Ein paar Funde von der trockenen Magerwiese

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema, welches 1.030 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von thorben96.

  • Hallo Pilzfreunde, ich habe mal die besten Funde von der recht trockenen Magerwiese zusammengestellt.


    Wie immer gilt, meine Bestimmung ist nur makroskopisch Art und bleibt damit nur eine Einschätzung, die oft nur bis zur Gattung führt.



    1. Entoloma griseocyaneum: Dieser wunderbare Rötling konnte ich in allen Entwicklungstufen finden und bewerten. Daher zeigen ich Ihn euch auch.

    Die Merkmale umfassen einen ab dem Jugendalter mit flockenbesetzten braunen Hut. Die Lamellen sind farblich und von der Form eher unaufällig,

    Aber der überfaserter blaugraueviolette Stiel ist bei jungen FK einmalig. Sein Profil wird durch sein frühes Erscheinen und dem neutralen Geruch und Geschmack abgerundet.

    Dieser Rötling ist bei der Betrachtung einer Kollektion sehr gut bestimmbar. Sogar die deutsche Bezeichung ist sehr zutreffend, Flockenschuppiger Zärtling, Graulilastieliger Zärtling.







    alt




    2. Hypomyces: Ich halte meinen Fund für einen parasitärischen Schlauchpilz der Gattung Hypomyces. Der Wirt ist immer eine Entoloma unbekannter Art. Diese Gattung beinhaltet

    recht viele Arten, die aber oft oder in der Regel auf einen Wirt spezilisiert sind und Börn war so nett mir sofort die Art auf meinen Erdzungen zu benennen (Hypomyces papulasporae).

    Nun gut, wir suchen nach einer Hypomyces die nur auf Entoloma parasitiert. Gefunden habe ich Hypomyces porphyreus. Bernd und Thorben haben dies schon diskutiert.

    Hier muss noch einiges mikroskopisch oder genetisch geklärt werden. Hauptfruchtform (ASCI sporen) oder Nebenfruchtform. Viele Bilder gibt es im Netz nicht, der INaturalist mit

    Nordamerikanischen Funden und der verstorbene Mykologe Matthias Lüderitz hat diese Art 2 mal in Nord-Deutschland nachgewiesen.


    Beschreibung der FK: Ich durfte einige Einzelexeplare und auch Gruppen auf einer kleinen Wiese in meinem Lieblingsgebiet finden. Die FK wirken im ganzen bereift, dem Subikulum.

    Die Konsistenz der FK war nur geringfügig etwas fester und konnte nicht leicht entfernt werden. Im besonderen fällt die Defomation der Sporengeber auf. Ein unreifer Befall konnte

    ich auch noch finden und abbilden. Im Bild ist der Wirt besser zu erkennen.








    Noch unreife Version





    4. Myxo aus der Gattung Craterium: Die gestielte Porokarpe ist Pokalartig und hat ein gelbes abgegrenztes Plasmodium. Diese sind nur 0.5 bis 0,7 mm breit und das Substart ist ein

    Laubholzblatt. Es gibt sehr viele Arten. Makroskpisch könnte ich mir gut C. Minutum vorstellen. Ulla kann uns bestimmt erhellen :).







    3. Resupinatus: Ein gruppe kleiner grauner Zwergseitlinge auf in forgeschrittener Zersetzung befindlicher Pinus-Ast. Dort gibt es einige Arten, die in Frage kommen. Eingrenzend dürfte

    sich noch das Substrat (Nadelholz) sein.






    5. Marasmus: Eine Gruppe sehr kleiner Zwerg-Schwindlinge im Nadelstreu einer Fichte. Bei einerm Kopfdurchmesser von kleiner 0.5 cm kommt wohl eine andere Art als M.wettsteinii

    nicht in betracht, oder?





    6. Clathrus archer: Ein Mistkräfer, nicht näher bstimmt, badet genussvoll in Clathrus archer. Ein beeindruckendes Schauspiel, dass ohne Nasenklammer nicht auszuhalten ist.





    7. Lepiota: Mitten in der größten Trockendheit finde ich mitten auf dem Waldweg einen sehr kleinen Schirmling mit 1 cm Hut und 2 Stiellänge. Die auffallenden Parameter sind

    der sehr feinschuppige Hut mit braunroter Mitte. Der Stiel hat eine leicht Pseudoringzone mit abstenden spitzen Schuppen. Der Stiel ist gekrümmt und wird basal deutlich dunkler.

    Des weiteren finde ich einen sehr fein gezackten Hutrand. Der Geruch ist deutlich süßlich und fruchtartig. Von einer Geschacksprobe habe ich nätürlich Abstand genommen.

    Wie findet Ihr den Arbeitstitel L. apatelia?







    Zum Abschluss noch ein paar Impressionen, die ich einfangen konnte:








    Ich hoffe ich konnte euch ein wenig mitnehmen und es hat gefallen


    lg Rainer

  • magicman

    Hat den Titel des Themas von „Eine paar Funde von der trockenen Magerwiese“ zu „Ein paar Funde von der trockenen Magerwiese“ geändert.
  • hallo Rainer,

    den Myxo hast Du richtig bestimmt: Craterium minutum.

    Schöne weitere Funde! Danke fürs Mitnehmen.

    VG Ulla

  • Hallo Rainer,


    deine Nr.2 zeigt keine Hauptfruchtform, daher ist es meiner Meinung nach auch keine Hypomyces porphyreus.

    Vielleicht ist es eine Mycogone, aber das muss man Mikroskopisch absichern.


    VG : Thorben

  • Hallo Thorben, das Hypomyces porphyreus nur eine Teleomorphe Form bildet habe ich auch schon gelesen.


    Kannst Du bitte etwas näher beschreiben, warum dieser Befall kein Hypomyces und auch keine Teleomorphe sein kann!?

    Und welcher Gedankengang dich an eine Mycogone denken lässt?


    Vielen Dank für deine Hilfe und Einschätzung


    lg Rainer

  • Hallo Rainer,


    die Mycogone ist auch Hypomyces, nur halt eine Anamorphe Variante und eine ältere Bezeichnung dafür.

    Hypomyces hat zum Beispiel auch Cladobotryum, Verticillium und Sepedonium Anamorphen.

    Aber, es kommt nicht selten vor, dass Gattungen Neubeschrieben werden und Arten dort einsortiert werden.


    Eine Teleomorphe bildet geschlossene Fruchtkörper, daher die Sporen werden im inneren gebildet und bei Reife freigesetzt.

    Eine Anamorphe bildet die Konidien frei ohne Frk. und ohne zum Beispiel Asci oder Basidien.

    Da ich keine Teleomorphe erkennen kann, denke ich an eine Anamorphe.

    Es kann auch vorkommen, dass sich eine Teleomorphe aus einer Anamorphe bildet.

    So hart es auch klingen mag, aber das Ganze spekulieren bringt nicht viel, wenn dein Fund nicht Mikroskopiert wird.


    VG : Thorben

  • Wenn man die Mikromerkmale hätte,

    Hallo Harald, leider hat sich meine Situation nicht geändert. D.h. es ist kein Mikro vorhanden.

    Solltest du den Drang verspüren, mein erstellten Beleg untersuchen zu wollen, sende ich dir gerne diesen zu.


    LG Rainer

  • Hallo zusammen,


    ich habe mir den Befall auf der Entoloma angeschaut und muss leider sagen, dass ich ihn nicht bestimmen kann.

    Es ist auf jeden Fall eine Anamorphe, die Verticillium-like Konidienträger hat.

    Eine Hypomyces oder Mycogone würde ich eher ausschließen, denn es gab auch keine Chlamydosporen.

    Hier sind die Bilder:
    1.


    2.


    3.


    Vielleicht gibt es in der nächsten Zeit noch die Erkenntnis.


    VG : Thorben

  • Guten Morgen Thorben,


    trotzdem vielen Dank für deine Mühe.


    Ist die Genetische Untersuchung für einen solchen Befall möglich und sinnvoll? Kennt jemand Institute, die sich für solche Arten interessieren?


    Dann noch etwas in eigener Sache.

    Sind diese Arten gesundheitlich bedenklich und mit Vorsicht zu betrachten!?


    LG Rainer

  • Hallo Rainer,


    ob eine genetische Untersuchung sinnvoll ist hängt davon ab, was du damit bezwecken willst.

    Wenn das eine neue Art sein sollte, dann wäre eine Neubeschreibung sinnvoll.

    Sinn macht dies aber nur, wenn auch eine Kultur möglich ist.

    Dein Material ist dafür zu alt, denn je älter das Material, desto geringer die Chancen eine erfolgreiche Kultur zu bekommen.


    Sind diese Arten gesundheitlich bedenklich und mit Vorsicht zu betrachten!?

    Das weiß ich nicht. Ich würde mal behaupte, dass ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt auch davon ab wie Gesund diese ist.

    Aber in der Luft sind auch viele Sporen unterwegs.


    VG : Thorben