Welches Gedicht hat Euch am Besten gefallen? Ihr dürft eine Stimme vergeben. 7
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Das Eldorado (3) 43%
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Der Schwarzhex, ja der helf ich gern! (4) 57%
Liebe Freunde der fungiphilen Dichtkunst.
Die Abstimmung zum Pilzgedicht des Monats August ist äußerst knapp ausgefallen.
Zwei Gedichte konnten mit 4 Stimmen gemeinsam in Führung gehen und stehen nun in einer Stichwahl.
Bitte stimmt in einer Entscheidungswahl ab:
Welches der beiden Gedichte soll das Pilzgedicht des Monats August werden?
Ihr könnt abstimmen bis Samstag, den 12.09.2026 23:59 Uhr.
Das Eldorado
Meinen ersten Pilz habe ich hier gefunden, das ist wahr.
War es noch ein Pfiffi, Marone, oder Steini gar?
Das ist schon viel zu lange her,
hab daran keine Erinnerung mehr.
Aufgewachsen bin ich in diesem Wald darin.
Wenn's nur irgendwie ging, bin ich mit den Eltern hin.
Oder zur Not mal auch mit den Verwandten.
Gesammelt wurd' halt nur, was wir auch kannten.
Ein paar verschiedene Röhrlinge und der Pfifferling.
Selten auch mal ein Milchbrätling. Das war ein Ding!
Alle anderen, die wir da nicht kannten,
waren jene, die wir pauschal als Giftige benannten.
So kam es natürlich viele Male vor -
die Stimmen habe ich immer noch im Ohr -
dass umsonst wir zogen unsere Bahnen,
und anschließend nach Hause gingen mit hängenden Fahnen.
"Da kannst nichts finden, da ist nichts drin!
Komm, fahren wir zu einem anderen hin!
Was hilft es denn, wenn du ihn zu Fuß erreichen kannst,
und dann bleibt er doch wieder leer, unser Wanst?
Diesen Wald können wir getrost vergessen.
Hier findest du nichts, was kannst du essen.
Ich gehe hier gewiss nicht mehr rein.
Dieser Wald kann mir gestohlen sein!"
Angestachelt von den unbekannten Funden,
begann ich die "Giftigen" zu erkunden.
Das war für mich fürwahr nicht leicht.
Es bringt nicht viel, wenn man nur ein Bild abgleicht.
Und so habe ich - erst im Kleinen, dann im Großen
mir eine Art nach der anderen erschlossen.
Plötzlich merkte ich, ja das ist doch famos,
die Vielfalt, ja die ist hier riesengroß!
Im Wald bin ich noch gar nicht richtig angekommen,
hab schon gleich was wunderbares ich vernommen.
Dreh um einen Stumpf so meine Runden,
nebenbei meine allerersten Stockschwämmchen ich hab gefunden!
Muss gar nicht weit gehen, jawoll, jippie!
Steht er gleich da, ein Pracht-Flockie!
Der nächste Grund, warum ich mich bucke,
ist eine schöne Krause Glucke!
Dann erreiche ich eine spezielle Stelle.
In dem Koniferenwald ist es nicht wirklich helle.
Besonders an ihm, ein Jahr ist der Boden kahl.
Im nächsten Jahr steht da alles voll!
Würz'ger Tellerling, Kuhmaul, Ledertäubling,
Semmelgelber Schleimkopf, Perlpilz, Gifthäubling.
Knollinger Schleierritterling, Schopftintling,
Saitenstieliger und auch Echter Knoblauchschwindling.
Was es dort zu finden gibt, ist famos.
Noch dazu ist das Waldstück nicht wirklich groß.
Auf der anderen Straßenseite geht es weiter.
Was dort wächst, macht mich wirklich heiter!
Edelreizker stehen dort gern dicht an dicht.
Auch die Butterpilze verschmäh' ich nicht!
Zwischen einigen Fichten und Weymuthskiefern,
lass ich mir die nächsten tollen Funde liefern.
Während die Reifpilze im Blaubeerbusch drin steh'n,
habe ich die Elfenbeinröhrlinge am Weg geseh'n.
Weiter hinten die Königsröhrlinge thronen,
Ein Stück da runter Semmelstoppler wohnen.
Da draußen bei der Lichtung, hab ich mal geseh'n,
dort stehen gern ein paar wilde Orchideen.
Wenn ich mich dann weiter troll'
steht mit Braunen Raslingen alles voll.
Wieder rein, noch ein Stück, bei den Lärchen hinten
Kann man Hohlfuß- und Goldröhrlinge finden.
Bei den geschlag'nen Fichten, später im Jahr,
stehen Graublättrige Schwefelköpf, wunderbar!
Ich könnt noch lange weiter machen.
Hier gibt es ja so viele tolle Sachen!
Doch wenn ich jemand' frag, ob er mitkommen will,
heißt es nur: "Ach, sei mir still!
Da kannst nichts finden, da ist nichts drin!
Komm, fahren wir zu einem anderen hin!
Was hilft es denn, wenn du ihn zu Fuß erreichen kannst,
und dann bleibt er doch wieder leer, unser Wanst?
Diesen Wald können wir getrost vergessen.
Hier findest du nichts, was kannst du essen.
Ich gehe hier gewiss nicht mehr rein.
Dieser Wald kann mir gestohlen sein!"
Ich nicke bloß nett und denke mir:
Wennst nichts finden willst, dann bleib doch hier!
Hier ziehe ich doch liebend gerne meine Runden.
Nichts weniger, als ein Eldorado, das hab ich gefunden.
Mitten in der Nacht weckt mich ein schriller Heulton auf.
Das Tatü-tata, das kommt zuhauf.
Was wird denn da schon wieder passiert sein?
Mit lauter'm Grübeln schlaf ich irgendwann wieder ein.
Am nächsten Morgen dann der Riesenschock,
als ich grad an den Jalousien hock'!
Ich ziehe sie ein Stückchen hoch,
bis ich erkenne, was ich die ganz' Zeit schon roch!
Wie jeden Tag schau ich hinüber zu meinem Wald.
Ein Schauer läuft mir den Rücken hinab, furchtbar kalt!
Da drüben, wo bis gestern noch mein Eldorado stand
ist jetzt alles in gar vollstem Brand!
Zig kühne Helfer mit Schläuchen in den Armen,
kämpfen gegen's Feuer mit null Erbarmen.
Helikopter rattern durch die Lüfte mit großer Eil',
Um zu erreichen, dass noch was bleibt heil!
Nun kämpfen sie schon seit vielen Tagen.
Es ist umsonst. Ich höre sie bis hier her zagen.
Der Wald ist nicht mehr da, wie weg gekehrt.
Zum Glück blieben alle Häuser unversehrt!
Es war wohl eine weggeworf'ne Zigarette.
Wie gern ich den erwischt doch hätte.
Oder auch ein zerbroch'nes Glas.
Ich war erschüttert, als ich das erstmals las!
Das Feuer schien erst noch ganz klein.
Nicht größer als ein Has' soll's gewesen sein.
Doch dann erreichte es die trock'nen Kiefern,
die einem Feuer massig Brennstoff liefern.
In Kürze brannte alles lichterloh!
Dass uns nichts passiert ist, bin ich nun froh.
Mein Eldorado ist verschwunden jetzt.
Ich hatte meine Freude an ihm bis zuletzt.
So blicke ich auf das große Grauen hin.
Kann noch immer nicht beschreiben, wie geschockt ich bin.
Verkohlte Stümpfe ragen nun empor
wo mein zweites Zuhause war, bis kurz zuvor.
Da kannst nichts mehr finden, ist nichts drin!
Muss nun fahren zu einem anderen hin!
Was hilft es denn, wenn du ihn zu Fuß erreichen kannst,
und dann bleibt er doch nur leer, mein Wanst?
Diesen Wald kann ich getrost vergessen.
Hier findest du nichts mehr, was kannst du essen.
Ich gehe hier gewiss nicht mehr rein.
Doch wird er immer in bester Erinnerung mir sein!
Der Schwarzhex, ja der helf ich gern!
Die Schwarzhex sagt, sie mag nicht mehr
und ist total gefrustet.
Ein neues Hobby das muss her,
sie findet keine Pilze.
Nichts wächst bei dieser Höllenglut,
kein Perlpilz und kein Reizker.
Drum irrt sie rum und findet nichts
und wird noch viel gereizter.
Die Erderwärmung, die ist blöd
es regnet keinen Tropfen.
Die Kehle wird nun auch schon dörr,
her mit dem Saft aus Hopfen!
Die Schwarzhex denkt, was mach ich nur?
Sie kann ja nicht nur malen.
Und Stricken ist ihr auch zu doof,
sie schnappt sich die Sandalen.
Ein neues Hobby das muss her
doch was - oh Pilzgott - was???
Was Neues finden ist soo schwer,
denn alles macht kein‘ Spaß.
Die Rendel kann sie gut verstehn,
auch hier ist’s viel zu trocken.
Geht nochmal raus in Wald und Flur
vielleicht kann sie was rocken.
Ein Waldbrand wäre jetzt ganz schön
auf der verkohlten Fläche
spätestens heut in einem Jahr
wachsen dort viele Becher.
Die Schwarzhex die ist wirklich nett,
der hilft die Rendel gern.
mit einem Grinsen im Gesicht
zieht Rendel an der Zigarett….
Bitte jetzt nicht beschweren….

