Tomentella bryophila, fungicol auf Cantharellus

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 436 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tomentella.

  • Moin,


    beim heutigen Abernten der Pfifferlinge war ich an einer Stelle, wo auch ältere Exemplare standen. Eines hatte einen Befall, der auf mich grünlich wirkte. Die Fotos sehen das etwas anders, man darf sich etwas Grünton dazudenken. Wegen Verdacht auf Hypomyces mitgenommen. Ganz was anderes, Sonnige Sporen, gelb, rund und mit Stacheln. Hyphen mit überdeutlichen Schnallen. Basidien, bzw. was ich dafür halte. Sieht also ganz wie Tomentella aus. Die soll nun aber eher nicht parasitisch sein. Allerdings gibt es eine Art, die da heißt fungicola - und von der darf man ja wohl erwarten auf Pilzen zu wohnen. Beim Vergleich mit Franks Seite passt da eigentlich alles. Tomentella

    in Wasser, Sporen ca. 9 µm ohne Stacheln


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd, danke für den Beitrag, sehr interessant.


    Zur Auflösung kann ich nichts beitragen, aber ich habe eine Frage zur Bestimmung.

    Laut Beschreibung im Thelephora/Tomentella Schlüssel und Mikroskizze von Elia Martini

    sollte die Art Rhizomorphen, dimitisch mit Skeletthyphen haben.

    Konntest du diese sehen?


    Wenn nicht, wie lässt sich die Art im Schlüssel von den anderen spitzstacheligen Thelephora im Umfeld T. fungicola abgrenzen?


    Gruß Armin

  • Hallo Armin, also ich hab ja nicht wirklich Ahnung von Pilzmikroskopie. Meine Hauptidee ist der Name "fungicola" = "auf Pilz lebend". Das machen Tomentella normalerweise nicht, meiner aber schon. Frank hatte eine Publikation "Tomentella alpina and other tomentelloid taxa fruiting in a glacier valley" 2011, (pdf im Web zugänglich), wo er den Typus der Art untersucht. Falls ich es nicht überlesen habe, fehlt darin aber eine Angabe auf welchem Pilz der denn gewachsen ist. Auch auf der Webseite stehen solche Angaben nicht. Ebenso fehlt abgesehen vom Foto des Typus Fotos der Art in situ oder wenigstens frisch. Ich finde auf Pilz wachsend schon eine sehr wichtige Eigenschaft bei der Festlegung/Bestimmung einer Art. Weder pilze-deutschland noch gbif listen die Art, aktuelle Funde scheinen knapp zu sein bzw. auch der Status der Art als eigene Art oder Synonym.


    Was die Skeletthyphen anbelangt, so halte ich es für wahrscheinlich, dass die im letzten Bild gezeigten, deutlich dunkleren Hyphen damit gemeint sein könnten. Davon ab lasse ich mir gern erklären, was genau untersucht und gefunden werden soll. Falls Interesse besteht.


    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich würde dem Wuchsort nicht zuviel Bedeutung beimessen. Thelephoras sind ja Mykorrhiza-Pilze, die ihre Fruchtkörper einfach da wachsen lassen, wo gerade Platz ist: Auf dem Erdboden, auf Totholz oder eben auf einem Pilz, der nicht schnell genug weggelaufen ist.


    Björn

  • Hallo Bernd,

    also wenn du "nun wirklich keine Ahnung von Mikroskopie" 🤔hast, dann gibt es für meine Kenntnisse keine Kategorie.

    Mir fehlen aber sicher die Lateinkentnisse

    sonst hätte ich wahscheinlich diese Fragen so nicht gestellt.

    Die im Schlüssel erwähnten Skellethyphen konnte ich auf deinen Fotos nicht wirklich erkennen.

    Ich denke das wird dann schon alles so passen. Danke für den Hinweis auf die Abhandlung von Frank Dämmrich.

    Gruß Armin

  • Hallo zusammen,


    zu den Rhizomorphen: Die müßte man, wenn sie vorhanden sind, als deutliche "Seile" aus verwebten Hyphen im Mikrobild finden. Ich hänge als Beispiel mal zwei Bilder von T. umbrinospora an:



    Noch deutlicher konnte ich sie bei Odontia fibrosa sehen, da waren sie auch schon makroskopisch am Rand des Fruchtkörpers erkennbar:


    Björn

  • Hallo allerseits, danke für die vielen Hinweise und Links. Ich habe jetzt die Originalbeschreibung gelesen. Da die lateinisch ist, ist es offensichtlich, dass der lateinische Begriff "funGicola" ein erheblicher Bestandteil dieser Beschreibung ist. Es steht also da, an ganz prominenter Stelle, dass der auf Pilz wohnt (evtl. alt, nicht mehr bestimmbar, aber Pilz). Es steht da, auf Rindenstücken von A.b. - es steht aber nicht da, ob abgefallen am Boden, oder am lebenden Baum und in welcher Höhe. Und was auf der Rinde sonst noch so alles war. Jemand der im 19. Jh. Arten beschrieb, konnte mindest so gut Latein wie der Durchschnittswissenschaftler heute Englisch. Warum hätte er irreführend einen solchen Namen vergeben sollen? Wenn man willkürliche Namen braucht, dann nimmt man Ortsnamen oder Personennamen. Meines Erachtens steht -cola ("lebend") in Namen für eine obligatorische Eigenschaft - die Art ist immer dort anzutreffen (was natürlich bei einem Beleg schwer zu vermitteln ist, dass das geprüft wurde), während das griechische -phila "liebend, mögend", wie in (beide Teile wieder griechisch) bryophila "moosliebend" etwas schwächer ist und eine Tendenz anzeigt. Kommt denn T. bryophila gelegentlich auf Moosen vor? Doch wohl schon?


    Beim ersten Mikroskopieren hatte ich natürlich nur ein Stückchen von oben genommen. Und damit den Unterbau gar nicht dabei.

    Das reiche ich jetzt nach. Links wären in grau die dicken Skeletthyphen, dann das Büschel heller Fasern auch mit Schnallen und rechts der fertile Überbau

    Der Flecken auf dem Pfifferling reicht nicht bis zum Boden. Wie soll das da mit der Mykorrhiza funktionieren? Hat der den gleichen Mykorrhizapartner und hat da eben mit angedockt? Wenn der Befall auch am Boden gewesen wäre, hätte ich den wohl gar nicht mitgenommen. Vielleicht ist er über ein Stöckchen oder eine Nadel hochgekrabbelt


    Ja, der Apikulus wird in Melzers braun.

    LG, Bernd

  • Hallo Bernd,


    auf deinem Mikrofoto kann ich keine Hyphenstränge und keine Skeletthyphen sehen. Skeletthyphen haben keine Septen und demzufolge auch keine Schnallen. Die Dickwandigkeit macht sie noch nicht zu Skeletthyphen. Bei den Fotos von Björn sind sie deutlich zu sehen.

    Da der Apikulus der Sporen amyloid ist, bin ich bei Thelephora bryophila.

    Kommt denn T. bryophila gelegentlich auf Moosen vor? Doch wohl schon?

    Bis jetzt habe ich 131 Funde von T. bryophila, aber davon keinen an Moosen. Soviel zu Namensgebungen.

    Von T. fungicola gibt es übrigens nur den Typusfund, keinen weiteren!


    LG

    Frank

  • kruenta

    Hat den Titel des Themas von „Tomentella fungicola (vmtl.) auf Cantharellus“ zu „Tomentella bryophila, fungicol auf Cantharellus“ geändert.