Beiträge von Wolfgang P.

    Hallo an alle,


    solche spannenden und gut dokumentierten Pilze motivieren mich immer wieder, an's Bücherregal zu gehen:


    Mein Tipp wäre phlebophorus, weil der Pilz nicht hygrophan zu sein scheint (pallescens und cinereofuscus sensu VELLINGA Flora Agaricina Neerlandica), keine Olivtöne zeigt (cinereofuscus sensu VELLINGA) und keine ballonförmigen Cheilocystiden hat (pallescens sensu GRÖGER).


    Im LUDWIG ist aber ein cinereofuscus abgebildet, der sehr gut zu diesem Fund passt. In der phlebophorus-Gruppe scheinen die drei Autoren die Arten recht unterschiedlich abzugrenzen --> Exsikkat aufheben für eine Sequenzierung!


    Grüße,


    Wolfgang

    ch schreibe es noch mal: KOH-postiv bedeutet eine definitive Änderung des Farbtons. Beim Kahlen Krempling also z. B. so was wie grün oder blau oder violett, vielleicht auch pink oder magentarot. Aber nur braunrot würde mir nicht langen.

    Oehrling: ich würde Dir da widersprechen.

    Auch eine Verfärbung zu braunrot ist eine Farbreaktion, und ist bei Paxillus auch im Standardwerk von MEIXNER 1975 (Chemische Farbreaktionen von Pilzen) als solche aufgeführt (Seite 59 oben).


    Sie ist in diesem Fall aber nicht bestimmungsrelevant - den Krempling als Gattung kann man auch ohne chemische Reaktionen erkennen - und innerhalb der Arten sind meines Wissens bisher keine Unterschiede der KOH-Reaktion publiziert worden.


    Höherprozentige KOH zersetzt aber das Gewebe und beschleunigt die Oxidation, und durch diese wird alles irgendwann irgendwie braun. Insofern ist eine Farbreaktion zu braunrot schon manchmal schwer von "normalem" Bräunen zu unterscheiden.


    Grüße,


    Wolfgang


    P.S.: laut MEIXNER wird der kahle Krempling mit Eisensulfat grün, das habe ich noch nie ausprobiert, schmiert das doch einfach mal überall drauf und betreibt damit Citizen Science ;)

    Hallo an alle,

    in Deutschland war es meines Wissens auch lange so, dass die Naturschutzbehörden deutsche Namen vorgeschrieben haben. Das allein war Grund genug, sie zu erfinden. In der aktuellen Roten Liste ist jetzt aber alles lateinisch.


    Mir persönlich geht es so: besser bekannte Pilze, wie den Maronenröhrling, spreche ich lieber deutsch an, während mir "Imleria" noch schwer von der Zunge geht. Bei Kleinzeugs versuche ich dagegen gar nicht erst, mir deutsche Namen zu merken - wer weiß denn schon, dass Entoloma exile auch "Schmächtiger Zärtling" heißt ?


    Man schreckt aber mit den Schlau-Namen schon viele Einsteiger ab, und die aktuell häufige Umkombiniererei macht es noch schwerer für alle.

    Gruß,


    Wolfgang

    Die ganzen Services, die dort angeboten werden, "erschlagen" mich momentan jedoch mit meinem Nichtwissen.

    Hi antoff,


    Du brauchst einfach fast alles:


    DNA Extraction --> Probe wird aufgearbeitet und DNA isoliert

    Standard Taq PCR Amplification --> DNA wird vervielfältigt, damit die Menge für eine Sequenzierung reicht

    Purification and Sequencing --> DNA wird sequenziert

    Sequence Alignment --> Sequenz wird mit Datenbank verglichen

    Phylogenetic Analysis --> Abweichungen werden mit statistischen Methoden bewertet

    Phylogenetic Tree Figure --> Darstellung der Ergebnisse als Ähnlichkeitsbaum


    Aber vielleicht lohnt sich gerade für Dich das Warten auf den "Erklär-Service", auch wenn's 2021 wird...


    Gruß,

    Wolfgang



    Hallo an alle,


    vergleicht den Stinkenden Stäubling (nigrescens/foetidum) auch mal mit diesem Bild

    Was soll ich bemerken nächtes Mal bei diesem Pilz um sicherer zu sein um welchen Pilz handelt es?

    Bei Stäublingen und vielen anderen: immer nur reife Pilze versuchen zu bestimmen. Dann ist es viel einfacher als bei Babys.


    Was aber typisch für den Beutelstäubling wäre und was ich vom Stinkenden nicht kenne, ist das Missverhältnis von dickem Stiel und kleinem Oberteil bei jungen Fruchtkörpern. Der Stinkende entwickelt sich gleichmäßiger, glaube ich. Dass er jung noch nicht so stinkt, wäre OK,


    Gruß,

    Wolfgang

    Hi Jörg,


    naja, ich finde foetidum schon auch erwägenswert, denn die braunen Spitzen kenne ich so vom Beutelstäubling nicht.


    Der Pilz ist halt ein Baby, da muss die Bestimmung nicht klappen. Ich weiß auch nicht, ob man bei einem so jungen Pilz schon mikroskopieren kann, dann wären die Poren im Capillitium ein gutes Unterscheidungsmerkmal.


    Also einfach wachsen lassen, in 2 Wochen ist die Sache klar, auch ohne Mikro...


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo antoff,


    einen Pilz zur Sequenzierung zu geben, ist nicht weiter schwierig: nicht zu heiß trocknen (am besten einfach in Scheiben auslegen, auf keinen Fall im Ofen!), eintüten, Brief versenden, Geld überweisen (so ca. 20 EUR).


    Einzelproben von Freizeitmykologen nimmt z.B. das Labor von Pablo Alvarado (viele Labors nehmen nur ganze Paletten = 96 Proben):


    alvalab.es - Inicio


    Schwieriger ist es, die Ergebnisse zu interpretieren. Pablo Alvarado hilft da auch (gegen Geld).


    Wenn Du viel Geduld mitbringst, kannst Du auch warten, bis die DGfM den nächsten Förderantrag startet. Da wollen wir eine oder zwei Halbtagsstellen für Mykologen schaffen, die nur genau das tun: unklare Pilzproben sequenzieren, auswerten, mit dem Finder besprechen, und ggf. bei der Publikation helfen. Wenn's gut läuft, startet das Ende diesen Jahres.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Antoff,


    gute Bilder, gute Beschreibung!


    die Cheilocystiden sind vom Bild kaum wegzudiskutieren, insofern würde das nicht zum Literatur-Konzept von sericeoides passen. Der Rest passt, m.E. auch die Sporen sind noch OK. Leider sond bei vielen Rötlingen die Zystiden nicht konstant.


    Nicht zu heiß trocknen und für eine Sequenzierung aufheben.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo,


    Dachpilze haben rosa Sporenpulver.


    Mal einen Fruchtkörper zum Aussporen über Nacht abdecken - ich bin mir recht sicher, dass dieser Pilz rein weißes Sporenpulver hat und auf den Namen "Gabeltrichterling" hört...


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Maria,


    sieht zwar schon dachpilzig aus, aber der Standort auf Halbtrockenrasen passt so ganz und gar nicht zu Pluteus ephebeus.

    Gibt es die Chance, dass dort Holz vergraben ist?


    Ansonsten muss man auf Deinen Halbtrockenrasen auf Kalk auch mit wirklich seltenen Sachen rechnen, so wie aus dem Entoloma plebejum-Aggregat.

    Wie ist denn der Lamellenansatz- ganz frei oder etwas angewachsen?


    Von dem dürftest Du mir ein paar getrocknete Lamellen und etwas Skalp schicken (so passt es in einen normalen Briefumschlag, in Alufolie eingeschlagen), dann ließe sich das sehr leicht klären.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    für das Böhmerwald-Projekt unter


    Welcome to Fungi Without Borders | Fungi Without Borders


    hat die DGfM immerhin schon (mit 75% EU-Mitteln) über 10.000 Bilder von sicher bestimmten Kollektionen von über 3.000 Arten angekauft.

    Der Folge-Förderantrag beim BfN (Bundesamt für Naturschutz) ist schon fast fertig.


    Wenn wir das irgendwann mit den ebenfalls hochwertigen Bildern auf pilze-deutschland.de auf eine Seite zusammenbringen können, und noch ein paar Tausend Bilder zukaufen, wäre die Abdeckung an Arten schon nicht so schlecht.


    Es gibt also Hoffnung... von allen >15.000 Arten inklusive Pyrenos, kleinen Ascos usw. sind wir natürlich weit entfernt, aber in ein paar Jahren die Röhrlinge und Lamellenpilze vollständig zu haben, hätte schon was.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    der Buckel schränkt die Auswahl an Arten schon etwas ein. Zusammen mit der frühen Erscheinungszeit spricht m.E. viel für die Art, die je nach Autor persistens, acutoconica oder subglobispora heißt (Rundsporiger Saftling oder Spitzgebuckelter Saftling, sofern das nicht beides eine Art ist).


    Ich gebe aber Oehrling recht, dass hier ein Bild nicht ausreicht, in diesem Fall reichen auch die von ihm genannten Saftlings-Muss-Merkmale nicht, sondern da muss ein Mikroskop zu Hilfe genommen werden.


    Grüße aus dem klimawandelgeplagten staubtrockenen Rheinhessen,



    Wolfgang

    Hallo nemrod,

    ich würde die "pseudo-freien" Lamellen als Trockenheitsschaden deuten:

    rechts im Bild sieht man noch Reste der Stielrinde, die die einzelnen Lamellen miteinander verbinden. Erst als der Stiel eingeschrumpelt ist, hat sich der Spalt gebildet. Ursprünglich waren die Lamellen breit angewachsen, wie es sich für eine Agrocybe gehört.


    Gruß,


    Wolfgang




    Hallo Michelle,


    für eine seriöse Bestimmung zeigst/nennst Du viel zu wenig Information.


    Ich wage trotzdem mal einen Tipp, denn so viele stattliche Pilze mit angedrückten, braunen Schuppen am Hut und starkem Gilben bei Verletzung fallen mit nicht ein:


    Agaricus augustus, der Riesenchampignon


    Das ist natürlich keine Essensfreigabe, denn es gibt auch einige seltenere giftige Champignons mit dieser Merkmalskombination.


    Grüße,


    Wolfgang


    EDIT: hat sich mit Werner überschnitten....

    Hallo Thiemo,


    ich kenne galochroa nicht, habe aber eben mal von Einhelliger bis Sarnari nachgelesen und mir fällt nichts auf, was gegen diese Bestimmung spricht.


    So einen eher seltenen Fund könnte man molekular absichern - hast Du noch ein Exsikkat?


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Thiemo,


    wenn Du weder Pileozystiden in SV siehst, noch inkrustierte Primordialhyphen in Karbolfuchsin, und dazu noch auffällige perlenkettenartige Huthaut-Elemente, müsstest Du m.E. eigentlich schnurstracks in der Sektion Amoenula landen (mit z.B. violeipes als häufigstem Vertreter).


    Wobei ich nicht weiß, ob Dein SV in Ordnung ist (manche kaufen das fertig gemischt und wundern sich, warum es kaputt ist).

    Auch denke ich, dass vom Karbolfuchsin nach 1 min(!) Waschen in HCl sich auch jede Inkrustation wieder entfärbt hat (ich wasche eher so 2 sek., und dann schnell mit Wasser hinterher).


    Du beschreibst die Sporen als "isoliert" - das kann ich anhand des mitgelieferten Mikrofotos fast nicht glauben. Hier nochmal Dein Bild geschärft und 'rausvergrößert. Auch wenn ein Foto niemals die gleiche Information liefert wie der Blick durch's Mikroskop, sehen die Warzen dort für mich schon sehr gratig verbunden aus.



    Ich hoffe, das hilft Dir.


    Viele Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    ich melde mich mal, weil nach der DGfM-Sicht gefragt wurde.


    Glücklicherweise haben wir keinerlei Erfahrungen, auf die man zurückgreifen müsste, das heißt in den letzten 10 Jahren ist uns weder ein zivil- noch ein strafrechtliches Verfahren gegen einen PSV zu Ohren gekommen. In einem älteren Fall, den ich nur vom Hörensagen kenne, konnte nachgewiesen werden, dass der Geschädigte nicht nur die durch den PSV begutachteten Pilze gegessen hat, sondern noch weitere im Kofferraum hatte.



    Aktuell gibt es ein Verfahren gegen zwei Ärzte:

    Zwei Ärzte nach tödlicher Pilzvergiftung angeklagt | hessenschau.de | Panorama



    Zu dieser Situation teile ich die Meinung nicht ganz:


    Zitat

    > Beispiel: Hobbysammler und Laie sitzen am Tisch vor ein paar grünen Knollenblätterpilzen und der Hobbysammler sagt „Ich biete dir diese Pilze zum essen an. Ich glaub das sind Champignons, bin mir aber überhaupt nicht sicher, könnte auch giftig sein. Musst du selbst entscheiden, ob du das Risiko eingehst“.

    Wer giftige Stoffe als Lebensmittel in Verkehr bringt, und dazu gehört nach meiner Kenntnis auch das Verschenken an einen Freund, verstößt gegen das Lebensmittelrecht (LFGB §5 Abs. 2, Nr. 1), darauf steht bis zu 3 Jahren Haft (LFGB §58).


    Der Unterschied zwischen einem "normalen" Hobby-Sammler und einem PSV wird im Zweifelsfall sein, dass der PSV außerdem mindestens fahrlässige Körperverletzung begeht, wo sich ein normaler Hobby-Sammler vielleicht noch mit eigener Unkenntnis herausreden kann. Allerdings bin ich selbst kein Jurist.


    Glücklicherweise eine sehr theoretische Diskussion...


    Grüße,


    Wolfgang