Hallo zusammen,
bei der vorgestrigen Exkursion mit den Pilzfreunden Kreuztal habe ich meinen ersten Risspilz aus einem bodensauren Laubwald mit eingestreuten Fichten mitgenommen; der Fruchtkörper wuchs einzeln. Anhand der fehlenden Cortina, dem ganz bereiften Stiel und der ± gerandet-knolligen Stielbasis habe ich bereits im Feld Inocybe mixtilis s.l. vermutet. Hier ein paar Makrofotos:
Spätestens bei den nodulosen Sporen war ich mir sicher, dass ich mich in der richtigen Artengruppe bewege:
Gestolpert bin ich direkt über ihre auffällige Größe:
Sporenmaße: 12,5 ± 0,6 µm × 9,5 ± 0,5 µm, Q̄ = 1,3 ± 0,1
Reichweite: 11,2–13,3 µm × 8,5–10,7 µm, Q = 1,2–1,5
n = 24
Aus dem Hymenium ragen prominent Pleurozystiden heraus:
Hier noch eine Kollektion:
Die Cheilozystiden sehen ähnlich aus, haben einen zumindest etwas betonteren Hals:
Im Hymenium stehen dicht gedrängt relativ dicke Basidien:
Hier eine Kollektion aus einem Quetschpräparat (sowohl zwei- als auch viersporige Basidien vorhanden):
Anhand dieser Daten habe ich mich bemüht, den Fund auf Artebene zu bestimmen und dabei dieses Paper zu Rate gezogen. Mit dem dortigen Schlüssel auf Seite 234 landet man mit einem Q-Wert von 1,3 sowie den auffällig erhabenen Höckern bei Punkt 4, womit nur noch Inocybe mixtilis s. str., I. ceskae und I. occulta übrigbleiben. Glaubt man dem Schlüssel, fallen aufgrund des zu niedrigen Q-Werts meines Funds auch direkt I. ceskae und I. occulta raus. Das ist auch mit Rücksicht auf andere Merkmale schlüssig, da die Zystiden fast alle deutlich größer als 50 µm sind, womit I. ceskae unplausibel wird, und die Hutoberseite nicht dunkel war, womit I. occulta aus dem Spiel ist.
An sich bliebe damit nur noch Inocybe mixtilis s. str. – und viele Merkmale passen wunderbar: auf saurem Boden, Hut mit deutlichen Gelbtönen, leichter Violettstich in den Lamellen, volva-artiger Knollenrand, Q-Wert von 1,3 und deutlich nodulose Sporen. Das, was mich aber abschreckt, dem Kind einen Namen zu geben, sind zwei Dinge:
- die gesichert übermäßig langen und breiten Sporen, die den Rahmen für alle Arten dieser Gruppe sprengen (Ich habe noch einmal mit dem Objektmikrometer sichergestellt, dass ich mit dem richtigen Pixel/µm-Wert rechne und die Sporen ein zweites Mal mit fast identischem Ergebnis ausgemessen)
- der folgende Satz aus dem Paper (S. 234): "Thus, I. mixtilis, I. ceskae and I. occulta, distinct species according to our phylogenetic analyses (Fig. 1), cannot always be reliably identified through morphological species recognition and we consider them ‘semicryptic’ species."
Da das der erste Risspilz ist, den ich unter dem scharfen Glas habe, möchte ich nicht der Illusion unterliegen, entscheiden zu können, ob bei meinem Fund eine zuverlässige morphologische Bestimmung möglich ist. Was denkt ihr dazu? Ditte Kannst du mir als Co-Autorin des Papers helfen?
Ich freue mich auf eure Antworten!
Herzliche Grüße,
Vitus
