Schleierlingsfund: Thaxterogaster purpurascens ohne Nadelbäume?

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 368 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von mik.

  • Hallo zusammen,


    ich habe gestern diesen Cortinarius gefunden, bei einem kleinen Baumbestand zwischen Wiesen im nördlichen Niedersachsen. Hutdurchmesser ca. 8cm, Lamellen ausgebuchtet angewachsen. Ein starker pilziger Geruch, den ich als angenehm würzig empfinde, wie von einem guten getrockneten Pilzpulver. Sporenpulver Kastanien- bis dunkelbraun, so wie man es von den verfärbten Lamellen in Bild 3 her erwarten würde. Das Fleisch ist beim Anschnitt hell mit einem Violettstich, wird dann innerhalb von ein paar Minuten etwas kräftiger lila, so wie auf Bild 4 zu sehen. Mein makroskopischer Bestimmungsversuch bringt mich zu Thaxterogaster purpurascens (auch: Cortinarius purpurascens), dem Purpurfleckendem Klumpfuß. Was mir nicht so gut zu passen scheint ist einerseits die trockene Huthaut (trotz zumindest halbwegs feuchter Witterung) sowie das völlige Fehlen von Nadelbäumen in der Umgebung des Fundorts. (In der Literaur finde ich Nadelwald und Nadelmischwald als Biotop angegeben.) Und ein bisschen auch die Tatsache, dass es in ganz Niedersachsen nur 4 Kartierungen gibt.


    Was meint ihr zu diesem Bestimmungsvorschlag? Geht ihr da mit? Oder habt ihr andere/bessere Vorschläge? Vielen Dank schon mal!


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  • Hmmm, und wo sind die purpurnen Flecken?


    Rein optisch würde ich den (du schriebst ja von trockener Huthaut) bei den Dickfüßen einsortieren.


    Wenn du Lugol oder Melzers Reagenz hast, schmier doch mal was davon auf das angeschnittene Fleisch, das müsste sich dann brombeersaftrot verfärben, wenn der zu den Purpurascentes bzw. Scauri gehören sollte..


    FG

    Oehrling

    PSVs dürfen weder über I-Net noch übers Telefon Pilze zum Essen freigeben - da musst du schon mit deinem Pilz zum lokalen PSV!

  • Hallo Oehrling,


    danke für die Rückmeldung. Wo und welcher Art genau müssten die purpurnen Flecken denn sein? Ich habe eine ganze Reihe von Artbeschreibungen durchgelesen, aber nichts Erhellendes dazu gefunden.


    Lugol oder Melzer habe ich leider (noch) nicht. Mir ist im Prinzip schon bewusst, dass Cortinarien ohne Chemie und Mikroskop schwierig ist. Aber manchmal geht ja trotzdem was.


    Hast du vielleicht noch konkretere Artenvorschläge, mit denen ich vergleichen könnte?


    Vielen Dank nochmal!

    mik.

  • Hallo zusammen


    Also für mich sieht das schon nach einem Phlegmacium, da man auf dem zweiten Foto gut sieht, wie Gras am Hut kleben geblieben ist.


    Für mich wäre hier Cortinarius purpurascens oder Cortinarius subpurpurascens auch eine gute Idee, ich meine die purpurnen Flecken auf dem ersten Foto links zu sehen. Ich habe es mal rot eingekreist:



    Vielleicht kannst du den Stiel nochmal genau anschauen, aber für mich sieht das schon nach diesen Flecken aus und damit wären der Purpurfleckende Klumpfuss - Cortinarius purpurascens oder der Falsche Purpur-Klumpfuss - Cortinarius subpurpurascens aus meiner Sicht schon sehr gute Kandidaten sein. Welche Bäume gab es denn in der Umgebung? Wenn es wirklich keine Nadelbäume und nur Laubbäume gab, käme wahrscheinlich eher der Falsche Purpur-Klumpfuss - Cortinarius subpurpurascens in Frage. Laut Ludwig kann Cortinarius purpurascens nur ausnahmsweise bei Laubbäumen vorkommen. Vielleicht schaut Uwe Cortinarius später ja noch kurz hier rein.


    LG
    Benjamin

    Mit meinen Beiträgen gebe ich lediglich meine persönliche Einschätzung/Meinung ab. Sie sind nur als Vorschläge zu werten und es gibt damit insbesondere keine Verzehrsfreigaben meinerseits. Eine sichere Bestimmung sowie Verzehrsfreigabe kann nur der Pilzkontrolleur bzw. Pilzsachverständige vor Ort geben.

    Einmal editiert, zuletzt von ibex ()

  • Die Verfärbung ist an der Stelle entstanden, an der ich den Fruchtkörper angefasst habe, um ihn herauszudrehen. Ist es das, was Öhrling mit den "purpurnen Flecken" gemeint hat?


    Die Fundstelle war direkt unter einem Bergahorn, in der näheren Umgebung gab's außerdem Feldahorn, Esche, Eiche, Weide (die letzteren beiden nicht näher bestimmt). Nach Nadelbäumen habe ich explizit Ausschau gehalten, da waren keine im weiteren Umkreis.

  • Servus beinand',

    das ist schon einer aus den Purpurascentes.

    Der färbt auch deutlich purpurn.

    Nur mit dem einen Fruchtkörper in fortgeschrittenem Alter ist eine nähere Zuordnung schwierig.

    Vllt findest Du an gleicher Stelle mal eine schöne Kollektion.

    Neben C. purpurascens könnte auch C. collocandoides infrage kommen.

    An liabn Gruaß

    Werner

  • Danke für die Hinweise! Zwei Fruchtkörper, beide ungefähr gleichen Alters, gab's an der Fundstelle. Aber ich komme dort öfters vorbei, vielleicht habe ich ja ein andermal mehr Glück und finde eine Kollektion.


    C. collocandoides hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm, das war ein sehr hilfreicher Tipp! Scheint ja ein bisschen "C. purpurascens ohne Nadelbäume" zu sein ;) Ich habe hier https://www.sciencedirect.com/…cle/pii/S1468164115000043 einen Schlüssel für die betreffenden Arten gefunden. "Usually in acidic oak woods" für C. collocandoides würde schon halbwegs zu meinem Fund passen, aber ohne Sporenmessung etc. wird es wohl bei Vermutungen bleiben.


    Wieder was gelernt, danke schön!