Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag konnten wir in den Borkenbergen eine schöne Kollektion von Lactarius helvus finden. Der Pilz ist durch seine farblose Milch und den deutlich Maggigeruch schon makroskopisch gut kenntlich. Er kann aber auch rein mikroskopisch erkannt werden, denn er ist der einzige europäische Milchling mit septierten Cheilozystiden (diese können aber teilweise sehr spärlich sein).


    Fruchtkörper am Fundort


    Cheilozystiden und Basidien mit Kongorot gefärbt


    Huthaut in Wasser


    Sporen in Melzer


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich ergänze mal einen Fund aus den Borkenbergen vom 62.9.2026, der unter Pinus sylvestris auf sandigem Boden gemacht wurde. Geschmack ist mild, Guajak-Reaktion am Stiel positiv, auf den Lamellen negativ.


    Fruchtkörper am Fundort


    Sporen in Melzer


    Huthaut mit Kongorot gefärbt: Nur Haare und Primordialhyphen, keine Pileozystiden vorhanden


    Huthaut mit Karbolfuchsin gefärbt: Inkrustierte Primordialhyphen deutlich erkennbar.


    Björn

    Hallo zusammen,


    weiter geht es mit dem nächsten Portrait. Flammula alnicola (Synonym Pholiota alnicola) wächst in kleinen Gruppen auf Totholz an feuchten Standorten, wie hier einem Weidensumpf. Die Hüte sind glatt, aber haben Velumsreste am Hutrand. Der Stiel ist trocken und gegürtelt, außerdem wird er nach unten hin dunkler. Der Pilz hat Cheilozystiden, aber keine Pleurozystiden. Die Sporen sind mandelförmig, braun, glatt und mit Keimporus.


    Fruchtkörper am Fundort


    Cheilozystiden mit Kongorot gefärbt


    Basidien mit Kongorot gefärbt


    Huthaut in Wasser


    Sporen in KOH


    Björn

    Hallo zusammen,


    überraschenderweise gibt es noch gar kein Portrait von Humaria hemisphaerica. Das läßt sich aber zum Glück ändern. Hier gezeigt ein Fund aus dem NSG Borkenberge vom 26.9.2026. Die Fruchkörper wachsen direkt auf der Erde, sind von außen mit kleinen Büscheln aus dunklen Haaren bedeckt und haben außerdem am Becherrand eine durchgehende Behaarung. Das Hymenium ist weiß. Die Asci sind 8-sporig. Die Paraphysen sind hyalin, septiert und an der Spitze keulig verdickt. Die Sporen haben zwei Öltropfen und sind warzig ornamentiert. Das Ornament ist cyanophil.


    Fruchtkörper am Fundort vergesellschaftet mit Otidea alutacea


    Haare der Außenseite in Wasser


    Asci in Wasser


    Sporen mit Baumwollblau gefärbt


    Paraphysen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich möchte Euch einen Pilz vorstellen, den man jetzt im Herbst eigentlich überall finden kann, wo es die Spätblühende Traubenkirsche Prunus serotina gibt. Es handelt sich um Miricatena prunicola, einen Pilz, der 2011 aus England beschrieben wurde. Seitdem gibt es zahlreiche Funde u.a. aus den Niederlanden, aber auch hier in NRW finde ich den Pilz sehr regelmäßig. Interessanterweise kommt der Pilz auch auf Prunus padus vor, wo er allerdings deutlich unauffälligere Symptome verursacht. Es ist aus diesem Grund noch nicht klar, ob der Pilz eigentlich ein Parasit von P. serotina ist, der mit dieser Pflanze nach Europa eingeschleppt wurde oder ob es sich um einen Parasiten von Prunus padus handelt, der auch P. serotina befallen kann. Der Pilz verursacht zahlreiche Blattflecken auf der Blattoberseite. Diese sind in der Mitte ockerlich und nekrotisch, nach außen hin haben sie einen von Violett nach Rot verlaufenden Rand. Insbesondere bei feuchter Witterung findet man auf einigen dieser Flecken dann einen beigen Pilzrasen. Dieser hat es mikroskopisch in sich, besteht er doch aus Konidienträgern und Konidien, die an kleine Tannenbäume erinnern. Der hier gezeigte Fund stammt vom 26.9.2026 aus den Borkenbergen, die Mikrobilder in Kongorot von einem Fund aus dem Duisburger Stadtwald vom 18.9.2026


    Befallenes Blatt am Fundort


    Details eines Blattflecks


    Konidien mit Phloxin B gefärbt


    Konidien mit Kongorot gefärbt


    Björn

    Hallo zusammen,


    zu den Rhizomorphen: Die müßte man, wenn sie vorhanden sind, als deutliche "Seile" aus verwebten Hyphen im Mikrobild finden. Ich hänge als Beispiel mal zwei Bilder von T. umbrinospora an:



    Noch deutlicher konnte ich sie bei Odontia fibrosa sehen, da waren sie auch schon makroskopisch am Rand des Fruchtkörpers erkennbar:


    Björn

    Hallo Bernd,


    ich würde dem Wuchsort nicht zuviel Bedeutung beimessen. Thelephoras sind ja Mykorrhiza-Pilze, die ihre Fruchtkörper einfach da wachsen lassen, wo gerade Platz ist: Auf dem Erdboden, auf Totholz oder eben auf einem Pilz, der nicht schnell genug weggelaufen ist.


    Björn

    Hallo zusammen,


    abgesehen von den Erfolgsaussichten kann man auch mal die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Unterfangens stellen. Der Kaiserling ist hier in Deutschland ja offenbar an der absoluten Nordgrenze seines Verbreitungsgebiets angekommen (auch wenn diese sich in Folge der Klimakatastrophe sicher nach Norden verschieben wird). Warum sollte man den Pilz hier also künstlicher weiter verbreiten? Bei anderen Arten, wie z.B. der mediterranen Melampsora pulcherrima käme ja auch niemand auf die Idee, befallenes Bingelkraut in die Nähe von Zitterpappeln und umgekehrt zu bringen, damit die Art sich weiter ausbreitet.


    Björn

    Hallo Jürgen,


    der Fundort ist der Liboriussteinbruch bei Lengerich. Das ist ein ehemaliger Kalksteinbruch, der jetzt mit Schafen (extensiv) beweidet wird. Weitere Funde im Gebiet sind z.B. Hygrocybe acutoconica und Hygrocybe konradii, Entoloma ameides, Gentianella germanica und Gentianopsis ciliata, also insgesamt wahrscheinlich sehr ähnlich zu deinem Fundort.


    Björn

    Hallo Bernd,


    der Vorteil bei der Methode mit der Rasierklinge ist meiner Meinung nach, daß man dann ein längeres Stück (teilweise mehrere mm lang) Huthaut im Präparat hat. Das hat meiner Erfahrung nach den Vorteil, daß man dann deutlicher den ggfs. geschichteten Aufbau der Huthaut erkennen kann und auch die Variabilität beurteilen kann. Es gibt ja z.T. durchaus Pilzarten, bei denen die Pileipellis in der Hutmitte anders strukturiert ist als am Rand.


    Björn

    Hallo zusammen,


    ich hätte zwar schöne Saftlinge, Rötlinge und Täublinge sowie den Leibhaftigen im Angebot, aber ich muß heute leider Abend leider arbeiten, das Conference Dinner ruft.


    Björn

    Hallo zusammen,


    zusätzlich zu dem was Wolfgang bereits gesagt hat, würde ich auch immer dazuraten, die Huthaut an einem Radialschnitt zu untersuchen, d.h. zwei scharfe Rasierklingen aufeinanderlegen, damit einmal radial über den Hut ziehen und das dazwischen haftende Fitzelchen Huthaut in einen Tropfen Wasser geben, ggfs. mit Präpariernadeln noch gerade ziehen und dann ein Deckglas auflegen. Da kann man dann eigentlich immer sehr gut erkennen, ob der Hut trocken oder feucht ist. Als Beispiele hier einmal die Huthaut von H. coccinea und einmal die von H. miniata


    H. coccinea


    H. miniata


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag konnte ich einem ehemaligen Steinbruch bei Lengerich Entoloma excentricum finden. Beim Anblick der Fruchtkörper von oben habe ich zunächst nicht an einen Rötling gedacht, sondern eher eine Agrocybe vermutet - entsprechend hätte ich die Pilze auch beinahe einfach links stehengelassen. Aber der Blick auf die Hutunterseite offenbarte dann rosa gefärbte Lamellen, so daß schnell eine Kollektion zusammengestellt war und Fruchtkörper für die Bestimmung mit nach Hause durften. Der Pilz weiß nicht nur durch sein adrettes Äußeres zu überzeugen, sondern macht auch mikroskopisch einiges her, hat er doch echte Caulo- und Cheilozystiden, die ziemlich groß und geschnäbelt sind. Die Basidien sind viersporig mit Basalschnallen, Schnallen sind aber auch sonst im Hymenium überall zu finden. Die Sporen sind relativ groß und messen 11.5±0.6 µm × 7.8±0.4 µm, Q=1.5±0.1 bzw. 10.1-13.3 µm × 7.0-8.8 µm, Q=1.3-1.6.


    Fruchtkörper am Fundort


    Pileipellis in Wasser


    Caulozystiden mit Kongorot gefärbt


    Cheilozystiden mit Kongorot gefärbt


    Basidien mit Kongorot gefärbt


    Sporen in KOH


    Björn