Beiträge von KaMaMa

    Hallo Ingo


    es tut mir leid, dass du von Influenza befallen bist. Ich hoffe sehr, du musst nicht zu sehr darunter leiden. Schone dich und erhole dich richtig, mit der Grippe ist nicht zu scherzen!


    A propos Schnee, der lag ja nicht nur auf dem Schneeberg, da habe ich ja gar nix dagegen, sondern plötzlich überall herum. Im übrigen war der Schneeberg eher ein Eisberg. Der oberste Wanderweg glich einem gefrorenen Bach mit spiegelglatter Oberfläche. Sehr mühsam!

    So kalt und schneereich wie jetzt war es seit Jahren nicht mehr.


    Schade, dass das Pröbchen Microcalicum verschollen ist. Der echte Nachweis bleibt somit aus, auch wenn es sich recht wahrscheinlich um diesen Parasiten handelt.


    Ich wünsche dir gute Besserung, alles Gute

    Martin

    Hallo Bernd,


    solche runzligen Sporen finde ich auch oft in diversen (Flechten-)Ascocarpen, zumeist bei Arten mit braunen Sporen. Aber vielleicht fällt der Effekt hier nur hesser auf: Ich halte solche Sporen für stark überaltert, bzgl. der Maße für nicht repräsentativ und ignoriere sie. Du findest sie auch gruppiert zu 8 in überalterten, meist ebenfalls kollabierten Asci. Wenn die Asci aus welchen Gründen auch immer (zu lange Trockenheit?) die fast reifen Sporen nicht mehr ausschleudern können, verbleiben diese im Ascus und kollabieren irgendwann.


    BWB färbt das Cytoplasma blau ein, während die Zellwände nicht gefärbt werden (Kongorot wirkt umgekehrt). Daher der helle Rand um den Ascus (Ascuswand, Tholus).

    Hyaline, unreife Sporen sind im Inneren damit auch blau gefärbt, das Ascoplasma um die Sporen herum ist blau gefärbt, ebenso das Plasma in den Paraphysen; an freien, halonaten Sporen in Wasser haftet manchmal die schön eingefärbte blaue Schleimhülle (Halo) an. Ascuswand, Septen und Hyphenwände bleiben farblos, plasmafreie Hyphen ebenso.


    Ich habe hoffentlich nichts Falsches aus dem Stegreif behauptet und es interessiert dich überhaupt. Ich möchte nicht naseweis rüberkommen, aber ich freue mich ja immer, wenn jemand etwas bei mir anmerkt und denke, dir geht es ähnlich. ==Gnolm23


    LG, Martin

    Hallo und ein gutes Neues Jahr wünsche ich!


    Über Silvester habe ich einen Kurzausflug ins Fichtelgebirge und zur Münchberger Gneismasse unternommen.

    Dort kommen viele interessante Gesteine vor, was auf spezielle Funde hoffen lässt.


    Blöderweise hat es bei Ankunft begonnen zu schneien und schon am Tag nach der Anreise war das Land unter einer dünnen, aber geschlossenen Schneedecke verborgen.

    Flechten zu finden, ist damit natürlich ganz erheblich erschwert, denn auch wenn man einige Quadratzentimeter vom losen Schnee befreit, sieht man eben nur genau diese Stelle - jeglicher Überblick fehlt...


    Trotzdem und gerade durch den Schnee hat die Landschaft ihren besonderen Reiz.

    Bild 1 Der Schneeberg gilt als höchster Berg Frankens. Nicht nur der Gipfelbereich ist - abgesehen von den Wegen - Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden.


    Bild 2 Das "Fundament" des Aussichtsturmes ist ein naturbelassener Granitblock auf dem sich viele Nabelflechten / Umbilicarien tummeln.


    Bild 3 Fruchtende Umbilicaria deusta in Mengen, mit Raureif überzogen


    Bild 4 Mindestens zwei, vielleicht drei oder gar vier Umbilicaria-Arten auf einem Foto?


    Bild 5 Erinnert an Hypogymnia, ist aber schmallappiger, relativ dicht anliegend, nicht hohl, Enden gebräunt und nicht an Rinde wachsend:

    Brodoa intestiniformis zwischen den Umbilicarien ist ein Eiszeitrelikt der hohen Mittelgebirge.


    Wenige Kilometer nördlich des Fichtelgebirges gelangt man aus dem Granit-Gneis-Bereich ins Land des grünlichen Serpentinit:

    Bild 6 Lockerer Baumbewuchs auf Serpeninit-Halde


    Bild 7 Grüner Serpenitint (Prasinit) mit reizvoll kontratierendem Flechtenbewuchs


    Bild 8 Candelariella vitellina kommt in großen Mengen auf den Felsen vor


    Bild 9 Weg durch Kiefern - Bäume sind im Fichtelgebirge erstaunlich arm an Flechten!

    Dafür sind die Felsen dicht mit Flechten überzogen.

    Sogar A. ciliaris (eigentlich auf Rinde vorkommend) konnte ich auf einem der Felsen erkennen, jedoch an keinem Baum...


    Bild 10


    Bild 11 Stellenweise liegt der Schnee schon reichlich dick


    Bild 12 Chloritschiefer-Felsen


    Bild 13 Psilolechia lucida (Bildeinsatz, auf Silikat) kann von der unbereiften, schwarzen Microcalicum arenarium befallen werden. Leider ist meine Probe dieser Stecknadelflechte verschollen.


    Bild 14 Eine violette Kruste - eventuell eine Lecanactis


    Einige wenige, günstig gelegene Stellen sind kaum vom Schnee bedeckt oder gar schneefrei, wie hier:

    Bild 15 Serpentinit-Fels


    Bild 16 Orange Caloplaca mit graubraunem Thallus, vermutlich Rufoplaca subpallida


    Bild 17 Orange Caloplaca, gelbe Cadelariella und Physcia


    Bild 18 Diploschistes scruposus, umrahmt von Leprocaulon microskopicum


    Bild 19 Falsche Rentierflechten, Cladonia subrangiformis


    Bild 20: Physcia mit Lippensoralen auf basischem (SiO2-freiem) Silikat. Da keine KOH-Reaktion eintritt, offenbar keine P. dubia, sondern P. subalbinea.


    Bild 21 Xanthoparmelia conspera besitzt große, braune Apothecien und Isidien


    Bild 22: Ein schöner Farbtupfer ist gelb-orange Xanthomendoza huculica


    Bild 21 Irgendwann muss ich mich ernsthaft mit den Moosen beschäftigen


    Bild 22: Keine Flechte, kein Moos, trotzdem schön anzusehen - ein Steinbrechgewächs



    Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug Spaß gemacht.


    LG, Martin

    Hallo an beide Bernde,


    die beiden Flechten, die Bernd benamst hat, hatte ich auch so zugeordnet. Insbesondere die Pleurosticta ist ganz eindeutig. L.pulvinatum kennst du selbst.

    Bei den anderen wird es etwas schwieriger, weil nicht allzu viel erkennbar ist.


    Die erste Flechte sieht nach einer isidiösen Collema aus. Ich würde mit L. fuscovirens vergleichen.


    Die weiße, lecanorine Kruste ist leider etwas überbelichtet und unscharf. Etwas unklar, aber schau dir mal L. albescens an.


    Übrigens fände ich die kleine, orange Blattflechte neben der Pleurosticta interessant. Hast du dazu mehr?


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    tausche ja da Scheunentor nicht aus, das scheint eine Fundgrube zu sein!

    Ich schlüssele zum gleichen Ergebnis (C. trachylioides) bei Wirth et al., Artbeschreibung und Habitat scheinen gut zu deinem Fund zu passen.


    LG & GR,

    Martin

    Hallo Maronisto,


    mit Flechten bist du natürlich im Flechten-Unterforum gut aufgehoben. :gnicken:

    Dein eines Foto ist nun nicht sehr detailreich. Bräunliche Blattflechten auf Rinde gibt es einige.

    Ich erkenne keine Sorale und vermute feine Isidien.

    Vergleiche deinen Fund deshalb mit Melanelixia glabratula. Der Link führt dich zur bretonischen Flechtenseite, die den Vorteil hat, Verwechslungspartner anzugeben.


    LG und einen guten Rutsch,

    Martin

    Hallo Maronisto,


    von deinen Fotos sieht man nur ein reichlich unscharfes Bild eines Gänseblümchens und einer vermutlich bodenwohnenden Blattflechte mit hellem Rand (?), ansonsten nur ins Leere führende Verweise.


    Weißt du, wie Bilder korrekt eingebunden werden? Falls nicht, findest du im Forum unter Pilzbestimmung/Unser Forum/Bildupload (angepinntes Thema weit oben) eine gute Beschreibung dazu.


    LG, Martin

    Hallo Michael,


    viele Dank für den Hinweis: Blockmeere sind immer sehr lohnend, wenn man Flechten finden möchte.

    Und Granit ist interessant, da diese Blöcke recht beständig sind. Das gibt meinen kleinen Freunden Zeit sich zu entwickeln. Eine Granitblockhalde habe ich bislang noch nicht besucht.


    Das Fichtelgebirge gilt als geologisch sehr abwechslungsreich: Granit, Basalt, diverse metamorphe Gesteine, u.a. auch Marmor, ...


    Ich bin gespannt, was ich finden werde.


    Ich wünsche dir ebenfalls schöne Feiertage!

    Martin

    Hallo,


    ab Sonntag geht's mal bissle ins Fichtelgebirge.


    Hast vielleicht jemand einen lohnenden Tipp (Felsen, Klippen, Uraltbäume, Hohlwege ... )?

    Ich bin dort ja fremd... :gkopfkratz:


    Hoffentlich scheint die Sonne!


    LG, Martin

    Hallo Wutzi,


    vielen Dank für den schönen Bericht vom Rennsteig.

    Ich denke mit viel Freude an meinen eigenen Besuch dort zurück.


    Das Wetter ist im kalten Winterlicht sehr viel schöner als im Regen damals. Das Eis verleiht der Landschaft einen besonderen Reiz. Du hast einen schönen Tag für den Besuch gewählt.


    Liebe weihnachtliche Grüße von Neckar,

    Martin

    Hallo!

    Sagt mal, ist das Pilzchen ist doch operculat, oder?

    Die sohlenartige Sporenform (im 2-zelligen Stadium) könnte zu irgendwas aus den Dothideomyceten passen. Da gibt es auch Flechten darunter, aber:


    Ich kenne den Pilz leider auch nicht.


    LG, Martin



    Edit:

    Das Problem ist also gelöst. Bernds letzte Mittteilung war mit entgangen...

    Hallo!


    Folgende auffällige Krustenflechte stammt von einer eisenreichen Schiefer-Natursteinmauer in NW-Ausrichtung im Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirge.

    Sie hat zumindest einen schuppigen oder gelappten Rand, eventuell ist sie aus lauter kleinen Schuppen zusammengesetzt - das kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen.

    Da die jungen, noch sehr kleinen Thalli in der Nähe schuppenartig wirken und bereits Ascocarpe tragen können, würde ich mehr an einen vollständig schuppigen Bau denken, zumal auch die Kratzprobe schnell in kleine Einheiten zerfällt.

    Die Flechte befand sich in unmittelbarer Nähe zu Arten wie Acarospora sinopica, Trapelia glebulosa, Lecanora epanora, Lecidea silacea, Porpidia tuberculosa, die auf schwermetallhaltigem Silikat vorkommen und die teilweise deutlich rostfarben waren.

    Bild 1 Schwach gelbliche Kruste mit flächendeckend fuchsbraunen Apothecien.


    Bild 2 Die kleinen Schuppen, teilweise schon mit Apothecien, rechts und unterhalb der großen Kruste gehören zur gleichen Art. (Ausschnitt aus Bild 1)


    Der Thallus reagiert K+ gelb, P-, C-

    Scheibe K- (entfärbt), C-

    Medulla wie Hymenium reagieren J+ blau

    Das gelbe Hymenium entfärbt sich in KOH.


    Die Apothecien sind von Thallus berandet, der Rand verschwindet bei alten Apothecien nicht vollständig.

    Größe der Apothecien reicht bis etwa 1mm.

    Bild 3 Apothecien aufgepresst, mit gekerbtem Rand. Apothecienscheibe hellbraun und rau.


    Interessant ist die Fluoreszenz unter UV-Beleuchtung.:

    Die Apothecien erscheinen weinrot, die Unterseite leuchtet überaus intensiv gelbgrün (imMikroskop intensiv grün).

    Das Hymenium und Hypothecium erscheinen im Querschnitt in dicken Schichten orangebraun, das Hypothecium fluoresziert in UV türkis..

    Bild 4 Aufsicht auf Probe und Probenunterseite; Querschnitt durch Apothecium - jeweils im Weißlicht und unter UV-Beleuchtung.

    Der Apothecienrand enthält m.M.n. Algen.


    Bild 5 Blick auf Unterseite einer (oder zweier) Thallusschuppe(n):

    Die Ränder der sind gekerbt mit einer randlich hellen Unterseite, die weiter innen nach schwarz wechselt.

    Das Schüppchen im Beispiel misst etwa 1 x 2mm.


    In dünnen Schichten (gequetscht) sind Hymenium und Hypothecium farblos, das Epihymenium gelblich.

    Die Paraphysen enthalten gelbe Tröpfchen.

    Bild 6: Hymenium in Wasser (links) und nach Zugabe von 3%iger KOH (rechts).

    Paraphysen etwas kopfig.


    Bild 7: Einige Sporen: farblos, 1zellig, spindelförmig. Sporengröße 10-12,5-(14) x 5-6 µm


    Bild 8: Asci in K/J gefärbt: lecanoriner Typus, mit dickem, tief blauem Tholus und schwach amyloider Zentralmasse und schwach amyloider Ascuswand.


    Bild 9 Die Algenhüllen sind dick und reagieren in K/J rot-violett - das habe ich bisher nie beobachtet.

    Die KI von Google klaut folgendes zusammen: Einige Trebouxia-Arten weisen hemiamyloide, dicke Hüllen auf (z.B. Trebouxia arboricola, Trebouxia showmanii, Trebouxia crenulata).


    Bild 10 Dünner, farbloser Cortex, nur wenige (2-3) Zellen dick


    Im Gattungsschlüssel in DFD wird man zu Lecanora resp. im Falle eines algenfreien Apothecienrandes zu Lecidea verwiesen.

    Bei Lecanora wären der Teilschlüssel für schuppige/randlappige Arten zu verwenden: Rhizoplaca ist wohl auszuschließen, Squamarinen wäre auf Kalk zu finden.

    Mit den vorgeschlagenen Protoparmeliopsen werde ich auch nicht glücklich.

    Auch die Teilschlüssel der Lecideen ohne Sorale (Teilschlüssel 6 & 7) führen mich nicht zum Ziel.


    Hat vielleicht jemand einen Vorschlag zu dieser auffälligen Flechte, wenigstens zur Gattung oder Familie?


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    danke fürs Mitnehmen in den litauischen Stecknadelwald! Immer wieder erstaunlich, die Fülle bei dir.

    Wirklich helfen kann ich auch nicht, aber vielleicht gibt es eine lichenicole Art, die dem Thallus aufsitzt?


    LG, Martin

    Hallo Bernd,


    das ist eine überaus interessante Frage, die auch ich noch nirgends nur ansatzweise ernsthaft diskutiert gefunden habe:

    Unterliegen Flechtenfruchtkörper einer Saisonalität?


    Manchmal liest man soetwas wie, "der Frühling ist da und die ersten bunten Flechten bilden Fruchtkörper" und dergleichen...


    Ich habe Probleme, insbesondere bei den langsam wachsenden Krustenflechten, mir vorzustellen, dass sie über den Sommer - der aufgrund der hohen Verdunstungsrate nicht ihre optimale Saison ist - überschüssige Reserven aufbauen und einzulagern, um dann z.B. im Herbst und Winter oder im Frühling spontan Fruchtkörper auszubilden. Und was passiert später? Sollten die mühsam entwickelten Fruchtkörper dann abgestoßen werden, um in der nächsten Saison neue zu bilden? Wäre das für eine Flechte ein optimales Vorgehen?


    Wahrscheinlich ist es doch günstiger, die für die Bildung des Ascocarps investierte Energie zu erhalten, indem der Fruchtkörper jahrelang exisitiert und ggf. nur die Bildungsrate der Asci in den Fruchtkörpern einer saisonalen Schwankung unterliegt - je nach Stoffwechselrate der Flechte, die wiederum von u.a. der Luftfeuchtigkeit abhängt, welche letztlich jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Dann wäre der Winter die optimale Jahreszeit für die Sporenbildung.

    Auch schnell wachsende Blattflechten besitzen ab einer bestimmten Größe und hinreichend günstigen Umweltbedingungen zu jeder Jahreszeit Fruchtkörper, je nach Art.


    Ob also Fruchtkörper saisonal komplett gebildet (und rückgebildet) werden? Letztlich müssen die paar wenigen Algen im Thallus die ganze Energie auch noch dafür bereitstellen.

    Ob die kleinen Grünen damit nicht überfordert wären? :girre: :glol: :gskeptisch: :gkopfkratz: :gomg: :gnicken: :gkopfwand:


    Was ist deine Meinung dazu, bzw. was konntest du dazu recherchieren?


    LG, Martin


    Sicher unterliegt der ganze Wald der Saisonalität: die Erkennbarkeit von Rindenflechten steigt in der blattlosen Jahreszeit an. Man müsste an einem betimmten Thallus ein Markierungsfähnchen anbringen und den gleichen Thallus dann über mindestens ein Jahr z.B. einmal monatlich besuchen und den Zustand dokumentieren. Das wäre doch mal interessant.

    Hätte ich dieses Buch nicht schon - ich würde es mir zu Weihnachten schenken.

    In der Reihe "Lives of the Natural World" bei Princeton University Press anno 2024 erschienen ist der Band

    "The Lives of Lichens: A Natural History" von Robert Lücking & Toby Spribille.

    288 Seiten im Hardcover, Flechten weltweit mit herrlichen Fotos und lehrreichen Texten. keine 30€:

    Einband


    Beispiel Artbeschreibung





    Unbedingt lesenswert, finde ich. Auch einfachen zum Schmökern prima geeignet!


    Weil ich es schon besitze, gönne ich mir jetzt den Band "The Lives of Seaweeds: A Natural History of Our Planet's Seaweeds & Other Algae".

    Hat ja sogar ein bissle mit Flechten zu tun (Algen!). Und wer findet Kelp nicht toll?

    Hallo,


    anbei eine Flechten-Schönheit, gefunden an einer schattig-kühlen Basaltvertikalfläche am Rande einer Blockhalde unter einer weit ausladenden Baumkrone.

    Hätte ich mich nicht unter den sehr tiefhängenden Ast gebückt, hätte ich diese Flechte nie gefunden.

    Ein ausgedehnter Thallus ist als dickliche, violettstichige Kruste im Bild 1 erkennbar und mit erheblichen Trentepohlia-Vorkommen vergesellschaftet.

    Bild 1 Basaltblock mit geschlossenem Flechten- und Algenüberzug


    Bild 2 Die runden Apothecien sind schwarz und kommen zahlreich vor.

    Sie sind um 1mm groß, berandet und bereift - aber nicht alle und nicht in gleichem Maße.

    Der Thallus ist weich und unberindet, uneben, schorfig.

    Die im Hyphengeflecht eingewobenen, orangen Algenzellen sind sehr gut erkennbar.

    Sie sind kein Aufwuchs, sondern gehören zum Flechtenthallus, wie die sie umgebenden, weißen Hyphen erkennen lassen.


    Bild 3 Die Apothecien sitzen dem Thallus auf und sind bleibend berandet.

    Scheibe und Rand sind mehr oder minder weiß bereift.

    Die weiße Medulla auf der Unterseite ist locker-luftig.


    Bild 4 Das Hymenium ist von einem schwarzbraunen Gehäuse eingefasst.

    Das Epihymenium ist dunkelbraun.

    Der Rand ist algenfrei.


    Bild 5 Hymenium gequetscht in Wasser: Asci dünnwandig, zylindrisch, 8-sporig mit sehr kleiner Okularkammer.

    Die Sporen sind 4(-5)-zellig, querseptiert; teils schwach gebogen, sonst gerade.

    Jung mit Halo.


    Der Thallus reagiert K-, C-, aber P+ gelb-orange. Das Hymenium reagiert J+ orangerot.

    Bild 6 Farbreaktionen: Hymenium J+ orange-rot, Thallus P+ gelb-orange


    Eine Kruste, die sich als relativ leicht bestimmbar erweist:

    Der deutsche der und italienische Schlüssel weisen beide geradewegs auf Lecanactis dilleniana resp. Psoronactis dilleniana (Syn.).

    Auch der Fundort passt perfekt zur Habitatbeschreibung der Flechte: basisches oder mineralreiches, hartes, kristallines Silikat an feucht-kühler Stelle, niederschlags- resp. nebelreich, gerne schattig.

    Wohl besonders auch in Blockmeeren anzutreffen.


    LG, Martin

    Eisensulfat eingefüllt und im Schraubstock angepresst. Dann mit einem 5 kg Hammer nachgeschlagen. Das verdichtet ordentlich und der Pressling ist steinhart.

    Hallo,

    ich vermute, du hast die Kristalle vorher leicht angefeuchtet, oder hast du sie trocken gepresst?


    LG. Martin

    Hallo Oliver,


    ja - die Flechten und Flechtenparasiten haben schon was. Und man findet sie rund ums Jahr, was auch schön ist...


    Blattflechten haben an den Lappenenden häufig eine ausgeprägte, breite Randzone / Wachstumszone, an welcher die Merkmale des reifen Thallus noch nicht (vollständig) ausgeprägt sind.

    Das betrifft hier bei den Parmelien unter anderem auch die Rhizinendichte, -länge und -färbung. Diese Zone kann (am gleichen Lappen) an seitlichen Rand vollständig fehlen, da die Flechte bei rosettigem Wuchs hier sich selbst überwachsen würde. Manche Flechtearten machen das, andere halt nicht.

    Die Rhizinenform einfach/gegabelt ist hier nicht besonders ausschlaggebend (Italic8 zu P. sulcata: "Lower surface black, with black, simple to furcate rhizines".

    Hier genügt schon die Oberseite mit den typischen Lappenumriss mit den gestutzten Enden, ausgeprägte länglich-vernetzende Pseudocyphellen auf der Oberfläche, aus denen bei älteren Exemplaren kreisrunde Sorale hervorbrechen können (kann einen fälschlicherweise an Punctelia denken lassen), Isidienfreiheit, glänzend schwarze Unterseite und Rhizinen in der Thallusmitte. Hinzu kommt z.B. die deutliche, orange Reaktion der Medulla auf P und die gelb nach orange-rote Reaktion auf K.


    Noch zur Cladonie: Das wird schon C. fimbriata sein, da die Podetien über die gesamte Höhe feine, grüne Soredien tragen ("fein mehlig"), nirgends Blättchen (Schuppen) zu erkennen sind.

    Die Becher weiten sich meistens abrupt (pokalartig), was sehr gut zu C. fimbriata passt. C. chlorophaea hat gröbere Soredien, oft Schüppchen an der unteren Hälfte der Podetien, die sich eher allmählich zum Becher weiten. Sie kann auch etwas ins Bräunliche spielen. Auch zu diesen Flechtenarten findest du sehr schöne Beispiele bei Italic. Diese Seite kennst du ja bestimmt.


    LG, Martin