Mai 2026
Vogel- quietschen- meistens
von Suku
Von Drosseln und anderen Defekten
Die Drossel übt im Wald Gesang,
Der einst die Lüfte hell durchzog.
Nun quietscht es nur, ein schräger Klang,
Die Stimme fort, der Ton verflog.
Zur Uhl geht jetzt der erste Gang,
Die Krummes oft schon gerade bog.
Die Eule blinzt mit weisem Blick,
Und rät zum Tee aus Kräutern mild.
Der Ton ein fiepsend' Missgeschick,
Kein Lied erklingt, es quietscht nur wild.
"Ein Sud aus Pilzen - alter Trick",
Dem Schnabel nur ein "Quieeek" entquillt.
"Mit Bienenwachs wird alles gut,"
Und: summe tief im Morgenlicht"
Zaubert die Uhl aus ihrem Hut,
Die Drossel klingt, als hätt' sie Gicht.
Langsam vergeht ihr letzter Mut,
Ihr schwindet jede Zuversicht.
Krächzend kriecht die Drossel weiter.
Am Boden, in 'ner Fahrradtasche,
(Es dürstet sie, so wie kein Zweiter,)
Findet sie 'ne kleine Flasche.
"Kettenöl? Hilft das jetzt weiter?
Egal, ich trink' was ich erhasche".
Kaum rinnt das Zeug die Kehle runter,
Da löst sich Kratzen, Stein und Rost.
Das Vöglein singt so hell und munter
Viel lieblicher, als je erhofft.
Dank Öl ist uns're Welt viel bunter.
Die Eule weiß: so ist das meistens oft.
