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letzter Beitrag von boccaccio am

APR-Exkursion Borkenberge 24.10.2021 Teil 2

  • Hallo zusammen,


    weiter geht es mit dem zweiten Teil meines Berichts von der APR-Exkursion in die Borkenberge. Hier folgen jetzt die Arten mit größeren oder kleinere Fragezeichen.


    1. Ein Bovist mit Sporen von 3.5-4.7 µm, ohne Pedicel, Capillitium mit zahlreichen Poren. Damit bleiben grundsätzlich nicht mehr viele Arten übrig und mit dem Standort in der Heide kommen nur noch B. aestivalis und B. furfuracea in die Endausscheidung. Ein zu Hause durchgeschnittener Fruchtkörper hat dann eine Subgleba offenbart, so daß ich bei B. aestivalis lande.


    2. Eine Tulostoma mit Sporen von 5.3+-0.3 µm, Capillitium an den Septen nicht verdickt. Den würde ich gerne als Tulostoma frimbriatum ablegen


    3. Eine Leptonie, die Jan-Arne mir in die Hand gedrückt hat....mit typischer Serrulatum-Schneide, ohne Schnallen, Sporen 8.2-10.0 µm x 6.0-7.1 µm, Q=1.2-1.5, im Mittel 8.8 x 6.6, Q=1.4. Dann bleibt wieder die leidige Frage nach den Farben. Auf den Fotos meint man wieder einen leichten Blauschimmer zu erkennen, aber im Feld war auch bei jungen Fruchtkörpern nicht unbedingt mit Sicherheit ein Blauton zu erkennen und konnte allenfalls erahnt werden. Ein weiterer Fall von Entoloma sp.?

    Lamellenschneide

    Huthaut

    Basidien

    Sporen


    4. Und dann noch eine Inocybe, die in an einer Stelle in großer Zahl wuchs. Der Boden war sandig, sauer und es wuchsen Kiefern als Begleitbäume. Alle Zystiden dickwandig mit Kristallschopf, Basidien 4-sporig, Geruch schwach spermatisch, Sporen 10.0-12.8 x 4.8-6.5, Q=1.7-2.3, bzw. 11.0+-0.8 x 5.5+-0.5, Q=2.0+-0.2, Cheilo- und Pleurozystiden messen 57-62 x 16-19 µm. Caulozystiden sind im oberen Stielbereich vorhanden, wobei ich allerdings nicht zu entscheiden vermag, ob das nun nur am obersten Zehntel oder am obersten Drittel der Fall ist. Bei einem jungen Fruchtkörper scheint es eher ein Drittel zu sein, bei den älteren Fruchtkörper eher nur ein Zehntel. Wenn ich dann mit der Funga Nordica schlüssel, lande ich bei der Sect. Tardae nirgendwo. Bei der Sect. Fibrillosae wäre Inocybe exilis oder Inocybe abjecta zumindest von der Sporengröße her passend. Die sind aber auf inocybe.org (noch) nicht vertreten, so daß mir da ein guter Vergleich fehlt und ich einfach mal Ditte um Rißpilzbeistand bitte.

    Lamelle

    Stiel oben

    Sporen


    Björn

  • Hallo zusammen,


    der zweite Teil der "Borkenberge" scheint ein wenig in der Flut der Beiträge untergegangen zu sein, was ich sehr schade finde, da Björn seine Funde ja immer mit zahlreichen vorzüglichen Mikrofotos präsentiert, die meist alles zeigen, was für eine Bestimmung erforderlich ist. Auch bei dem Rötling sollte dies der Fall sein. Ich halte ihn für Entoloma caesiocinctum, eine vergleichsweise häufige Leptonie, die ich regelmäßig finde und schon mehrfach mikroskopiert habe. Der Fund von Björn bzw. von Jan-Arne passt perfekt dazu, aber manchmal übersieht man ja was und deshalb möchte ich Karl W hier um seine Einschätzung bitten.


    LG Ingo

  • Hallo zusammen

    Geht man nur nach dem Bild kann es sich nicht um E. caesiocinctum handeln da die Frk. zu dunkel und zu blau erscheinen. Folgt man der Beschreibung von Björn nach dem Eindruck im Feld ist E. caesiocinctum sicher der richtige Gedanke.

    LG Karl

    PS. Das Bild von Meusers in FE 5a ist zu dunkel abgezogen und ansatzweise blaue Töne zeigte nur der jüngste Fruchtkörper

  • Hallo zusammen und vielen Dank an Karl für seine Einschätzung.


    Mal abgesehen davon, dass das hier von Björn gezeigte Rötlings-Foto insgesamt recht dunkel ist und auch eine deutliche Farbverschiebung ins Bläuliche aufweist, so würde ich einer als sehr variabel beschriebenen Art wie Entoloma caesiocinctum auch zugestehen, dass sie gelegentlich etwas dunkler und mit einer Spur von Blau im Hut "daherkommt", zumal die Art ja durchaus über blaues Pigment verfügt (im Randbereich der Hutunterseite; in den Lamellenschneiden und am Stiel).


    Für die mikroskopisch praktisch identische Entoloma serrulatum waren mir die Pilze andererseits nicht dunkel und nicht blau genug, zumindest junge Fruchtkörper sollten bei E. serrulatum tief blauschwarz sein. Ganz ausschließen, dass Witterungseinflüsse im vorliegenden Fall die blauen und schwarzen Pigmente besonders schnell bzw. stark ausgedünnt haben, kann man aber wohl auch nicht.


    Eine dritte (noch nicht beschriebene) Art kann zwar ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, ist meines Erachtens aber die wohl unwahrscheinlichste Lösung. Die vorliegenden Mikro-Merkmale passen sowohl zu Entoloma serrulatum wie auch zu E. caesiocinctum, wobei Sporen mit einer deutlichen Tendenz zu abgerundeten Ecken (wie auf den Mikro-Fotos von Björn zu sehen) von Ludwig bei einer E. caesiocinctum-Kollektion gefunden wurden.


    Steht eigentlich schon fest, dass E. serrulatum und E. caesiocinctum zwei verschiedene Arten sind? Manche Autoren (wie z.B. auch Ludwig) halten es für möglich, dass es sich dabei nur um Formen einer Art handelt.


    LG Ingo

  • Guten Morgen, Björn, also wieder eine sehr schöne Doku, aber mich macht sie recht ratlos, denn es gibt nur sehr wenige Arten mit solch großen Sporen bei den Tardae. Inocybe exilis ist davon die wahrscheinlichste, aber die hat in der Regel keinen glatten Hut, wie man ihn bei deinen Exemplaren sieht.

    Eine wichtige Frage also dazu: Gab es kurz vorher Nachtfrost? Bei uns war das so. Falls das so war, kann der glatte Hut darauf zurückzuführen sein. Aber auch sonst passt manches nicht recht, und irgendwie glaub ich (zumindest nach dem Augenschein zu urteilen) nicht recht dran, den der ganze Habitus, Lamellen und Stiel wirken anders.

    Herzlich, Ditte

  • Hallo zusammen,


    ja wir hatten in der Nacht vor der Exkursion im Exkursionsgebiet den ersten Nachtfrost. Zwar nicht besonders viel, aber Frost ist Frost. Ob das dann auch einen Einfluß auf die Sporengröße gehabt haben kann?

    Der Frost ist natürlich auch für die Leptonien-Bestimmung nicht gerade hilfreich und wahrscheinlich muß man sich einfach angewöhnen, daß man nach frostigen Nächten die ganzen kritischen Gruppen wie Entoloma und Inocybe direkt im Gelände stehen läßt und sich an den übrigen Pilzen erfreut.


    Björn

  • Ja, Björn, ich geh nie wieder nach Nachtfrost auf Inocybe Suche! Was ich da schon an Stunden der Ratlosigkeit bei einem Versuch der Bestimmung verbracht habe - früher, mei! Und nachdem solche fraglichen Kollektionen dann sequenziert wurden, stellte sich heraus, dass es mir wohlbekannte Arten waren, die einfach nur extrem untypisch aussahen und durch den Frost auch verquere Mikromerkmale hatten.

    Also: deine Art ist am ehesten und vermutlich Inocybe exilis.

    Herzlich, Ditte

  • Hallo noch mal,


    Nachtfrost mag die Inocybe-Bestimmung schwierig bis unmöglich machen, aber wenn der Mikroskopiker ein Brett vor dem Kopf hat, wird es auch nicht einfacher. Ich habe seit Mitte Oktober eine neue Kamera, dere Chipgröße von der der alten Kamera abweicht. Entsprechend hat sich natürlich auch die Umrechnung von Pixeln in Mikrometer geändert, aber das hatte ich in meinem Meßprogramm nicht umgestellt. Also waren alle Messungen oben um ca. 10 % zu groß. Jetzt ist aber alles korrigiert.


    Björn

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