Beiträge von boccaccio

    Hallo zusammen,


    wobei Elemente in Kristallform wohl nur dann als Mineralien gelten, wenn sie durch geologische Prozesse in diese Form gekommen sind. Die oben gezeigten Bismut-Kristalle sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit künstlich gezüchtet worden.


    Weitere Fun Fakts zu Bismut:

    Die Typuslokalität des Minerals liegt in Schneeberg im Erzgebirge.

    Bismut hat eine Dichteanomalie wie Wasser, d.h. festes Bismut hat eine geringere Dichte als flüssiges Bismut und schwimmt entsprechend oben auf.

    An den Kanten von Bismut-Kristallen gibt es topologisch geschützte Oberflächenzustände.


    Und was man dann auch in den Tiefen des Internets lernt: Die oben gezeigten Kristalle, die irgendwie "hohl" aussehen, weil am Rand mehr Material als in der Mitte wächst, nennt man Hopper Crystals und es gibt ein Patent auf Kochsalz in Form solcher Hopper Crystals. Salz in dieser Form soll wegen des größeren Oberflächen-zu-Volumen-Verhältnisses angeblich geschmacksintensiver als herkömmliches Salz sein.


    Björn

    Hallo zusammen,


    gestern war ich nach der Arbeit eine kleine Runde im Landschaftspark Duisburg unterwegs. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Stahlwerk, das in einer Parklandschaft umgewandelt wurde. Es finden sich kleinräumig relativ unterschiedliche Biotope, darunter u.a. auch relativ magere, geschotterte Flächen. Auf einer solche Fläche konnte ich Calamagrostis epigejos finden, wo schon von Weitem einige Blätter mit "Spliß" auffielen, d.h. die (mittlerweile vertrockneten) Blätter der Pflanzen waren von der Spitze her in zahlreiche Filamente aufgespalten. Bei genauerer Betrachtung dieser Pflanzen zeigten sich dann zahlreiche Brandpilz-Sori, die in der Mehrzahl schon reif waren, d.h. die Epidermis über den Lagern hat sich abgelöst und die schwarze Sporenmasse tritt zu Tage.

    Auf Calamagrostis gibt es mehrere Streifenbrände, d.h. man muß Funde mikroskopieren. Urocystis calamagrostidis besitzt Sporenballen mit sterilen Zellen und ist ziemlich selten. Ustilago scrobiculata gehört zum Ustilago-serpens-Komplex und hat ein grobwarziges Ornament auf den Sporen. Ustilago corcontica befällt nur Calamagrostis villosa und schließlich gibt es auf Calamagrostis epigejos noch Ustilago calamagrostidis. Die beiden letzten Arten unterscheiden sich nur über ihre Wirtswahl und sind durch stachelige Sporen gekennzeichnet. Beim hier gezeigten Fund handelt es sich um Ustilago calamagrostidis.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Einzelne Pflanze, bei der man den "Spliß" gut erkennen kann


    Sori an Blattscheiden, Blättern und teilweise auch an Blütenständen


    Sporen in Wasser


    Björn

    Hallo Uwe,


    ich würde mal vermuten, daß er mittlerweile schon gewechselt sein sollte. Allerdings ist er auf Iris dann ja bis spät in den Herbst nachweisbar, d.h. ich würde wahrscheinlich mal im August nachsuchen gehen.


    Björn

    Hallo zusammen,


    an der Stelle möchte ich auch gerne auf Hans Bender verweisen, der seit über 40 Jahren regelmäßig in Mönchengladbach im Volksgarten unterwegs ist und dort im Laufe der Jahre über 1900 Pilzarten nachgewiesen hat. Die hat er definitiv nicht alle im ersten Jahr gefunden und es gibt auch nach 40 Jahren noch immer wieder neue Arte für das Gebiet.


    Björn

    Hallo Steffen,


    ja, ich fahre mitunter auch dahin, wo spannende Dinge gefunden wurden. Kostet mich dank Deutschlandticket aber tatsächlich dann auch keinen Cent mehr als die Exkursion vor der eigenen Haustür. Aber wenn jemand behauptet, er kenne vor seiner Haustür mittlerweile alles, dann kann ich das einfach nicht glauben. Ich wohne hier im Ruhrgebiet ja auch auf sauren Böden, der einzige Kalkeinfluß findet sich entlang von Waldwegen durch Schotter im Untergrund. Phlegmacien und seltene Dickröhrlinge sucht man hier also vergebens. Aber wie viele Tomentella-Arten hast du denn bei dir in der Umgebung schon gefunden? Wenn die Antwort 0 ist, dann hast du da auf jeden Fall noch ein weites Betätigungsfeld.


    Björn

    Hallo zusammen,


    also zu den Phytos möchte ich einmal anmerken, daß man dort in den meisten Fällen doch gar nicht mikroskopieren muß, weil die Pilze so wirtsspezifisch sind. Und wenn es an deinen Pflanzenkenntnissen hapert, dann zeigt das doch, daß es dort noch viel zu tun gibt: Pflanzenkenntnisse erweitern und dann erfolgreich Phytos sammeln und bestimmen.


    Ansonsten möchte ich auch noch mal einen Aspekt in den Raum werfen, der bisher gar nicht aufgebracht wurde: Das Pilzaufkommen ist natürlich nicht gleichmäßig übers Jahr verteilt. Gerade im Herbst gibt es dann aber ja doch auch in trockenen Jahren immer wieder Phasen, wo die Wälder nur so vor Pilzen überquellen. Und dann geht es mir eigentlich immer so, daß ich gar nicht alle Funde gescheit bearbeiten kann und nur ausgewählte Pilze mitnehme (weil ja hier am milden Niederrhein und mit der Phytovorliebe eigentlich jede Woche auch neue Pilze zu finden sind). Wenn man aber weiß, daß der lange, dunkle und bitterkalte Ostwinter hereinbricht, kann man doch im Vorfeld wunderbar auf Halde sammeln und hat dann für den Rest des kalten und/oder trockenen Jahres genug Exsikkate zum Mikroskopieren.


    Und was die Spritkosten und die Jagf nach Erstfunden angeht: Man muß doch auch nicht wie der Teufel hinter der armen Seele hinter Pilz XY her sein. Dann ist Frust natürlich vorprogrammiert. Wenn man dagegen einfach ganz entspannt loszieht (und das muß dann eben nicht 100 km weg sein, sondern kann auch in der Nachbarschaft sein), findet man eigentlich immer Pilze, die man bis dato noch nicht wahrgenommen/gefunden hat und kann sich an ihnen erfreuen. Im Winterhalbjahr mache ich ja auch oft keine langen Touren, sondern gehe einfach hier in den Stadtwald um die Ecke und finde dann aber trotzdem immer wieder tolle Sachen. Seien das jetzt Rindenpilze, Schleimpilze oder anderer Kleinkram. Außerdem ist es ja so, daß man man, wenn man bei so einer Tour nur wenige Funde macht und mitnimmt um so mehr Zeit hat, um dann an seinen mikroskopischen Fähigkeiten zu arbeiten. Die kommen ja nicht von ungefähr, sondern sind Übungssache.


    Björn

    Noch mal: Beim PSV geht es (etwas vereinfacht gesagt) darum, Pilze in drei Gruppe einzuteilen:

    1. Speisepilze, die so frisch sind, daß man sie essen kann

    2. Tödlich giftige Pilze

    3. Alles andere


    Natürlich gibt es zahlreiche Pilze, die man nur mikroskopisch und teilweise auch nur per Sequenzierung bestimmen kann. Das ist aber nicht das Feld, um das es bei PSVs geht. Auch wenn man leider immer wieder im Internet lesen muß "Pilz XY wurde mir von einem PSV bestimmt" mit dem Unterton, daß ein PSV alle Pilze bestimmen kann. Das Gegenteil ist der Fall und ich kenne Menschen, die nicht PSV sind und eine *deutlich* bessere Artenkenntnis als so mancher PSV haben.


    Björn

    Hallo CSLupina,


    du scheinst da einige Dinge noch grundlegend nicht verstanden zu haben. Speisepilze gehören eigentlich nie zu den Pilzen, die man zur Bestimmung mikroskopieren muß (stimmt ganz streng genommen so nicht, da man einige Täublinge nur mit Mikroskop und/oder Chemie sicher auf Artebene bestimmen kann, aber wenn einen nur interessiert, ob sie eßbar sind oder nicht, geht das eben auch ohne Mikroskop). Sonst müßte ja auch jeder einzelne Fruchtkörper, den man in die Pfanne wirft, vorher mikroskopiert werden und es würde ewig dauern, bis eine Pilzpfanne voll ist.


    Björn

    Hallo CSLupina,


    niemand kennt alle Pilze in Deutschland. Das ist aber für eine Tätigkeit als PSV auch gar nicht notwendig. Niemand erwartet, daß er dir einen anamorphen Ascomyceten vorbeibringt und du den dann souverän auf Artebene bestimmst. Bei der Korbkontrolle bringen die Leute ja in der Regel Pilze, von denen sie denken, daß die potentiell eßbar sind. Und bei diesen Pilzen mußt du dann eben entscheiden, ob es Speisepilze sind oder nicht. Damit ist die Artenzahl dann schon mal deutlich reduziert.


    Björn

    Du gibst doch nur Pilze frei, von denen du dir absolut sicher bist, daß sie eßbar sind und frisch genug zum Verzehr. Alles andere wäre grob fahrlässig!


    Björn

    Hallo CSlupina,


    dann sagst du, daß eine Bestimmung anhand von Fotos auch nicht möglich ist, weil dann insbesondere nicht der Frischezustand der Fruchtkörper (der ja für die Eßbarkeit entscheidend ist) nicht richtig beurteilt werden kann.


    Wie meinst du das mit den ganzen Pilzen? Das geht ja am Telefon nicht, sondern nur, wenn Leute dir vor Ort ihre Pilze zeigen.


    Björn

    Hallo Cognacmeister,


    noch mal in aller Deutlichkeit: Wir sind hier nicht im Forum unterwegs um zu jeder Tages und Nachtzeit innerhalb weniger Minuten auf deine Beiträge zu antworten. Mitunter braucht es eben Zeit und Geduld bis man eine Antwort bekommt (aber die scheinst du ja nicht zu haben).


    Davon abgesehen habe ich schon zig mal geschrieben, daß du bitte gescheite Sporenabwürfe machen sollst. Ein Foto mit 2-3 vermessenen Sporen ist wenig aussagekräftig, da man da nie weiß, ob die Sporen überhaupt zum Pilz gehören. Über die statistische Aussagekraft von solch kleinen Meßreihen müssen wir hier gar nicht erst reden. Christoph hatte ja die Tage an anderer Stelle hier im Forum schon ins gleiche Horn gestoßen. So lange sich an deinen Beiträgen nicht *deutlich* etwas ändert, werde ich sie in Zukunft einfach ignorieren und offenbar bist du mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo praktisch alle anderen Forenteilnehmer:innen das genau so handhaben.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am 21.6.2026 konnte ich am Rheinufer in Neuss an bekannter Stelle mal wieder den Brandpilz Thecaphora saponariae an Saponaria officinalis finden. Befallene Pflanzen gelangen nicht zur Blüte und die Knospen sind auffallend verdickt. Öffnet man infizierte Knospen, findet man darin eine hellbraune, krümelige Masse aus Sporenballen (Der Blick in die Knospen ist wichtig, denn teilweise beziehen dort auch Tiere ihr Larvenquartier und können dann ähnliche Befallsbilder hervorrufen). Der Brandpilz ist deutlich seltener als der Antherenbrand Microbotryum saponariae, der ebenfalls Seifenkraut befällt, kann aber dennoch regelmäßig gefunden werden.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Geöffnete Knospe


    Sporenballen in Wasser


    Sporen der zerbröselten Sporenballen in Wasser


    Björn

    Hallo zusammen,


    nachdem die große Hitzewelle hier gestern schon etwas abgeebbt ist, war ich eine Runde im Stadtwald und an der Duisburger Regattabahn unterwegs, wo ich einen Antherenbrand (der aber trotz seines Namens mittlerweile zu den Rostpilzen gezählt wird) auf Saponaria officinalis entdecken. Bei befallenen Pflanzen sind die Staubgefäße voll von violett-braunem Sporenpulver überdeckt und befallene Blütenstände wirken oft schon aus der Entfernung schmutzig. Typisch ist auch, daß der Befall systemisch ist, d.h. ist eine Pflanze befallen, dann findet man den Pilz in jeder einzelnen Blüte dieser Pflanze. Insgesamt ist der Pilz ziemlich häufig zu finden. Mikroskopisch paßt er zur derzeitigen Fußball-WM, denn die rundlichen Sporen zeigen ein netzartiges Ornament, das an einen Fußball erinnert.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Befallene Blüten


    Sporen in Wasser


    In den folgen Bildern sieht man teilweise auch einige ausgekeimte Basidien


    Björn

    Hallo Uwe,


    es gibt nicht nur einen Weidenrost, sondern sogar ganz viele Weidenroste, die alle aus der Gattung Melampsora sind. Leider sind die nur sehr schwer zu bestimmen und ohne Telien geht grundsätzlich gar nichts.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Samstag hat es mich trotz der Hitze zu den Muschelkalkkuppen bei Muldenau gezogen. Auf einer verwilderten Ackerfläche oberhalb des Biesbergs konnte ich dabei auf Bromus sterilis den Brandpilz Ustilago bromivora finden. Der Pilz befällt die Blütenstände und sorgt dafür, daß die Ährchen der Wirtspflanze weiter gespreizt sind als normale. Zerreibt man befallene Ährchen, tritt die dunkelbraune Sporenmasse zu Tage. Der Pilz scheint wärmeliebend zu sein und entsprechend gibt es relativ viele aktuelle Nachweise aus Rheinland-Pfalz. In NRW wurde die Art scheinbar zum letzten Mal 1938 nachgewiesen.


    Befallene Pflanzen am Fundort


    Befallene Pflanze mit gespreizten Ährchen


    Sporen in Wasser


    Björn

    Ich sehe kyrillische Buchstaben! Da sind doch bestimmt wieder Putins Schergen auf der Jagd nach Claudia unterwegs gewesen! Ob die auch wieder falschen Mehltau mit nach Thüringen gebracht haben?


    Björn

    Hallo zusammen,


    wenn ich bis heute Abend nicht geschmolzen bin, kann ich einen Brandpilz zeigen, dessen letzter Fund in NRW 1938 gemacht wurde und der jetzt wieder/immer noch in NRW ist.


    Björn

    Hallo zusammen,


    am letzten Tag der diesjährigen Kleinpilztagung konnten wir auf einer feuchten Wiese den Rostpilz Puccinia angelicae-mamillata auf Angelica sylvestris und auf Bistorta officinalis nachweisen. Auf Angelica sylvestris bildet der Pilz deutlich becherförmigen Aecien (anders als die Verwechslungsart Puccinia bistortae, bei der die Aecien nur pustelförmige Öffnungen haben) an verdickten, gelblichen Schwielen auf Blättern und Stängeln. Auf Bistorta officinalis bildet der Pilz dann braune Uredien (diese sind deutlich dunkler als die sehr hellen Uredien von Puccinia bistortae) und dunkelbraune Telien (die insgesamt kleiner wirken als die Telien von Puccinia bistortae). Mikroskopisch ist Puccinia angelicae-mamillata durch die kleinere Aeciosporen und die Teliosporen mit deutlichen Kappen auf den Keimporen von Puccinia bistortae unterschieden.


    Befallene Pflanze am Fundort


    Aecien an gelblichen Anschwellungen


    Aeciosporen in Wasser


    Pseudoperidienzellen in Wasser


    Befallene Pflanze am Fundort


    Uredien und Telien auf der Blattunterseite


    Uredosporen in Wasser


    Teliosporen in Wasser


    Björn