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Altmühltal-Impressionen im Juni 2019 - Pilze, Pflanzen, Insekten, ....

  • Wenn man mich fragt welcher Monat der Schönste, der Interessanteste ist, dann würde ich antworten, dass einfach jeder Monat wunderbar ist. Allerdings ist irgendwie der Juni der wohl vielfältigste Monat.


    Alleine diese Schmetterlinge und die Pflanzen die hier überall wachsen und flattern - da geht einem das Herz auf. Nachfolgend einige wenige Fotos eines sehr kurzen Spazierganges vom 03.06.2019.


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    Man wird umflattert von so vielen Himmelblauen Bläulingen (Polyommatus bellargus). RL-BRD 3


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    Auch dieses ist der Himmelblaue Bläuling.


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    Ein leuchtendes Weiß-Gold fällt durchaus auf - ein Hartheu-Spanner (Siona lineata)


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    Hier die Fügelunterseite zum vorherigen Foto.


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    Und der hier - da komme ich nicht weiter - keine Ahnung wer dies ist.


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    Die Blüten des Aufrechte Ziest (Stachys recta) finde ich ja so etwas von schön.

    Auch wenn der Aufrechte Ziest in den Kalk-Gebieten recht häufig anzutreffen ist wird er in der RL-Bayern unter Vorwarnstufe aufgeführt. Und irgendwann werde ich auch einmal bei den alten Kräutervätern nachforschen warum der Aufrechten Ziest als "Zauberpflanze" benannt wurde und zu allen möglichen Schutzzaubern verwendet wurde, angeblich zumindest.


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    Die Blüten können, so finde ich, mit beinahe jeder Orchidee locker mithalten.


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    Plitsch, platsch machte es als ich an dem Bächlein vorbei lief, nur diese eine Gelbbauchunke war wohl im Tiefschlaf. Immerhin kann man die wunderbaren Farben auf der Unterseite ein klein wenig erahnen.

    Die Gelbbauchunken sind streng geschützt. RL-BRD 2, also stark gefährdet.


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    Es wimmelte nicht nur vor Schmetterlingen sondern an der Altmühl dann auch vor Libellen.
    Auf dem Foto sind zum Beispiel Gebänderte Prachtlibellen (Calopteryx splendens) zu sehen.



    Dies hier war nur ein kleiner Spaziergang aber mich kann man nicht einmal einen kleinen Spaziergang machen lassen ohne dass ich mit Fotos heimkehre. Am nächsten Tag ging ich dann mit etwas mehr Zeit auf Pilzsuche


    Liebe Grüße


    Maria



    Weitere Altmühltal-Impressionen

  • Ahoj, Maria,

    die Nr. 6 ist doch der Gleiche wie die davor.


    LG

    Peter

  • Juni - Teil 2


    Ich mache ja, wenn es irgendwie geht, täglich zumindest einen kleinen Spaziergang. Der Plan am 04.06. war, nach einigen tollen Pilz-Posts von Freunden, Pilze suchen!!!

    Voll Enthusiasmus und Euphorie ging ich los, in eines meiner Lieblings-Pilzgebiete, doch seht selbst ... Ich schrieb damals: "Ich weiß nicht, soll ich weinen ob der Pilze oder lachen ob der Pflanzen."


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    Immerhin, Pilze habe ich gefunden, hier den einen (vermutlich Uromyces lycoctoni da auf Aconitum lycoctonum) und ...


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    ... und hier die anderen. Und das war es :(

    Wobei ganze drei vertrocknete Scheibchentintlinge habe ich jetzt doch glatt unterschlagen - es war so traurig.


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    Dafür aber stand alles voll mit Ähriger Teufelskralle (Phyteuma spicatum) - auch ganz schön. Die Ährige Teufelskralle ist übrigens ein Wildgemüse.


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    Und dazwischen überall der Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum) und den mag ich sehr.

    Alle Eisenhut-Arten sind geschützt und sie sind alle sehr stark giftig! Nach wie vor kursieren Texte / Rezepte für die Heilanwendung hiervon ist allerdings dringend abzuraten!
    Verwendet wurden/werden die Knolle und die Blätter. Immer wieder kam und kommt es dabei zu Vergiftungsfällen wobei bereits kleinste Mengen (über 2 Gramm Eisenhut sind bereits toxisch) genügen. Auch kam es immer wieder zu Todesfällen. Es wird beschrieben, dass bereits beim Pflücken der Pflanze das Gift durch die Haut eindringen kann und Hautentzündungen sowie schwere Vergiftungen hervorrufen kann.


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    Die Wälder standen voll mit Akeleien in allen Farbkombinationen, eher selten allerdings in reinem Weiß.
    Akeleien wurden früher auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. So schrieb Mattioli 1563, und dies möchte ich Euch nicht vorenthalten, „Welcher Breutgam durch zauberey vngeschickt worden ist zu den ehlichen wercken / der trincke von dieser wurtzel / vnd samen / er genest. …“ Aber bevor dies nun vielleicht jemand ausprobieren möchte ;) , die Akeleien gelten als giftverdächtig, sind geschützt und stehen in der RL-Bayern mit V.


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    Auch beim Immenblatt (Melittis melissophyllum) sah ich rein weiße Blüten zwischen Pflanzen mit den verschiedensten Farbmischungen. Normalerweise ist der Mittellappen der Blüte in einem kräftigen pupurlila. Geschützt, RL-Bayern 3.


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    Auf einer kleinen Waldlichtung dann der Genfer Günsel (Ajuga genevensis) in hellem Rosa. Normalerweise sind die Blüten dunkelblau und nur eher selten kommt es zu rosa oder weißen Blüten.


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    Da bin ich versehentlich auf den Auslöser gekommen aber eigentlich gefällt mir dieses Zufallsfoto. Gewöhnlicher Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) im Vordergrund, im Hintergrund Genfer Günsel mit "normalen" blauen Blüten.



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    Libellen gab es natürlich auch wieder, aber diese hier ist dieses Mal die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo). RL zwischen gefährdet und vom Aussterben bedroht - je nach Bundesland.



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    Ein nicht ganz so graziler "Brummer" - ein Plattbauch (Libellula depressa)


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    Aber auch die winzig kleinen fand ich schön - man muss nur einmal genauer hinsehen. (Myoleja lucida)


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    Zum Schluss noch der hübsche Scharlachrote Feuerkäfer (Pyrochroa coccinea)


    Ich hoffe, Euch gefallen meine Fotos auch ohne Pilze, denn die machten sich über weite Strecken des Jahres 2019 doch ziemlich rar.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Hallo Peter, Hallo Felli,


    ich kann mich noch erinnern, dass ich damals zur Nr. 5 sehr lange recherchiert und verglichen habe, auch mit dem Hartheu-Spanner. Es gibt da, soweit ich mich wie gesagt erinnere, schon Unterschiede und dies scheint ein anderer zu sein. Ich muss einmal in meinem Foto-Archiv nach den weiteren Fotos der Nr. 5 stöbern, ich glaube, ich habe die noch nicht gelöscht.


    Liebe Grüße


    Maria

  • Juni - Teil 3


    Dieses Altmühltal macht mich einfach nur noch glücklich :)

    Am 05.06. war wieder, trotz Hitze, so ein Tag. Man könnte ihn aber auch als "Fast-Tag" betiteln: fast erblüht, fast verblüht, fast erwischt (Schmetterlinge), fast übersehen, fast verdurstet, ... ;)


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    Die erste geöffnete Blüte des Roten Waldvögleins (Cephalanthera rubra) eine der prachtvollsten Orchideen die glücklicherweise hier zu finden sind. RL-Bayern 3


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    Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) Auch diese wunderschöne Orchidee ist hier anzutreffen. RL-Bayern 3


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    Den hier hätte ich fast für ein Blatt gehalten aber wie schön! Zum ersten Mal hatte ich einen Kleinen Weinschwärmer (Deilephila porcellus) gesehen :)

    Links ist übrigens die Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa)


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    Die Gewöhnlichen Kugelblumen (Globularia bisnagarica) waren nun fast alle verblüht. RL-Bayern 3


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    Fast scharf - einer der unglaublich zahlreichen Frühen Mohrenfalter.


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    Fast erblüht - Straußblütige Wucherblume (Tanacetum corymbosum) RL-Bayern V


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    Hübsch sieht der jedenfalls aus ;)


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    Heidespanner (Ematurga atomaria)


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    Fast erblüht - mit den Türkenbundlilien dauerte es aber noch ein wenig.


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    Zahlreiche Distelfalter (Vanessa cardui) - wenn die so dahinsegeln einfach nur schön


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    Gelbwürfeliger Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon)


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    Da war so viel Birngrün (Orthilia secunda) und ich freute mich auf die geöffneten Blüten.

    Wie alle Wintergrüngewächse lebt O. secunda übrigens in Symbiose mit einem Wurzelpilz. RL-Bayern V


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    Das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) war fast verblüht aber nachdem diese Orchidee hier ja massenhaft vorkommt fand ich schon noch "frische" Exemplare. RL-Bayern V


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    Dagegen fing dessen Blütezeit gerade erst an. Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)


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    Solche Rosen hatte ich vorher in der Natur, "mitten im Nichts", auch noch nicht gesehen. Bis dahin kannte ich die Hechtrose (Rosa glauca) nur als Kulturpflanze aber sie ist bei uns heimisch, gilt allerdings als gefährdet. RL-Bayern 3.


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    In die blühenden Gräser habe ich mich richtig verliebt und ein Freund half mir bei der Bestimmung. Die Aufrechte Trespe (Bromus erectus), in diesem Falle "leider" ungefährdet.


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    Die Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea) hatte ich an diesem Tag zum ersten Mal gesehen und mich so richtig darüber gefreut. Diese Sommerwurz duftet intensiv nach Nelken, hat keine grünen Blätter und ernährt sich parasitisch und ausschließlich vor allem von Labkräuter. RL-Bayern 3


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    Also ein Bläuling muss schon sein nachdem es da wieder gewimmelt hatte. Der Himmelblaue Bläuling (Polyommatus bellargus)


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    Immer wieder schön - das Rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia)
    Und hier gibt es wieder eine direkte Verbindung zu Pilzen. Ich kopiere dies der Einfachheit halber aus Wikipedia:
    "Die Wurzeln von P. rotundifolia sind, wie die der anderen Wintergrüngewächse auch, dicht mit Hyphen von Pilzen überzogen. Diese Pilzhyphen umspinnen auch die Rindenzellen der Pflanze, dringen in diese ein und werden dort verdaut. Dies stellt eine Zwischenform zwischen endotropher und ektotropher Mykorrhiza dar. Das Rundblättrige Wintergrün versorgt sich so zusätzlich mit Wasser, Mineralien und Eiweißen und liefert dem Pilz dafür u. a. Kohlenhydrate. Zur Keimung der Samen ist ebenfalls die Anwesenheit des Pilzes erforderlich."

    Ist dies nicht fantastisch und total faszinierend? (RL-Bayern 3)


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    Tja, die letzte halbe Stunde, kurz vorm verdursten bei dieser Hitze. lief ich dann nur noch solch einem imaginären Traumbild hinterher - war der Russ vielleicht gut :):):)


    Liebe Grüße


    Maria


    P.S.:
    Ich schreibe ja ganz bewusst den Status auf der Roten Liste dazu denn ist es nicht einfach erschreckend wie viele Pflanzen gefährdet (3) sind? Bei wie vielen Pflanzen ein V steht, also eine Vorwarnung ausgesprochen wurde? Und wenn man dann nachliest warum diese Pflanzen so gefährdet sind, so rückläufig sind, dann werden die Gründe, die eigentlich die immer Gleichen sind, sehr schnell klar - Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Verbuschung, Luftverschmutzung.

  • Juni - Teil 4


    Ein neuer Berg, "neue" und altbekannte Pflanzen, neue Herausforderungen ;)


    Diesen Berg werde ich mit Sicherheit öfter besuchen, so dachte ich mir damals ... u. a. Orchideen gab es da - Wahnsinn - und ein paar der restlichen, am 07.06. blühenden Pflanzen, die zumindest mir gefallen, nun nachfolgend.


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    Ein unbekanntes Terrain birgt Überraschungen. In glühender Hitze da hinauf "klettern" oder ...


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    ... lieber dem zugewachsenen Weg weiter folgen. Na, für was hättet ihr Euch entschieden?


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    Aber ... letztendlich lande ich dann doch irgendwie immer im Steinbruch.


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    In diesen eher lebensfeindlich anmutenden Habitaten gibt es erstaunlich viel Leben. Nachfolgend einige wenige Beispiele.

    Mauer-Doppelsame (Diplotaxis muralis). Diese Pflanze riecht nach faulen Eiern wenn man an ihr reibt. Ansonsten ist der Mauer-Doppelsame ein eher seltener und stark rückläufiger eingebürgerter Neophyt.


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    Man kommt sich vor wie auf einem anderen Planeten, selbst altbekannte Pflanzen erscheinen einem auf einmal fremdartig.

    Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium)


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    Natürlich gab es da nicht nur Pflanzen ... Distelfalter zum Beispiel.


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    Und dann entdeckt man an einem Seitenhang einen größtenteils kurz vor der Blüte stehenden Teppich aus Fetthennen.

    Ich werde wohl nie verstehen, bei aller Schönheit der Pflanzen, warum die Gartenabfälle einfach irgendwohin gekippt werden.

    Sedum floriferum 'Weihenstephaner Gold' oder anscheinend nun Phedimus ... auch bei den Pflanzen ändern sich die wissenschaftlichen Namen.


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    Den Frauenmantel im Steinbruch habe ich erst gar nicht versucht zu bestimmen.
    Die Bestimmung von Pflanzen ist manchmal nicht wirklich einfach. Nur einmal so als Beispiel: Zur Gattung Alchemilla (Frauenmantel) gehören weltweit mehr als 1000 Arten, in Europa sind rund 300 Arten heimisch, wobei die europäischen Arten in 13 Sektionen eingeteilt werde. Für Deutschland sind im Rothmaler 65 Arten aufgeführt. Und viele dieser Arten sind sehr ähnlich und sehr schwierig zu bestimmen - eine wirklich schwierige Gattung!


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    Nach diesen kurzen ersten Eindrücken ging es zurück durch den Wald.


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    Dies ist Purgier-Lein (Linum catharticum) der da so zart entlang und auf dem Weg wuchs und vermutlich wird der von den meisten Wanderern erst gar nicht gesehen.

    Immer wieder einmal kann man alleine durch den Namen einer Pflanze auf deren frühere Verwendung schließen. Der Purgier-Lein wurde früher unter anderem als Abführmittel verwendet. Seit entdeckt wurde, dass der Bitterstoff Linin bzw. Linarin leicht giftig ist, wird die Pflanze, außer in der Homöopathie, nicht mehr verwendet.
    Der heimische, geschützte, Purgier-Lein
    kommt überall vor, ist aber rückläufig, in einigen Bundesländer steht er auf den RL mit V oder 3.


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    Mir hingegen ist anscheinend bisher entgangen wie häufig dieser Rosenrost ist.


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    Wie schon erwähnt, der ganze Berg stand von oben bis unten voll mit den verschiedensten Orchideen. Geblüht hatten an diesem Tag die zahlreichen Waldhyazinthen. Hier die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). RL-Bayern 3


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    Und hier wollte ich eigentlich den Hügel-Klee (Trifolium alpestre) fotografieren doch dann war da dieser süße kleine Pinselkäfer.


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    Wohin man sah ein Meer aus Blüten. Hier zum Beispiel der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) und Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum).
    Beide Pflanzen sind bei uns heimisch stehen aber auf der RL-Bayern mit V, der Blut-Storchschnabel tentiert zudem stark zu RL3, ist also gefährdet.



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    Weniger spektakulär anzusehen sind solche Pflanzen, für mich aber mindestens genauso spektakulär.

    Berg-Leinblatt bzw. Bayerisches Leinblatt (Thesium bavarum) RL-Bayern 3



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    Und irgendwann ist man dann wieder an der Altmühl - den diversen Libellen könnte ich stundenlang zusehen.

    Blaue Federlibellen (Platycnemis pennipes)


    Nach solchen kleinen Touren komme ich dann durchglüht nach Hause zurück. Durchglüht von der Hitze die ja in den Steinbrüchen noch wesentlich intensiver ist, durchglüht aber auch von der Begeisterung und der Sprachlosigkeit über diese Wahnsinns Natur hier.


    Liebe Grüße


    Maria

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