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letzter Beitrag von Tricholomopsis am

Paxillus ammoniavirescens

  • Hallo,


    nachdem ich letztes Jahr hier meinen Fund des Großen Kreplings Paxillus validus eingestellt hatte, möchte ich euch erneut einen Krempling zeigen.

    Ob man jetzt P.validus mit P.ammoniavirescnes synonymisieren kann muss man spekulieren, jedoch habe ich bei diesem Kremplingsfund die Hutoberflöche mit Konzentrierter Ammoniaklösung betropft und siehe da, es ergibt sich eine graugrüne Färbung. Diese entsteht nicht direkt an der Berührungsstelle mit der Base, sondern durch den flüchtigen Ammoniak. Nach wenigen Sekunden verblasst das Graugrün schon in ein schmutziges Grau-Violettbraun.


    Wuchs unter alten Birken und Buchen am Rande eines Friedhofgeländes. Hutdurchmesser des größten, ausgewachsenen Frkp. 12cm.





    Ist eine derartige Reaktion bei den anderen Kremplingen auch bekannt? Hat das jemand schon getestet?


    LG Thiemo

    Bestimmungen anhand von Fotos sind immer unter Vorbehalt und mit Restrisiko!

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  • Schade, dass hierzu wenig bekannt ist. Ich werde auf jeden Fall bei zukünftigen Kremplings-Funden verstärkt testen, ob das konstant bleibt.

    Vielleicht hat ja Christoph ( Tricholomopsis) Info dazu? :whistling:


    LG Thiemo

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  • Servus Thiemo,


    danke für das Herbeirufen! Werner hat es falsch im Kopf gehabt - ich habe alle meine Paxillus validus-Aufsammlungen mit Ammoniakdampf getestet. Das ist Standard, da ja auch andere Boletales damit reagieren.

    Was die Seqneuenzen angeht, ist es auch nicht so einfach. Es wurde die ITS untersucht - die ist bei den anderen Kremplingen sehr einheitlich, nur nicht bei Paxillus ammoniavirescens/validus - offenbar ist da die DNA-Reperatur für die ITS-Region teilweise aufgehoben oder schlechter als bei den anderen Kremplingen. Innerhalb der variablen ITS sieht man aber keine getrennten Clades in Bezug auf typische P. validus- und P. amoniavirescens-Aufsammlungen.


    Morphologisch unterscheiden sie sich (nach bisherigem Wissen) anhand der NH3-Reaktion und dem Fruchtkörperhabitus (bzw. der Grüße). 12 cm sind bei Paxillus validus eher die jungen im Durchmesser, alt sind eher 20-30 cm typisch (P. obscurisporus wird noch größer, bis 40 cm). Auf den Bildern, die ich aus Italien gesehen habe (von P. ammoniavirescens) sind auch zierlicher im Habitus - was jetzt auf deinen nicht zutrifft. Der sieht wie ein kleiner P. validus aus (nur mit zu blassen Lamellen - junge P. validus haben gerne ein Zitronengelb in den Lamellen).


    Vielleicht ist die NH3-Reaktion auch wirklich variabel und auch die Fruchtkörpergröße und der Habitus. Da bislang die kleinerenm aber mit NH3 grünenden eher südliche der Alpen gefunden wurden und die größeren ohne die Reaktion (wird nur unspezifisch braun) nördlich der Alpen, wäre ich zumindest von zwei Varietäten ausgegangen. Ich bin da aber selber unsicher, weshalb ich nicht einfach ne Umkombination vorgenommen hatte.


    Die italienischen Autoren und ich haben unabhängig voneinander und ohne zu wissen, dass noch jemand anderes Kremplinge anschaut, geforscht. Wir haben auch praktisch gleichzeitig und unabhängig voneinander publiziert, nur wurde die italienische Zeitschrift etwas früher gedruckt und publiziert, weshalb Paxillus ammoniavirescens als Name Priorität über Paxillus validus hat. Mit der Synonymie habe ich absolut kein Problem und finde es auch überhaupt nicht schlimm, dass der Name Paxillus validus dann "weg" wäre. Nur passte für mich eine komplette Synonymie morphologisch nicht so recht zusammen. Was aber auch dafür spricht, die zusammenzulegen, sind die Rhizomoprhen - beide haben die auffallenden Kristalle.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Hallo Christoph,


    danke für deine ausführliche Antwort. Das grünen der Hutoberfläche mit NH3 und der im Vergleich zum P. validus vom letzten Jahr schmächtigere Habitus sind mir bei diesem Fund auch aufgefallen.


    Nun, ich werde die ganzen Krempling zukünftig testen um zu schauen wie variabel die Reaktion ist und warte bei den Unsicherheiten hier mit der Kartierung ab.


    Eine Bonusfrage hätte ich noch :): Wie bekommt man von den Fruchtkörpern ein Rhizomorphen-Präparat hin? An der Stielbasis war bisher bei jedem Exemplar so viel Moos/Gras/Erdpartikel festgebacken, dass ich nie eine Chance gesehen habe ein Präparat zum Nachweis der Kristalle anzufertigen.

    LG Thiemo

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  • Servus Thiemo,


    die Kremplinge haben eigentlich recht dicke, auffallende Rhizomorphen an der Stielbasis. Ich selber habe immer Boden mit herausgeschnitten und das and er Stielbasis belassen. Dann kann man später in einer kleinen Wanne mit Wasser die Erde wegspülen, mit Pinzette und Pinsel (unter einem Bino) die Bodenpartikel und auch die Streu komplett entfernen, bis man nur noch das Rhizomoprhennetzwerk übrig hat. Das ist mühsam, lohnt sich aber. Man muss nur regelmäßig das Wasser mitsamt gelöstem Boden wegschütten und austauschen. So kann man dann auch die Sklrotien entdecken.

    Die Schnellmethode wäre, an der Stielbasis die dicken Rhizomorphen mit ner Pinzette rauszuzupfen, diese dann zerzupfen und Teile der Oberfläche anzuschauen. Nur sind dann die Präparate meist zu dick. Am besten sieht man die Kristalle an den feinen, dünnen Rhizomorphen. Man kann daher auch versuchen, unter dem Bino direkt aus dem Boden dünnere, von den Hauptrhizomorphen abzweigende Rhizomorphen zu finden. Auswaschen geht aber am besten.

    Um richtig tief zu gehen, z. B. eine Bodenprobe von 10 x 10 x 15 cm auszuwaschen, brauche ich ca. vier Stunden (Suche nach Sklerotien). Wenn's nur um man schnell gehen soll, dann reichen ja auch 3 x 3 x 3 cm. Das ist dann locker in 15 Minuten gemacht.


    Liebe Grüße,

    Christoph

  • Servus Christoph,


    falls ich einmal tatsächlich Sklerotien gefunden haben sollte, was fange ich dann mit denen an?

    Mikroskopieren?


    LG Rudi

    aktuell nach dem APR 20 10 Punkte:saint:- jetzt mach ich auch noch Frühjahrsputz und löhne sogar dafür...

    10 Punkte- 2 = 8 Punkte... und nun: 8-5= 3 Punkte oder !!!


    wp.markones.de

  • Servus Rudi,


    die Sklerotien sehen bei den einzelnen Arten unterschiedliche aus (Größe/Form). Z. B. bei Paxillus involutus kugelrund und sehr klein (um 0,,1-0,5 mm). bei Paxillus validus s.l. größer (1-2 mm) und unregelmäßig kartoffelförmig.


    Liebe Grüße,

    Christoph

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