Deutsch-Niederländischer Sumpf 30.05.2020 Teil 2

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  • Hallo zusammen,


    hier wie versprochen der zweite Teil unserer samstäglichen Tour im deutsch-niederländischen Grenzgebiet.


    1. Als ich die Blattflecken auf Ranunculus repens sah, war mein erster Gedanke eine Entyloma. Erst als wir nach einiger Zeit ein Blatt umgedreht hatten, stellte sich raus, daß es ein Rost ist: Aecidium ranunculi-acris. Dies veranlaßte Hans dann zu dem Bonmot, daß Phytoparasiten wie Frauen sein. Man müsse schon aus der Entfernung erkennen, wie sie von der anderen Seite aussehen :D Im Prinzip kann man hier mikroskopisch anhand des Sporenornaments auch zur genauen Art gelangen, aber da bin ich mangels Erfahrung gescheitert. Außerdem will der Schlüssel wissen, ob der Pilz im Frühjahr (April/Mai) oder im Frühsommer (Mai/Juni) auftritt. Das hilft bei Funden im Mai natürlich viel :D


    2. Am Nachmittag waren Jochen und ich dann alleine unterwegs. So mußte ich dann diesen Täubling dann mitnehmen. Geruch unbedeutend, Geschmack mild, unter Betula, Alnus, Pinus, mit Guajak in Sekunden eine starke Reaktion, mit Eisensulfat schwach rosa, Sporenpulver IIb-c, Sporen (8.8+-0.8) µm x (7.0+-0.9) µm, Huthaut mit SV+ Zystiden, ansonsten sehr zäh, so daß das Präparat in Kongorot nicht sonderlich ansehnlich wurde. Da Jochen und ich dann erstmal keine Idee hatten, haben wir Karl gefragt. Der war sich sicher, daß er diesen Täubling noch nie gesehen hat und hat Felix Hampe gefragt, der unserem Fund den Namen Russula fusconigra verpaßte. Der ist sonst auch schon mal rosaweinrot und wurde linksrheinisch das letzte Mal 1984 gefunden.


    3. Ein paar Meter weiter stand dann unter Birke ein Leccinum. Laut Jochen wachsen die da öfter und bleiben charakteristisch klein. Auch diesen Fund habe ich mitgenommen. Der Stiel färbt in der Basis stellenweise blau, im Stiel gräulich, im Hut bleibt es weiß. Hut und Stiel werden mit Eisensulfat erst gelb-grün, dann grün grau. Sporen (16+-1.6) µm x (4.6+-0.4) µm, Q=3.5+-0.4. Mit diesem Input ist Karl dann letztenendes bei Leccinum palustre M.Korhonen gelandet, der bei den Bakker und Noordeloos mit L. schistophilum synonymisiert wird.

    Röhren

    Caulozystiden

    Huthaut


    4. Ceratiomyxa fruticulosa


    5. Auf einem abgestorbenen Typha-Stängel, der feucht lag, fand sich dieser weiße Belag. Mein erster Gedanke war einer der aquatischen Hyphomyceten, aber im Mikro waren dann Strukturen sichtbar, die zu einer Corticiaceae passen. Schnallen gab es reichlich, reife Basidien waren nicht vorhanden. Interessanterweise war der ganze Fruchtkörper voll mit Sporen, die an Tomentella erinnern.


    6. Auch an Rohrkolben fand sich diese Mollisia, die dann mit Hans' Hilfe den Namen Mollisia mediella bekommen hat. Sporen (22-27) µm x 3 µm, dreifach septiert, Kristalldrusen vorhanden, mit KOH eine gelbe Reaktion der Paraphysen, ein Ascus mit blauer Lugolreaktion, die anderen Asci ohne Reaktion.


    7. Melampsorella symphyti ex Symphytum officinale


    8. Unterwegs hat Hans mir dann auch noch eine Orbilia in die Hand gedrückt. Die habe ich dann mikroskopiert und Hans hat sie auf Orbilia xanthostigma getauft.


    Björn

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Björn!


    Wunderbare Sache, wenn man einen halbwegs intakten Sumpf in erreichbarer entfernung kennt - da ist immer was los, und entsprechend schöne Sachen habt ihr gefunden und beeindruckend dokumentiert.

    An dem Raustielröhrling bin ich kurz hängengeblieben: Was bei dem nun gegen Leccinum duriusculum s.l. (Pappelraufuß) spricht, habe ich allerdings nicht verstanden.
    Immerhin sieht er 1:1 aus wie die Pappelraufüße bei mir in der Gegend, und mikroskopisch sind diese Leccini nicht so ganz einfach. Wenn die Sporen zB von dem jungen fruchtkörper auf den Bildern stammen, müsste man die Maße doch sehr kritisch bewerten.
    Leccinum schistophilum sollte in der HDS auch etliche breit zylindrische Elemente, bzw. sich auflösende Hyphen (Zellketten) von eher kurzen, breiten Zellen haben.
    Ein Blick unter den Hut könnte helfen: Die Huthaut hängt bei L. duriusculum zwar bisweilen nicht ganz so schön über, wie bei anderen Rotkappen, aber die von L. schistophilum sollte auch jung schon eher vom Rand zurückgezogen sein.



    LG; Pablo.

  • An dem Raustielröhrling bin ich kurz hängengeblieben: Was bei dem nun gegen Leccinum duriusculum s.l. (Pappelraufuß) spricht, habe ich allerdings nicht verstanden.
    Immerhin sieht er 1:1 aus wie die Pappelraufüße bei mir in der Gegend

    Hallo Pablo,

    die Graufärbung ist nur sehr schwach und tritt nach längerer Zeit auf. Keinesfalls geht die Färbung auch nur annähernd in Richtung L. duriusculum mit dem charakteristischen Farbverlauf über rosa violettlich zu fast schwarz.

    LG Karl

  • Hi Pablo,

    Bild von letzten Jahr an gleicher Stelle, wo man die Größe erkennen kann. Der "Klopper" Leccinum duriusculum, als der größte Raufuss, kann man makrokopisch vor Ort ausschießen. Fototechnisch hat Björn den einzelnen ausgewachsen Fruchtkörper natürlich möglichst groß erfasst, um die Details abzubilden.

    VG Jo

    • Offizieller Beitrag

    Hallo, Karl, Jo & Björn!


    Ok then. :thumbup:

    Ich war nur laut am Denken, und hatte Leccinum schistophilum noch nie in der Hand. Die Art kenne ich nur aus der Literatur.

    Das Bild von den Fruchtkörpern vom letzten Jahr finde ich jedenfalls sehr überzeugend.

    Trockene Fruchtkörper von L. duriusculum (ist nicht immer ein Riesenklopper, wenn auch deutlich robuster als euer Fund!) können zwar auch unkooperativ in Sachen Verfärbung sein, aber auch das ist eben nur ein Merkmal, und man muss diese Pilze wirklich in der Hand haben - glaube ich jedenfalls... Vielleicht sollte ich mal meine dünnen Viernheimer Pappeldinger genauer kontrollieren. :)




    LG, Pablo.