Dauerpräparate erstellen

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema, welches 516 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Digitalpilz.

  • Mir kam heute folgender Gedanke:


    Gibt es eine Möglichkeit Dauerpräparate von Pilzen zu erstellen?


    Meines Erachtens müsste das gehen wenn man gutes Epoxidharz verwendet (und die Pilze eventuell vorher trocknet). Hat jemand mal versucht so etwas zu machen?

  • Peter müsste sich damit gut auskennen.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Hallo cslupina,


    Meinst Du ganze Fruchtkörper, oder Mikroschnitte?


    Gefriergetrocknete Fruchtkörper als Modelle für Ausstellungen funktionieren schon, man muss halt etwas nachkolorieren.

    So schön wie die Pilzmodelle von Wechsler, der eine Silikonform erstellt und ausgießt, werden sie aber nicht.


    Mikroschnitte gehen natürlich auch, wenn man die üblichen Prozeduren der Entwässerung für das jeweilige Einbettungsmittel beachtet.


    Wolfgang

  • Ah, Wolfgang, guter Punkt!


    Ich hatte - warum auch immer, kann ich jetzt beim Nachlesen nicht mehr ganz nachvollziehen, vielleicht wegen des "Präparate", das ich für ganze Fruchtkörper nicht verwenden würde - irgendwie an Mikro-Präparate gedacht.


    Für ganze Fruchtkörper gehen je nach Pilzart (und leider nicht für alle Pilzarten gleich gut) Gefriertrocknen und Einlegen in Polyethylenglykol (z. B. PEG 400) gut.


    Gefriertrocknen mache ich in der unaufwändigen Variante, die Fruchtkörper einfach offen in meinen No-Frost-Gefrierschrank zu legen und nach ein paar Monaten wieder rauszunehmen. Aber eine Kombination aus Gefrierschrank, verschlossenes Gefäß und Silicagel funktioniert ähnlich.


    PEG 400 braucht ein paar Tage.


    Beste Grüße

    Sabine

    100 Startguthaben minus APR-Gebühr 2024 = 90 + 3 (drittschnellstes Jokerverballern 2024) = 93 + 10 (dritter Platz APR 2024) = 103 minus 15 für APR 2025 = 88 + 2 (Nannettes Zwischenrätsel als 11. gelöst) = 90 + 6 (6. Platz Platzierungswette APR 2025) = 96

  • Pilze in Kunstharz einbetten ist zeitaufwendig und richtig viel Arbeit.

    Willi Marchina hat die Technik über Jahrzehnte perfektioniert und hat mit ca. 300 Exponaten ein Werk geschaffen, das einzigartig ist.

    Seine Pilzexponate haben einen Ehrenplatz in den Räumlichkeiten der Pilzfreunde Saar-Pfalz gefunden.

    Hier ein kurzer Überblick mit einer Arbeitsanleitung (pdf Link eingebettet) von Willi Marchina.

    Ein persönlicher Kontakt (wie aufgeführt in dem Link, ist leider nicht mehr möglich).

    Gruß Armin

    BilderGalerie

  • Hallo CSlupina,


    es gibt eine ganze Reihe Methoden und Möglichkeiten, um Dauerpräparate zu erstellen. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Ich will das auch noch mal machen.

    Fangen wir mit Gefriertrocknen an. Bei entsprechender Ausstattung taucht man den Fruchtkörper in flüssigen Stickstoff (keine Bildung von Eiskristallen, daher bleiben die Zellen maximal unbeschädigt) und tut ihn dann in einen Gefriertrockner, wo das Wasser langsam sublimiert, bis das spätere Exponat komplett trocken ist. Dann ist es sehr leicht und sehr empfindlich, besonders zarte Pilze oder Pilzteile brechen dann leicht.

    DIY-Methode: Kieselgel mit Indikator kaufen (Orange-/Grüngel). Fruchtkörper in ein geeignetes Gefäß tun und einfrieren. Dann kurz raus nehmen und vorsichtig mit den Kieselgel-Kügelchen (gerne auch vorgekühlt) auffüllen. Idealerweise Gefrierbeutel drum, Luft rausdrücken und verschließen. Wieder zurück in den Gefrierschrank. Warten, lange warten. Hin und wieder (nach einer Woche oder ein paar Wochen) gucken und die Kügelchen austauschen, wenn sie mit Feuchtigkeit voll sind und die Farbe umschlug. Ein No-Frost-Kühlschrank soll den Vorgang beschleunigen. Ergebnis war bei mir bei einem Test gar nicht sooo schlecht, aber auch noch nicht optimal. Habe es aber bislang auch nur ein Mal probiert. Brauche mehr Kieselgel.

    Die gefriergetrockneten Fruchtkörper kann man dann schon als fertiges Exponat ansehen, dass man nur noch entsprechend platzieren und dekorieren muss. Dafür eignet sich zb ein Aquarium in der gewünschten Größe. Idealerweise hat man dafür einen Deckel, der luftdicht abschließt, denn Feuchtigkeit gilt es fern zu halten. An versteckter Stelle im Aquarium (bzw Pilz-Diorama) kann man ebenfalls Kieselgel / Orangegel rein tun, um die Luft darin trocken zu halten.

    Wichtig: Moos kann man im Bastelladen trocken und steril kaufen. Alles, was aus dem Wald kommt, muss im Backofen behandelt werden, um das Zeug gut zu trocknen und Dinge zu töten, die man nicht im Diorama haben will (Insekten, Pilze, Feuchtigkeit etc). Die Dekoration ist der vermutlich aufwändigste Teil, aber es lohnt sich.

    Der Vorteil beim Gefriertrocknen ist auf jeden Fall, dass die Farben erhalten bleiben und die Präparate praktisch nichts wiegen. Nachteil ist die Empfindlichkeit, gerade bei kleinen zarten Pilzen. Bei großen, massigen Pilzen ist wiederum die Frage, ob das Ergebnis dann toll wird. Es wird auf jeden Fall deutlich länger brauchen, bis der durch und durch trocken ist.

    Ach ja, wenn man will, dann kann man den gefriergetrockneten Fruchtkörper natürlich auch in Harz gießen, ob mit oder ohne Deko! Dafür würde ich aber dringend Erfahrung empfehlen, sonst wird man nicht glücklich mit dem Ergebnis. Luftblasen sind z.b. ein häufiges Problem und ohne Vakuumkammer wird man die Luft wohl kaum ganz heraus bekommen. Denn auch im getrockneten Fruchtkörper ist noch Luft. Da hätte ich auch die Sorge, dass der Pilz zerbirst, wenn das Vakuum zu stark ist. Also letzten Endes muss man das ausprobieren. Erfahrung im Gießen von Harz ist sicherlich von Vorteil.

    Eine weitere Methode ist PEG-400. Das ist Polyethylenglykol mit der Kettenlänge 400. Theoretisch kann man die Fruchtkörper da einfach drin lagern, bis die Feuchtigkeit komplett durch das PEG-400 ersetzt wurde. Das Problem ist, dass dabei die Farben leiden werden und das Exponat dann evtl. nicht mehr echt aussieht. Daher sollte man sie nur so lange einlegen, wie nötig und dann gut abtropfen lassen und dann, wie oben, in einem Diorama vor Feuchtigkeit schützen, denn PEG ist hygroskopisch. Bei größeren Fruchtkörpern eventuell PEG-400 in den Fruchtkörper injizieren, das verkürzt die Einlegezeit.

    Nachteile bei dieser Methode: Die Exponate sind schwer, da vollgesogen. Die Farben können leiden, gerade wenn sie dauerhaft in PEG eingelegt werden (auswaschen). Beim Steinpilz kann - wie ich gelesen habe - der Hut dunkler werden, der Stiel transluzent werden und das Stielnetz ist möglicherweise nicht mehr erkennbar. Ein solches Exponat wäre dann praktisch nicht zu gebrauchen. Daher besser injizieren, nicht ganz so lange einlegen, aber lange genug.

    Letzere Methode muss ich erst noch ausprobieren. Im Grunde habe ich alles da, sogar noch fast einen Liter PEG-400. Ein Nano-Aquarium kann ich von einem Bekannten haben, einen Deckel mache ich mir selbst. Dekokram wähle ich dann passend zum Pilz (Baumpartner), also zb Moos, Blätter, Eicheln oder Bucheckern oder was halt zur Art passt. Für den Anfang reicht mir das dann erst mal aus. Okay, eine gute LED-Beleuchtung macht es dann noch besser. Mit gut meine ich: Das Licht passend gemacht, sodass es natürlich wirkt. Also passend vom Spektrum, Lichtfarbe, Intensität, Richtung etc. Aber eigentlich reicht auch die billigste Mini-Lichterkette, die man zb beim Center-Shop, Action, Kik oder so bekommt. Wird gern als Deko für in Flaschen verwendet, hat entsprechend eine Art Korken mit Schalter. Ist dann halt sehr dezentes, schwaches Licht. Aber da muss man halt einfach experimentieren.

    Beste Grüße

    Oliver