kaufen kann ja jeder...


    LG, Martin

    Hallo Frank,


    das Konstrukt klingt interessant!

    Aber ich tue mich etwas schwer, zu verstehen und mir vorzustellen, wie das genau zusammengebastelt wird.

    Da ich heraushöre, dass du das schon öfter (vielleicht für deine Schmetterlinge) so gemacht hast, traue ich mal zu fragen, ob du nicht zufällig ein Bild davon hast?


    LG, Martin

    Hallo, Thorwulf!


    Im Prinzip könnte ich die Stelle vermutlich wiederfinden. Aber sie ist nicht gerade über der Straße und ob 3 Monate später noch etwas vom Pilz zu finden ist, würde ich eher bezweifeln.

    Ich fürchte, der Weg lohnt nicht...


    LG, Martin

    Hallo Werner,


    danke auch für deinen Vorschlag, resp. Idee!

    Coniophora olivacea ist auch ein interessanter Pilz, der nicht nur hervortretende Cystiden besitzt, sondern sogar recht gelb-braun kräftig gefärbt ist und den passenden, fasrigen Rand aufweist! Der könnte hier eventuell passen.

    Aber ich werde es nie sicher erfahren...


    Er wäre sicher interessant zu mikroskopieren gewesen.


    LG, Martin

    Hallo Thorwulf,


    vielen Dank für deine Überlegung!

    Mit der Rotbuche (Fagus) als Substrat bin ich natürlich sofort einverstanden.

    Ich habe mir deinen Pilz-Vorschlag natürlich angeschaut.


    Peniophorella pubera hat große hervortretende Cystiden, was sich mit den helleren Strukturen auf Bild 5 decken könnten.

    Andererseits ist der Pilz eher hell ("weißlich bis cremefarben") und nicht so kräftig gefärbt => Befall?


    Also vielleicht doch nicht einfach eine Art Schmmel, wie ich ursprünglich gedacht hatte, als ich vor dem Baumstamm stand und deshalb von einer Probennahme absah.

    Auf jeden Fall spannend!


    LG, Martin

    Hallo zusammen,


    beim Blättern durch meine Pilzaufnahmen stieß ich auf folgenden, kräftig gefärbten Pilzfruchtkörper, von dem ich damals allerdings keine Probe nahm.

    Das ärgert mich im Nachhinein, da er sehr interessant aussieht.

    Ende letzten November im Buchen-Eichen-wald fand ich also diesen Pilz an einem liegenden Stamm von Falllaub fast komplett bedeckt.

    Vielleicht weiß jemand zumindest, ob es sich dabei eher um was anamorphes oder eine Teleomorphe handeln könnte.


    Falls jemand eine Idee hat, würde ich mich sehr über einen Hinweis freuen!

    Der Pilz wirkt kurios auf mich - das nächste Mal, falls ich wieder auf ihn stoßen sollte, werde ich sicher eine Probe mitnehmen!

    Ich fürchte, dass man ohne Mikromerkmale nichts bis nicht viel dazu sagen kann.


    Bilder:

    Bild 1 Das Waldstück am Rande des Schwäbisch-Fränkischen Waldes


    Bild 2 Unzuordenbarer Pilzfund, eventuell "nur" bunter Schimmel?


    Bild 3 Ränder weiß, Fläche bläulich grau, Zentrum olivgrün


    Bild 4


    Bild 5 Aus den grünlichen Flächen ragen kleine helle Strukturen heraus

    Hallo Sebastian,


    das sind bestimmt Flechten, was su da gefunden hast, da bin ich ganz bei Björn!

    Das erste Exemplar würde ich mal mit Bilimbia (sabuletorum) abgleichen,

    das zweite ist eine Cyanoflechte mit Nostocketten. Hier würde ich mal in Richtung Collema prüfen.


    LG, Martin

    Hallo Thomas,


    auch dir vielen Dank für das Lob!

    Es freut mich, wenn die Darstellung gefällt und vielleicht Interesse an den kleinen Ökosystemen geweckt wird.

    Da hatte ich also ein wenig zu viel erhofft, indem ich aus eurer Reaktion eine Bestätigung herauslesen wollte...


    LG, Martin

    Hallo Björn,


    vielen Dank für die Blumen!

    Ich jetzt sehe klarer.


    Es war tatsächlich nicht ganz einfach.

    Die Interpretation der Schlüssel und die Bestimmung selbst aber waren schwieriger als die Präparation. ==Gnolm4

    Sie hat mich das halbe Wochenende "gekostet" - und das für so eine Allerweltsflechte...

    Hat aber viel Spaß gemacht!


    LG, Martin

    Hallo Sebastian,


    ganz tolle Aufnahmen!

    Vielen Dank für den schönen Beitrag.


    Zur Bestimmung kann ich leider nicht beitragen, aber interessant finde ich, dass du die Moosbecherchen in der Nähe von stark geschädigten Moosstellen fandest. Das hat vielleicht nur mit besserer Sichtbarkeit zu tun, aber lässt mich hoffen bald Becherlein zu finden...


    Toitoitoi!

    LG, Martin

    Hallo,


    am Freitag stieß ich auf einer bröseligen Mörtelschicht einer alten Burgmauer auf eine pyrenocarpe, braun-schuppige Krustenflechte mit isidös/sorediösem Schuppenrand.

    Da mir der Mörtel schier in die Hand fiel, nam ich ein Stück davon zum Mikroskopieren mit.


    Ich habe wegen der schuppigen Erscheinung länger versucht unter Catapyrenium s.lat. etwas passendes zu finden - bin aber wegen der Sporengröße und den Isidien/Soredien am Areolenrand gescheitert.

    Letztendlich kam die Erleuchtung, dass vermutlich eine Verrucaria vorliegen könnte.

    Die Recherche führt unter anderem zur entsprechenden Seite auf Lichenportal.org und Lichensmaritims.org zu V. macrostoma bzw. V. furfuracea.

    Verrucaria macrostoma (f. furfuracea) scheint gut zur Fundbeschreibung zu passen!

    V. macrostoma kann in schuppiger Form auftreten und auch Soredian am Thallusrand ausbilden; auch die Sporengröße passt. ==Gnolm15


    Vielleicht möchte jemand meine Bestimmung prüfen?

    Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Bestimmungsversuch bestätigt werden könnte oder Vorschlag gemacht würde, was hier vorliegt.


    Vielen Dank im Voraus für das Anschauen!

    LG, Martin



    Fund-Beschreibung:

    Fundort: Auf Mörtel an Vertikalfläche einer feuchten Sandsteinmauer; Südausrichtung, aber Halbschatten durch Baum und Gebäude; in Flussnähe (20m Luftlinie)

    Thallus: trocken hell bräunlich, feucht grün; glatt, sehr tief areoliert bis schuppig.

    Schuppen teils überlappend.

    Größe der Areolen/Schuppen kleiner als 1mm.

    Schuppenränder leicht sorediös.

    Rinde deutlich von Algenschicht getrennt.

    Rinde um 50 - 100 mm dick, paraplektenchymatisch

    Algenschicht um 400 µm dick.

    Perithecien: schwarz, tief in Thallus eingesenkt.

    Geschlossenes, kohlig schwarzes Gehäuse (Schwarzes Involucrellum und helleres Excipulum) vorhanden.

    Durchmesser (im Thallus) um 400µm; oberflächlich sichtbarer Durchmesser entspr. kleiner.

    Asci: Keulig, Länge um 80-100 µm, Breite um 20-35 µm; inamyloid, doppelwandig, an Spitze verdickt; Sporen biseriat

    Sporen: Elliptisch, farblos, mit großem Tropfen; 28,5-30 x 12-15 µm groß

    Photobiont: coccoide Grünalgen


    Bilder:

    Bild 1 Durchnässte pyrenocarpe Flechte in situ; schwarze Perithecien gut erkennbar.


    Bild 2 Mörtel-Handstück mit trockenerem und deshalb bräunlichem Flechten-Individuum. Areolen um 1mm groß.


    Bild 3 Lupenbild der überlappenden Schuppen. Schuppen mit sorediösem Rand. Die Flechte vermeidet Quarzkörner zu überwachsen.


    Bild 4a Querschnitt durch Thallus: Oberrindendicke ca. 50-100 µm, Algenschicht ca. 400 µm


    Bild 4b Oberrinde und Algenschicht im Mikroskop


    Bild 5 Perithecium in Schuppen-/Areolen sitzend (nicht am Rand derselben), Durchmesser um 400 µm


    Bild 6 Querschnitt durch Perithecium besitzt geschlossenes Involucrellum


    Bild 7 Quetschpräparat in Wasser


    Bild 8 Sporen dickwandig, einzellig, ellipsoid mit großem Tropfen. Sporengröße um 29 x 14 µm


    Bild 9 Hymenialgallerte J+ rot (400x in verdünntem Lugol); hier Asci mit unreifen Sporen; Sporen in Asci zweireihig angeordnet


    Bild 10 Ascus mit unreifen Sporen (1000x im verd. Lugol), doppelwandig, 8-sporig, biseriat, Wand inamyloid

    Hallo Ulla,


    vielen Dank für deine Bestätigung!

    Ei ei, den Illosporiopsis hatte ich gar nicht wahrgenommen, da ich mich auf den anderen lichenicolen Pilz konzentriert hatte.

    Ich kenne ihn schon eine Weile, weil es ein sehr hübscher und auffälliger Farbfleck zwischen den Flechten ist.


    Auf Physcia ist mir der Xanthoriicola noch gar nicht aufgefallen, vielleicht wegen des geringeren Kontrastes zu Grau.

    Auf jeden Fall erklärt das, woher sein Artepitheton "physciae" kommt.


    Es ist sehr nett, dass du meist noch ein bisschen mehr über die Fragestellung hinaus erklärst und erzählst.

    Das ist schön und gefällt mir sehr gut.

    Danke!


    LG, Martin

    Hallo!


    Ich bin mir relativ sicher, hier Xanthoriicola physciae vorliegen zu haben, würde mich aber über eine Bestätigung oder eine Richtigstellung freuen.

    Häufig findet ich auf den Apothecien von Xanthoria parietina einen flächigen, schwarz-rusigen Belag, den ich mir gestern mal genauer angesehen habe.


    Bei der Recherche bin ich u.a. auch den 8. Flechten-Beitrag von Christian J. in diesem Forum von 2019 gestoßen - ich denke, mein Fund stimmt damit überein!

    Insbesondere das Ornament der braunen, fast kugeligen Sporen (4,0-5,0 x 3,5-4,5 µm) ist durchaus einen Blick wert.


    Bei den unornamentierten Konidienketten in Bild 7 bin ich mir nicht sicher, ob sie zum eigentlichen Fund gehören, oder zu einem anderen (lichenicolen) Pilz.

    Vielleicht sind die Konidien nur noch nicht reif und deshalb nicht ornamentiert?


    LG, Martin


    Bilder:

    Bild 1 Befallene Apothecien an Xanthoria parietina


    Bild 2 Befallenes Apothecium


    Bild 3


    Bild 4 Ornamentierte Sporen in Wasser 1000x


    Bild 5 Sporen und vermutlich geleerte Algenzellwände


    Bild 6 Dickwandige braune Hyphen mit Sporenträger - habe ich leider nicht besser hinbekommen


    Bild 7 Konidienketten - unreife Konidien?