Hallo, Besucher der Thread wurde 494 aufgerufen und enthält 5 Antworten

letzter Beitrag von Goldröhrling am

Schimmelpilz auf Zitrone

  • Hallo liebes Forum


    In meiner Küche wird (wurde) eine Zitrone von einem Schimmelpilz verspeist und interessehalber habe ich diesen mal unters Mikroskop getan. Ich habe absolut keine Ahnung von solchen Pilzen.. Um welchen Pilz handelt es sich? Oder was müsste man noch untersuchen, damit man ihm einen Namen geben kann? Der grüne Teil bestand eigentlich nur aus Sporen (welche in Melzer keine Reaktion zeigten).


    Herzlichen Dank,

    Bruno

  • Hallo Bruno,

    ich könnte jetzt einfach mal "ein Penicillium" schreiben, aber um ihm einen genaueren Namen zu geben, wirds schon schwieriger :)

    Vielleicht könnten wir auch auf Penicillium citrinum spekulieren (aufgrund von Substrat, Form, Länge und Verzweigungsyp der "Pinselchen"...

    die Größe der Strukturen lässt sich hier ja nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, wie groß bei deinem Mikroskop ein Teil der Messskala ist :)


    ...oder ich könnte jetzt etwas länger darüber (und auch da immer noch erst am Rand der Thematik kratzend) schreiben, dass beim Versuch der genaueren Bestimmung anamorpher Pilze (sprich der asexuellen Stadien von irgendwelchen Pilzen, die üblicherweise in den Topf "Schimmelpilze" geworfen werden), unter anderem folgende Dinge wichtig sind:


    - man versucht zu erkennen, wo und auf welche Art die Konidien (= die asexuell entstandenen Sporen) gebildet werden, wozu man spezielle Literatur braucht, oder am besten schon einiges davon gesehen hat, wie diese Dinge überhaupt entstehen können (schau mal bei Konidiogenese nach). ...bzw gibts demnächst hier dazu einen sicher empfehlenswerten Online-Vortrag.

    - Form und Verzweigungsmuster der Konidienträger sind zu beachten (Wobei je nach Nährmedium auch hier Vorsicht geboten ist),

    - Konidienform und Größe,

    - dann, sobald die Großgruppe einigermaßen klar ist, wird man merken, dass genaueres oft nicht möglich ist, ohne den Pilz auf bestimmten Nährmedien zu kultivieren*, (welche - ist wiederum davon abhängig, ob Du es mit Penicillium, Aspergilli, ...) zu tun hast. Dies machst Du, um Wachstum und Koloniegröße nach bestimmter Zeit beurteilen zu können...

    - Sobald Du dann auf einen grünen Zweig kommst, wirst Du feststellen, dass das, was irgendwer als Penicillium x beschrieben hat, in vielen Fällen mit Hilfe molekularbiologischer Methoden in mehrere Arten aufgesplittet wurde...


    Ich möchte Dich bestimmt nicht davon abhalten, Dich mit diesem schönen und spannenden Thema zu beschäftigen, im Gegenteil: Du wirst hier zweifelsohne eine ungeahnte große Welt im Kleinen für Dich entdecken können. Einiges lässt sich ja auch schon mit der Stereolupe zumindest mal grob einer Gruppe zuordnen.

    Aber dann... je nachdem, was Du genau machen möchtest, kommst Du relativ bald schon nicht mehr umhin, Spezialliteratur zu benutzen... in der dann eben die Kulturmerkmale wie Wachstumsgeschwindigkeit auf Nährmedium X und Y gefragt werden.

    Wie gesagt, eine der Schwierigkeiten, wenn man sich mit den oft sogenannten Schimmelpilzen beschäftigen möchte, beginnt damit, dass wir uns hier weniger auf die sonst üblichen morphologischen Merkmale verlassen können, sondern dass wir uns hier mit vielen neuen Begriffen (-wer weiß denn was terverticillate Konidienträger sind?-) und Konzepten auseinandersetzen müssen und dass hier ungewohnte Dinge wie Wachstumsgeschwindigkeiten oder Koloniedurchmesser auf bestimmten Nährmedien plötzlich für eine genaue Bestimmung unverzichtbar werden. Und recht bald kommt dann die Entdeckung dazu, dass es immer wieder Gruppen gibt, in denen die bis dahin erlernten Denkmuster schon wieder teilweise nicht brauchbar sind...


    schöne Grüßen aus Innsbruck

    Eberhard


    Edit.:

    Stefans Idee mit Paecilomyces klingt für mich jetzt auch vielversprechender als mein erster Penicillium-Gedanke! ...obwohl ich jetzt trotzdem nochmal bei Penicillium italicum nachblättern werde :)


    *pS2: ...mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen

    Chiprechnerei:

    284 (Zeitrechnung < APR 2020), minus 30 (APR-Teil-(und Aus-)nehm-Gebühren) =254

    - 3 ("Top-10-wette" mit Hans) = 251.

    Nun +5 (Platz 10 geteilt) +5 (schnellstes 3-Joker-Ziehen) +5 (schnellstes Alle-Joker-Loswerden) +5 (Phählhellseherei, dank Habicht!) = 271 ...Minus2 fürs FFPR = 269

    ...sic transit gloria unki...

    5 Mal editiert, zuletzt von eberhardS ()

  • Hi,


    aufgrund der langen Phialiden bin ich bei einem Paecilomyces. Die Alternative wäre ein klassisches Penicillium, welches aber kürzere Phialiden (konidiogene Zellen) und rundliche Konidien haben sollte. Mit Melzers etc. brauchst du bei klassischen Schimmeln nicht anzufangen, denn die zeigen sowieso keine spezifischen Reaktionen.


    Ansonsten hat Eberhard ja schon das wichtigste grundsätzliche geschrieben.


    l.g.

    Stefan

    Risspilz: hui; Rissklettern: bisher pfui; ab nun: na ja mal sehen...


    Derzeit so pilzgeschädigt, das geht auf keine Huthaut. :D


    Meine Antworten hier stellen nur Bestimmungsvorschläge dar. Verzehrsfreigaben gibts nur vom PSV vor Ort.

  • Lieber Eberhard


    Ich hatte mir schon gedacht, dass es sich entweder um etwas ganz einfaches handeln würde, oder aber um eine wesentlich kompliziertere und tiefergehende Angelegenheit handeln würde. Ganz herzlichen Dank für den sehr ausführlichen Beitrag! Das ermöglicht mir einen zielgerichteten Start in diesen neuen Bereich.:)


    Ich möchte Dich bestimmt nicht davon abhalten, Dich mit diesem schönen und spannenden Thema zu beschäftigen, im Gegenteil: Du wirst hier zweifelsohne eine ungeahnte große Welt im Kleinen für Dich entdecken können. Einiges lässt sich ja auch schon mit der Stereolupe zumindest mal grob einer Gruppe zuordnen.

    Aber dann... je nachdem, was Du genau machen möchtest, kommst Du relativ bald schon nicht mehr umhin, Spezialliteratur zu benutzen... in der dann eben die Kulturmerkmale wie Wachstumsgeschwindigkeit auf Nährmedium X und Y gefragt werden.

    Mit jeder Tür die man öffnet, erhält man immer grad einen Blick auf mehrere zusätzliche Türen, von denen man vorher gar nichts gewusst hatte;). Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte ich mir gesagt, spätestens vor dem Einsatz von Mikroskopen mit den Pilzen aufzuhören. Aber im Gegenteil: Es wird immer interessanter je mehr man weiss und das Mik kann ich mir gar nicht mehr wegdenken:)


    die Größe der Strukturen lässt sich hier ja nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, wie groß bei deinem Mikroskop ein Teil der Messskala ist

    Wenn bei meinen Bildern eine Skala ersichtlich ist, handelt es sich immer um Mikrometer (mit dem Smartphone durchs Okular fotographiert). Die ganzzahlige Einteilung entspricht also 10 Mikrometer. Wird ab sofort dazugeschrieben.


    Ich begnüge mich vorerst mal mit dem Einlesen in die genannten Begriffe;)


    aufgrund der langen Phialiden bin ich bei einem Paecilomyces. Die Alternative wäre ein klassisches Penicillium, welches aber kürzere Phialiden (konidiogene Zellen) und rundliche Konidien haben sollte. Mit Melzers etc. brauchst du bei klassischen Schimmeln nicht anzufangen, denn die zeigen sowieso keine spezifischen Reaktionen.

    Danke!

  • Hallo liebes Forum


    .... Um welchen Pilz handelt es sich? ....

    Das ist mit ziemlicher Sicherheit Penicillium digitatum!!


    Prinzipiell unterstreiche ich voll, was Eberhard zur Bestimmung von Schimmelpilzen geschrieben hat!! Aber....

    Auf Früchten von Zitrusgewächsen findet man eigentlich nur 2 Arten von Penicillien, eben den Penicillium digitatum (der nach Sporenbildung graugrüne Oberflächen bildet) und Penicillium italicum (dessen Oberfläche nach Sporenbildung eher blaugrün aussieht)!

    Penicillium citrinum ist dagegen eher nicht auf Zitrusfrüchten zu finden ;)


    Liebe Grüße

    Kerstin


    P.S.: Übrigens, Schimmelpilze lieben "Bio" .... weniger oder keine behandelten Lebensmittel, ein Eldorado für Schimmelpilze ;)

  • ....

    kleiner Nachtrag: Ich habe mal Bilder rausgekramt, die freilich nicht die beste Qualität haben, aber ich denke, der Unterschied ist zu erkennen:


    1. Penicillium digitatum auf einer Apfelsine: graugrüne Oberfläche


    Auf Malzextrakt kultiviert sieht der so aus:


    Und 2. Penicillium italicum auf einer Mandarine: blaugrüne Oberfläche


    und ebenfalls auf Malzextrakt kultiviert:


    Das sind die beiden Penicillien-Arten, die auf Zitrusfrüchten vorkommen.


    Liebe Grüße

    Kerstin

    • Gäste Informationen
    Hallo, gefällt Dir das Thema und willst auch Du etwas dazu schreiben, dann melde dich bitte an.
    Hast Du noch kein Benutzerkonto, dann bitte registriere dich, nach der Freischaltung kannst Du das Forum uneingeschränkt nutzen.