Auch ins Mikroskopieren wächst man erst mit der Zeit rein.
Ich hab mich früher auch schon manchmal über mich geärgert, dass ich bei einem tollen Pilzaspekt im Fichten-Tannenwald auf Kalk nur die Schnecklinge und Ritterlinge angeschaut habe, die fast jedes Jahr kommen, aber nicht die vielen tollen Phlegmacien. Auf die habe ich mehr als 10 Jahre lang warten müssen in diesem Wald bis sie wieder da waren. Aber damals war ich einfach noch nicht so weit, die hätten mich überfordert. 10 Jahre später hatte ich bestimmt mehr davon als beim ersten Mal. Also gräme Dich nicht, ich finde Du arbeitest Dich eh schon mit hoher Geschwindigkeit in die verschiedensten Ecke der Pilzwelt ein.
Hallo Andreas,
danke für das Lob. Ich hatte ja auch einen guten Lehrer. Wenn ich es ein bisschen systematischer anfangen würde, wäre ich sicher schon weiter, aber ändern werde ich mich wohl nicht mehr. Mikroskopieren ist ein bisschen wie das Deuten von Röntgenbildern.
Vor deinem Mikroskopierkurs vor drei Jahren habe ich noch völlig ratlos in die Okulare geschaut. Der Kurs war zwar ein Quantensprung und inzwischen kann ich auch die eine oder andere Struktur deuten, aber da meine Artenkenntnis noch immer sehr zu wünschen übrig lässt, brauch ich auch da immer noch immer Nachhilfe. Und eben üben, üben, üben.
Diesmal hat übrigens dein Hinweis perfekt gepasst, dass man durchaus mal eine Entoloma vermuten sollte, wenn einem sonst nichts Schlaues einfällt. Das war mir in Erinnerung, als Bernd den Pilz gezeigt und seine fruchtlosen Versuche ihn zu bestimmen geschildert hatte. Dasing übrigens viele kluge Sätze, an die ich mich oft und gern erinnere. Am liebsten ist mir der Tipp, es mit Ornithologie zu probieren. Der bringt mich regelmäßig zum Lachen, wenn mir die Pilze nichts über sich verraten wollen. .
Was du über deine Erfahrungen mit den Phlegmacien schreibst, passiert mir leider ständig - auch mit anderen Arten. Inzwischen habe ich mehrere Orte, an denen ich sehnsüchtig auf neue Exemplare von nur einmal gesehenen und nicht näher untersuchten Pilzen warte, aber nichts.
Nun muss ich also nur noch gut 200 Arten Entoloma kennenlernen, dann bin ich mit der Gattung in Europa durch. Das ist doch sehr überschaubar. Und dass es sich bei E. undulatosporum um einen Artenkoplex handeln könnte, macht die Sache gleich noch viel einfacher.
Ich denke gleich mal wieder über die Ornithologie als Alternative zu den Pilzen nach.
Mir selbst ist es im letzten Winter nicht anders ergangen und ich habe mich auch über mich selbst geärgert, weil ich den Rötlingen bei meinen Wiesentouren zu wenig Beachtung geschenkt habe. Im Nachhinein war es aber wohl besser so, weil die Hirnkapazität in der Saison mit den Saftlingen und anderen Wiesenpilzen mehr als ausgelastet war.
Nichtsdestotrotz habe ich eben diesen Gedanken als Ansporn genommen, mir anständige Litereatur besorgt und mich in die Theorie eingelesen, um auf die nächte Saison vorbereitet zu sein.
Im vergangenen Herbst hatte ich dafür um so mehr Freude mit jeder anständigen Kollektion und noch mehr Freude über jeden Fund, der zu einem belastbaren Ergebnis geführt hat.
Hallo Florian,
es tut gut zu hören, dass man nicht allein so frustriert ist, weil einem so viele schöne Pilze durch die Lappen gegangen sind. Ich glaube, ich hake das jetzt mal ab und freu mich auf die kommende Saison. Bis dahin lese ich ein bisschen nach (bzw. vor). Dann geht die Bestimmung im Herbst vielleicht etwas einfacher.
du hast völlig Recht. Vieles beim Mikroskopieren ist Übung und Erfahrungssache. Ich quäl mich da durch. Hin und wieder habe ich ja auch einen Erfolg und manchmal entschädigen auch die schönen Strukturen, selbst wenn man bei der Bestimmung nicht weiter kommt. Du weißt ja, Risspilze sind da sehr schick, obwohl man denen das überhaupt nicht zutraut.

