Verwildeter Zitronenseitling Pleurotus citrinopileatus?

Es gibt 8 Antworten in diesem Thema, welches 477 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Austernseitling.

  • Liebe Pilzmenschen


    Heute habe ich in einem öffentlichen Park am Stadtrand auf einem Barfussweg für Kinder einen büschelig gewachsenen Seitling gefunden. Es ist mir nicht ganz klar, ob er in den Holzschnitzeln oder im Laubholzrugel daneben wächst. Jedenfalls ist da Totholz und es ist dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Substrat aus der Pilzzucht entsorgt worden. Leider sind die Fruchtkörper nicht mehr ganz frisch. Es zeigen sich klar gelbe Stellen auf den Hüten.
    Es scheint sich mir um den Zitronenseitling Pleurotus citrinopileatus zu handeln.

    Könnt ihr das aufgrund der Fotos bestätigen? Oder glaubt ihr eher an einen Lungenseitling, der sich seltsam gelb verfärbt hat? Ich kenne die Lungenseitlinge und Sommer-Austernseitlinge jedoch eher etwas anders geformt. Geruchlich ist das für mich einfach typisch Seitling.


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    Ich werde mal einen Fruchtkörper trocknen, um der Sache allenfalls auf den Grund gehen zu können. Der Zitronenseitling wurde in der Schweiz nämlich erst dreimal gemeldet aus der freien Natur. Er stammt aus Ostasien und wird fleissig gezüchtet bei uns. Er ist also ein Neomycet. In Nordamerika gilt er als invasiver Neomycet und breitet sich seit einigen Jahren stark aus in der Natur - in Europa noch nicht. Offenbar liebt er Wärme. Letzteres würde bestens passen zum derzeitigen Fundzeitpunkt.

    Eine Vermehrung über Sporen ist in der Schweiz für den Zitronenseitling noch nicht wirklich nachgewiesen. Es dürfte sich in diesem Fall aber so ereignet haben. Direkt nebenan befindet sich ein Wohnquartier mit Einfamilienhäusern und grossen Gärten. Sehr wahrscheinlich wurde er dort irgendwo gezüchtet.


    Siehe auch: https://www.waldwissen.net/de/…n-verwilderter-zuchtpilze


    Vielen Dank für eure Hinweise.


    Liebe Grüsse

    Andreas

  • Hi.


    Sieht für mich sehr danach aus. Da unbedachte Mitmenschen die Art sicher auch im Freiland anbauen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass sich die Art bei uns auch ausbreitet.


    LG.

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  • Hallo,

    irgendwie paßt das gut. Wir haben gestern von einer Pilzfreundin ebenfalls eine Meldung dieses Zitronenseitlings aus einen Auwaldstück nahe bei Merseburg erhalten.

    An dem gleichen Stamm waren weitere Rillstielige Seitlinge mit "normaler" Farbe.




    Da kam bei mir eine Erinnerung hoch aus dem Jahr 2000. Da hatte unsere Fachgruppe eine Exkursion auch in einen Wald in der Nähe durchgeführt. Damals waren die Rillstieligen Seitlinge Pleurotus cornucopiae aufgrund des Ulmensterbens noch sehr häufig. Dort fanden wir an einer liegenden Ulme ebenfalls gelb gefärbte Seitlinge, auch zusammen mit normalen Rillstieligen. Damals vermuteten wir das das verschiedene Farbvarianten dieser Art sind und haben das so hingenommen. An die Zuchtseitlinge dachte damals keiner (war bei uns auch noch nicht so bekannt).

    Ein Synonym des Zitronenseitlings ist ja auch Pleurotus cornucopiae ssp. citrinopileatus, wurde also früher nicht direkt vom Rillstieligen S. getrennt.

    Funde aus dem Freiland gibt es scheinbar in Deutschland nur wenige.

    Es ist also interessant, dass der jetzt zur gleichen Zeit an verschiednen Orten auftaucht. Liegt vielleicht jetzt an der Hitze?


    LG Ulla

  • Hallo in die Runde,

    hier ein interessantes Paper zum Thema. Es geht u.a. um den Zutronenseitling:

    "Stranger danger: emerging biosecurity risk from fungus inoculation and cultivation"


    "Fremde Gefahr: Entstehende Biosicherheitsrisiken durch die Inokulation und Kultivierung von Pilzen"


    Im Anhang das PDF auf englisch und dann noch mal (60) mit deepl auf Deutsch übersetzt.

    Liebe Grüße

    Ria

  • Hi.


    Sieht für mich sehr danach aus. Da unbedachte Mitmenschen die Art sicher auch im Freiland anbauen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass sich die Art bei uns auch ausbreitet.


    LG.

    Hallo Schupfi,


    na ja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Es reicht doch z. B. schon aus, Putzabfälle auf den Kompost zu schmeißen. Die Kulturausternseitlinge wachsen inzwischen auch überall.


    Mir sind Funde aus der besagten Gegend auch bekannt. Sehen wir mal, wie sich die Sache entwickelt.


    Viele Grüße,

    Steffen

  • na ja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Es reicht doch z. B. schon aus, Putzabfälle auf den Kompost zu schmeißen.

    Hallo Steffen

    Ich glaube nicht, dass das übertrieben ist. Wer sich auch nur ein wenig mit der Neobiota-Thematik befasst, muss doch zum Schluss kommen, das Risiko von Anfang an einzudämmen.


    Die Kulturausternseitlinge wachsen inzwischen auch überall.

    Genau. Also lass uns das doch mit anderen Arten besser machen!


    Ich möchte keine Panik verbreiten. Aber lies z. B. mal das Paper von Ria (danke!).


    Bei uns gibts bereits eine Pilzzucht, die nur nur noch Pilze und Zuchtsets aus einheimischen Genstämmen verkauft. Das scheint mir sehr weitsichtig zu sein.


    LG Andreas

  • Hallo Andreas,


    realsitisch betrachtet ist das nicht aufzuhalten. Alles andere ist nur Wunschdenken.


    Viele Grüße,

    Steffen